02.07.2020

 

Das große Bulli-Abenteuer. Mit 44 PS von Istanbul ans Nordkap. Von Peter Gebhard

 

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“, so schrieb der Mitte des 18. Jahrhundert geborene deutsche Dichter Matthias Claudius. Zu seinen Zeiten war das Reisen ein großes Abenteuer, es gab unbekannte Kulturen, Düfte, Riten, Traditionen und Landschaften fremder Länder zu erleben. Heute bedeutet Reisen oft, dass man zum nächsten Flughafen fährt, sich in einen modernen Urlaubsflieger setzt und wenige Stunden an einem überfüllten Strand in der Sonne brät.

 

Der Paderborner Fotograf Peter Gebhard suchte hingegen das Abenteuer und durchquerte unseren Kontinent abseits der Touristenhochburgen. Für die Reise nutzte er einen 1975, in Brasilien gebauten, rot/weißen VW T1-Fensterbus. Los ging die Reise im türkischen Istanbul, direkt am Rande zu Asien. Von dort führte die Reise mit einem Abstecher zum griechischen Berg Athos, auf albanischen Schotterstraßen und durch das noch heute mit den Spuren des Jugoslawienkrieges gezeichneten Sarajevo. Weiter ging es über das italienische Triest weiter in die österreichischen Alpen mit dem heute bei Asiaten besonders beliebten Dörfchen Hallstatt, über das bayrische Städtchen Burghausen weiter nach Prag, vom ehemaligen Gut Geisendorf am Rande einen Braunkohletagebaus über Berlin in die wunderschöne Speicherstadt Hamburgs. Mit der Fähre ging es nach dem Drachenfest am Strand von Rømø weiter zu den schwedischen „Reggare“ mit ihrem Faible für amerikanische Straßenkreuzer. Nach der atemberaubenden Fjordwelt Nordnorwegens und 14.989 Kilometern und 99 Tagen war Peter Gebhardt schließlich am Ziel: Dem Nordkap.

 

Briiliante Fotos, teils unter Nutzung einer Drohne, faszinieren auf den 192 Seiten des großformatigen Buches. Gebhard trifft den griechischen Mönch Theodosius, die junge Albanerin Josefina, die sich die deutsche Sprache durch Fernsehsendungen selbst beigebracht hat, den kroatischen W Käfer-Fan und Musiker Tonči, die tschechischen Brauer Jan und Bohuslav oder den Schweden Jonny mit seiner 73er Dodge Challenger. Er ist bei einem Fest der Sorben in der Lausitz dabei und trifft in Berlin den Zeitzeugen Walter Frankenstein, der als Deutscher jüdischen Glaubens den Naziterror überlebte.  Und er trifft auf unberührte und grandiose Landschaften auf seiner Reise vom Süden Europas in den hohen Norden. Und immer wieder taucht der schöne alte VW Bulli als Kontrastpunkt in den Bildern auf. Ein schönes Zitat über die Fahrt von Österreich ins deutsche Burghausen, von dem ich nicht weiß, ob er es auch so gemeint hat, wie ich es auslege: „Wir lassen Braunau rechts liegen und fahren….“ Braunau sollte man rechts liegen lassen, aber ganz weit rechts.

 

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“ – Peter Gebhard hat viel zu erzählen und sein Reisebericht auf dieser Abenteuerreise begeistert von der ersten bis zur letzten Seite. Er nimmt uns mit auf eine Reise durch unseren facettenreichen Kontinent, bei der wir viel von den unterschiedlichen Menschen und ihre ebenso vielfältigen Lebensweisen kennenlernen. Der schöne, alte VW Bulli auf dem Cover hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht, aber auch wenn er auf vielen Bildern auftaucht – die Geschichten sind es vor allem, die dieses Buch zu einem Highlight machen.

 

„Das große Bulli-Abenteuer“ ist 2016 im Verlag Frederking & Thaler erschienen und kostet 40,00 Euro. ISBN-13: 9783954162086. Es hat die Abmessungen 289 x 247 x25 mm, wiegt 1598g.

