4.    Die 1920er Jahre

 

 

1920

 

02/1920 - Im Kreis Pirmasens sind zwei Jahre nach dem Krieg bereits wieder 64 Fahrzeuge zugelassen.

 

14.04.1920 - Ernest Walker erringt in Daytona mit einer Indian-Bahnrennmaschine den offiziellen Geschwindigkeitsrekord für Motorräder über eine Meile mit einer Geschwindigkeit von 167,670 km/h. Das Motorrad verfügt über einen 998 ccm großen Motor.

 

 

1923

 

03.02.1923 - Die Neufassung der Verordnung über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 3. Februar 1923 verfügt innerorts ein Tempolimit von 30 km/h. (bisher 15 km/h). Ab dem 1. März 1923 ist per Reichsverordnung innerorts eine Geschwindigkeit von 30 km/h erlaubt. Allerdings kann die höhere Verwaltungsbehörde das Limit auf 40 km/h erhöhen.

 

26.-27.05.1923 - Die ersten „24 Heures du Mans“ finden statt, heute eines der legendärsten Langstreckenrennen. Die Franzosen André Lagache und René Léonard gewinnen mit einem Chenard & Walcker Sport und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 92,064 km/h.

 

10.06.1923 - Mit dem Eröffnungsrennen wird die älteste Naturrennstrecke Deutschlands in Betrieb genommen. Das Schleizer Dreieck ist in den 60'er Jahren auch Austragungsort für Formel 3-Rennen.

 

02.07.1923 - Beim Grand von Frankreich setzt Bugatti erstmals den Typ 32 bei einem Rennen ein. Das Fahrzeug, aufgrund seiner eigenwilligen Form auch "Tank“ („Panzer") genannt, wird hinter zwei Sunbeam Dritter.

 

08.09.1923 - Beim Grand Prix im Autodromo soll erstmalig der neue Alfa Romeo P1 eingesetzt werden. Doch beim Training am Vortag verunglückt der italienische Renfahrer Udo Sivocci tödlich mit einem der drei P1. Alfa Romeo sagt den Start ab, was auch gleich das Ende des P1 bedeutet. Es folgen die erfolgreichen Rennwagen P2 und P3. Von Sivocci stammt das vierblättrige Kleeblatt, das viele Alfa-Rennwagen zierte.

 

 

1924

 

05/1924 - Als erster deutscher Hersteller setzt Opel 10 Jahre nach Henry Ford in den USA auf die Fließbandproduktion. Mit der Produktion des Opel "Laubfrosch" wird Opel Massenhersteller. Der Laubfrosch ist jedoch ein Plagiat des Citroen 5 CV. Vor einem deutschen Gericht wird der Klage jedoch abgewiesen mit der Begründung, dass der Opel grün sein, während der Citroen gelb sei. Daraus entwickelte sich der Spruch "Dasselbe in grün.".

 

21.09.1924 - Zwischen Mailand und Varese wird das erste Teilstück der Autostrada die Laghi freigegeben. Es gilt als die erste reine Autostraße der Welt.

 

10.12.1924 - Auf der ersten Verkehrsausstellung in Berlin präsentiert die Hannoversche Maschinenbau AG, kurz HANOMAG, das Modell 2/10 vor, bekannter unter dem Spottnamen "Kommissbrot". 278 cm lang, 118 cm breit, zwei Sitze, ein Frontscheinwerfer. Vorangetrieben wurde er von einem Einzylinder-Motor mit 500 cm und 10 PS, was immerhin für 60 km/h reichte. In 4 Jahren wurden fast 15.000 Fahrzeuge gebaut. "Fünf Pfund Blech und ein Pfund Lack - fertig ist der Hanomag" hieß es damals im Volksmund.

 

 

1925

 

27.06.1925 - Der Mischkonzern Skoda wird zum Autobauer, in dem Skoda mit Laurin & Klement zum Automobilhersteller Skoda Auto fusioniert. 1926 wird der Flugzeughersteller Avia eingegliedert und 1927 besitzt Skoda sogar eine eigene Fluggesellschaft.

 

01.07.1925 - Um dem gewachsenen Interesse am Motorsport Rechnung zu tragen, soll in Deutschland eine Rennstrecke gebaut werden. Dabei greift man auf Pläne aus dem Jahr 1907 für eine Rennstrecke in der Eifel zurück. Damit soll auch eine Verbesserung der Wirtschafts- und Infrastruktur  dieser Region bewirkt werden.  Am 01.07.1925 beginnen die Arbeiten zum Nürburgring und am 18.06.1927 findet mit dem Eifelrennen für Motorräder das erste Motorrad- und einen Tag später das erste Automobilrennen statt.  Rudolf Caracciola gewinnt in einem kompressoraufgeladenen Mercedes-Benz Typ S. Auf dieser Nordschleife finden bis 1976 auch Formel 1-Läufe statt. Aufgrund der Sicherheitsprobleme der auch "Grüne Hölle" genannten Nordschleife wird eine neue, 1984 eingeweihte Grand Prix-Strecke gebaut.

