In dieser Rubrik finden Sie/findet Ihr in unregelmäßigen Abständen den "Oldie des Monats".  Manche besonders schöne Exemplare bleiben auch mal ein paar Wochen länger im Mittelpunkt. Die bisherigen "Oldies des Monats" finden Sie/findet Ihr in der Spalte auf der rechten Seite.

VW Hebmüller Cabrio, Baujahr 1949

 

Als Ferdinand Porsche im November 1937 drei neue Volkswagen den Größen der Nazis präsentierte, befand sich darunter auch bereits ein Cabriolet. Auch zur Vorserie von 1938 gehörte ein Vollcabrio mit an der A-Säule angeschlagenen Türen. Doch ab 1938 wurden im eigens für den Volkswagen (KdF-Wagen) bei Fallersleben errichteten Werk und der neuen „Stadt des KdF-Wagens“ (später Wolfsburg) so gut wie keine zivilen Volkswagen gebaut, sondern Kübelwagen für den von den Nazis angezettelten Zweiten Weltkrieg.

 

Nach dem Krieg kontrollierten zunächst die Briten das zu zwei Dritteln zerstörte Volkswagenwerk. Zunächst wurden dort – wie übrigens auch bei Karmann in Osnabrück – Armeefahrzeuge repariert. Mit viel Improvisationstalent entstanden unter der Leitung von Major Ivan Horst wieder erste Volkswagen, überwiegend mit Pritschenaufbauten, als Kastenwagen und andere Sonderfahrzeugen.. Erste Fahrzeuge erhielt die Reichspost. Die erste, Typ 11 genannte Standard-Limousine lief im Oktober 1946 vom Band. Am 01.01.1948 übernahm als Generaldirektor der ehemalige Leiter des Opel-LKW-Werks Brandenburg, Heinrich Nordhoff, die Geschicke in Wolfsburg. Der später auch als „König von Wolfsburg“ bezeichnete Nordhoff stand anderen Aufbauten auf Basis der Limousine skeptisch gegenüber. Doch eine offene Version, die schon in der Vorkriegszeit geplant war, war es für  Nordhoff schlüssig, eine solche Variante zu bauen. Wilhelm Karmann hatte sich bereits 1946 eine Limousine besorgen und zum viersitzigen Cabriolet umbauen können, dass er Nordhoff präsentierte. Auch der Wülfrather Karosseriebauer Hebmüller entwickelte 1948 auf Basis der Limousine ein zweisitziges Cabriolet.

 

Beide Varianten gefielen dem Wolfsburger Generaldirektor. Folgerichtig bekamen beide Firmen einen Auftrag zum Bau von 1.000 (Karmann) bzw. 2.000 Cabriolets (Hebmüller). Beiden Fahrzeugen räumte man trotz des hohen Preises gute Absatzchancen ein. So kostete das Hebmüller-Cabriolet zu Beginn der Serienfertigung im Jahr 1949 7.500 DM. Ein Jahr später wurde der Preis auf 6.950 DM gesenkt.  Das Hebmüller-Cabrio unterschied sich vom Karmann-Cabriolet nicht nur durch zwei Sitze weniger, sondern auch durch ein voll versenkbares Verdeck und ein elegant gewölbtes, langgezogenes Heck. Das verlieh dem Zweisitzer ein unverwechselbares, sportliches Aussuehen. Vorzugsweise wurden die eleganten Cabriolets in den Zweifarbenlackierungen schwarz/rot oder schwarz/elfenbein ausgeliefert und verfügten über eine gehobenen Ansprüchen entsprechende Innenausstattung.

 

Angetrieben wurden die Hebmüller-Cabriolets wie die Volkswagen-Limousinen vom Vierzylinder-Boxermotor mit 1.131 ccm und 24,5 PS. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 105 km/h, der Verbrauch bei 7,5 l/100 km.

 

Nur wenige Monate nach Produktionsbeginn, am 23. Juli 1949, lag Hebmüller am Boden: Ein Großbrand, vermutlich ausgelöst in der Lackierei, vernichtete fast die gesamten Produktionsanlage in Wülfrath. Ein schwerer Schlag für das Unternehmen, von dem es sich nicht mehr erholte. Zwar wurden nach dem Brand wieder Cabriolets gebaut, doch im Mai 1952 gingen die Lichter endgültig aus, zugesagte Geldmittel wurden entzogen. So wurden statt der geplanten 2.000 Cabriolets nur 696 Exemplare gebaut, die letzten 12 ausgerechnet bei Karmann in Osnabrück.

 

Das auf dem oberen Foto abgebildete herrliche Hebmüller-Cabriolet ist im Landkreis Osnabrück zugelassen und stammt aus dem Jahr 1949. Es befindet sich in einem hervorragenden Zustand und laut Classic Data befinden sich solche Fahrzeuge mittlerweile in einem Bereich jenseits der 100.000 Euro. Fotografiert habe ich das Fahrzeug beim Herbsttreffen der Brezelfenstervereinigung e.V. am Museum Industriekultur im September 2016.

 

 

Von diesem Bereich ist aktuell das unten abgebildete Fahrzeug noch ein wenig entfernt. Das stark restaurationsbedürftige Hebmüller Cabriolet, ebenfalls aus dem Jahr 1949, stand im Februar 2017 auf der Bremen Classic Motorshow und war bereits am zweiten Tag verkauft. Sicherlich auch für den Gegenwert eines modernen Volkswagens.