Bombenstimmung in Essen


Die Techno Classica Essen war 2014 etwas ganz Besonderes. Es ging schon damit los, dass meine Kollegen in NRW mit einem (berechtigten) Warnstreik zu Beginn der Techno Classica das Ruhrgebiet lahm legten. Damit fuhren keine S-/U-Bahnen oder öffentlichen Busse. Von der SIHA erhielt ich am Dienstag abend noch kurzfristig die Info, dass Shuttle-Busse ab Hauptbahnhof eingesetzt werden würden. Also war die reibungslose Fahrt nach Essen und abends zurück nach Osnabrück kein Problem. Zumindest dachten wir dies noch morgens, als wir uns mit elf Oldtimerfreunden am Bahnhof in Hasbergen trafen.


Der Hinweg stellte – bis auf eine kleine Verzögerung auf der Strecke wegen „Vandalismus an der Oberleitung“ – kein Problem dar. In Essen abgekommen brachten uns die Shuttle-Busse innerhalb weniger Minuten zum Messegelände. Wir verabredeten noch, wann wir uns am Ausgang wieder treffen wollten und ab ging es in die „heiligen Hallen“. Um ja nichts zu verpassen, hatte ich einen genauen Plan, in welcher Reihenfolge ich die Hallen durchwandern wollte. Meinem Rundgang könnt ihr nun folgen, zunächst mit ein wenig textlichen, anschließend zahlreichen visuellen Eindrücken. Für jede Halle gibt es diesmal eine gesonderte Galerie. Wenn ihr hier dann fertig seit, dann geht es auf www.oldtimerfreunde-wittlage.de weiter, der Seite von Jens Strebe und seinen Oldtimerfreunden aus dem Altkreis Wittlage im Osnabrücker Land.

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Als Erstes ging es hinab in den Keller, die die Halle 1A. Hier sind in der Regel Fahrzeuge mit hubraumstarken Motoren zu finden – die LKW-Oldtimer und vor allem die amerikanischen Straßenkreuzer. Von Lastern war aber – sehr zum Leidwesen von Martin K. – nichts zu finden. An gewohnter Stelle standen mehrere Ford Thunderbirds. Wie schon im Vorjahr fehlten leider auch wieder die tollen Buicks der 50’er Jahre, aber dafür gab es andere interessante US-Cars. Weiter ging es mit der bekannten Mischung aus klassischem Motorsport, ebenso klassischen Bundeswehrfahrzeugen und zahlreichen Verkaufsangeboten.

Nach den ersten Eindrücken, bei denen für mich die „Amerikaner“ deutlich im Vordergrund standen, ging es hinauf in die Halle 1. Hier waren die Erwartungen sehr hoch, denn im Vorfeld waren weit über 30 Sport- und Rennwagen von Mercedes-Benz angekündigt worden. „120 Jahre Motorsport“ war die Devise und die Stuttgarter ließen es wirklich krachen. Dieser „Stand“ der Marke mit dem Stern stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten. Wie in einem Setzkasten wurden die bedeutendsten Rennfahrzeuge der Mercedes-Geschichte präsentiert. Den historischen Beginn markierte ein Mercedes Simplex aus dem Jahr 1902, der seinerzeit mit einem Vierzylinder-Reihenmotor mit 6.562 ccm Hubraum und 40 PS über die staubigen Rennstrecken raste. 112 km/h war die Höchstgeschwindigkeit dieses Rennwagens. Doppelt soviel Leistung hatte der Benz „Prinz-Heinrich“-Spezialtourenwagen von 1910. 80 PS holte er aus dem 5.715 ccm großen Reihen-Vierzylinder und erreichte damit eine Spitzengeschwindigkeit von 126 km/h. Den ersten Dreifachsieg der Geschichte für Mercedes gab es vier Jahre später – beim Großen Preis von Frankreich in Lyon. Ein solcher Mercedes Grand-Prix-Rennwagen stand ebenfalls auf der Techno Classica. Mittlerweile reichten 4.483 ccm für 106 PS, die Höchstgeschwindigkeit betrug mittlerweile 180 km/h. Dann wurde es silbern. Es folgten der Mercedes-Benz W 25 aus dem Jahr 1936, der W 125 von 1937, der W 194 (300 SL) von 1952, der W 196 R (1954), der W 196 S (300 SLR) von 1955, zahlreiche Formel 1-Fahrzeuge bis in die heutige Zeit, der 220 SE „Heckflosse“, mit dem 1960 die Rallye-Europameisterschaft gewonnen wurde, oder der 450 SLC, mit dem 1978 ein Fünffachsieg bei der Marathon-Rallye quer durch Südamerika gelang. Außerdem standen aufgereiht mehrere DTM-Fahrzeuge, der legendäre 300 SL-Renntransporter und Race Trucks. Mercedes-Benz hat den Stand nach dem Motto „klotzen nicht kleckern“ gestaltet und es hat sich gelohnt.