 

26.07.1925 - In Montlhéry stirbt Antoni Ascari in seinem Alfa Romeo beim Großen Preis von Frankreich. 1919 beginnt der Sohn eines Getreidehändlers aus der Lombardei, für Fiat Rennen zu fahren. Regelmäßig tritt er bei der Targa Florio an. 1923 gewinnt er auf einem Alfa Romeo P2 seinen ersten Großen Preis in Cremona. Auch im Folgejahr gewinnt er dort und siegt auch in Monza beim Großen Preis von Italien. 1925 gewinnt er den Großen Preis von Belgien, doch nur einen Monat später stirbt er beim Großen Preis von Frankreich.

 

18.08.1925 - Als Tochterunternehmen der amerikanischen Ford Motor Company wird in Berlin die Ford Motor Company Aktiengesellschaft in das Handelsregister eingetragen, nur einen Tag nachdem im Deutschen Reich die 1920 erlassene Einfuhrsperre für ausländische Automobile aufgehoben worden war. Durch die Montage von zugelieferten Teilen entging man den hohen Importzollen für fertige Autos. Zunächst werden Ford T-Modelle in Moabit montiert. 1930 wird der Unternehmenssitz nach Köln verlegt, wo ab 1931 die Produktion des Modell A beginnt.

 

10.10.1925 - In der Olympic-Hall in London wird die bis zum 18.10.1925 dauernde internationale Automobilausstellung eröffnet. Zu sehen sind 650 Wagen im Wert von 377.000 englischen Pfund.

  

 

1926

 

02.04.1926 - In Hurstville, New South Wales wird John Arthur Brabham, besser bekannt als Jack Brabham, geboren. In seiner Karriere als Rennfahrer gewinnt der Australier u.a. dreimal die Fahrerweltmeisterschaft der Formel 1 (1959 auf Cooper T51, 1960 auf Cooper T51 bzw. T53 und 1966 auf Brabham BT 19 bzw. BT 20). Zwischen 1955 bis 1970 fährt er in der Königsklasse, startet bei 126 Rennen, gewinnt davon 14 und gründete 1963 sein eigenes Rennteam. Am 19.05.tirbt stsarb Jack Brabham in Gold Coast, Queensland, im Alter von 88 Jahren.

 

24.04.1926 - Auf der Pariser Konferenz zur Änderung des Internationalen Abkommens über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen (vom 11.09.1909) wird das Internationale Abkommen über Kraftfahrzeugverkehr verabschiedet.

 

26.05.1926 - Per Versteigerung wird die niederländische Automobilfirma Spyker aufgelöst. Bis dahin baut die 1880 als Kutschenbauer gegründete Firma rund 1.500 Fahrzeuge. Gleichzeitig hat Spyker über 100 Patente angemeldet.  Mit dem Spyker 60 HP präsentiert die Firma den ersten Sechszylinder und das erste Automobil mit Ottomotor und Allradantrieb. Spyker hat einen sehr guten Ruf und wird in Großbritannien gerne als "Rolls-Royce des Kontinents" bezeichnet. Trotz aller sportlichen Erfolge und der sehr guten Qualität der Fahrzeuge muss 1925 die Automobilproduktion eingestellt werden.

 

28.06.1926 - Die "Benz & Co. Rheinische Gasmotorenfabrik Mannheim" (seit 1899 Benz & Cie.) und die "Daimler-Motoren-Gesellschaft" fusionieren zur Daimler-Benz AG. Der Sitz der neuen Firma befindet sich in Berlin.

 

11.07.1926 - Rudolf Caracciola gewinnt den "Großen Preis von Deutschland" auf der Avus mit einem Durchschnitt von 135,2 km/h. Das Siegerfahrzeug ist der erste Achtzylinder-Mercedes und gleichzeitig der erste Wagen, den Dr. Ferdinand Porsche für die DMG konstruiert hat. Der 2-l-Achtzylinder-Kompressor-Rennwagen wird allgemein als Typ "Monza" bezeichnet, da seine Rennpremiere im Oktober 1924 beim Großen Preis von Italien in Monza stattgefunden hat. Größere Erfolge erzielt Porsches Konstruktion nur bei verschiedenen nationalen Rennen und, wie beim Avus-Rennen, in der Sportwagen-Kategorie mit viersitziger Karosserie.

 

10/1926 - Im Oktober 1926 errichtet der US-amerikanische Karosseriehersteller Edward G. Budd Manufacturing Co. zusammen mit den Arthur Müller Bauten und Industriewerken (kurz: Ambi) auf dem Gelände der ehemaligen Rumpler-Werke am Flugplatz Johannisthal ein modernes Karosserie- und Presswerk. Ambi hält 51 Prozent und Budd die restlichen 49 Prozent des Unternehmens. Die Firma produziert Karosserien in Ganzstahlweise, während die Karosserien bisher in Gemischtbauweise (Holzrahmen mit Blechbeplankung) hergestellt wurden. Um die Produktion von Karosserien zu sichern, kauft Ambi-Budd 26 % der Adlerwerke.  Zu den ersten Modellen gehört der Adler Standart 8. Aber auch Ford, BMW und Hanomag gehören zu den Kunden der Berliner. Neben Limousinen werden ab 1930 auch – in der alten Gemischtbauweise – Cabriolets gebaut.  Während des Zweiten Weltkriegs fertigt Ambi-Budd unter anderem für das Volkswagenwerk Wolfsburg die Aufbauten für den VW Typ 82 („Kübelwagen“), Schwimmwagen (VW Typ 166) und die Lafette der 2,8-cm-schweren Panzerbüchse 41. Nach Kriegsende 1945 liegt das Werk in der sowjetischen Besatzungszone und wird komplett demontiert. Die Presswerkzeuge für die BMW 321/326 gelangen zu Awtowelo in Eisenach, wo die Wagen als EMW 321 und 340 weiter gebaut wird. Die Werkzeuge für die Karosserie des Ford Taunus gehen in den Westen zu Ford, der Rest wird in die Sowjetunion verbracht.