 

 

Zum Schluss noch ein paar Infos zum Autor: Peter Gebhard ist Diplom-Fotodesigner und hat zahlreiche Bücher mit den Schwerpunkten Südamerika und Nordeuropa publiziert. Seine Fotos erscheinen unter anderem in GEO, stern und View. Nach seinem großen Langzeitprojekt „Panamericana“ mit dem gleichnamigen großformatigen Bildband entstanden TV-Produktionen mit Voxtours, 3sat und dem WDR. Das Magazin GEO honorierte seine Arbeit als „Portfolio des Monats“. Peter Gebhard gehört zu den renommiertesten Vortragsreferenten Deutschlands. 

15.03.2020

 

"MOTORLEGENDEN - JAMES BOND"

 

James Bond „007“ – der fiktive Geheimagent des britischen MI6 ist eine einzigartige Kinolegende. Verkörpert wurde er in den bisherigen 24 Filmen der Reihe von Sean Connery (6 x), George Lazenby (1 x), Roger Moore (7 x), Timothy Dalton (2 x), Pierce Brosnan (4 x) und Daniel Craig (4 x), der auch im neuen Film „Keine Zeit zu sterben“ zu sehen ist. Zusätzlich und außerhalb der offiziellen Reihe war Sean Connery 1983 in „Sag niemals nie“ zu sehen. Neben den James-Bond-Darstellern gab es aber in jedem Film einen weiteren Star. Nein, ich meine nicht die zumeist sehr attraktiven Bond-Girls, die regelmäßig dem charismatischen Agenten verfallen – ich meine die Dienstwagen von 007.

 

Diesen Fahrzeugen widmet sich der Filmjournalist, Buchautor und 007-Kenner Siegfried Tesche im Buch „MOTOR LEGENDEN – JAMES BOND“, erschienen im Motorbuch Verlag. Vorgestellt werden nicht nur der legendäre Aston Martin DB5, sondern natürlich auch der Lotus Esprit, der als „U-Boot“ in „Der Spion, der mich liebte“ im Einsatz war, der gelbe Citroen 2CV aus „In tödlicher Mission“ oder das einmalige Toyota 2000 GT Cabrio, dass in „Man lebt nur zweimal“ zu sehen war. Beschrieben wird detailliert, wie der legendäre Stunt aus „Der Mann mit dem goldenen Colt“ zustande kam, bei dem Bond mit sich mit einem AMC Hornet X Hatchback“ über eine zerstörte Brücke katapultierte. Natürlich fehlen auch nicht der Aston Martin V8 Vantage „Lizenz zum Töten“, der Aston Martin DB10 („Spectre“), der BMW 750iL („“Der Morgen stirbt nie“), der Moon Buggy („Diamantenfieber“) und der Sunbeam Alpine Serie 2 aus dem ersten James-Bond-Film „James Bond – 007 jagt Dr. No“.

 

Beschrieben werden nicht nur die Fahrzeuge. Erzählt wird, wie es zum Einsatz dieser Modelle kam. Ihre speziellen, vom genialen „Q“ eingefügten Sonderausstattungen werden vorgestellt und der spätere Verbleib fehlt auch nicht. Die technischen Daten fehlen selbstverständlich auch nicht. Dass nicht ein oder zwei Fahrzeuge bei den Dreharbeiten zum Einsatz kamen, sondern dass mehrere Fahrzeuge genutzt wurden, dass zum Teil Modelle in kleineren Maßstäbe Verwendung fanden oder dass für den neuen Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ gleich zehn DB5-Replikas gebaut wurden, erfährt der Leser ebenfalls.

 

Neben den Fahrzeugbeschreibungen gibt es auch Portraits des Autos Ian Flemming, der einzelnen 007-Darsteller und des „Quartermasters Store“, besser unter „Q“ bekannt. Die Bezeichnung für die Nachschubeinheit ging recht schnell auf eine Person über, den in den Filmen auftauchenden Waffenexperten „Q“, in 17 Filmen gespielt von Desmond Llewelyn, anschließend zweimal von John Cleese und seit Skyfall (2012) von Ben Whishaw. Ausführlich erwähnt werden auch zahlreiche Dialoge zwischen „007“ und „Q“ wie z.B. „Ihr neuer BMW 750 mit all den üblichen Extras: Maschinengewehre, Raketenwerfer, das GPS-Navigationssystem. Ich dachte, Sie würden vielleicht eher auf eine Frauenstimme hören.“ „Die kommt mir bekannt vor.“ „Ich interessiere mich nicht für ihre unanständigen Eskapaden“. Oder das Zitat „Ich glaube, ich sagte, bringen sie ihn in einem Stück zurück, nicht bringen Sie ein Stück zurück.“

