2.   Aufbruch ins neue Jahrhundert

 

 

1900

 

02/1900 - Der Amerikaner Milton Hershey ist der erste, der ein Auto für Werbung einsetzt. Er malt seine Marke PA Hershey mit Lack auf sein Auto. Seine Firma ist die Hershey Chocolate Company und befindet sich in der nach ihrem Gründer benannten Stadt Hershey.  Die Hershey Company ist noch heute einer der größten Schokoladenhersteller weltweit.

 

06.03.1900 - Im Alter von 65 Jahren stirbt der Ingenieur, Konstrukteur und Industrielle Gottlieb Daimler in Canstatt bei Stuttgart. Nach Realschule und Ausbildung zum Büchsenmacher arbeitet er zunächst in einem elsässischen Maschinenbau-unternehmen. 1857 beginnt er ein Studium an der Polytechnischen Universität in Stuttgart. 1965 wird ihm die Leitung der Bruderhaus-Maschinenfabrik in Reutlingen übertragen. Dort trifft er auf Wilhelm Maybach. Vier Jahre später übernimmt Daimler den Vorstand der Werkstätten der Karlsruher Maschinenbaugesellschaft, Maybach folgt ihm als technischer Zeichner. Weitere drei Jahre später wechseln beide zur Gasmotorenfabrik Deutz, wo ihm Nikolaus Otto die Leitung der Werkstätten überträgt. Hier bringt Maybach unter Daimlers Leitung einen von Otto entwickelten Viertaktmotor zur Serienreife. 1975 meldet Daimler einen verbesserten Gasmotor in den USA zum Patent an.  1882 verlässt Daimler Deutz und gründet in Canstatt eine Versuchswerkstatt. Ein Jahr später meldet er mit dem bei ihm angestellten Maybach einen gemeinsam entwickelten, revolutionär verbesserten Einzylinderviertaktmotor ab. Am 03.04.1985 erhält Daimler das Reichspatent Nr. 34926 auf seine Kraftmaschine, die als Standuhr in die Technikgeschichte eingeht. 1855 konstruieren Daimler und Maybach den Reitwagen, das erste Motorrad mit Ottomotor. Im Oktober 1886 bauen sie den Motor der Standuhr in eine Kutsche ein – der erste Daimler-Wagen (1 ½ PS). Es folgen der Einbau eines Motors in eine Straßenbahn und eine Draisine (mit Zweizylinder-V-Motor). 1889 wird ein von Maybach konstruierter Motorwagen auf der Pariser Weltausstellung präsentiert: Das „Motor-Quadicycle“, das erste von Daimler und Maybach komplett eigenständige Fahrzeug mit einer Leistung von 1,5 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 18 km/h. In einer neuen Fabrik entsteht das erste Luftschiff, ein Gasballon mit Motor. 1890 gründet Daimler die Daimler-Motoren-Gesellschaft, aus der Daimler 1893 nach einem Streit mit Mitgesellschafter Lorenz austritt. Ein Jahr zuvor hatte er mit Maybach den ersten Zweizylinder-Reihenmotor entwickelt. 1894/95 wird nach dem Einstieg des britischen Industriellen Simms Daimler wieder Anteilseigner und Vorsitzender des Aufsichtsrats der DMG.  1899 lässt er von Maybach einen Rennwagen bauen, der nach der Tochter des österreichischen Kaufmans und Industriellen Jellinek „Mercedes“ genannt wird. 1900 stirbt Gottlieb Daimler. 1926 wird die Daimler-Motoren-Gesellschaft mit der Firma Ben & Cie. Von Carl Benz zur Daimler-Benz AG verschmolzen.

 

08.04.1900 - In Pforzheim wird der spätere Automobilrennfahrer und Kaufmann Adolf Rosenberger geboren. In den 20er Jahren tritt er als Privatfahrer mit legendären Rennwagen wie dem Benz-Tropfenwagen und dem Mercedes-Benz SSK an und zählt mit 23 Jahren zu den erfolgreichsten Rennfahrern Europas. Er gewinnt u.a. das Stuttgarter Solitude-Rennen, den Kasseler Herkules-Bergpreis (1925-1927) und das Klausenrennen, es galt als schwierigstes Bergrennen jener Zeit. 1926 kommt es beim Großen Preis von Deutschland auf der Berliner AVUS zu einem tragischen Unfall. Bei einem Überholversuch verliert Rosenberger die Kontrolle über sein Fahrzeug und rast in das Zeitnehmerhäuschen. Rosenberger und sein Beifahrer überleben verletzt, jedoch werden zwei Studenten im Zeitnehmerhäuschen und der Schildermaler an der Rundentafel tödlich verletzt. Als Freund von Ferdinand Porsche wird Rosenberger 1930 als Mitbegründer Teilhaber und kaufmännischer Direktor der Dr. Ing. h. c. F. Porsche GmbH. Seine Erfahrungen mit dem mit einem Mittelmotor ausgestatteten Ben-Tropfenwagen fließen in die Porsche-Entwicklung des Auto-Union-Rennwagens ein. Am 30.01.1933 scheidet er – angeblich - als Geschäftsführer aufgrund einer unzureichenden Ertragslage aus, kann für seine Nachfolge Hans von Veyder-Malberg gewinnen, einen österreichischen Automobilpionier. Am 30.07.1935 tritt er seine zehnprozentigen Gesellschafteranteile der Porsche GmbH zum Nominalwert an Ferry Porsche ab. Dokumente aus seiner Hinterlassenschaft belegen jedoch eine andere Sichtweise. An seine Anwälte schrieb er nach dem Zweiten Weltkrieg: „Es wurde mir vorgehalten, dass ein Wimpel… als judenreiner Betrieb nicht gegeben würde, solange ich Geschäftsführer bin. (…) Ich unterstelle den Herren Porsche und Piech zumindest keinen persönlichen Antisemitismus. Wie jedoch bereits geschildert, haben sie sich meiner Mitgliedschaft als Jude bedient, um mich billig los zu werden.“ 1935 wird Adolf Rosenberger als Jude wegen „Rassenschande“ verhaftet und wenige Tage später in das Konzentrationslager Kislau eingewiesen. Vier Tage später wird er entlassen. Im November 1935 verlegt er seinen Hauptwohnsitz nach Paris, 1938 emigriert er in die USA, ändert seinen Namen auf Alan Arthur Robert und baut sich in Kalifornien eine neue Existenz auf. Nach dem Krieg einigt er sich mit Porsche auf eine Abfindung in Höhe von 50.000 Mark und ein Auto für die Wegnahme seiner Anteile zum Nominalwert und des Gesellschafterdarlehens in Höhe von 80.000 Reichsmark. Adolf Rosenberger bzw. Alan Arthur Robert stirbt im Jahr 1967. Seine Urne sowie die seiner Frau sind auf dem jüdischen Friedhof in New York beigesetzt.

 

23.04.1900 - Mehr als 60 pferdelose Kutschen verlassen London und holpern auf alten Kutschstraßen Richtung Bristol. Von dort aus geht es weiter nach Edinburgh und wieder zurück in die britische Hauptstadt, Der "1000 Mile Trail" ist das erste Automobilrennen Großbritanniens, mehr noch eine Demonstration des Potentials des Automobils, Nach drei Wochen Schlamm, platten Reifen und Gefahren, unterbrochen von Champagnerfrühstücken und herzhaften Diners, erreichen bemerkenswerte 46 Teilnehmer das Ziel. Charles Royce, der spätere Mitbegründer von Rolls-Royce, fährt einen Panhard, der als bestes Automobil ausgezeichnet wird.

 

25.05.1900 - In Nürnberg wird der Allgemeine Schnauferl-Club e. V. (ASC). Derzeit hat der ASC etwa 1.500 Mitglieder und beschäftigt sich mit der Pflege und Tradition rund um Oldtimer-Fahrzeuge. Der ASC ist Mitbegründer und Mitglied des Oldtimer-Weltverbandes Fédération Internationale des Véhicules Anciens (FIVA).