Natürlich gab es auch wieder zahlreiche Mercedes-Clubs um den Werksstand, darunter drei schöne Nachkrieg-170’er Jahre und zwei ebenso schöne 190 SL.


Dazu gesellten sich die Firmen Kienle mit mehreren 300 SL-Flügeltürern und –Roadstern, die Firma Brabus und andere Mercedes-Spezialisten. Der schweizerische Klassikerhändler Lukas Hüni war auch wieder an gewohnter Stelle vertreten, diesmal mit einem nicht ganz so spektakulären Angebot. Außerdem war unübersehbar der rote Doppeldeckerbus der OLDTIMER MARKT in der Halle 1.

Weiter ging es in die Halle 3. Auch Volvo hatte den Motorsport zum Thema „Volvo at Speed“ gemacht. Von den sechs Fahrzeugen waren aber nur der PV 544 (Sieger der Safari Rallye Afrika 1966) und der Amazon Recreation (Sieger Rallye Akropolis) „mein Ding“. Alfa Romeo hatte ebenfalls einige Vorkriegsrennwagen ausgestellt und das Thema „60 Jahre Giulietta“. Natürlich wurden auch die passenden Neuwagen präsentiert, aber auch zwei schöne alte Giulietta: Eine 1955’er Giulitta „berlina“ sowie einen Giulietta Spider Amerika Prototyp, Karosserie Pinin Farina, ebenfalls aus dem Jahr 1955. Maserati und Ferrari hatten natürlich ebenso wie Aston Martin atemberaubende Sportwagen auf ihren Ständen und Porsche Salzburg zahlreiche 911er Porsche. Mit großen Erwartungen war man natürlich auf die große Jubiläumsschau „100 Jahre Maserati“ gespannt. Sie beschränkte sich auf drei Highlights, ein weißer Khamsin, ein roter Birdcage Tipo 61 und ein gelbes Ghibli Coupé. Bei Ford gab es gleich mehrere Themen. „50 Jahre Ford Mustang“ und „seltene Coupés und Cabriolets“. Besonders das zweite Thema hatte wirklich einige Raritäten zu bieten. Mir gefielen besonders das Taunus 20M TS Hardtop Coupé (Bj. 1965), das Taunus 20M Deutsch-Cabriolet (1964-67), das Model A Roadster de Luxe (1927-32), das Ford Köln Cabriolet (1932-35), der Eifel Gläser-Roadster (Bj. 1937), der Ford V8 Roadster de Luxe aus dem Jahr 1934 und das Taunus Deutsch-Cabriolet „Buckeltaunus“ von 1952. Außerdem war in der Halle 3 das Team der MOTOR KLASSIK zu finden.

