Kleinschnittger Spezial, Bj. 1954


In der Zeit des Wirtschaftswunders der Nachkriegszeit versuchten viele Konstrukteure mehr oder weniger erfolgreich, eine automobile Alternative zum Motorrad auf die Räder zu stellen. Einer davon war Paul Kleinschnittger. 1949 begann er, mit Unterstützung des Hamburger Kaufmanns Walter Lembke als Geldgeber, im sauerländischen Arnsberg mit der Produktion seines neu entwickelten F 125.


Auf einem leichten Zentralrohrrahmen kam eine Aluminiumkarosserie. Der Einzylinder-Zweitaktmotor mit 122 ccm Hubraum und bis zu 6 PS Leistung wurde – wie ein Rasenmäher – per Seilzug gestartet. Der kleine Roadster erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Zwei Personen konnten in der winzigen Karosserie Platz nehmen, Türen gab es nicht, die Seitenwände waren tief ausgeschnitten.  Auch einen Rückwärtsgang hatte man verzichtet, zum Wenden konnte der Wagen von zwei Personen einfach umgedreht werden. Aufgrund des spärlichen Notverdecks war es auch empfehlenswert, möglichst bei gutem Wetter unterwegs zu sein.


Gebaut wurde der F 125 zwischen 1950 und 1957. In dieser Zeit entstanden 2.980 Fahrzeuge. 1954 begann man mit der Entwicklung eines größeren Modells. 1956 wurde der neue F 250 vorgestellt. Gebaut wurden von diesem dreisitzigen Coupé jedoch nur 26 Exemplare, dann ging die Firma im August 1957 in die Insolvenz.


1954 baute Paul Kleinschnittger den abgebildeten „Spezial“. Der Zweisitzer verfügt über einen Stahlblechaufbau, einer langen Motorhaube, einer geraden Frontscheibe und Seitentüren mit sehr hohen Türschwellern. Gebaut wurde er ausschließlich für den privaten Eigenbedarf der Familie Kleinschnittger, die das Unikat gerne zu Sonntagsfahrten nutzte. Angetrieben wurde er von einem Zweizylinder-Zweitaktmotor (Ilo), der über 246 ccm Hubraum und 15 PS Leistung verfügte. Mit dem Wagen wollte Kleinschnittger auch potentiellen Kreditgebern zeigen, dass er auch optisch gelungene Autos bauen konnte.


Das Fahrzeug wurde 2014 auf der Bremen Classic Motorshow im Rahmen der Sonderausstellung „Fahrzeuge des Wirtschaftswunders“ gezeigt und war eine Leihgabe des PS Speichers in Einbeck, der in diesem Jahr eröffnet wurde.


Foto: Bremen Classic Motorshow, 2014