In dieser Rubrik finden Sie/findet Ihr in unregelmäßigen Abständen den "Oldie des Monats".  Manche besonders schöne Exemplare bleiben auch mal ein paar Wochen länger im Mittelpunkt. Die bisherigen "Oldies des Monats" finden Sie/findet Ihr in der Spalte auf der rechten Seite.

Jaguar XJ-S Coupé, Baujahr 1986

 

Der elegante Jaguar XJ-S ist der Nachfolger des legendären E-Type. Dieses Fahrzeug gehört einem Mitglied der Oldtimer IG Osnabrück e.V. und ist ein würdiger „Oldtimer des Monats“. Wie er zu dem Wagen gekommen ist, berichtet er hier:

 

 

Bei einem Besuch in der Schweiz im Frühjahr 2020 war auch ein Besuch bei der Touring Garage in Oberweningen fällig, einem der ältesten Oldtimerhändler im Lande. Drei Autos hatten es mir dort angetan:  mein Traumwagen Fiat 130 Coupe, ein Porsche 928 und ein Jaguar XJ-S. Der Fiat konnte mich nicht begeistern, der schwarze Porsche hatte eine sehr gewöhnungsbedürftige komplett knallrote Innenausstattung, der Jaguar stand einfach perfekt da. Nach technischem Check und Probefahrt begann meine Frau die Preisverhandlungen mit den Worten: Frau Rau, Sie wissen, ich komme vom Balkan und da verhandelt man......! So passte dann auf diese Weise der Preis und der Wagen wurde gekauft. Der Import nach Deutschland ging nur mit einem Spediteur, da zwei Tage nach Kauf die Grenzen wegen Corona geschlossen wurden. Sehnsüchtig haben wir auf das Auto gewartet, bis es dann nach 4 Wochen auf dem Hof stand. Zündung und Klimaanlage mussten noch repariert werden und einer Vollabnahme stand nichts mehr im Wege.

 

Unser „Kätzchen“ wurde am 02.01.1986 erstmalig in der Schweiz zugelassen und verbrachte fast sein ganzes Autoleben in der Sonne am Genfer See. Der dritte Besitzer hatte ihn über 20 Jahre, bevor er bei der Touring Garage landete. Die Schweiz Version hat im Gegensatz zur deutschen Version nur 270 PS statt 295. Warum ist mir unbekannt. Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass 1986 in der Schweiz schon viele Fahrzeuge mit Katalysator ausgeliefert wurden und so ein bereits modifizierter Motor mit Änderungen in Abgasführung und Motorsteuerung eingebaut wurde. Optisch würde es bei unserem unter der Motorhaube ähnlich wie bei einem US-Modell mit Katalysator aussehen. Die fehlenden PS machen sich wahrscheinlich nicht so bemerkbar. Sehr viel Energie des Benzins wird von der 3-Gang Automatik von Borg-Warner geschluckt, ein großer Rest wird in unglaublich viel Wärme umgewandelt. Über Benzinverbrauch wird deshalb an dieser Stelle nicht gesprochen!

 

Seit Kauf hat der Wagen 12.500 pannenfreie Kilometer hinter sich. Da soll sich noch mal einer über unzuverlässige Briten und Lucas, den Erfindern der Dunkelheit beschweren. Im September diesen Jahres wurde die Creme 21 Rallye gefahren und direkt danach erfolgte ein Urlaub in Südwestfrankreich. Beide Touren waren einfach herrlich in diesem Auto! Der XJ-S ist ein klassischer Gran Turismo, der erst richtig auf der Langstrecke aufblüht. Geräuschlos und komfortabel reist man seinem Ziel entgegen und geniest diese Fahrt auf das Höchste! 

Thomas R.

 