In Halle 2 ist traditionell Opel zu finden. Auch hier gab es ein Jubiläum zu feiern: „50 Jahre K-A-D, Oberklasse-Fahrzeuge von 1964-77“. Besonders mit den großen Diplomat V8-Modellen brauchte Opel sich nicht hinter den dicken Mercedes-Modellen verstecken. Blickfang waren neben mehreren anderen Fahrzeugen ein Diplomat B V8 Langversion von 1976 und eines von vier bei Karmann in Osnabrück gebauten Diplomat B 2.8 E Cabriolets von 1971. In den letzten Jahren zeigt sich immer wieder, was für großartige Automobile Opel in der Vergangenheit gebaut hat (und auch heute wieder baut). Auch Jaguar war in diesem Jahr mit einem etwas größeren Stand vertreten. In typischem „british racing green“ waren ein C-Type von 1953, ein 1954’er Jaguar D-Type, ein E-Type S3 V12 Cabriolet und der Le-Mans-Sieger XJR-9 von 1988 zu sehen.

Peugeot und Citroen stellten wieder in der kleinen Halle 4 aus. Bei den „Löwen aus Sochaux“ standen sportliche Coupés im Mittelpunkt, die schönste Version war das 404 Coupé Super Luxe aus dem Jahr 1967, für das Pininfarina verantwortlich zeichnete. Citroen hatte eine Mehire, eine 2CV A Limousine (1950) und einen Typ C3-Cabriolet, Bj. 1922, ausgestellt, letzteres Fahrzeug natürlich in zitronengelb.

Nun ging es in die Halle 7. Diese wurde in den letzten Jahren komplett vom Volkswagen-Konzern belegt und so war es auch in diesem Jahr. Beim Eintreten fiel gleich der Gemeinschaftsstand von Bentley und Bugatti äußerst unangenehm auf. Hier hatte jemand das Thema der Messe, „weltgrößte Oldtimer-Messe"“, gründlich missverstanden. Ein Bentley Speed Six „Old No. I“ von 1929 parkte einsam zwischen drei nagelneuen Bugatti und zwei ebenso neuen Bentley-Sportwagen. Was diese Nummer sollte, wissen vermutlich die Verantwortlichen der beiden Konzerntöchter nicht.


Bei Porsche drehte sich alles um das Thema „930 turbo“. Besonders gut gefiel mir aber das 356 Cabriolet. Volkswagen selbst hatte das Thema „Übergang luftgekühlte Monokultur zu Modellvielfalt“. Hier waren verschiedene Paarungen zusammengestellt, so z.B. ein Käfer Cabriolet aus dem Jahr 1960 neben ein „Erdbeerkörbchen“, pardon, ich meinte natürlich das Golf I Cabriolet (1980). Ein Karmann Ghia Typ 14 Coupé (1966) stand neben einem Scirocco I TS (1976), ein 1302 S (1972) neben einem Golf I LX (1983), ein 1200 Standart (1956) neben einem frühen Polo. Der 1973’er Typ 3 1600 L Variant parkte neben einem Passat Variant aus dem Jahr 1974 und ein Rallye-Käfer neben einem Rallye-Scirooco I (1975). Unter dem Motto „Wild Boys“ standen ein Reihe Käfer. Angefangen beim „Mille Miglia“-Ovalkäfer aus dem Jahr 1956 über „Herbie“, dem legendären Filmkäfer (1960), einen 1302 S Rallye „Salzburg“ (1971) und einem 1302 „Theo Decker“ (1972) bis zum 1303 S „Gelb-Schwarzer Renner“ von 1973. Dazu stellte VW noch einen New Beetle 3.2 RSi (2000) und einen E-Bugster (2012). Vielen Dank an dieser Stelle an den VW-Fotografen für das Foto von mir neben dem "Mille Miglia"-Ovali. Ein nette Aktion, über die sich sicher auch viele andere Besucher gefreut haben. Das Jubiläum „50 Jahre Golf“ wurde durch einen einsamen Golf I aus dem Jahr 1975 repräsentiert.