 

14.06.1900 - Der Gordon Bennett Cup mit dem offiziellen Titel I Coupe Internationale wird am 14. Juni 1900 auf öffentlichen Straßen zwischen Paris und Lyon in Frankreich ausgetragen. Es ist der erste Preis, der für den Motorsport auf internationaler Ebene vergeben wird. Die 568,66 km lange Strecke startet in Paris und führt nach Südwesten bis nach Châteaudun. Die Route führt anschließend in südöstlicher Richtung über Orléans , Nevers und Roanne bis zum Ziel in Lyon. Den vier Nationen, die an den Start gehen wollen, wird jeweils eine Farbe zugewiesen, mit der die Autos ihrer Vertreter lackiert werden. Diese sind blau für Frankreich, gelb für Belgien, weiß für Deutschland und rot für die USA. Gewonnen wird das Rennen von Fernand Charron gewonnen. Auf einem Panhard vertritt er Frankreich. Als einziger weiterer Fahrer kommt Léonce Girardot ins Ziel, ebenfalls auf einem Panhard. Die drei anderen Fahrer, ein Franzose, ein Belgier und ein US-Amerikaner scheiden unterwegs aus. Bis dahin bestand der Automobilrennsport aus Rennen von Stadt zu Stadt, die von verschiedenen nationalen Automobilclubs organisiert wurden. Initiiert wird der Gordon Bennett Cup vom amerikanischen Millionär James Gordon Bennett Jr. mit der Absicht, die Automobilindustrie durch Sport international zu fördern. Zu den Grundsätzen des Wettbewerbs gehört, dass jedes Land auf drei Einsendungen beschränkt ist, dass das Rennen zur Ermittlung des Pokalsiegers zwischen 550 und 650 Kilometer und das Rennen jährlich zwischen dem 15. Mai und dem 15. August stattfinden soll.

 

07/1900 - Ab Köln-Ehrenfeld entsteht  der erste Wagen (Modell 1") der von August Horch und Salli Herz im Jahr zuvor gegründeten Firma A. Horch & Cie. Im Januar 1901 wird das Automobil mit einer spektakulären, jedoch nicht ganz pannenfreien Jungfernfahrt in Köln vorgestellt. Eine Expansion des Betriebes stößt in dieser Zeit auf räumliche und finanzielle Grenzen und nach dem Einstieg weiterer Geschäftspartner verlegt Horch seine Firma im März 1901 nach Reichenbach im Voigtland  und schon 1903 weiter nach Zwickau.

 

29.07.1900 - Der Frankfurter Automobilclub von 1899 - der spätere AVD Automobilclub von Deutschland - veranstaltet auf der Galopprennbahn in Niederrad das erste Automobil Bahnrennen. Es ist hierzulande die erste Automobil-Wettfahrt auf einer Rundstrecke. Im April 2017 rollen die Bagger an, die Galopprennbahn muss der DFB-Akademie weichen. Die Sieger des Rennens sind übrigens Lemercier auf de Dietrich, Freiherr von Liebig auf Nesselsdorf und Tischbein auf de Dietrich.

 

27.07.1900 - Ralph Roese wird im niederbergischen Mettmann geboren.  Nach einer Ausbildung zum Kaufmann im elterlichen Schlosserbetrieb zieht er nach Düsseldorf. Schon früh gilt seine Leidenschaft dem Motorsport. In den 20er Jahren beginnt seine Karriere zunächst auf BMW-Motorrädern, später in Sportwagen der Bayerischen Motorenwerke. 1931 und 1932 wird er jeweils Deutscher Motorrad-Straßenmeister in der Klasse bis 1000 ccm. Als Werksfahrer auf BMW und Privatfahrer auf BMW und Veritas fährt er bei allen großen Rennen in Deutschland und Europa. Am 10.07.1938 erring Ralph Rose mit dem dritten Gesamtrang bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps auf BMW 328 seinen ersten international bedeutenden Erfolg. 1939 wird er Deutscher Rennwagenmeister in der Klasse bis 1500 ccm in einem speziell hergerichteten BMW 315/1 Sport in Leichtbauweise. Im gleichen Jahr rundet sein 7. Gesamtrang bei den 24 Stunden von Le Mans in einem BMW 328 ein erfolgreiches Jahr ab. Ein Jahr später erreicht er zusammen mit Adolf Brudes den dritten Gesamtplatz bei der Mille Miglia auf einem BMW MM Roadster. Nach dem Zweiten Weltkrieg startet er im Mai 1948 auf dem Hockenheimring und belegt mit einem 2-Liter-Veritas RS-BMW Platz 3. In diesem Jahr wird er Vizemeister in der deutschen Sportwagenmeisterschaft bis 2 Liter Hubraum. Am 8. Februar 1950 befindet er sich zusammen mit drei Rennfahrer-Kollegen auf einer Fahrt zur Produktionsstätte der Veritas-Rennfahrzeuge. In einem Baustellenbereich auf der heutigen A3 bei Neuwied verliert die Fahrer eines entgegenkommenden Pkw die Kontrolle über sein Fahrzeug und kollidiert frontal mit dem Wagen der Rennfahrer. Mitgeführte Benzinkanister fangen Feuer, alle Insassen des Wagens verbrennen. Unter großer Anteilnahme wird Adolf Ralph Rose zusammen mit seinem ebenfalls bei dem Unfall verstorbenen Freund und Sportkollegen Heinz Müller in Düsseldorf beerdigt.

 

03.08.1900 - Im US-amerikanischen Akron (Ohio) gründet Harvey Samuel Firestone einen Betrieb zur Produktion von luftgefüllten Reifen. Mit 12 Mann startet das Unternehmen Firestone Tire & Rubber Company. Harvey Firestone stammt aus einer Einwandererfamilie, deren Vorfahren 1753 noch unter dem Namen Feuerstein aus dem damaligen deutschen Elsass in die USA auswanderte. Zunächst werden die Reifen für Fuhrwerke und Karren gefertigt, doch schnell stellt man die Produktion auf Autoreifen um. Durch persönliche und familiäre Verbindungen zu Ford gelingt es Firestone, Originalausrüster der Ford Motor Company zu werden und somit den ebenfalls in Akron ansässigen Konkurrenten Goodyear auszustechen. 1919 wird ein Zweigunternehmen und Hamilton, Ontario (Kanada) gegründet und 1926 macht Firestone die kleine Stadt Harbel im westafrikanischen Liberia zum Zentrum der größten Kautschukplantage der Welt. Schon bald kommt Kritik auf, dass Firestone dort Kinderarbeit und andere Menschenrechtsverletzungen zulässt, was von der Firma jedoch zurückgewiesen wird. Noch heute ist die Firestone-Plantage das größte Wirtschaftsunternehmen und der größte Arbeitgeber Liberias – neben den Eisenerz-Minen. Heute hat die Bridgestone Firestone, LLC ihren Sitz in Nashville, Tennessee und beschäftigt rund 23.000 Mitarbeiter.

 

 

1903

 

2/1903 - Auf dem Pariser Salon de i'Automobile wird der Spyker 60 HP als Fahrgestell ohne Karosserie vorgestellt. Es war das erste Fahrzeug mit einem Sechszylinder-Motor und Allradantrieb über Kardanwellen. Im darauffolgenden Jahr wurde das Fahrzeug mit einem Rennwagenaufbau im Londoner Crystal Palast vorgestellt. Die niederländischen Brüder Spijker waren Schmiede und Kutschenbauer, die ab 1900 eigene exclusive Fahrzeuge herstellten. Für die ausländischen Märkte wurde der Name Spijker (zu deutsch: Nagel) in Spyker geändert. 1926 wurde die Firma aufgelöst. Neben dem Spyker 60 HP ist das bekannteste Fahrzeug die sog. "Goldene Kutsche" von 1898, mit der der niederländische König jährlich zur Parlamentseröffnung fährt.

 

24.03.1903 - Die deutsche Motorradfahrer-Vereinigung wird gegründet. 1911 erfolgt die Umwandlung in den Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC).

 

19.05.1903 - In Michigan gründet David Dunbar Buick die eigenständige Automobilmarke Buick. Bereits 1904 wurde Buick von William Durant und seiner Firma Cadillac übernommen. 1908 gründete Durant den General Motors-Konzern, in den Buick eingegliedert wurde.

 

11.05.1903 - Gustave-Désiré Leveau erhält in Frankreich das erste Patent auf einen Vierpunkt-Sicherheitsgurt (Nr. 331926)

 

16.06.1903 - Henry Ford gründet die Ford Motor Company. Dies war sein zweiter Start als Automobilhersteller. Am 31.08.2012 hat Ford sein 350.000.000. Auto gebaut.

 

18.10.1903 - Mercedes-Fahrer Willy Poege siegt auf der Trabrennbahn Berlin-Westend beim ersten deutschen Autorennen auf einer geschlossenen Bahn.