Mit 21 Jahren Bauzeit und mehr als 115.000 Exemplaren ist der Jaguar XJ-S das erfolgreichste Modell des britischen Sportwagenherstellers. Präsentiert wurde der als Nachfolger des E-Type vorgestellte XJ-S erstmals am 10.09.1975 auf der Frankfurter IAA, gezeigt wurde ein XJ-S 5.3 GT Coupé. Das Coupé basierte auf dem XJ Serie II und besaß eine geschlossene 2+2 sitzige Karosserie und den V1-Motor in der damals gerade erst serienreifen Einspritzversion. Die Linienführung des Coupés war seinerzeit zunächst umstritten, die Form war mit einem cw-Wert von 0,39 nachweislich windschlüpfiger als des E-Types, aber auch wuchtiger und schwerer. Einen Roadster  gab es zunächst nicht aufgrund neuer gesetzlicher Rahmenbedingungen, insbesondere in den USA. Mit dem XJ-S 5.3 GT Coupé „Pre-HE“  wollte Jaguar Käufer anderer Luxusmarken wie Maserati und Ferrari gewinnen. Im Vergleich zum Porsche 911 oder dem Mercedes-Benz SL war das 287 PS starke 5.3 GT Coupé mit 241 km/h schneller, hatte aber auch einen höheren Benzinverbrauch. Bekanntheit erlangte dieses Modell auch durch die erfolgreiche britische Fernsehserie „Simon Templar – Ein Gentleman mit Heiligenschein“ (1978-1979), in der der Hauptdarsteller ein weißes XJ-S 5.3 GT Coupe „Pre-HE“ fuhr. Ein schwarzes XJ-S 5.3 GT Coupé „Pre-HE“ gewann 1949 das legendäre Cannonball-Rennen von New York nach Los Angeles (4.628 km) in knapp 33 Stunden bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 140 km/h.

 

Im Sommer 1981 wurde das neue XJ-S 5.3 HE Coupé (Serie 2) vorgestellt. Dieser war mit einer modernen Einspritzanlage ausgestattet, die den Motor nun auf 295 PS brachte. Das „HE“ steht dabei für High Efficiency. Dabei handelt es sich um modifizierte Zylinderköpfe, die für eine Verbrauchsreduzierung um 20% sorgten. Zusätzlich verbesserte Jaguar die Qualität und die Ausstattung erheblich, was zu einer Steigerung der zuletzt sinkenden Absatzzahlen (1980: knapp 1.000 Einheiten) führte. In den Jahren 1988 und 1989 wurden jeweils über 10.000 XJ-S gebaut. Großen Anteil hatte daran das 1988 neu eingeführte, beim Osnabrücker Cabriospezialisten Karmann entwickelte Vollcabriolet XJ-S 5.3 V12 Convertible. Dessen Entwicklung begann im Mai 1985. Für die Stabilität musste rund ein Drittel der Karosserieteile überarbeitet werden. Aufwändig war auch die Neukonstruktion der Motor- und Getriebelagerung, von der 30 unterschiedliche Versionen getestet wurden. Ab Anfang 1987 wurden erste Prototypen getestet. Kleine Anekdote am Rande: Zu dieser Zeit war ich beruflich u.a. an einem Tag auch am Rande des Karmann-Werkes tätig. Durch den Zaun konnte ich sehen, wie von einem Jaguar eine Plane abgenommen und einige Anzugträger sich ein XJ-S-Cabrio ansahen. Ein solches Fahrzeug war mir bis dahin nicht bekannt. Also habe ich am nächsten Tag spaßeshalber bei Karmann angerufen und gefragt, ab wann das XJ-S-Cabrio zu kaufen sei. Die Dame vermittelte mich dann an die Presseabteilung, wo man mir deutlich machte, dass ich mich da wohl versehen haben müsste. Schade, dass es damals noch keine Handys mit entsprechenden Kameras gab. Im Februar 1988 wurde das XJ-S-Cabriolet auf dem Genfer Automobil-Salon vorgestellt. Bis 1991 wurden ca. 13.000 Einheiten gebaut, allerdings entstand nur die Vorserie bei Karmann in Osnabrück. Dazu wurden komplett fertige, lackierte Coupés aus England geliefert, aufgeschnitten, verstärkt, mit dem hydraulischen angetriebenen Stoffverdeck versehen und wieder neu lackiert.

 

 

Ab 1983 gab es mit dem XJ-S 3.6 Coupé (Serie 2) den neu entwickelten Nachfolger des fast 40 Jahre alten XK-Sechszylindermotors, der über eine Leistung von 222 PS verfügte. Das Coupé war damit rund 225 km/h schnell. Ab dem Modelljahr 1989 war das XJ-S 3.6 Coupé nur noch mit einem geregelten Dreiwege-Katalysators erhältlich, wodurch die Leistung auf 199 PS sank. Bis zur Produktionseinstellung 1996 gab es insgesamt 21 verschiedene Ausführungen des XJ-S in drei aufeinanderfolgenden Serien. Das letzte Fahrzeug lief am 04.04.1996 vom Band.

 

Fotos: Thomas R.