Bei Audi fielen mir besonders vier Fahrzeuge auf. Zum einen war es der schon auf früheren Messen gezeigte gelbe Audi 14/35 PS, Typ C „Alpensieger“ von 1919. Der DKW Hartmann Formel Junior-Rennwagen stammte aus dem Jahr 1961 und hatte als Antrieb den Dreizylinder-Zweitakter aus dem Auto Union 1000 S. Wunderschön war auch der Wanderer Stromlinie Spezial, ein 2003 angefertigter Nachbau des Roadsters von 1938. Die drei Originalfahrzeuge von 1938 gelten als verschollen. Audi Tradition ließ diese drei Sportwagen auf originalen Fahrgestellen und unter Verwendung originaler Motoren 2003 wieder aufbauen. Ebenfalls ein Nachbau war der Auto Union Grand Prix Rennwagen Typ A. Das Original stammte aus dem Jahr 1934 und wurde 1998 neu aufgebaut. Neben diesen Fahrzeugen "parkten" u.a. ein Audi 90 quattro IMSA sowie zwei neue Le Mans-Rennwagen.


Skoda hatte ebenfalls wieder einen weitläufigen Stand, auf dem zahleiche Meilensteine aus der Geschichte der tschechischen Marke gezeigt wurden. Die ersten Fahrzeuge firmierten noch unter „Laurin & Klement“ (Voiturette A, Bj. 1905-07; Typ „S“, Bj. 1911-25; Typ „110“, Bj. 1925-29), später unter Skoda (420 Popular, Bj. 1934-38; 1200, Bj. 1952-56; 440 Octavia, Bj. 1955-64). Außerdem wurden drei Motorräder gezeigt, u.a. aus dem Jahr 1902 und 1905.


Seat hatte einen uninspirierten Stand und „feierte“ das Jubiläum „30 Jahre Ibiza“, Lamborghini zeigte zum wiederholten Male einen 350 GT(1964-66), aber auch einen Jalpa 350 (Bauzeit 1981-88).

Höhepunkt für viele Besucher der Techno Classica ist die Halle 6 mit dem imposanten Gebäude der S.I.H.A. Hier spielt im wahrsten Sinne des Wortes die Musik, in diesem Fall die „Jazz Corp.“. Um das Gebäude herum spielte Zagato die Hauptrolle. Anlässlich des Jubiläums „95 Jahre Zagato“ wurden ausgewählte Exponate von Zagato-karossierten Sportwagen der Marken Alfa Romeo, Aston Martin, Ferrari, Lancia und Maserati gezeigt.


Außerdem gibt es in der Halle 6 die schönsten hochpreisigen Klassiker überhaupt. Bei Movendi waren diese ebenso zu finden wie auf dem Stand des Oldtimer Center Osnabrück, auf dem Hubertus Menke alleine vier wunderschöne Horch-Cabriolets anbot. Wenn man gut gespart hatte, war vielleicht auch der schöne Bugatti Typ 13 Brescia möglich oder der herrliche Maserati A6G2000 Frua Spider von 1956. Sehr schön war auch der seltene Röhr 8 RA, ein Limousinen-Kabriolet von Autenrieth aus dem Jahr 1931. Nur 390 kg wog die Karosserie des Nardi-Danese „Boby Sport“ aus dem Jahr 1947, eine kleine Barchetta mit einem 750 ccm-BMW-Boxermotor. 175.000 Euro sollte das kleine Vergnügen kosten.

Durch die Hallen 11 und 10 ging es weiter. Auch hier gab es ein großes Angebot Klassiker für jeden prallgefüllten Geldbeutel. Bei E. Thiesen gab es u.a. einen der seltenen Adler Trumpf Junior Sport Roadster von 1934, einen Ferrari 225S Vignale Berlinetta (1952), ein sehr schönes Porsche 356A 1600 Convertible D (1959), dass schon am Donnerstag mittag verkauft war, oder einen herrlichen Alfa Romeo 8C 2900B Touring Spider von 1938. Eng an eng standen hier und bei anderen Händlern zahlreiche Jaguar E-Type, Porsche 356, ein schicker Mercedes-Benz 170 Roadster (1933) und ein 200 B Cabriolet (W21/Bj. 1933), ein IFA Luxus F8 Export (1952), ein Bugatti Typ 38 Tourer (1927) oder ein Jaguar XK 120 Coupé (1953), letzteres auch bereits verkauft. Das Angebot war (fast) grenzenlos, das vorhandene Geld auf dem Konto leider nicht.

