Rometsch Modell Besskow, Bj. 1951-56

 

Der VW Käfer war alles andere als ein eleganter Sportwagen. Er war ein biederes Fahrzeug, dass in der jungen Bundesrepublik seinen Beitrag zur Mobilisierung auf vier Rädern sorgte. Doch es gab Karosserieschneider, die sich dieses Modells annahmen und auf Basis des Käfers wunderschöne, elegante Kreationen schufen – ohne jegliche Unterstützung aus Wolfsburg. Dazu gehörten die Firmen Dannenhauer & Stauss in Stuttgart, Drews in Wuppertal oder Rometsch in Berlin.

 

Friedrich Rometsch war zunächst beim renommierten Berliner Karosserieschneider Erdmann & Rossi tätig, bei dem in der Vorkriegszeit edle Aufbauten für betuchte Kunden entstanden. Auch Konstrukteur Johannes Beeskow war dort 1932 zunächst als freier Mitarbeiter tätig, ab 1933 fest als Konstruktionschef. 1924 gründete Rometsch sein eigenes Unternehmen, Beeskow folgte ihm 1949.

 

Nach dem Krieg baute Rometsch Taxis auf Basis des VW Käfer. Dazu hatte Johannes Beeskow bei einem schrottreifen Käfer den Radstand um 27 cm verlängert und darauf eine viertürige Karosserie gesetzt. Insgesamt entstanden im Auftrag Berliner Taxi-Unternehmer 38 Exemplare.

 

1950 konstruierte Beeskow eine elegante Karosserie auf Basis des Käfers. Den Rometsch „Beeskow“ gab es als Coupé und Cabriolet. Da VW sich weigerte, Chassis zu liefern, musste Rometsch komplette VW Käfer zum offiziellen Verkaufspreis erwerben, um anschließend die Käfer-Karosserie zu entfernen und durch die eigene, sportliche Karosserie zu ersetzen. Dadurch und aufgrund der in Handarbeit gefertigten Fahrzeuge war der Wagen doppelt so teuer wie ein herkömmlicher Käfer. Die vorne und hinten in den Linien herabgezogene Pontonkarosserie brachte dem Wagen den Spitznamen „Banane“ ein. Hinter dem Fahrersitz wurde ein dritter Sitz quer eingebaut, der zugehörige Fußraum war hinter dem Beifahrersitz vorgesehen. Als das Cabriolet 1950 auf der Berliner Automobilausstellung gezeigt wurde, waren die Besucher begeistert. Der Schauspieler Viktor de Kowa soll spontan noch auf der Messe das Fahrzeug gekauft haben. Da der Preis nicht feststand, soll Friedrich Rometsch einen Blick auf den Messestand von Porsche geworfen haben, wo der Porsche 356 für 10.000 FM angeboten wurde. Daraufhin habe er de Kowa den Preis von 9.800 DM genannt.

 

Wie viele Fahrzeuge vom Modell „Beeskow“ entstanden, ist nicht genau bekannt. Es sollen rund 280 Coupés und Cabriolets gewesen sein, von denen heute nur noch wenige existieren. Sie gehören zu den gesuchtesten und wertvollsten Fahrzeugen auf VW Käfer-Basis. Johannes Beeskow wechselte 1956 nach Osnabrück zum Karosseriebauer Karmann, wo er die technische Entwicklung übernahm.

 

Bei Karmann entstand der Karmann Ghia, ein elegantes Coupé (1955) bzw. Cabriolet (1957). Diese Fahrzeuge wurden direkt im Auftrag von Volkswagen gefertigt und über dessen Händlernetz vertrieben. Da Karmann die erforderlichen Chassis direkt von VW bezog, waren die Fahrzeuge von Rometsch, Drews und Dannenhauer & Stauss nicht mehr konkurrenzfähig.

 

Die nachfolgenden Fotos entstanden auf der Techno Classica Essen (2010) und beim Uraltkäfertreffen Hessisch Oldendorf 2017.