 

 

1904

 

04.05.1904 - Wie unter Gentlemen üblich vereinbaren Frederick Henry Royce und Charles Rolls im Midland Hotel, Manchester, per Handschlag den gemeinsamen Vertrieb von Automobilen. Daraus entwickelt sich der Autohersteller Rolls-Royce Motor Cars. Der von Royce entwickelte „Royce 10 hp“ wird 1904/1905 als „Rolls-Royce 10 hp“ 17 mal gebaut. Erst am 23.12.1904 wurde ein schriftlicher Vertrag über die neue Firma fixiert.

 

08.08.1904 - Der spätere Rennfahrer Archille Varzi wird Galliate, Italien geboren. Er war einer der besten Fahrer der frühen 30'er Jahre und seine Duelle mit dem meist siegreichen Tazio Nuvolari mobilisierte die Massen. Er fuhr auf Alfa Romeo, Maserati und Bugatti und gewann meherer Grand Prix. 1948 verunglückte er beim Training zum Grand Prix der Schweiz tödlich.

 

23.08.1904 - Auf die von ihm erfundene Schneekette für Autos erhält der US-Amerikaner Harry D. Weed ein Patent.

 

09/1904 - Renault stellt den Typ  (b) vor, einen Rennwagen mit einem wassergekühlten Vierzylindermotor und 12.063 ccm Hubraum. Mit den 60-90 PS erreichte man eine Höchstgeschwindigkeit von rund 150 km/h. Unüblich für Rennwagen dieser Zeit wurde die Motorleistung über eine Kardanwelle an die Hinterachse geleitet. Ein Wagen startete beim ersten Vanderbilt Cup-Rennen am 08.10.1904 auf Long Island (New York), fiel aber mit gebrochener Kardanwelle aus.

 

07.11.1904 - Der Architekt Rudolf Kempf eröffnet die er erste Fahrschule. 36 Fahrschüler - Schlosser, Mechanike, Herrschaftskutscher und Automobilhändlern aus verschiedenen Ländern - nahmen am ersten Lehrgang teil. Ein Kurs dauerte 10 Wochen mit 15 Stunden theoretischem Unterricht wöchentlich, dazu zwölf Stunden Werkstatt-Tätigkeiten und acht Stunden praktische Fahrübungen, Landkartenlehre, Sanitätslehre, Physik, Elektrotechnik und der Lehre vom Motor- und Automobilbau. Eine Führerschein gab es aber nicht, dieser wurde erst um 1910 in Deutschland eingeführt. Nach 2 Jahren und 419 geprüften Wagenlenkern wurde Kempf die Konzession wegen angeblich unsittlichem Benehmens wieder entzogen.

 

 

1905

 

08.06.1905 - Die Herren Schmidt und Kellner lassen das Unternehmen Weidaer Automobilwerke Schmidt & Kellner in das Gewerberegister eintragen. Unter dem Markennamen Taifun wollen Sie Automobile produzieren. Das Angebot umfasste Kleinwagen mit einem Zweizylindermotor (Modell 8/10 PS) und Vierzylinder (Modell 10/12 PS). Ob sie tatsächlich Fahrzeuge produziert hatten, ist umstritten. 1907 geriet das Unternehmen in Konkurs.

 

06/1905 - Auf der Strecke Lichtenrade - Buckow wird die erste Automobil-Omnibuslinie in Betrieb genommen. 

 

05.07.1905 - Zum sechsten und letzten Mal wird der Gordon-Bennett-Cup ausgetragen. Für das Rennen wurde eine hügelige, 137 km lange Strecke durch die Auvergne ausgewählt. Diese musste viermal durchfahren werden. Laut Regeln durften pro Nation nur drei Fahrzeuge starten. Besonders die Franzosen mit ihren vielen Herstellern waren verärgert über diese Beschränkung. Zwar siegte Léon Théry mit einem Richard-Brasier vor zwei Fiat, doch einen weiteren Gordon-Bennett-Cup gab es nicht mehr. Er wurde durch weniger limitierte internationale Rennveranstaltungen abgelöst.

 

11.-17.08.1905 - Insgesamt 937,1 km führt die Strecke der ersten Herkomer-Konkurrenz von München über Augsburg, Tübingen, Baden-Baden, Stuttgart, Nürnberg und Regensburg zurück nach München. Sie gilt als die erste Tourenwagen-Rallye der Welt. Zur ersten Auflage meldeten sich 105 Teilnehmer. Zugelassen waren nur viersitzige Tourenwagen mit Kotflügeln, Beleuchtung, Regenschutz, Raum für Gepäck und Werkzeug und mit einem Rückwärtsgang. Es siegte Edgar Ladenburg aus München auf Mercedes. Auch die beiden nachfolgenden Wagen waren Mercedes.

 

15.08.1905 - In Hamburg wird Manfred Georg Rudolf von Brauchitsch geboren. Er entstammt einem alten schlesischen Adelsgeschlecht. Ab 1933 wurde Manfred von Brauchitsch Werksfahrer bei Mercedes-Benz. Als Rennfahrer war er sehr schnell, doch wurde er einerseits durch unglückliche Umstände um Siege oder gute Platzierungen gebracht, andererseits hatte er sein Pech bei Rennen auch sich selbst und seinem schonungslosen Umgang mit den Fahrzeugen zuzuschreiben. Aber er fuhr auch Siege ein. So gewann er 1937 den Großen Preis von Monaco und 1938 den Großen Preis von Frankreich. Von 1948 bis 1950 war er der erste Präsident des AvD. 1954 zog er in die DDR und wurde dort Sportfunktionär. Manfred von Brauchitsch starb 2003.

 

 

1906

 

15.03.1906 - Henry Royce und Charles Rolls lassen in Manchester die von ihnen gegründete Automobilfirma Rolls-Royce Limited eintragen.

 

01.04.1906 - Um gesicherte Daten über die durch das Automobil im Straßenverkehr zu erhalten, beschließt das Reichsamt des Inneren ab dem 01.04.1906 im gesamten Deutschen Reich eine statistische Erhebung über Zahl und Schwere der Automobilunfälle durchzuführen. Ende des Jahres liegt die erste Statistik vor, die für die Automobilfahrer nicht günstig ausfällt. Denn Ursache der meisten Autounfälle ist demnach zu schnelles, unvorsichtiges oder vorschriftswidriges Fahren. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert.

 

26.04.1906 - In Dresden wird in der Sächsische Automobilclub e.V. unter dem Protektorat Seiner Majestät König August von Sachsen am 26.04.1906 mit Sitz in der Ringstraße 12 gegründet. Zum ersten Präsidenten wird der Kgl. Sächs. Geh. Kommerzienrat Karl Lingner gewählt. Im Jahr nach seiner Gründung zählt der Club 137 lebenslange bzw. ordentliche Mitglieder sowie 29 außerordentliche Mitglieder.

 

03.06.1906 - In Deutschland wurde die Kfz-Steuer mit dem Reichsstempelgesetz vom 3. Juni 1906 zum 1. Juli 1906 eingeführt. (Reichsgesetzblatt Nr. 33/1906, Seite 708-711). Besteuert wurde zunächst der Hubraum; dazu wurden mittels einer Formel die Steuer-PS ermittelt, welche nicht mit den eigentlichen Leistungs-PS verwechselt werden sollten. Gültig für das Deutsche Reich vom 3. Juni 1906 bis 31. März 1928 waren folgende Formeln:

2-Takter: 0,45 × Zylinderzahl × Zylinderbohrung² (in cm) × Kolbenhub (in m)

4-Takter: 0,30 × Zylinderzahl × Zylinderbohrung² (in cm) × Kolbenhub (in m)

also:

2-Takter: 1 Steuer-PS = 175,5 cm³ oder 1 Liter Hubraum rund 5,70 Steuer-PS

4-Takter: 1 Steuer-PS = 261,8 cm³ oder 1 Liter Hubraum rund 3,82 Steuer-PS

 

09.06.1906 - Nach dem er aufgrund unterschiedlicher Ansichten mit der Geschäftsleitung in der Modellpolitik die von ihm gegründete Firma Benz verlassen hatte, gründete Carl Benz zusammen mit seinen Söhnen Eugen und Richard in Ladenburg eine neue Firma zum Bau von Motoren und Motorwagen: Die "C. Benz & Söhne. Carl Benz schied aus dieser Firma 1912 wieder aus. Zu dieser Zeit saß er bereits im Aufsichtsrat seiner alten Firma. Seine Söhne bauten noch bis 1924 eigene Automobile; danach verlegten sie das Geschäftsfeld auf die Produktionen von Teilen für die Automobilindustrie.