Die Halle 12 „gehört“ wie immer BMW und seinen Marken Mini und Rolls-Royce. Bei der britischen Nobelmarke parkte wie gewohnt ein Klassiker (Silver Wraith Longer Wheelbase, built by Park Eard & Co. Ltd., Bj. 1953) neben einem Neuwagen. Mini hatte ein ganze Palette bunter Minis nebeneinander gestellt („viele viele bunte Smarties“), was recht nett anzusehen war. Das Motto von BMW hieß in diesem Jahr „90 Jahre Titel und Meisterschaften“ und „Leichtbau“. So waren eine Isetta 250 Standart, ein BMW 600, eine Glas Goggomobil T 250 Limousine und ein BMW 3/15 PS DA 3 Typ Wartburg (Bj. 1930) ebenso zu sehen (zu welchem der beiden Motti gehörten sie?) wie eine Replica eines BMW 328 Touring Coupés. Warum man nicht das Original des MM-Coupés zeigte, ist nicht nachvollziehbar. Vielleicht weil man das Original schon auf der Techno Classica stehen hatte? Dann gab es ein 3.0 CSL Rennsport-Coupé zu sehen, einen 1800 TI/SA Renn-Tourenwagen, einen 1502, einen 2002 turbo, einen 2.5 CS und weitere moderner BMW-Modelle. Ein wenig abgetrennt, aber auch noch in der Halle 12, war dann Klassiker-Händler Mirbach zu sehen, u.a. mit einer tollen Chevrolet Corvette C1 von 1954 (aus meiner Sicht die schönste Corvette-Version überhaupt) und einem raren Glöckler-Porsche Coupé mit Fuhrmann-Motor.

Dann ging es hinauf in das Obergeschoss, sprich in die Hallen 9.1, 8.1, 7.1 und 6.1. Genauer gesagt – es ging zu den vielen Clubs, die für viele Besucher das „Salz in der Suppe“ sind. „60 Jahre Hydro-Culture“ hieß es auf der „Citroen-Straße“, dabei waren u.a. ein Traction Avant 15-Six H „Oleo“ (1954-55), ein M35 (1969-1971), von dem 267 Testexemplare gebaut wurden und die über einen Wankelmotor verfügten sowie ein HY (Bj. 1972). Die Fiat 600-Freunde hatten das Motto „Gelati“ und einen überdimensionalen Eisstand gebaut. Den mit Abstand schönsten Stand aber hatte das „Fuselforum“. Drei für Originalitätsfanatiker höchst zweifelhafte Fahrzeuge parkten in einem herrlich kitschigen Wohnzimmer der Fünfziger Jahre, bei dem auch das Bild mit dem „Röhrenden Hirsch“ nicht fehlte. Wenn die Jungs und Mädels nicht den Preis für den besten Clubstand bekommen, dann überlege ich mir, die Entscheidung anzufechten. Auch der Stand der Borgward IG mit einer Tankstelle und einem Original Borgward-Tanklaster (Halle 2) war für mich nur Anwärter für Platz 2. Außerdem tummelten sich hier die VW-Clubs (leider weniger als früher), die Audi-Clubs, Trabant- und Wartburg-Freunde, Isetta-Club und Opel-Museum, BMW 700-Club, die Queerlenker (die auch durchaus verständlich die Gelegenheit nutzten, auf die Bedingungen Schwuler und Lesben in verschiedenen Ländern hinwiesen) und zahlreiche Verkäufer verschiedenster Klassiker in ebenso verschiedenen Zuständen. Da die Clubs mittlerweile fast ausschließlich sich auf die Obergeschoss-Hallen und das Kellergeschoss 1A beschränken und sich den Platz auch noch mit Fahrzeug-Verkäufern teilen müssen, nimmt die Zahl der Clubstände immer mehr ab. Ein Trend, der seit Jahren erkennbar ist und absolut negativ ist. Aber Händler und Werke zahlen mehr und so müssen diejenigen weichen, die eigentlich die Oldtimer-Szene prägen. Hoffentlich findet mal ein Umdenken beim Veranstalter ein, bevor irgendwann keine Clubs mehr kommen.

