In dieser Rubrik finden Sie/findet Ihr in unregelmäßigen Abständen den "Oldie des Monats".  Manche besonders schöne Exemplare bleiben auch mal ein paar Wochen länger im Mittelpunkt. Die bisherigen "Oldies des Monats" finden Sie/findet Ihr in der Spalte auf der rechten Seite.

Oryx (Dürkopp) Type „G 10“, Baujahr 1913

 

Ein ganz seltenes Fahrzeug gab es in diesem Sommer auf dem Treffen der Oldtimer IG Osnabrück am Industriemuseum zu sehen: Einen Oryx aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Oryx? Selbst die meisten Oldtimerfreunde am Museum wussten zunächst nichts mit dem Namen anzufangen, doch das Rätsel löste sich schnell. Am Heck des Fahrzeugs gab eine umfangreiche Dokumentation Aufschluss über die Rarität.

 

Die Firma Oryx wurde bereits im Jahr 1898 als „Berliner Motorwagen Fabrik (B.M.F.)“ gegründet,  zunächst wurden LKW und Omnibusse gebaut. 1906 ging die Oryx Motorwerke AG aus der BMF hervor. Weiterhin wurden LKW und Omnibusse gebaut, unter dem Namen ORYX ab 1907 wurden auch Automobile hergestellt. Der Name „Oryx“ stammt von einer schnellen, sehr eleganten Antilopenart aus den damaligen kaiserlichen Kolonien in Ostafrika (heutiges Tansania). Zwei Jahre später wurde die Berliner Fabrik von den Bielefelder Dürkopp-Werken gepachtet. 1911 wurde die Firma von Dürkopp komplett übernommen, arbeitete aber zunächst selbständig unter eigenem Namen weiter  Bis 1920 wurden LKW gebaut, bis zum Verkauf an die Londoner Schallplattengesellschaft Crystalate Gramphone Record Manufacturing Co. Ltd. im Jahr 1929 nur noch Omnibusse unter dem Namen Dürkopp.

 

Das auf dem Foto abgebildete Fahrzeug wurde 1913 in Berlin gebaut. Über diesen Type „G 10“ hieß es damals in der Werbung:

 

 „Vierzylinder 10 Steuer PS, 30 PS kräftiger Tourenwagen, vorzüglich geeignet als Aerztewagen, da leichte Handhabung, geräuschloser Lauf, nie versagend, billig in Unterhaltung. Hervorragender Bergsteiger 2610 ccm, 90 km/h, 4 Zylinder, Kulissenschaltung, 3 Geschwindigkeiten vorwärts, eine rückwärts, Zündungsmagnet, 12 Volt, modernste Zentrifugalwasserpumpe für Zwangsläufige Wasserkühlung, Umfangreiche Informationstafel mit Anzeigen für Schnelligkeit, Öldruck und Stromerzeugung, nur 17 Liter Verbrauch

Auf Wunsch: 4 Geschwindigkeiten vorwärts, sensationell erstmals seit Erfindung: Elektr. Lichtanlage, Elektr. Starteranlage, Elektr. Klaxonhupe.“

 

Die Erstzulassung erfolgte am 21. März 1913 in Osnabrück, das Kennzeichen lautete IS-4235. Laut Kopie der originalen Erstzulassung wurde der ORYX auf die Milchwerke Schewemann, Große Rosenstr., Osnabrück, zugelassen (das Entziffern der alten Sütterlinschrift war mal eine Herausforderung).

 

Die weitere Geschichte laut den vorliegenden Dokumenten: „Am 20.03.1916 wurde das Kfz eingezogen zu den Fahrbereitschaften der FeldErsatzAbt. Gen.Kdo. X, AK, Abt.Kraft in Osnabrück, Sammelstelle: Sedanstraße. Entschädigung nach Kriegswirtschaftserlass erfolgt. Stellvertretendes Generalkommando X. Armeekorps, Abt. 1a, II, Iva, No. 4300. Hannover, den 20.03.1916.“ Zunächst ging es zu den Fahrbereitschaften des Kraftfahrtreferenten beim Generalkommando des X. Armeekorps, Abteilung Kraft, das Fahrzueg kam zur Fahrbereitschaft Lingen (Lfd. No. 2, Fabrikat Oryx, MK: 13 102). Am 13.11.1919 wurde in Hannover die Überleitung des Kfz an die Polizei/Freikorps Sachsen in Dresden.

 

 

Heute, über 100 Jahre nach der Erstzulassung in Osnabrück, ist der Oryx wieder mit Osnabrücker Kennzeichen unterwegs. Ein sehenswertes Fahrzeug, das hoffentlich öfters zu sehen ist.