 

10/1926 - Auf der  Automobil-Ausstellung Berlin stellt die Osnabrücker Karosseriebaufirma Karmann folgende Fahrzeuge zur Schau:  Stand der Firma Aga, Berlin: 1. Viertürer-Innensteuer-Limousine, 6/20 PS, Aga, 2. Zweisitzer-Sport-Cabriolet 6/20 PS, Aga; Stand der Firma Pluto: 3. Innensteuer-Limousine 5/30 PS, Pluto, 4. Viersitzer Sport-Karosserie 5/30 PS, Pluto, 5. Zweisitzer Sport-Karosserie 5/30 PS, Pluto; Stand Adlerwerke: 6. Zweisitzer Sport-Cabriolet 6/25 PS, Adle; Stand Essex: 7. Zweisitzer Sport-Cabriolet 6/40 PS, Essex; Fiat-Pavillon: 8. Pullmann-Limousine, sechssitzig, 9/35 PS, Fiat. Auf dem Handzettel mit den ausgestellten Fahrzeugen betont Wilhelm Karmann, dass seine Karosserien in diesem Jahr auf den Schönheitskonkurrenzen der Automobil-Wettbewerbe in Lübeck am 1. August und in Bad Neuenahr am 19. September 1926 jeweils den 1. Preis erhielten.

 

11.11.1926 - Sie ist die erste Frau, die in der Formel 1 startet: Maria Teresa de Filippis. Geboren in Neapel, beginnt sie im Alter von 22 Jahren, Automobilrennen zu fahren. Grund dafür ist angeblich eine Wette mit ihren Brüdern, die nicht glauben, dass ihre Schwester schnell Auto fahren kann. Das zeigt sie gleich in ihrem ersten Rennen, dem zehn Kilometer langen Straßenrennen zwischen Salerno und Cava de‘ Tirreni, das sie mit ihrem Fiat 500 bestreitet – und gewinnt. 1954 wird De Filippis Zweite der Italienischen Sportwagenmeisterschaft, im Jahr darauf wechselt sie in das Werksteam von Maserati. Die Italienerin geht 1958 beim Großen Preis von Belgien mit einem von Maserati gestellten 250 F als Privatfahrerin an den Start. Dabei wird sie Zehnte. Bei zwei weiteren Formel 1-Rennen im gleichen Jahr scheidet sie mit ihrem Maserati 250F aus. 1959 wechselt sie zum Porsche-Werksteam und fährt in der Automobil-Weltmeisterschaft. Nach dem Unfalltod ihres guten Freundes Jean Behra auf der AVUS 1959 beendet sie im August 1959 ihre Karriere. 2016 stirbt Maria Teresa de Filippis im Alter von 89 Jahren im italienischen Scanzorosciate.

 

26.11.1926 - Die erste feste Straße von der amerikanischen Ost- zur Westküste wird realisiert: Die Route 66 bzw. der US-Highway 66 von Chicago (Illinois) bis Santa Monica (Kalifornien). Ihre Bezeichnung geht auf einen Brief des Leiters für öffentliches Straßenwesen vom 23.07.1926 zurück, wonach die Nummer 66 eine der wenigen Zahlen war, die in den betroffenen Bundesstaaten noch nicht für eine Straße vergeben worden war. Erst 1938 wird die Asphaltierung der Straße vollendet, im Gründungsjahr waren es erst 800 Meilen. Heute ist die Straße nicht mehr durchgehende befahrbar und nicht mehr einheitlich als Route 66 bezeichnet. Die verbliebenen Teilstücke sind aber ein Anziehungspunkt für Touristen und Nostalgiker.

 

 

1927

 

10.01.1927 - Der Monumental-Stummfilm Metropolis hat Premiere. Der Film von Fritz Lang fällt bei Kritikern und Publikum durch. Für die Dreharbeiten kauft die Ufa den bankrotten Rumpler-Werken die Restbestände des legendären futuristischen Tropfenwagens als Requisiten ab. Die Fahrzeuge sind gegen Ende des Films in einer Straßenszene zu sehen und werden in einer finalen Szene zerstört. 2001 wird der Film rekonstruiert und als erster Film ins Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen.

 

15.02.1927 - In Köln-Poll eröffnet Citroen ein Produktionswerk, in dem als erstes Fahrzeug ein Typ B14 vom Band läuft. Bis zur Schließung im Jahr 1935 (aufgrund von zunehmenden Schwierigkeiten für ausländische Hersteller) entstehen hier 18.710 Fahrzeuge.

 

14.04.1927 - Der erste Serien-Volvo verlässt die Werkshalle in Lundby nahe Göteborg. Der Volvo ÖV4 "Jakob" will aber nicht so richtig, denn noch kurz vor dem Termin fährt er bei einer Testfahrt nur rückwärts. Der ÖV4 ist ein vierzylindriger offener Wagen (Öppen vagn). Im Sommer folgt der PV4 (personvagn), der eine geschlossene Karosserie hat.