 

26.-27.06.1906 - In Le Mans wird das erste Rundstreckenrennen der Automobilgeschichte ausgetragen. Mit dem Großen Preis des ACF beginnt die Geschichte der Großen Preise. Der Grand Prix von Frankreich hatte eine Länge von 103 km und musste an zwei Tagen insgesamt 12x umrundet werden. Sieger war ein ehemaliger Mechaniker von  Louis Renault, der Ungar Ferenc Szisz. Er gewann mit 31 Minuten Vorsprung vor Felice Nazzaro auf Fiat, dem Albert Clément auf Clément-Bayard folgte.

 

15.07.1906 - In London wird als Sohn einer Engländerin und eines Deutschen Rudolf Uhlenhaut geboren. In München absolviert er das Studium des Maschinenbaus und kommt 1931 zu Daimler-Benz nach Stuttgart zur Versuchsabteilung unter Fritz Nallinger. 1936 übernimmt Uhlenhaut die Leitung der Rennwagenabteilung, die in diesem Jahr den Fahrzeugen der Auto Union unterlegen war. Unter seiner Leitung startet 1937 der neue W 125 durch und wird das überlegene Auto der Grand-Prix-Europameisterschaft in diesem Jahr; Rudolf Caracciola wird als Fahrer Europameister. Nach den erfolgreichen Rennen der Vorkriegszeit ist Uhlenhaut auch nach dem Zweiten Weltkrieg für die Rennwagenabteilung zuständig. Er lässt mit dem Motor des Typs 300 einen Rennsportwagen bauen, der ab 1952 als W 194 (300 SL) die bedeutendsten Rennen gewinnt und ab 1954 in Form des legendären „Flügeltürer-Coupés“ auf die Straße kommt.  Uhlenhaut selbst besitzt nie ein eigenes Auto, nutzt aber z.B. das berühmte „Uhlenhaut-Coupé“ für die Fahrt zur Arbeit. Dabei handelt es sich um eine geschlossene Version auf Basis des offenen 300 SLR, mit dem 1955  Stirling Moss und Denis Jenkinson die Mille Miglia gewannen. Das Fahrzeug ist für die Rennsaison 1956 vorgesehen, doch aufgrund der Tragödie von Le Mans 1955 zieht sich Mercedes-Benz für Jahre vom Rennsport zurück. Später ist Uhlenhaut Mitglied im Vorstandes Stuttgarter Autobauers und wird 1972 pensioniert. Am 08.05.1989 stirbt Robert Uhlenhaut in Stuttgart.

   

21.11.1906 - In München kommt das erste Automobil bereits rund 20 Jahre nach seiner Erfindung ins Museum. Zur Eröffnung des Deutschen Museums, das sich auf der Museumsinsel, einer alten Kiesbank in der Isar, befindet, stiftet Carl Benz seinen ersten Patent-Motorwagen von 1886. Im Jahr 1925 wird das Dreirad für einen historischen Korso noch einmal auf die Straße geholt. Heute befinden sich die Automobile nicht mehr auf der Museumsinsel, sondern in einer Außenstelle im Verkehrszentrum in drei ebenfalls historischen, denkmalgeschützten Messehallen auf der Theresienhöhe. Auch diese Gebäude wurden bereits am 16.05.1908 als Teil der Messe München eröffnet. Hier befinden sich über 4500 Exponate, darunter rund 500 Komplettfahrzeuge vom Kinderroller bis zur Dampflokomotive. Zu den Automobilen gehören neben dem Benz Patent-Motorwagen auch ein Adler Diplomat 3 GS (Bj. 1938), ein Adler Landaulet (Bj. 1911) und ein Adler Standart 6 S (1928), ein Audi Typ C Alpensieger (1914), ein Baker Electric Roadster "Victoria" (1908), ein Cadillac Series 62 Sedan (1959), ein Citroen 2CV AZU 250 Fourgounette (1955),  ein Daimler-Maybach Stahlradwagen (1889, Nachbau 1962), ein Daimler Riemenwagen (1895), ein  Protos "Wettbewerbswagen" (1907), ein Ford Taunus Spezial (1950), ein Goliath Pionier (1931), ein Steyr Typ 50 "Baby" (1936), ein Volkswagen Typ 2 Fensterbus  und viele andere interessante Fahrzeuge.

  

29.11.1906 - Die Neckarsulmer Fahrradwerke AG präsentiert ihr erstes selbständig entwickeltes Automobil, den "Original Neckarsulmer Motorwagen": der NSU 6/10 PS. Das Fahrzeug ist kleiner, einfacher und preiswerter als die bisher in Lizenz gebauten Pipe-Wagen und erfreut sich einer großen Nachfrage. Es konnte sowohl als Zwei- wie auch als Viersitzer geordert werden. Das Fahrzeug hat einen Vierzylinder-Reihenmotor mit 1.308 ccm Hubraum und 12 PS. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 65 km/h.

 

29.11.1906 - Der aus Turin stammende Rennfahrer, Pilot und Ingenieur Vincenzo Lancia gründete am 29. November 1906 mit dem für Fiat tätigen Versuchsfahrer Claudio Fogolin das Unternehmen Lancia. In den frühen Jahren seiner Firmengeschichte war Lancia vor allem im Rennsport aktiv und konnte in dieser Sparte viele wichtige Erfolge verzeichnen. Auch mit innovativen Ideen und technischen Neuerungen etablierte sich die Marke ab den zwanziger Jahren als eines der Prestigeunternehmen Italiens. Durch die regelmäßig zum Patent angemeldeten technischen Pionierleistungen, die Lancia im Bau von innovativen Fahrzeugen absolvierte, kamen in kurzen Abständen immer wieder neue Lancia-Modelle auf den Markt, die sich stark von der Konkurrenz abhoben. Wie viele andere Unternehmen der Automobilindustrie Europas musste auch Lancia in der Zeit der beiden Weltkriege auf den Bau von Nutzfahrzeugen für das Militär umsatteln. Nach 1945, als das starke Wirtschaftswachstum einsetzte, fertigte Lancia nicht wie die meisten Konkurrenz-Unternehmen vermehrt erschwingliche Kleinwagen an, sondern setzte weiterhin auf in der Herstellung teure und nach aufwendigen Entwürfen produzierte Autos der oberen Preisklasse. Darüber hinaus war Lancia in jenen Jahren für seine sportlich-eleganten Form-Entwürfe bekannt, die die außergewöhnlichen Lancia-Fahrzeuge zu begehrten Designobjekten machten. Nach dem tragischen Unfalltod des Lancia-Testfahrers Alberto Ascari im Jahr 1955 zog sich Lancia für neun Jahre aus dem Rennsport zurück und verschenkte seine Formel 1-Sparte an Ferrari. Seit dem Jahr 1969 wird Lancia als die Nobelmarke des führenden Automobilkonzerns Fiat geführt.

 

01.12.1906 - Bei der freiwilligen Feuerwehr Grunewald wird die erste von einem Benzinmotor angetriebene Feuerlösch-Gasspritze Deutschlands in Dienst gestellt. Das 32/35-PS-Vierzylinder-Fahrgestell stammt von der Süddeutschen Automobilfabrik Gaggenau.

 

 

1907

 

10.06.1907 - In Peking starten fünf Wagen zum längsten Automobilrennen aller Zeiten, der Fahrt von Peking nach Paris. Die 12.000 km lange Route führt durch die Wüste Gobi, vorbei am Baikalsee, durch Sibirien, über den Ural und über Moskau nach Frankreich.

 

30.09.1907 - Die Firma Anderson Carriage Company liefert das erste Fahrzeug des "Detroit Electric" aus, bis zum Jahresende werden neun weitere Fahrzeuge gebaut. Das Modell C ist ein zweitüriges Coupé, das Modell D ein viersitziger Brougham, zwei Jahre später folgt das Modell L als Roadster. Zu den bekanntesten Besitzern gehören Thomas Edison und John D. Rockefeller. Am bekanntesten ist jedoch die Besitzerin Dorette Duck - eine Comicfigur. Sie ist die Großmutter der Donald Duck Comics. Ein Detroit Electric ist auch im Automuseum Melle zu sehen.

