In dieser Rubrik finden Sie/findet Ihr in unregelmäßigen Abständen den "Oldie des Monats".  Manche besonders schöne Exemplare bleiben auch mal ein paar Wochen länger im Mittelpunkt. Die bisherigen "Oldies des Monats" finden Sie/findet Ihr in der Spalte auf der rechten Seite.

Volkswagen Typ 1 1300, Bj. 1969

 

Er war nicht nur mein erstes Auto. Er war das erste Auto meines Opas und er war das erste Auto meiner Schwester: der diamantblaue Käfer, Erstzulassung im Mai 1969. Stahlschiebedach mit Sonnenblende, Zusatzscheinwerfer, Sicherheitsgurte – Opa Alfred hatte schon etwas mehr als die Standardausstattung geordert. Der blaue Käfer war aber nicht der erste Käfer in der Familie – mein Vater war 1961 schon mit einem 1959’er Modell unterwegs – noch mit großem Faltdach und auch in blau.

 

In den ersten elf Jahren hatte unser Käfer nicht sehr viele Kilometer zurückgelegt. Sonntags mal zum Kaffeetrinken oder mal eine nicht so weit entfernte Urlaubsreise. 1980 machte meine Schwester ihren Führerschein und bekam den Käfer als „Dauerleihgabe“. Opa fuhr schon nicht mehr Auto. Nun war der Käfer mehr auf den Osnabrücker Straße unterwegs und es ging auch mal weiter weg. Nach drei Jahren gab es erneut einen „Besitzerwechsel“. Nun hatte ich meinen Führerschein erworben und Opa entschied, dass der Käfer an mich überging, meine Schwester musste sich nach einem neuen Wagen umsehen. Es wurde übrigens ein Opel Kadett C Coupé, das später die Schweißarbeit eines Bekannten nicht überlebte; er hatte dabei versehentlich das Fahrzeug in Brand gesetzt.

 

Nun fuhr ich also Käfer. Meine Freunde fuhren Renault R5, VW Polo oder Golf. Ich hingegen so einen „ollen“ Käfer. Aber okay, für einen Azubi mit wenig Geld reichte das erst einmal. Mir war klar, dass ich nach der Ausbildung etwas „ordentliches“ als Fortbewegungsmittel besorgen werde. Ein Jahr musste ich noch überstehen. Aber ich war ja nicht alleine. Roland, ein anderer Azubi aus meinem Lehrjahr fuhr ebenfalls Käfer, Baujahr 1966. Dann war da noch Dirk aus dem Bekanntenkreis – auch Käferfahrer.  Die ersten gemeinsamen Ausfahrten fanden statt, so z.B. zu einem Käfertreffen nach Bielefeld. So langsam war das Käfer-fahren doch gar nicht so schlecht. Und ich hatte ein Schiebedach – im Gegensatz zu den Kumpels mit Polo oder Golf. Okay, im Golf war ein nachgerüstetes, nicht ganz dichtes Sonnendach – aber das war doch uncool.

 

Die Fahrten mit dem Käfer – und das Autofahren insgesamt – hätten fast ein schnelles Ende gehabt. Grund war, wie so oft, eine Verkettung unglücklicher Umstände. Ich war gerade mit 130 km/h auf der Autobahn Richtung Hannover unterwegs. 130 km/h – laut Opa fuhr der „Blaue“ maximal 100 km/h!!! Aber die Tachonadel zeigte eindeutig sogar knapp über 130 km/h. In dieser Euphorie hatte ich diese runden Schilder (weiß mit rotem Rand und der Inschrift 80 km/h) nicht gelesen. Dann war da dieser LKW, der gerade mangels Beschleunigungsstreifen direkt auf die Autobahn fuhr. Souverän fuhr ich auf die Überholspur. eine für meinen Käfer doch ungewohnte Fahrbahn. Nun kam der nächste unglückliche Umstand in Form von zwei uniformierten Herren, die mit einer mobilen fototechnischen Einrichtung auf dem Mittelstreifen (!) standen. Und dieses Gerät gab gerade ein merkwürdiges Lichtsignal ab. Die gerade aufgekommene Freude über die erreichte persönliche Höchstgeschwindigkeit wurde jäh getrübt. Während der nächsten drei Wochen Rundreise durch Deutschland – u.a. nach Wolfsburg zum VW-Museum – fuhr ich doch etwas vorsichtiger. Sechs Wochen später bekam mein Opa Post – er war ja immer noch Halter des Wagens. Ich sollte die Schlüssel wieder abgeben, konnte ihn davon aber noch davon überzeugen, dass da ein Missverständnis vorliegen müsse. Was ich der Ordnungsbehörde geschrieben habe, möchte ich hier nicht näher erläutern – jedenfalls kam vier Wochen später ein Schreiben, dass das Verfahren eingestellt worden sei. Opa war beruhigt und ich durfte den „Blauen“ weiterhin fahren.