 

Es folgen einzelne Beschreibungen von Szenen, in denen Bond die Wagen einsetzte. Beispielsweise den DB5 am Furkapass, als er in „Goldfinger“ mit einem Q-Gimmick den Reifen eines Ford Mustangs aufschlitzte oder mit dem Lotus Esprit in „Der Spion, der mich liebte“ auf Sardinien abtauchte. Abgerundet wird das Buch mit einem kurzen Kapitel über verschiedene Stuntmen, die die 007 doubelten.

 

 

Das Buch hat 240 Seiten mit 180 Abbildungen und jede Seite bietet interessante Informationen, die nicht nur einen 007-Fan wie mich fesseln dürften. Das Buch ist im Motorbuch Verlag erschienen, kostet 29,90 Euro und ist 2020 in der 1. Auflage erschienen. Format: 170 x 225 mm, ISBN: 978-3-613-04261-2.

13.01.2020

 

Lebensgefühl Auto

 

Beim Stöbern in meinem Lieblingsbuchgeschäft in Osnabrück, Bücher Wenner, fiel mir ein dicker Wälzer ins Auge. „Lebensgefühl Auto. Die visuelle Geschichte des Fahrens“ lautet der Titel. Wieder ein Buch, dass die üblichen Fahrzeuge und die üblichen Fotos mit mehr oder weniger Informationen versorgt wie diverse Machwerke über sog. „Kultautos“? Ein Anschauobjekt lag offen und da ich ein wenig Zeit hatte, nahm ich mir das Werk und setzte mich.

 

Das Buch zeigt die Entwicklung des Automobils in chronologisch sortierten Kapiteln. Vorgestellt werden die ersten Entwicklungen von der Erfindung zu den ersten Varianten des Antriebs. Benzinmotor, Elektromotor, Dampfmobil? – Am Anfang war die Richtung noch nicht klar, vieles wurde ausprobiert. Aber nicht nur Motorvarianten werden beschrieben, eine Seite widmet sich der Beleuchtung. Kerze, Karbon, schließlich die Elektrizität, die für Sicht im Dunkeln sorgte.

 

Ob neue Entwicklungen im Fahrzeugbau, der Rennsport und das Automobil im Alltag, das Aufkommen von Tankstellen und später auch von Parkhäusern, die ersten Verkehrsregeln, Werbung oder Irrungen und Wirrungen – die Vielfalt der Themen, meist jedoch nur angeschnitten, ist breit gefächert. Der Blick in die Kulturgeschichte des Automobils endet mit einem Blick in dessen Zukunft und einige beeindruckende Routen weltweit werden vorgestellt.

 

Fazit: Der Kauf des Buches lohnt sich. Nicht nur die üblichen chronologischen Themen werden kompakt aufbereitet, es wird abseits der unmittelbaren Entwicklung des Automobils auch das „Drumherum“ beleuchtet wie z.B. das Aufkommen von Ampeln, Parkuhren, etc.

 

Die einzelnen Kapitel auf einen Blick: 


• Erfindung des Autos (1885–1905). 

• Geburt einer Industrie (1906–1925). 

• Tempo, Kraft & Stil (1926–1935). 

• Reifejahre des Autos (1936–1945). 

• Eine neue Welt (1946–1960). 

• Technik & Sicherheit (1961–1980). 

• Zeiten des Wandels (1981–2000). 

• Fahrt in die Zukunft (2001–heute). 

• Schöne Routen. 

 

 

 

Das Buch „Lebensgefühl Auto. Die visuelle Geschichte des Fahrens“ ist im August 2019 im Dorling Kindersley Verlag erschienen. 360 Seiten, 260 x 308 mm, fester Einband (mit Folienprägung). Mit über 700 farbigen Fotos und Illustrationen. Preis: 39,95 Euro. ISBN 978-3-8310-3791-9