 

20.04.1927 - Phil Hill wird in Miami, Florida geboren. Er ist der erste US-Amerikaner, der die Formel 1 gewinnen kann. 1961 wird er  auf Ferrari Weltmeister mit nur einem Punkt Vorsprung vor dem im vorletzten Rennen tödlich verunglückten deutschen  Ferrari-Fahrer Wolfgang Graf Berghe von Trips. Hill gewinnt 1958, 1961 und 1962 zusammen mit Olivier Gendebien auf Ferrari das 24-Stunden-Rennen von Le Mans und jeweils dreimal das 12-Stunden-Rennen von Sebring und die 1000 km von Argentinien. 1966 siegt er beim 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring auf einem Chaparral. Am 28.08.2008 verstirbt er an den Folgen der Parkinson-Krankheit.

 

28.04.1927 - Nach vierjähriger Bauzeit wird in San Francisco die Golden Gate Bridge  fertiggestellt - etwas vor der vereinbarten Zeit und knapp unter dem budgetierten Kosten (das wünscht man sich heute auch für die Elbphilharmonie oder den Flughafen BER in Berlin). Am 28. Mai wird die Brücke für den Straßenverkehr freigegeben. Bei ihrer Eröffnung ist sie mit 2737 Metern (incl. der Zufahrtsbrücken) die längste Hängebrücke der Welt. Sie hat sechs Fahrspuren und wird täglich von rund 120.000 Fahrzeugen befahren.

 

26.03.1927 - In der Via Rebuffone in der norditalienischen Stadt Brescia fällt der Startschutz für ein Autorennen, dass in seiner Storico-Variante heute eine der bedeutendsten Veranstaltungen für klassische Sportwagen ist: Die Mille Miglia. 77 Rennwagen gehen bei der ersten Auflage an den Start, es gewinnt ein OM aus Brescia. Tazio Nuvolari, Stirling Moss, Archille Varzi, aber auch die Deutschen Rudolf Caracciola und Fritz Huschke von Hanstein gewinnen in der Folgezeit das legendäre Rennen. 1932 ist Caracciola mit einem Mercedes-Benz SSKL der erste Nicht-Italiener auf einem nicht-italienischen Fahrzeug, der gewinnt. Es dauert bis 1940, bis dies wieder gelingt. Da ist es von Hanstein, der mit einem BMW 328 Berlinetta Touring siegt. Ein letztes nichtitalienisches Fahrzeug ist der Mercedes-Benz 300 SLR, mit dem Stirling Moss 1955 mit einer unerreichten Zeit im Ziel ankommt. 1957 findet die Mille Miglia ein letztes Mal statt. Am 12.05.1957 fordert ein schwerer Unfall des Spaniers Alfonso de Portago mehrere Todesopfer, so dass die MM daraufhin nicht mehr genehmigt wird. Seit 1977 findet die "Mille Miglia Storico" statt. Teilnehmen dürfen nur Fahrzeuge, die am Originalrennen in ähnlicher Form teilgenommen hatten. Dabei geht es nicht mehr um Höchstgeschwindigkeit, sondern  um Gleichmäßigkeit und Zuverlässigkeit. Immer wieder fahren auch einige der wenigen Teilnehmer der alten MM wie Stirling Moss mit.

 

25.05.1927 - Mit zwei Technikern und dem verheirateten Fotografen Carl-Axel Söderström, den sie zwei Tage vor der Abfahrt erst kennenlernt, und einem Begleitlastwagen mit Benzin und Ersatzteilen bricht Clärenore Stinnes am 25. Mai 1927 in einem serienmäßigen Adler Standard 6 zu einer Weltreise auf. Der Fahrzeugtyp ist in diesem Jahr erstmals serienreif hergestellt worden. Clärenore Stinnes, die mit ihrer Fahrt auch für deutsche Produkte im Ausland wirbt, finanziert die Expedition über Sponsoren wie Bosch und Aral und wird vom Außenministerium und deutschen Auslandsvertretungen unterstützt. Über den Balkan und Moskau, wo erst einer und einige Etappen später der zweite Techniker aufgeben, geht die Fahrt durch Sibirien und die Wüste Gobi nach Peking. Die Etappenziele werden durchgehend filmisch dokumentiert. Mit dem Schiff setzen sie nach Japan über und weiter über Hawaii nach Nordamerika. Sie durchqueren danach Mittelamerika und Südamerika via Buenos Aires und weiter über die Anden bis nach Valparaíso (Chile) und mit dem Schiff wieder zurück nach Vancouver. Quer durch die USA führt die Reise über Washington, D.C., wo sie von Präsident Herbert Hoover empfangen werden, nach New York. Die Überfahrt nach Europa erfolgt mit dem Schiff. Die beiden legen in Le Havre an und fahren von dort weiter bis zum Empfang auf der AVUS in Berlin. Nach 46.063 gefahrenen Kilometern erreichten sie am 24. Juni 1929 wieder die deutsche Hauptstadt. Die Weltumrundung dauerte zwei Jahre und einen Monat. Afrika und Australien werden von der Route nicht berührt. Zu Ehren Söderströms beschließt Clärenore Stinnes nach Stockholm weiterzufahren, womit sie 49.244 Kilometer erreichen und erneut gefeiert werden. Nach ihrer Rückkehr und der Scheidung Söderströms von seiner ersten Frau heiraten Stinnes und Söderström im Dezember 1930. Sie bewirtschaften als neue Lebensgrundlage einen Gutshof in Südschweden.