 

Die Ausbildung war mittlerweile beendet und nun ging es kurze Zeit später erst nach Pinneberg für drei Monate (ohne Käfer) und dann für zwölf Monate nach Oldenburg. Die Luftwaffe bat mich zum (Wehr)Dienst. Nun bekam mein Käfer mehr Kilometer auf den fünfstelligen Tacho. In dieser Zeit hatte ich diversen Wochenendschichten die Zeit, die Gründung des Käfer-Clubs Osnabrück (zunächst als „Käfer-Liebhaber-Club Osnabrücker Land“ vorzubereiten. Auch in dieser Zeit stand das Ende der Käferzeit kurz vor dem Aus. Erst nach einer 10tägigen Übung ohne sonderlich viel Schlaf, in den ich – sehr ungünstig – auf der Rückfahrt nach Hause fiel. Das Rütteln durch die Grasnarbe auf dem Mittelstreifen weckte mich, nur wenige Zentimeter von der Leitplanke entfernt. Eine andere Rückfahrt endete bei Ahlhorn fast mit einem Reifenplatzer. Aber wozu hatte ich noch ein 16 Jahre junges Reserverad vor mir unter der Haube.

 

Am 17. Januar 1986 war es dann soweit: Im Partykeller meiner Eltern saßen acht Käfer-Enthusiasten zusammen und gründeten den „Käfer-Liebhaber-Club Osnabrücker Land“. Das Vorhaben, nach der Ausbildung ein „modernes“ Auto zu kaufen, hatte sich schon länger erledigt. Wir wurden immer mehr, es gab noch mehr Käfer-Freunde in der Umgebung. Gemeinsam ging es zu Treffen und irgendwann organisierten wir ein eigenes Treffen in Lengerich/Westfalen. Der „Blaue“ musste in dieser Zeit doch einmal die Erfahrung von „Kaltverformung“ machen: Eine nicht geringe Zahl von Hagelkörnern verhinderte ein rechtzeitiges Bremsen und so lernte ich die Ehefrau meines Versicherungsvertreters kennen. Ihr Passat war vorne und hinten ein wenig eingedellt und der Wagen vor ihr ebenfalls. Was 40 km/h anrichten können… Der Käfer bekam einen neuen Kotflügel vom Schrottplatz (ebenfalls in diamantblau eines 69’er Käfers mit respektablem Heckschaden), die Haube wurde ausgebeult und die Stoßstange um unseren Gartenbaum herum wieder gerade gezogen.

 

Der „Blaue“ bekam dann bald Gesellschaft. Ein perlmuttweißes Cabrio, ebenfalls Baujahr 1969 mit einem Tag später Erstzulassung. Porsche-Zusatzscheinwerfer, Spoiler, Sportauspuff und ein paar Zusatz-PS, aber kein Top-Zustand. Jetzt konnte ich den Sommer richtig genießen. Parallel erhielt ich von einem Kollegen das Angebot, seinen reparaturbedürftigen, aber fahrbereiten Ovalkäfer von 1955 zu übernehmen. 600 DM sollte er kosten. Er hatte sogar ein Original-Faltdach. Aber wohin, ich hatte eh nur eine Garage und der „Blaue“ musste draußen stehen. Also lehnte ich ab. Ein fataler Fehler, wie ich heute weiß. In dieser Zeit standen umfangreiche Reparaturen am „Blauen“ an. Mit zwei linken Händen und dem Technikverständnis eines Verwaltungsmenschen ging der Käfer an einen Clubfreund zu einem günstigen Preis weiter. Er wollte den Käfer fertig machen und dann sollte ihn seine Schwester bekommen. Die bekam ihn aber nicht, denn nach den erforderlichen Reparaturen wurde er direkt weiterverkauft. Nicht gerade die feine Art, aber nicht zu ändern.

 

Nach vier Jahren Cabrio-Fahren standen auch hier ein paar Arbeiten an. Den Fehler wie beim blauen Käfer wollte ich nicht noch einmal machen. Mit einem anderen Clubfreund wollten wir das Cabrio restaurieren. Dafür hatten wir uns zwei, drei Jahre Zeit genommen. Das Cabrio wollte ich also abmelden. Dann stand plötzlich eine junge Frau vor mir. Sie wollte unbedingt das Cabrio kaufen. Sie wollte einen Tag später mit einem Bekannten (Kfz-Mechaniker) eine Probefahrt machen. Die Fahrt war sehr interessant, dieser Mechaniker entdeckte noch weitere Mängel, die es zu beheben galt. Aber ich wollte das Cabrio nicht verkaufen. Also nannte ich einen völlig überzogenen Preis – und die beiden schlugen ein. Nun stand ich ohne Käfer da. Aber das musste ja nicht so bleiben und ich hielt Ausschau nach einer Alternative. Doch bevor es dazu kam, erhielten wir ein anderes Angebot: 805 qm Maisacker zu einem günstigen Preis. Das Grundstück war wenige Tage später unser, dann kam ein Haus dazu, ein paar Jahre später zwei weitere Bewohner – und die Prioritäten verlagerten sich. Mittlerweile sind Oldtimer wieder zum Hobby geworden, wenn auch ohne eigenen. Und wenn ich einen alten, originalen Käfer sehe, einen Brezel- oder Ovalkäfer,…

 

Ende der achtziger Jahre verließ der blaue Käfer, Erstzulassung 13. oder 14. Mai 1969, Halter: Alfred Schmidt und dem Kennzeichen „OS-DR 167“ unsere Garage. Wo er nach seiner „Aufbereitung“ landete, weiß ich nicht. Vielleicht ist er ja später jemandem begegnet oder existiert heute noch. Über Infos dazu würde ich mich freuen.