Abenteuer in Hamburg

Bella Italia – halb Italien auf einen Blick erhält man nur in Hamburg; genauer gesagt im Miniatur Wunderland in der Speicherstadt. Schön länger hatten wir unserer Tochter versprochen, ihr Hamburg zu zeigen und im Rahmen dessen auch das sensationelle Miniatur Wunderland. Ein netter Ausflug mit der Bahn war geplant, morgens hin und abends wieder zurück. Doch dieser kleine Hamburg-Ausflug entwickelte sich zu einem wahren Abenteuer...

Nach einer entspannten Bahnfahrt kamen wir mittags in der Hansestadt an. Passend mit dem Verlassen des Bahnhofs fing es an zu regnen und zu stürmen. Also erst einmal hinein in das Hamburger Rathaus. Nach einer guten Stunde verschwanden die Wolken, der Sturm hörte auf und die Sonne zeigte sich. Also wurde das touristische Rahmenprogramm mit Michel, Landungsbrücken, altem Elbtunnel und Speicherstadt „abgearbeitet“. Zum Besuch der „Sammlung Prototyp“ konnte ich meine Frau und meine Tochter nicht überreden – da muss ich irgendwann mal mit Freunden von der Oldtimer IG Osnabrück e.V. hin. Kurz nach 17 Uhr ging es dann in das Miniatur Wunderland. Bei diesem Besuch stand bei mir diesmal der Blick auf Oldtimer und witzige Szenen im Vordergrund. 

Italien im Format 1:87 ist schon beeindruckend, Rom mit dem Kolosseum, dem Trevi-Brunnen und zahlreichen Straßenszenen, dazu der Vatikan. Pompei, der Vesuv-Ausbruch, die Amalfiküste – alles wunderbar in Szene gesetzt. Mitten drin kleine Gimmicks wie Eisbär, Löwe und Tiger bei der Arbeit im Kolosseum, die einen Fiat Abarth kontrollierenden Polizisten im Dienst-Lamborghini, Mafiosi, dem Papst, überladene Kleinwagen – es gab wieder einiges zu entdecken.

In der kleinen Schweiz fand weiterhin die mit einem interessanten Starterfeld besetzte Oldtimerrallye statt, die auch eine Schafherde nicht ausbremsen kann. Superman muss immer noch einen verunglückten Wagen bergen.

In Knuffingen gibt es in Flughafennähe eine tolle Car-wash-Szene, das teuerste Automobil auf dem Baumarkt-Parkplatz und ein völlig überladener Heimwerker-Audi, der fast eine im Gulf-Design gestylte Cobra schrottet.

Auf dem Flughafen Knuffingen war hoher Besuch angesagt. Der Airbus der Bundesregierung stand bereits für hohen Besuch und der Millenium Falcon von Han Solo aus Star Wars war gelandet. Auf dem Parkdeck waren die Drei Heiligen Könige ebenso unterwegs wie ein arabischer Scheich mit seiner Begleitung, die Lowrider ließen ihre US-Cars „tanzen“ und das „Kofferkuli-Race“ der „Bonebraker“ startete wieder. Die Elbphilharmonie im Miniatur Wunderland war deutlich eher fertig als das Original (und ebenfalls deutlich preiswerter),

Mangels Zeit blieb diesmal nur wenig Zeit für die USA und Skandinavien, wir mussten so langsam wieder zurück zum Hauptbahnhof im Maßstab 1:1. Dort begann das das eigentliche Abenteuer.

Die Hoffnung, dass die „paar vom Sturm umgestürzten“ Bäume mittlerweile von den Gleisen geholt worden waren, bestätigte sich leider nicht. Zusammen mit mehreren hundert anderen Fahrgästen (oder waren es auch tausende) saßen wir in Hamburg fest. Der gesamte Bahnverkehr im Norden war zusammengebrochen. Nichts ging mehr, Informationen gab es keine vor Ort (nur über Telefonate mit unserem Sohn zu Hause). Die Nacht verbrachten wir immerhin 1. Klasse in Hamburg – sitzend in einem der ICE, die im Bahnhof zu Zughotels umfunktioniert waren. Am nächsten Tag ging das Chaos erst richtig los. Wenn es Informationen von den wenigen sichtbaren Bahnmitarbeitern gab, dann waren diese in der Regel widersprüchlich. Meist hieß es „Dazu kann ich Ihnen nicht sagen“, „Das weiß ich auch nicht“, „Darüber gibt es keine Informationen“. Über moderne Kommunikationsmittel wie Smartphones oder Tablets, mit denen man Informationen abrufen kann, verfügten die Bahnmitarbeiter nicht, bei diesem Thema befindet sich die Bahn noch im Zeitalter der Dampflokomotiven. Schienenersatzverkehr? den gab es in der drittgrößten Stadt Deutschlands, einer Weltstadt (!?), auch 24 Stunden nach dem Sturm nicht im Ansatz. Irgendwann am späten Nachmittag erhielten wir einen „Taxischein“. Damit könnten wir laut Bahnmitarbeiter mit einem Taxi nach Osnabrück fahren. Wenn die Taxifahrer da mitgemacht hätten. „Taxischein der Bahn? Nehme ich nicht. Aber für 300 Euro bringe ich Sie nach Osnabrück“. so die Standardantwort. Morgens waren es 200 Euro, mittags 300 Euro, abends ging es für die gleiche Strecke an die 500 Euro – mit reichlich krimineller Energie versuchten die Taxifahrer die Notlage der in Hamburg „Gestrandeten“ auszunutzen und mit Wucherpreisen abzuzocken. Letztendlich kamen wir dann aber am Freitagabend doch noch mit einem Taxi zurück. Ein netter Taxifahrer aus Kassel brachte uns auf dem Rückweg in seine Heimatstadt zum Osnabrücker Bahnhof und nahm den Taxischein der Bahn an. Ich hoffe, er ist nach dem anstrengenden Tag in der Nacht heile und gesund in Kassel bei seiner Familie  angekommen.

  

Mit Sicherheit geht es demnächst wieder nach Hamburg, schließlich fehlte uns reichlich Zeit im Miniatur Wunderland. Auch wieder mit der Bahn – aber nur noch, wenn kein stärkerer Wind angesagt ist.

Am 09.10.2018 geht es wieder ins Miniaturwunderland. Wieder mit der Bahn, wieder im Oktober, diesmal aber ohne Sturm - hoffentlich.