 

01.10.1907 - Auf Grund vermehrter Fälle von Fahrerflucht beginnen in den deutschen Staaten zwischen 1870 und 1890 die ersten örtlichen Behörden, Nummernschilder für Fahrräder vorzuschreiben. Sie werden lokal ausgegeben und unterscheiden sich farblich. 1896 wird in Baden das erste Nummernschild an einem der neuen Automobile befestigt. 10 Jahre später gibt es die erste einheitliche Regelung zum Anbringen von Nummernschildern an allen Kraftfahrzeugen, die ein Jahr später am 01.10.1907 in Kraft treten und für alle 26 Länder des Deutschen Reiches gelten. Die Kennzeichen sollen der Identifizierung nach Fahrerflucht und anderen Verstößen dienen. Zu diesem Zeitpunkt sind im Deutschen Reich 10.15 Pkw, 15.954 Krafträder und 957 Lkw zugelassen. Anfang des 20. Jahrhunderts führen immer mehr europäische Länder Kraft-fahrzeugkennzeichnungen ein. Doch gegen die Einführung von Kraftfahrzeugkennzeichen  gibt es auch Proteste. Die Nummerierungen würden die Automobile entstellen und sie erhielten den Charakter von Mietwagen.

 

10.10.1907 - Die Berliner Stadtverordnetenversammlung beschließt die Anschaffung eines Automobils für den Magistrat.

 

02.12.1907 - Nach Berechnungen der "Welt am Montag" erfordert ein Automobil mit 24 PS jährlich 12.000 Mark Betriebskosten. Ein Arbeiter verdient im gleichen Zeitraum durchschnittlich etwa 900 Mark.

 

 

1908

 

12.02.1908 - In New York startet das "Greatest Auto Race", einem Autorennen über 22.000 Kilometer. Sechs Teams, darunter ein deutsches mit einem Protos-Wagen, machen sich auf den Weg zu einer spektakulären Wettfahrt. Die Strecke führt über 3000 Meter hohe Berge, Flüsse ohne Brücken müssen passiert werden, es geht über kilometerlange Schlammpisten, durch Wüsten. Banditen und Wölfe gefährden die Reisenden. Der in Berlin-Reinickendorf gebaute Protos-Wagen wird von einem Vierzylindermotor mit 4.360 ccm Hubraum angetrieben, hat 30 PS und fährt maximal 90 km/h. Er hat einen wuchtigen Aufbau mit einer zugluftdichten Plane und dient gleichzeitig als provisorische Reparaturwerkstatt. Über den drei Sitzen gibt es einen notdürftigen Schlafplatz. Angeführt wird die deutsche Crew von Oberstleutnant Hans Koeppen. Ab New York sind als Fahrer und Mechaniker Hans Knape und Ernst Maas mit an Bord, die ab Wladiwostok durch Kaspar Neuberger und Robert Fuchs ersetzt werden. Zur ihrer Ausrüstung gehören Ersatzteile, Lebensmittel, Waffen, Medikamente und Schlittenkufen. Sechs Extratanks enthalten 700 Liter Benzin und 100 Liter Öl. Der Durchschnittsverbrauch beträgt 30 Liter Benzin. Drei Fahrzeuge kommen ins Ziel, als erstes der Prototyp. Doch mit zweifelhaften Gründen wird der vier Tage später eintreffende George Schuster mit seinem Thomas-Flyer zum Sieger erklärt.

 

03/1908 - Dr. Elisabeth von Papp nimmt  ihren Dienst als erste Taxi-Chauffeurin Deutschlands - "polizeilich concessioniert" - auf. Mit einem offenen Adler-Wagen ist die gebürtige Ungarin auf den Berliner Straßen unterwegs. Doch sie muss bald aufgeben aufgrund von vielen Kunden und Kollegen. Außerdem weigert sie sich, dem Transportarbeiterverband beizutreten.

 

01.03.1908 - Nach mehr als 20.000 Kilometern trifft als erster Wagen beim Autorennen New-York – Paris der Protos mit Oberleutnants Hans Koeppen in Chicago ein. Der von der Wagenfabrik Jos. Neuss für diese Fahrt aufgebaute Protos-Wettfahrtwagen steht heute im Deutschen Museum.

 

24.03.1908 - Für seinen erfundenen handbetriebenen Scheibenwischer für vordere Auto-scheiben erhält der autobegeisterte Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder Kaiser Wilhelms II., ein deutsches Patent. Seine Erfindung findet allerdings wenig Verbreitung.

 

08.05.1908 - Der italienische Rennfahrer Vincenco Trucco siegt auf Isotta-Fraschini bei der  3.Targa Florio mit einem Durchschnitt von 57.065 km/h. Der Mailänder ist ein Freund von Alfieri Maserati, mit dem er eine Zündkerze patentieren lässt.

 

26.05.1908 - In Masjid-i-Suleiman, im Süden des heutigen Iran, wird Erdöl entdeckt. Daraufhin gründet sich 1909 die Anglo-Persian Oil Company (APOC), die als erstes Unternehmen die Ölreserven im Nahen Osten anzapft und verarbeitet. Die APOC schließt Konzessionsverträge mit Persien. 1954 benennt sie sich in British Petroleum Company um, heute bekannt als BP.

 

9.6.1908 - In Berlin erfolgt der Start zur ersten Prinz-Heinrich-Fahrt für Automobile. 129 Fahrzeuge gehen an den Start der über rund 2.200 km langen Tour. Sie führt über Kiel, Hamburg Köln und Trier nach Frankfurt, wo sie am 17. Juni endet. Sieger wird Fritz Erle-Mannheim auf einem Benz-Wagen. Gestiftet wird die Tourenwagen-Konkurrenz vom automobilbegeisterten Rennfahrer Prinz Albert Wilhelm Heinrich von Preußen, dem Bruder des deutschen Kaisers Wilhelm II. Ausgerichtet wird die Fahrt vom KAC, dem Kaiserlichen Automobil-Club.  1909 und 1910 findet die Prinz-Heinrich-Fahrt erneut statt. Dabei siegen Wilhelm Opel bzw. Ferdinand Porsche.

 

7.7.1908 - Den dritten Grand Prix von Frankreich in Dieppe gewinnt der deutsche Rennfahrer Christian Lautenschlager auf einem Mercedes. Auf den Plätzen zwei und drei folgen zwei Benz-Wagen.

 

09.07.1908 - Auf die Strecke Berlin-Stettin-Kiel-Hamburg-Hannover-Köln-Trier-Frankfurt am Main gehen anlässlich der ersten Prinz-Heinrich-Fahrt 129 Wagen. Der Pokal wird vom begeisterten Rennfahrer Prinz Albert Wilhelm Heinrich von Preußen, dem Bruder vom damaligen Deutschen Kaiser,  gestiftet. Teilnehmen dürfen nur viersitzige Tourenwagen mit drei Personen. Zusätzlich fährt ein Kontrolleur der Fahrtleitung in jedem Wagen mit. Auf der Strecke gibt es immer wieder Schnelligkeitsprüfungen auf abgesperrten Straßen. 1908 siegt Fritz Erle (auf Benz), 1909 Wilhelm Opel (auf Opel) und 19010 ist Ferdinand Porsche bei der letzten Prinz-Heinrich-Fahrt (auf Austro-Daimler).

 

26.7.1908 - Der Sieger des Automobilrennens „Rund um die Erde”, der deutsche Oberleutnant Hans Koeppen, trifft auf seinem Protos-Wagen in Paris ein. Jedoch werden ihm für einen von den als Rennleitung eingesetzten Franzosen genehmigten Bahntransport nachträglich 15 Tage angerechnet. Da er nur mit drei Tagen Vorsprung in Paris eintrifft, wird der US-Amerikaner George Schuster zum Sieger erklärt.

 

1908 - der „Grieve“ wird gebaut, das erste Automobil, dass in Südamerika entworfen wurde. Gebaut wird der „Grieve“ vom peruanischen Ingenieur Juan Alberto Grieve. Das Fahrzeug ist stark genug, um die schlechten Straßen und das schwierige Terrain Perus zu überwinden. Die einzigen importierten Teile des „Grieve“ sind die Reifen von Michelin, der Bosch-Starter und der Vergaser. Das Auto hat vier Zylinder und eine Leistung von 20 PS. Der Preis beträgt 300 Pfund, die Hälfte eines europäischen Autos mit gleicher Leistung. Doch Perus Präsident Leguia ist der Auffassung "Wir brauchen die Produkte der fortgeschrittenen Länder und nicht Experimente mit peruanischen Produkten". Er verweigert finanzielle Unterstützung und so wird eine peruanische Automobilindustrie verhindert.