 

18.06.1927 - Das offizielle Eröffnungsrennen des neuen Nürburgrings in der Eifel gewinnt Rudolf Caracciola. Es ist das 5. Eifelrennen, dass bisher (seit 1922) auf öffentlichen Straßen auf einem 33,2 km langen Rundkurs ausgetragen wurde. Auf dem neuen Nürburgring siegt Caracciola mit einem Mercedes-Benz Typ S und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 96,5 km/h. Zwei Wochen später, am 03.07.1927, findet erstmals der "Große Preis von Deutschland für Motorräder" statt. Am 28.05.1983 erzielt Stefan Bellof im Porsche 956 C den noch heute geltenden Rundenrekord mit einem Schnitt von 202 km/h und 6:11:13 Minuten. Die Nordschleife wird auch als "Grüne Hölle" bezeichnet. Diesen Begriff prägte einst der britische Rennfahrer Jacky Stewart.

 

11.08.1927 - Die Autofahrer in Hamburg können nach dem US-amerikanischen Vorbild (wo dies bereits seit 1907 möglich war) erstmals an einer Zapfsäule tanken. Jetzt betankt man die Autos direkt durch den Füllrüssel, so dass der Tankwart nicht mehr umständlich mit den Kanistern hantieren muss.

  

01.09.1927 - Im Deutschen Reich werden einheitliche Verkehrszeichen eingeführt.

 

04.09.1927 - In Monza gewinnt der Franzose Robert Benoist auf Delage den "Großen Preis von Italien". Mit seinen insgesamt vier Grand-Prix-Siegen in diesem Jahr hat er maßgeblichen Anteil am Weltmeistertitel von Delage. Ende 1934 erklärt er seinen Rücktritt vom Rennsport und wird Rennleiter bei Bugatti für die Einsätze beim 24-Stunden-Rennen. 1937 greift er jedoch noch einmal selbst ins Lenkrad und gewinnt gemeinsam mit Jena-Pierre Wimille auf einem Bugatti T57G Tank die Gesamtwertung. Im Zweiten Weltkrieg schließt sich Benoist der Rèsistance an und beteiligt sich an Sabotage-Aktionen im Raum Paris. 1943 wird er verhaftet, ihm gelingt jedoch die Flucht und er geht nach England. 1944 kehrt er nach Frankreich zurück, um die Rèsistance zu unterstützen. Am 18.06.1944 wird er von der Gestapo verhaftet und ins KZ Buchenwald überstellt, wo er am 11.09.1944 ermordet wird.

 

10.09.1927 - Der Internationale Automobilclub beschließt, den Großen Preis von Deutschland ab 1928 in den Wettbewerb um die Automobil-Weltmeisterschaft (für Hersteller) aufzunehmen. Damit erhält das am 15.07.1928 auf dem Nürburgring stattfindende Rennen eine internationale Aufwertung.

 

01.10.1927 - Der ADAC nimmt den ersten motorisierten Straßenhilfsdienst auf. Den Anfang bilden 34 Motorrad-Beiwagen-Maschinen.

 

06.10.1927 - Der Internationale Pariser Autosalon wird eröffnet. Erstmals seit 14 Jahren ist mit Mercedes-Benz wieder eine deutsche Automobilfirma vertreten. Citroen stellt eine Luxusvariante des Erfolgstyp B14 mit verbesserter und verschönerter Karosserie der Limousine mit verlängertem Radstand vor.

 

02.12.1927 - Der Verkaufsstart des legendären Ford Model A startet, den es in vier Standard-farben  gibt, nicht jedoch in schwarz. Allerdings sind die Kotflügel immer schwarz. Gebaut wird er seit dem 20.10.1927, nicht nur in den USA, sondern auch in Europa (u. a. in Berlin), Südamerika und in Lizenz in der Sowjetunion. Den Ford Model A gibt es als Tourenwagen, Roadster, Limousine, Kombi, Coupé und Cabriolet, es entstehen zahlreiche verschiedene Aufbauten auch bei anderen Herstellern. Wie beim Model T gibt es auch einen LKW auf der A-Basis, den Ford Model AA. Das Model A hat einen Vierzylinder-Reihenmotor mit 3,3 Liter Hubraum und rund 40 PS. Damit ist er etwa 104 km/h schnell. Bis zum 31.08.1931 entstehen 4.320.446 Fahrzeuge aller Ausführungen.

 

 

1928

 