Angesichts des sonnigen Wetters und frühlingshafter Temperaturen war auch reges Treiben auf den Freigeländen. Hier wurden alle möglichen Klassiker angeboten, überwiegend aus den Siebziger und Achtziger Jahren. Wirklich Highlights (aus meiner Sicht) waren dort nicht zu finden. Hervorzuheben waren der kleine DKW Schnelllaster oder der Chevrolet Fleetline, der sicher nicht jederman’s Sache ist. Wenn wir dann noch den Borgward B611 mitgenommen hätten, wäre im nächsten die Fahrt unserer "Reisegruppe" unabhängig von jedem Streik gewesen. Okay, im Stau kann man damit auch stecken bleiben. Aber zumindest hätten wir ein sehr seltenes Auto gehabt. Gegen den Borgward-Bus gehört ein Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer ja schon zur Massenware.

Soweit die diesmal etwas umfangreicher geratenen persönlichen Eindrücke der Techno Classica 2014. Um 17.45 Uhr traf sich unsere Truppe am Ausgang, um mit dem Shuttle-Bus wieder zurück zum Hauptbahnhof zu fahren. Doch nun begann ein „Rahmenprogramm“, das wir so nicht eingeplant hatten. Es war auf jeden Fall eine „bombige Sache“. Nachdem wir den „Sammelpunkt“ am Ausgang Ost gefunden hatten und uns zu der schon wartenden Menschenmenge gesellten, kam die Durchsage „Aufgrund einer Bombenentschärfung sind weite Teile der Innenstadt von Essen evakuiert. Es fahren keine Shuttle-Busse“. Suuuuper Information. In 44 Minuten fuhr der Zug am Hauptbahnhof. Kurz überlegt und dann machten wir uns unter Umgehung des Sperrgebiets auf den Weg zum Bahnhof. Während wir gut vorankamen, standen neben uns die Autos auf den Straßen. Streik, keine öffentlichen Verkehrsmittel, Feierabendverkehr, Sperren wegen der Bombenentschärfung – der Verkehr in Essen stand. Wir nicht. Trotz stundenlangen Latschens auf der Messe legten wir die gut drei Kilometer locker zurück und kamen fünf Minuten vor Abfahrt des Zuges an und kaperten diesen. Perfektes Timing. Pünktlich fuhr der Zug los. Irgendwo bei Dülmen hielt er jedoch. Wieder eine nette Ansage: „Aufgrund von Vandalismus kommt es zu einer Verzögerung von ca. 10 Minuten.“ Okay, wir hatten in Münster 15 Minuten zum Umsteigen. Nach ca. 20 Minuten ging es dann weiter. Die nun entstandene Wartezeit auf den nächsten Zug, der eine knappe Stunde später fuhr, nutzten wir in einer nahegelegenen Gaststätte, um unseren Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Pünktlich um 21.03 Uhr saßen wir in der Westfalenbahn gen Münster. Wir saßen, der Zug stand. Warum auch immer. Die weitere Zwangspause hätte locker für ein Glas Weizen gereicht, dann setzte sich der Zug doch noch in Bewegung. Mit ein „wenig“ Verspätung kamen wir am Bahnhof in Hasbergen wieder an. Fazit: Essen ist auch in diesem Jahr wieder eine Reise wert gewesen und diesmal gab es auch ein bombiges Rahmenprogramm. Wir hatten trotz allem unseren Spaß und der Urlaub für den Donnerstag der Techno Classica Essen ist – zumindest bei mir – auch schon genehmigt worden.