 

21.08.1908 - Der niederösterreichische Landschulrat in Wien gibt einen Erlass an die Bezirksschulräte über das "Steinewerfen gegen Automobile" heraus. Besonders die Landjugend empfinde "noch immer eine Abneigung gegen das moderne Verkehrsmittel", der es durch das Bewerfen der Autos mit Steinen und Stöcken Ausdruck verleihe.

 

8.9.1908 - In Berlin wird der erste Löschzug der Feuerwehr mit vier elektrisch angetriebenen Wagen in Betrieb genommen. Der Zug besteht aus Gasspritze, Gerätewagen, Dampfspritze und Drehleiter. Nach zweijährigen Probefahrten über 10.000 Kilometer mit einem Elektro- und einem Dampfauto entscheidet man sich für Daimlerfahrgestelle mit Radnabenantrieb System Lohner-Porsche.

 

16.09.1908 - Die Automobilfirma General Motors wird durch William C. Durant als Holdinggesellschaft gegründet und übernimmt im Anschluss daran Buick und Oldsmobile. Im darauffolgenden Jahr übernimmt GM mit Cadillac, der Cartercar Company, der Elmore Manufactoring, der Ewing Automobile Company und Oakland (später Pontiac) fünf weitere Konkurrenten. Im Jahr 1918 kommt Chevrolet zum Konzern. Auch Busse und LKW gehören zur Produktionspalette. GM expandiert auch ins Ausland und übernimmt 1928 den deutschen Hersteller Opel. Mit seinen Tochterfirmen beliefert GM im Zweiten Weltkrieg alle Kriegsparteien, genauso wie der Mitbewerber Ford. 1950 wird General Motors wegen einer Verschwörung zu einer Geldstrafe vom 5000 US-Dollar verurteilt (heutiger Wert: ca. 50.000 US-Dollar). GM hat versucht, das Netz der elektronischen Straßenbahnen aufzukaufen und zu zerstören, um den öffentlichen Nahverkehr auf GMC-Busse umzustellen. Dieses Ziel verfolgt GM bereits seit den 20er Jahren. Ende 1955 verkündet GM als erstes amerikanisches Unternehmen einen Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar.

 

27.09.1908 - In Detroit wird das erste Ford Modell T fertiggestellt. Zwischen 1908 und 1927 entstehen 15.007.033 Exemplare. Dieser Wert wird erst im Februar 1972 durch den VW Käfer erreicht. Henry Ford legt bei der Entwicklung des Modell T Wert auf einfachste Bedienung und Reparatur. Aus diesem Grund bekommt der Wagen kein konventionelles Getriebe mit Kupplung und Wählhebel. Es gibt weder eine Kühlwasserpumpe, einen Ölfilter, eine Kraftstoffpumpe oder einen Ölmessstab. Die Konstruktion ist so simpel, dass fast alle Reparaturen ohne Spezialwerkzeuge ausgeführt werden können. Ford hat erkannt, dass alle Bauteile mit gleichbleibend hoher Qualität und nur kleinen Toleranzen gefertigt werden müssen, um eine störungsfreie Montage am Fließband zu ermöglichen. Das Modell T gibt es in zahlreichen Varianten, u.a. als Coupé, viersitziges Cabrio („Touring“) zweisitziges Cabrio („Runabout“), Limousine („Tudor“) oder Lastkraftwagen („One-Ton-Truck“). Angetrieben werden die T-Modelle von einem Reihenvierzylinder mit 2,9 Liter Hubraum. Zunächst wird der „T“ konventionell, ab dem 14.01.1914 wird auf Fließbandproduktion umgestellt. Dadurch kann der Verkaufspreis von 850 US-$ auf 370 US-$ gesenkt werden. Im gleichen Jahr wird der Wagen nur noch in der Einheitslackierung schwarz gefertigt, eine Farbe, die zuvor nicht im Programm war.

 

16.09.1908 - William C. Durant gründet in Detroit, MI, die Firma General Motors. Noch im selben Jahr erwarb er die Marken Buick und Oldsmobile. 1929 kam auch der deutsche Automobilhersteller Opel dazu.

 

15.11.1908 - In Wien wird der später erfolgreiche Motorradrennfahrer und Tuner Carlo Abarth geboren. Mit fünf Jahren zieht er mit seiner Familie nach Meran, dem Geburtsort seines Vaters, und wird italienischer Staatsangehöriger, da sein Vater sich nach der Annexion Südtirols für Italien entscheidet, Zurück in Wien fährt er später Radrennen und beginnt eine Ausbildung als Motorradmechaniker. Kurz darauf fährt er auch Motorradrennen. 1928 gründet er sein erstes eigenes Team. Nach einem Unfall mit bleibenden Schäden nach einer Knieverletzung steigt er auf Seitenwagenrennen um.  Nach weiteren Unfällen stellt er seine Rennfahrerkarriere ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründet er mit Armando Scagliarini die Firma "Abarth" in Bologna, verlegt diese kurz darauf nach Turin. Von der zahlungsunfähigen Firma Cisitalia übernimmt er deren Rennfahrzeuge. Abarth  wird in der Folgezeit als Anbieter von Fahrzeugtuning, aber auch als Hersteller von Eigenkonstruktionen weltberühmt. 1979 stirbt Carlo Abarth und wird auf dem Grinzinger Friedhof in Wien beerdigt.

 

 

1909

 

15.01.1909 - In Köln wird Jean Bugatti, der älteste Sohn des bei der Firma Deutz beschäftigten Automobilkonstrukteurs Ettore Bugatti, geboren. Ein Jahr später zieht die Familie nach Molsheim ins Elsass, wo der Vater sich mit einer eigenen Automobilfirma selbständig macht. Mit 21 Jahren beginnt Jean, im Designlabor des Unternehmens Touren- und Sportwagen zu entwerfen. Im Gegensatz zu seinem Vater, dessen Automobile funktional und streng minimalistisch sein müssen, hat er ein Gespür für Proportion, Form und fließende Konturen.  Anfang der dreißiger Jahre entwirft er die sechs Meter lange 2-Sitzer-Karosserie des Bugatti Royale "roadsters Esders". Seine Handschrift tragen auch die Typen Bugatti Royale coupé de patron, der Type 55 roadster, der hinreißend schöne Bugatti Aérolithe und der Bugatti Type 57 SC Atlantic - heute eines der teuersten Automobile überhaupt. Jean Bugatti konstruiert aber auch Motoren und Chassis und betätigt sich gegen den ausdrücklichen Willen eines Vaters als Testfahrer. 1936 geht die Leitung der Automobilproduktion vollständig auf Jean Bugatti über. Drei Jahre später verunglückt er bei einer Testfahrt mit einem Type 57 C "Tank", der noch kurz zuvor die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hat. Bei einer Geschwindigkeit von mehr als 200 km/h muss Jean einem Fahrradfahrer ausweichen, der plötzlich aus einem Feld kam, und prallte frontal gegen einen Baum. Nach seinem Tod führt sein Bruder Roland Bugatti die Geschäfte weiter. Vater Ettore hat sich vom Verlust seines ältesten Sohnes nicht mehr erholt.

 

24.02.1909 - Paul Kleinschnittger wird in Hoppecke (heute Brilon in NRW) geboren. Der Modellbautischler beginnt 1939 mit der Entwicklung eines Automobils und stellt aus alten Flugzeugteilen ein Fahrgestell.  Einen ersten Prototyp stellt er Ende der 1940er Jahre vor.  Dieser verfügt über eine Windschutzscheibe aus Plexiglas, Kotflügel eines Motorrades und einen 98 ccm-DKW-Motor. Allerdings fehlen z.B. Winker und er besitzt nur einen Scheinwerfer, so dass das Straßenverkehrsamt in Niebüll eine Zulassung verweigert. Mit dem Kaufmann Walter Lembcke findet Kleinschnittger einen Geldgeber, die Kleinschnittger GmbH wird in Arnsberg gegründet. 1950 beginnt die Produktion des ersten deutschen Kleinwagens, des Kleinschnittger F 125, ein offener Zweisitzer. Kurz danach steigt Lembcke wieder aus. Insgesamt sieben Jahre wird der F 125 gebaut, es entstehen rund 2.000 Fahrzeuge. Der F 125 hat einen 1 Zylinder-Zweitaktmotor mit 0,125 Liter Hubraum und zuletzt 6 PS. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei stolzen 70 km/h. Einen Rückwärtsgang besitzt das Fahrzeug nicht, zum Wenden wird das nur 150 kg leichte Fahrzeug einfach angehoben und umgedreht. Spätestens 1957 ist das Fahrzeug nicht mehr zeitgemäß. Mangels Käufer muss Kleinschnittger Konkurs anmelden. Kleinschnittger und seine Frau produzieren nun Holzbeschläge für die Lampenindustrie und Schweißelektroden für AEG. Am 3. Januar 1989 stirbt Paul Kleinschnittger in Marsberg.