23.02.1928 - In Stuttgart wird der spätere Konditor Hans Herrmann geboren. Er soll möglichst das Café seiner Mutter später übernehmen. Doch die Geschichte verläuft anders. Hans Herrmann übt den Konditorberuf nie aus. Nach der Lehre ersteht er - mit Unterstützung seiner Mutter - einen kleinen BMW 3/20 und fährt damit einen Arzt zu seinen Patienten. Dann meldet er ein Fuhrunternehmen an, um Personen zu befördern. 1951 kauft er einen Porsche 356 1300 und nimmt im Februar 1952 an der 1. Hessischen Winterfahrt teil. Weiter geht es mit seinem Porsche (nun mit 1500 ccm) zu einem Rundstreckenrennen auf den Nürburgring - und er gewinnt.  Porsche wird auf ihn aufmerksam und 1953 holt er mit dem Porsche-Werksteam den Klassensieg bei der legendären Mille Miglia, den er 1954 mit einem Porsche 550 Spyder wiederholt. 1954 wechselt er zum Formel 1-Team zu Mercedes-Benz. Nach einem schweren Unfall 1955 im Training zum GP von Monaco und dem Rückzug von Mercedes-Benz vom Motorsport  wird er Langstreckenfahrer für Porsche  und  fährt von 1957 bis 1959 auf Maserati, Cooper und B.R.M.  in der Formel 1. Daneben fährt er mit einem Borgward 1500 RS bei der Berg-Europameisterschaft und wird 1957 Vizemeister. In den 60er Jahren fährt er mit einem kleinen Abarth Langstrecken - und Bergrennen.  Dann wechselt er wieder zu Porsche, gewinnt 1968 das 24-Stunden-Rennen von Daytona und muss regelmäßig  bei den 1000 km Nürburgring den Gesamtsieg knapp  seinen Teamkollegen  überlassen. Doch 1970 krönt er seine Karriere mit dem Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans auf dem Porsche 917, bei dem er sich mit seinem Teamkollegen Richard Attwood im strömenden Regen gegen die Konkurrenz durchsetzt. Nun beendet er seine Karriere. 1991 wird Hans Herrmann Opfer einer Entführung und kommt gegen die Zahlung von Lösegeld frei. Der Fall wird nie aufgeklärt. Heute sieht man Hans Herrmann noch bei bedeutenden historischen Motorsportveranstaltungen.

 

12.03.1928 - Kurt C. Volkhart startet seine erste Versuchsfahrt mit dem Opel "Rak 1" auf der Opel-Rennbahn. Er ist damit der erste Mensch, der ein durch Pulverraketen angetriebenes Auto fährt. Später arbeitete er als freischaffender Automobilkonstrukteur. 1938 baute er einen V-2 genannten "Volkssportwagen" auf Ford Eifel-Basis.

 

01.04.1928 - Die Hubraumsteuer für Personenwagen und Motorräder wird eingeführt. Sie beträgt für 1.000 cm jährlich 132 Reichsmark. Für Neuwagen entfällt von April 1933 an die Kfz-Steuer und wird erst 1945 wieder eingeführt.

 

01.04.1928 - Im niederländischen Eindhoven gründet Hub van Doorne einen Maschinenbau-betrieb, aus dem vier Jahre später die Doorne's Aanhangwagenfabriek N. V., kurz D.A.F. Doorne, hervorgeht. Zunächst werden Anhänger und Auflieger gebaut, 1949 beginnt DAF mit dem Bau eigener LKW, 1958 kommt der erste PKW auf den Markt. 1975 wird die PKW-Sparte von Volvo übernommen, die das Modell DAF 46 noch ein Jahr als DAF verkauft. Dann endet die Zeit der DAF-Automobile. Die LKW-Sparte kommt 1987 zu Leyland, und muss 1993 Insolvenz anmelden. 19 Jahre dauert der Konkurs und wird erst 2012 beendet. Doch es geht weiter. 2013 wird ein Montagewerk in Brasilien eröffnet und 2016 wird DAF zusammen mit vier anderen europäischen LKW-Herstellern wegen verbotener Preisabsprachen zu einem Bußgeld von knapp 3 Milliarden Euro belegt.

 

19.04.1928 - Einheitliche Kfz-Kennzeichen für alle 26 Länder. Wo das allererste Schild ein Automobil kennzeichnet, ist umstritten. Eventuell ist es 1892 das Schild mit der Aufschrift "IA1" an einem Dreirad-Motorgefährt von Benz in Berlin. Oder das Schild mit der Nummer 1 an einem Wagen in Baden im Jahr 1896. Wann und wo auch immer, die anderen Staaten und Provinzen des Deutschen Reichs ahmen die Schilder bald nach - mit jeweils eigenen Mustern und Regeln. Die Kennzeichen sind also nur lokal gültig. Doch die Motorisierung schreitet immer weiter voran, eine einheitliche Kennzeichnung wird im ganzen Land unerlässlich: Kurz nach der Jahrhundertwende sind im Deutschen Reich bereits rund 10.000 Pkw zugelassen, dazu kommen etwa 16.000 Krafträder und 1.000 Lkw. Ab 1906 regelt schließlich ein Reichsgesetz die Vergabe von Nummernschildern für alle 26 Länder. Die römische Ziffer I steht zum Beispiel für das Land Preußen, die II für Bayern, die III für Württemberg. Danach folgen ein Buchstabe und eine Seriennummer. Die Schilder selbst bleiben bunt und individuell – bis zum 19. April 1928. Jetzt werden per Verordnung einheitliche Kennzeichen im ganzen Deutschen Reich eingeführt: weiß mit einem schwarzen Rand. Und darauf in schwarzer Schrift - ähnlich wie heute - eine Kombination aus Buchstaben, die die Herkunft bezeichnen, und einer Registriernummer.

 

04.05.1928 - Wolfgang Graf Berghe von Trips wird in Köln geboren. Seine größten Erfolge erzielt er für Ferrari in der Formel 1. Als WM-Führender verunglückt er am 10.09.1961 mit seinem Ferrari 156  in Monza und stirbt zusammen mit 15 Zuschauern. Aufgrund seiner erzielten Punkte (33) wird ihm posthum die Vizeweltmeisterschaft hinter Phil Hill (34) verliehen.