 

23.03.1909 - In Bissingen/Enz wird die Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH von Wilhelm Maybach und Ferdinand Graf von Zeppelin gegründet. Zunächst entwickelt und baut die Gesellschaft Diesel- bzw. Gasmotoren für die Luftschiffe der Zeppelin-Werke. Da nach dem 1. Weltkrieg aufgrund des Versailler Vertrages Deutschland die Produktion von Luftschiffen und Flugzeugen verboten ist, beginnen das 1918 in Maybach-Motorenbau GmbH umbenannte Unternehmen mit der Herstellung von Automobilen.  1919 entsteht der erste Versuchswagen, der erste zum Verkauf angebotene Wagen "W 3" wird 1921 auf der Berliner Automobilausstellung präsentiert. Maybach-Fahrzeuge gelten als Luxuswagen. Bis 1941 werden lediglich 2300 Maybach-Fahrzeuge hergestellt. Nach dem 2. Weltkrieg wird die Fahrzeugproduktion mangels Kapitals nicht wieder aufgenommen und das Unternehmen beschränkt sich auf den Motorenbau für Schienenfahrzeuge und Schiffsdiesel. 1960 übernimmt Daimler-Benz die Maybach-Motorenbau GmbH.

 

06.04.1909 - Hermann Lang wird in Stuttgart-Cannstatt geboren. Zu seiner Zeit stammen die Rennfahrer zumeist aus aristokratischen Familien, während Lang aus bescheidenen Verhältnissen kommt und sich seinen Weg nach oben hart erarbeiten muss. Zunächst macht er eine Lehre als Mechaniker. 1927 beginnt er, bei Motorradrennen zu starten, 1931 gewinnt er die deutsche Bergmeisterschaft für Seitenwagenmaschinen. Zwei Jahre später wird er Mechaniker in der Mercedes-Rennabteilung und kümmert sich in erster Linie um Luigi Fagiolis Wagen. 1935 nimmt er in Monza als Nachwuchsfahrer bei Testfahrten teil und beeindruckt Rennleiter Alfred Neubauermit seinem Start und seiner Kurventechnik. Am 16.06.1935 startet er auf dem Nürburgring zu seinem ersten Renneinsatz und belegt den fünften Platz. Er entwickelt eine Vorliebe für Hochgeschwindigkeitsstrecken und gewinnt dreimal den Gran Premio di Tripoli und 1937 das AVUS-Rennen. 1939 ist sein erfolgreichstes Jahr mit Siegen in Pau, Tripolis, Belgien und der Schweiz bei den dortigen Großen Preisen, dazu das Bergrennen am Freiburger Schauinsland und das Wiener Höhenstraßenrennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg startet er zunächst mit einem eigenen Veritas Meteor,  und wechselt 1951 wieder zu Mercedes. Als 1952 die große Zeit des Mercedes 300 SL beginnt, gehört Hermann Lang zusammen mit Rudolf Caracciola, Karl Kling und Fritz Riess zur Werksmannschaft. 1952 gewinnt Lang das Eifelrennen und zusammen mit Riess die 24 Stunden von Le Mans, den Großen Preis von Bern und wird hinter Karl Kling Zweiter bei der Carrera Panamericana. Er ist maßgeblich beim Einstieg von Mercedes in die Formel 1 im Jahr 1954 beteiligt. Nachdem er an dritter Stelle liegend 1953 beim Großen Preis von Deutschland von der Strecke rutscht, beendet er seine aktive Rennfahrerkarriere. 1987 stirbt er im Alter von 78 Jahren in Bad Cannstatt.

 

08.04.1909 - Die nationale Zulassungsbehörde erteilt die Zulassung für den Renault Type AT, einem Rennwagenmodell mit einem leichten, zweisitzigen Aufbau. Angetrieben wird er von einem wassergekühlten Vierzylindermotor mit 7433 ccm Hubraum und 45 PS. Je nach Übersetzung liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 79 bis 114 km/h. Am 26.08.1909 siegt Louis Raffalovitch mit einem Renault Type AT beim 24-Stunden-Rennen von New York.

 

4/1909 - Im April 1909 beschließt die Daimler-Motoren-Gesellschaft den Bau von Versuchsfahrzeugen mit dem vom Amerikaner Charles J. Knight erfundenen ventillosen Schiebermotor. Sein Vorteil sind die außergewöhnliche Laufruhe und Kultiviertheit. Das erste Exemplar einer Versuchsserie von sechs Stück wird am 23. Juni 1909 fertig gestellt. Die Erprobung ist erfolgreich, und so erwirbt die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) im März 1910 die Lizenzen zur Produktion der Knight-Motoren für einen Zeitraum von zunächst zehn Jahren. Mitte 1910 debütiert auf dem Pariser Automobil-Salon dann das erste Serienmodell mit Knight-Motor, ein Mercedes 16/40 PS mit 4-Liter-Vierzylinderaggregat. Die Serienfertigung des Typs beginnt Anfang 1911, er bleibt bis 1924 im Fertigungsprogramm. Zwei weitere Vierzylindermodelle, der 10/30 PS und der 25/65 PS, gehen 1913 in Produktion, sie werden bis 1915 gebaut. Vom Vierliter-Typ entstehen innerhalb von 14 Jahren rund 5.500 Stück.

 

01.05.1909 - In Swakopmund/Deutsch-Südwestafrika vollendet der Deutsche Paul Graetz die erste Durchquerung Afrikas im Automobil. Sein 35-PS-Spezialwagen der Süddeutschen Automobilfabrik Gaggenau GmbH ist mit einem Sonderaufbau des Berliner Karosserieherstellers Neuss versehen. Die 9 500 km lange Reise hat am 10. August 1907 in Dar-es-Salaam/Deutsch-Ostafrika begonnen.

 

16.07.1909 - Nachdem er seine Firma Horch im Streit mit dem Vorstand verlassen hat, gründet August Horch in Zwickau ein neues Automobilunternehmen . Es trägt den Namen "Audi". Dieser Name ist der lateinische Imperativ Singular von "audire" (dt.: hören, zuhören) und bedeutet "Höre!" oder auch "Horch!". Am 25.04.1910 werden die Audi Automobilwerke GmbH Zwickau in das Handelsregister der Stadt Zwickau eingetragen.

 

24.07.1909 - Das Stuttgarter Karosseriewerk Reutter meldet am 24. Juli 1909 das Patent Nr. 225555 für ein „Klappverdeck mit Vordach, insbesondere für Motorfahrzeuge“. Diese „Reformkarosserie“ ist damit ein konstruktiver Vorläufer des Cabriolets. Bis zum Zweiten Weltkrieg baut Reutter im Kundenauftrag elegante und luxuriöse Karosserien auf Fahrgestelle fast aller renommierter deutscher Autobauer: Adler, Benz, BMW, Daimler/Daimler-Benz, Dixi, Horch, Maybach, NSU, Opel. Auch ausländische Autoproduzenten lassen Aufbauten für ihre Fahrzeuge bei Reutter herstellen, so u. a. Ansaldo, Austro-Daimler, Bugatti, Buick, Cadillac, Chrysler, Fiat, La Salle. Ab Ende der 1920er-Jahre produziert das Stuttgarter Karosseriewerk verschiedene Wanderer-Karosserien bis zum Wanderer W24, dem ersten Großserienauftrag für die Auto-Union AG. Die Holz-/Stahlgemischtbauweise ermöglicht größere Serien, und so kann Reutter Sonder- und Serienaufbauten für viele Automobilhersteller, allen voran Wanderer, fertigen. 1937 eröffnet man ein Zweigwerk in Stuttgart-Zuffenhausen, hauptsächlich zur Fertigung von Wanderer W24-Karosserien. Insgesamt 900 Beschäftigte bauen bis zu 33 Karosserien am Tag. Zudem entstehen hier ab 1932 auch die ersten Volkswagen Vorläufer (Porsche Typ 12 auf Zündapp-Basis und Typ 32 (NSU)), sowie die Volkswagen-Prototypen der Serie VW 303 und im Jahre 1938 der Serie VW 38. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt sich eine Partnerschaft mit Porsche für die Herstellung der Sportwagen-Karosserien des Typs Porsche 356. Für über 60.000 Fahrzeuge des legendären Sportwagens baut Reutter von 1950 bis 1963 Coupé- und Cabrio-Karosserien. Immer wieder stellt Reutter Prototypen und Modelle für Porsche auf 356 Basis her; ab 1961 arbeitet man gemeinsam mit dem Zuffenhausener Nachbarn am Nachfolger "T8", der 1963 als "901" auf den Markt kommt und 1964 schließlich in "911" umbenannt wird. Weitere Einzelaufträge der Nachkriegsjahre sind z. B. die Entwicklung der Prototypen BMW 501 und der Umbau des Citroën DS 19 mit einem speziellen Cabrioverdeck. Nach dem Verkauf des Karosseriewerks in Zuffenhausen an Porsche zum 1. Dezember 1963 behält die aus der 1957 in der Schweiz gegründete „Recaro AG“ hervorgegangene „Recaro GmbH & Co.“ (Reutter Carosserie) bis zum Verkauf Ende 1969 ihren Sitz im Stuttgarter Stammwerk in der Augustenstraße. 

 

07.08.1909 - Alice Ramsy ist die erste Automobilistin, die die USA von Küste zu Küste durchquert und am 07.08.1909 in San Franzisco ankommt. Gestartet war sie am 09.06.1909 in New York.

 

14.10.1909 - Im emsländischen Lingen wird Bernd Rosemeyer geboren. Nach einer Ausbildung im elterlichen Betrieb macht er erste Erfahrungen als Motorradfahrer. Ab 1930 fährt er Motorradrennen für DKW und NSU. Vier Jahre später nimmt er erstmals mit den „2000 Kilometern durch Deutschland“ an einer Automobilveranstaltung teil und im darauffolgenden Jahr wird er Werksfahrer bei der Auto Union AG in Chemnitz. Er wird einer der besten deutschen Rennfahrer seiner Zeit und 1936 Europameister. Im gleichen Jahr heiratet er die damals berühmte, erfolgreiche Fliegerin Elly Beinhorn. Zusammen sind sie das Vorzeigepaar der Nazis. Rosemeyer ist 1933 der SS beigetreten und bei öffentlichen Auftritten wiederholt mit Hakenkreuzinsignien aufgetreten. Ob er auch einen aktiven Dienst in der SS geleistet hat, ist jedoch nicht belegt. Bei zahlreichen Grand Prix-Rennen steht er ganz oben auf dem Treppchen. Gleichzeitig stellt er mit Rennwagen der Auto Union mehrere Geschwindigkeitsrekorde auf. Am 25.10.1937 durchbricht er als erster Rennfahrer der Geschichte mit dem Auto Union Typ C die 400 km/h-Schallmauer auf einer öffentlichen Verkehrsstraße. Ein Jahr später stirbt er am 28.01.1938 er bei einem Weltrekordversuch auf der Reichsautobahn Frankfurt-Darmstadt. Bei einer Geschwindigkeit von rund 420 km/h wird das Fahrzeug von einer Windbö erfasst. Der Wagen stellt sich quer, überschlägt sich mehrfach. Rosemeyer wird aus dem Wagen in den Wald geschleudert und ist auf der Stelle tot.

 

11.10.1909 - Mit dem Internationalen Abkommen über Kraftfahrzeugverkehr  (Pariser Abkommen) werden Nationalitätszeichen im Straßenverkehr festgelegt. Das Deutsche Reich erhält das "D".

 

08.11.1909 - Benz-Werksfahrer Victor Héméry präsentiert auf der neu eröffneten Rennstrecke von Brooklands den Benz 200 PS und stellt einen neuen Landgeschwindigkeitsrekord auf: Mit fliegendem Start erreicht er über einen Kilometer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 202,7 km/h auf, über die 1/2 Meile lag er bei 205,7 km/h. Später erhält der Wagen einen stärkeren Motor und 1911 erreicht der "Blitzen-Benz" 228,1 km/h. Dieser Rekord wird erst 1919 geschlagen. Fünf Fahrzeuge werden gebaut. Der "Blitzen-Benz" hat einen Vierzylindermotor mit 21.504 ccm und 200 PS.

 

11.12.1909 - Der spätere Motorsportingenieur und Rennleiter John Wyer wird im britischen Kidderminster geboren. In den 1950er, 1960er und 1970er Jahren ist er einer der erfolgreichsten Teammanager im Sportwagensport. Zu Beginn seiner Karriere arbeitet er als Rennleiter bei Aston Martin und ist mitverantwortlich für den Triumph beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Jahr 1959, als Roy Salvadori und Carroll Shelby im Aston Martin DBR1 den Gesamtsieg einfahren. Drei Siege auf dem Nürburgring beim 1000-km-Rennen in den Jahren 1957, 1958 und 1959 folgen. 1963 wechselt er zu Ford und leitet 1964 die Rennaktivitäten beim 24-Stunden-Rennen von le Mans. Ein Jahr später gründet er sein eigenes Rennteam. 1967 geht das Team noch mit dem Mirage M1, eigentlich ein Leichtgewicht-Ford GT40, noch recht erfolglos an den Start. 1969 folgen jedoch zwei Le-Mans-Gesamtsiege mit Bianchi/Rodríguez 1968 und Ickx/Oliver 1969. Im Jahr darauf beginnt der Siegeszug des Porsche 917. Unter der Leitung von Wyer und mit großer finanzieller Unterstützung von Gulf Oil gewinnt das Team 1970 und 1971 für Porsche die Sportwagen-Weltmeisterschaft. Nach dem Ende der 5-Liter-Formel baut Wyer eigene Rennwagen, die wieder unter der Bezeichnung Mirage an den Start gebracht wurden. 1975 siegen Jacky Ickx und Derek Bell auf einem Gulf GR8 in Le Mans. Es ist der vierte Sieg von Wyer als Rennleiter oder Teamchef bei diesem Rennen. Am Ende des Jahres verkauft Wyer sein Team und trat in den Ruhestand. John Wyers Rennfahrzeuge gingen viele Jahre in der blauorangen Lackierung seines Sponsors Gulf Oil an den Start. Am 08.04.1989 verstirbt John Wyer in Scottsdale

 

1909 - Speziell für den Mittelstand wird von Opel das Modell 4/8 PS gebaut. Der Zweisitzer ist im Vergleich zu anderen Autos dieser Zeit klein und wendig und wird von vielen Ärzten für Hausbesuche benutzt, wodurch er schnell den Spitznamen „Doktorwagen“ bekommt. Der günstige Preis von 3950 Mark macht ihn zu einem sehr erfolgreichen Modell. Der Opel Doktorwagen ist der erste PKW von Opel, der den Opel-Schriftzug auf dem Kühler trägt. Opel wirbt für den Typ 4/8 PS mit Aussagen wie „einfachster Mechanismus“, „leichteste Handhabung“ und vor allem: „ohne Chauffeur zu benutzen“. Der Opel 4/8 PS wird durch einen wassergekühlten Vierzylindermotor mit einem Hubraum von 1029 cm³ angetrieben. Die Leistung beträgt 8 PS. Das Fahrzeug erreicht damit eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Das ist für die damalige Zeit völlig ausreichend. Die schlechten Straßen und fehlende Verkehrsregeln lassen oft gar kein höheres Tempo zu.

 

1909 - In Italien wird in diesem Jahr der Lancia Beta 15/20 HP auf den Markt, in Frankreich stellt Peugeot den kleinen Familienwagen Typ 118 der Öffentlichkeit vor und in den USA gründet Joseph Lowthian Hudson die Hudson Motor Company.  Diese präsentiert den Hudson Model 20, außerdem werden in den USA der Empire Touring und der Wolfe Touring vorgestellt. Mit dem Acme Speedster, dem Alce Six Race Car (American Locomotive Automobile Company) und dem Marmon Wesp werden Rennwagen-Klassiker erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.