 

06.05.1928 - Die diesjährige Targa Florio gewinnt der Franzose Albert Divo auf Bugatti T35. Auf dem 540 km langen Kurs fährt er eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 73,478 km/h. Diesen Erfolg wird er im darauffolgenden Jahr wiederholen.

 

17.05.1928 - In Eisenach wird das 25jährige Bestehen des Allgemeinen Deutschen Automobil-clubs (ADAC) gefeiert.

 

22.05.1928 - Angesichts der Tatsache, dass 19,8% der Personenkraftwagen im Deutschen Reich von ausländischen Unternehmen geliefert werden, fordert der Reichsverband der Automobilindustrie die Bevölkerung auf, deutsche Fabrikate zu kaufen.

 

23.05.1928 - Der Opel RAK2 ist ein raketengetriebenes Fahrzeug des deutschen Automobil-herstellers Opel, der in Zusammenarbeit von Fritz von Opel, Max Valier und Friedrich Wilhelm Sander entwickelt und 1928 für Versuchsfahrten auf der Berliner AVUS eingesetzt wird. „Raketenfritz“ Fritz von Opel pilotiert den Wagen und es gelingt ihm, mit dem Fahrzeug am 23. Mai 1928 mit 238 km/h einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord aufzustellen. Das Versuchsfahrzeug wird von 24 Feststoffraketen angetrieben, die im Heck montiert sind und 120 Kilogramm Treibladung enthalten. Das Chassis bildet ein Opel-Personenwagen Modell 80, große seitliche Stabilisierungsflügel sorgen für ausreichenden Anpressdruck.

 

17.6.1928 - Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans (seit 16.6.) gewinnen die Automobilsportler Woolf Barnato (Großbritannien) und Bernard Rubin (Australien) auf einem Bentley 4 ½ litre mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 111,219 km/h. Barnato startet auch in den nächsten beiden Jahren beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans – und gewinnt erneut. Jeweils auf einem Bentley Speed Six holt er sich 1929 den Gesamtsieg mit Tim Birkin (1929) bzw. Glen Kidston (1930).

 

15.7.1928 - Rudolf Caracciola und Christian Werner gewinnen auf einem Mercedes-Benz SS den Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. Auf Platz 2 und 3 folgen Otto Merz bzw. Christian Werner und Willy Walb, ebenfalls auf Mercedes-Benz SS.

 

28.7.1928 - Das deutsche und das österreichische Verkehrsrecht werden in entscheidenden Punkten einander angeglichen.

 

29.7.1928 - Den Großen Preis von Spanien gewinnt der französische Automobilrennfahrer Louis Chiron auf Bugatti mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 127,735 km/h. Die Karriere von Chiron erstreckt sich über einen Zeitraum von 30 Jahren, von seinen ersten Rennen im privaten Bugatti 1926 bis zu seinem letzten Formel 1 Grand Prix 1955 in Monaco im Lancia D50, den er als 56jähriger bestreitet und das Rennen auf dem 6. Platz beendet. Damit ist er der älteste Fahrer, der je ein Formel 1-Rennen bestreitet.

 

20.08.1928 - In Berlin beginnt die Produktion des Ford Model A für den europäischen Markt. Produziert wird in gemieteten Lagerräumen am Berliner Westhafen. 1930 wird in Köln ein eigenes Werk errichtet.

 

08.-18.11.1928 - Auf der Automobilausstellung Berlin wird der Opel Regent  (oder auch Opel 23/110 PS) vorgestellt. Wie damals üblich ist er zunächst nur als Fahrgestell zum Preis von 14.000 Reichsmark erhältlich. Mit diesem Preis ist der Opel Regent deutlich günstiger als die Konkurrenz wie z.B. der Horch 8 Typ 500 oder der Cadillac Series 341.  Der Regent hat einen Achtzylinder-Reihenmotor mit 5.972 ccm Hubraum und 110 PS. Es ist der erste (und einzige) von Opel selbst konstruierte Achtzylinder in einem Serienmodell und basiert laut Verkaufsprospekt auf einem Rennmotor von 1921. Nachdem zunächst nur Fahrgestelle verkauft werden, bietet Opel bald darauf auch werkseigene Karosserien an. Es gibt einen offenen siebensitzigen Tourenwagen für 18.500 R, einen Roadster für 19.000 RM und eine Pullman-Limousine für 20.000 RM: Das entspricht ungefähr dem Preis von 10 Opel 4 PS-Kleinwagen.  Mit einem Regent Coupé gewinnt Fritz von Opel 1928 den Schönheitspreis von Baden-Baden. Im März 1928 übernimmt General Motors 80% des Aktienkapitals der Adam Opel AG. Da GM befürchtet, dass der Regent eine zu große Konkurrenz für seine eigenen Spitzenmodelle von Cadillac und Buick darstellen könnte, werden alle bereits gebauten und verkauften Opel Regent zurückgeholt und verschrottet - ein einmaliger Vorgang in der Automobilgeschichte. Kein Fahrzeug hat überlebt, nur einige Bilder existieren noch. Der Name "Regent" wird später auch für die Luxusvarianten des 1931 vorgestellten  Sechszylindermodells Opel 1,8 Liter verwendet.

 

10.11.1928 - In der Vossischen Zeitung erscheint erstmals als Vorabdruck der Roman "Im Westen nichts Neues" des Osnabrücker Autos Erich Maria Remarque. In seinem Buch schildert er die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus der Sicht eines jungen Soldaten. Obwohl Remarque selbst das Buch als unpolitisch bezeichnet hat, ist es als Antikriegsroman zu einem Klassiker der Weltliteratur geworden. Heute gibt es den Roman in über 50 Sprachen, die geschätzten Verkaufszahlen liegen bei über 20 Millionen. Kein im Original deutschsprachiger Erzähltext hat jemals eine höhere Verkaufszahl erzielt. In der Nazi-Diktatur wurden während der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen auch zahlreiche Exemplare von "Im Westen nichts Neues" vernichtet. Zu den bedeutendsten Büchern des berühmten Osnabrückers gehören  "Der schwarze Obelisk" , "Die Nacht von Lissabon" oder "Arc de Triomphe". Erich Remarque wurde am 22.06.1898 in Osnabrück geboren und starb am 25.09.1970 in Locarno (Schweiz).

 

14.11.1928 - Die Bayrischen Motorenwerke München AG kauft die DIXI-Fahrzeugfabrik Eisenach A.G. Damit stieg BMW erstmals in die Automobil-Produktion ein. Der BMW 3/15 PS Typ DA 2 ist das erste Automobil mit dem weiß-blauen BMW-Markenzeichen und basiert wie sein Vorgänger auf dem englischen Kleinwagen Austin Seven. Am 9. Juli 1929 ist der Wagen in den beiden Ausführungen (Limousine und Tourenwagen) bei den BMW-Händlern verfügbar. Anlässlich der Eröffnung der neuen Filiale in Berlin wird er am selben Tag als BMW 3/15 der Presse vorgestellt.

 

03.12.1928 - Die Rüsselsheimer Opelwerke werden in eine AG mit einem Stammkapital von 60 Millionen gewandelt. Zu diesem Zeitpunkt ist Opel mit 44% aller produzierten Kraftfahrzeugen größter Fahrzeughersteller im Deutschen Reich. Ein Jahr später verkaufen die Brüder Wilhelm von Opel und Friedrich Opel 80% ihrer Unternehmensanteile an den amerikanischen Automobilkonzern General Motors (GM).

 

 

1929

 

01/1929 – In Eigeninitiative baut “Bentley-Boy” Tim Birkin einen Bentley 4 1/2 Litre um. Er wird mit einem Roots-Kompressor und weiteren Modifikationen ausgestattet. Zunächst entstehen fünf dieser Bentley 4 ½ Liter Supercharged („Blower“) in Birkins Werkstatt. W.O. Bentley hält überhaupt nichts vom „Supercharged-Prinzip“.  Zu Recht, denn der „Blower“ ist in jeder Hinsicht ein Desaster. Während ein herkömmlicher 4 ½ Litre bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h rund 16 Liter auf 100 km/h verbraucht, sind es beim „Blower“ stolze 102 Liter. Um in Le Mans zugelassen zu werden, müssen mindestens 50 Exemplare gebaut werden. Gegen den Willen von W.O. Bentley gibt Bentley-Boy Woolf Barnato, Mehrheitseigentümer und Vorstandsvorsitzender bei Bentley, den Auftrag, diese Fahrzeuge zu bauen. Aufgrund ausbleibender Rennerfolge wird der „Blower“ auch zum finanziellen Desaster. 1929 geht Barnato selbst in Le Mans an den Start, jedoch in einem von W.O. Bentley konstruierten 4 ½ Litre Speed Six. Erst beim Le Mans-Rennen 1930 werden zwei „Blower“ eingesetzt. Einer fährt sogar die schnellste Rennrunde, doch beide Fahrzeuge fallen während des Rennens aus. Insgesamt werden 55 Chassis produziert, davon fünf bei Birkin, 49 direkt bei Bentley und ein weiteres 1933 durch Rolls-Royce.

 

15.02.1929 - Er ist der einzige Rennfahrer, der die so genannte Triple Crown des Motorsports erringen konnte: Der am 15.02.1929 geborene Norman Graham Hill gewinnt in seiner Karriere sowohl den Großen Preis von Monaco in der Formel 1, die 24 Stunden von Le Mans und die Indy 500. Kein anderer Fahrer konnte diesen fiktiven Titel gewinnen. Daneben startet er zwischen 1958 und 1975 bei 176 Grand Prix in der Formel 1, wird zweifacher Weltmeister mit B.R.M. und Lotus. 1975 tritt er vom aktiven Rennsport zurück, nur kurze Zeit danach stirbt er zusammen mit fünf weiteren Mitgliedern des Embassy-Hill-Teams bei einem Flugzeugabsturz. 21 Jahre nach seinem Tod wird sein Sohn Damon Hill Formel 1-Weltmeister mit Williams-Renault und begründet die erste Rennfahrerdynastie in der Formel 1.

 

05.03.1929 - Im schwedischen Trollhättan wird Erik Carlsson geboren. Sein Name ist untrenn-bar mit Saab und dem Rallyesport verbunden. Zunächst hat er einige Erfolge bei nationalen Rennveranstaltungen im benachbarten Finnland. 1957 feiert er seinen ersten großen internationalen Erfolg, als er die 1000-Seen-Rallye gewinnt, der heutigen Rallye Finnland. In den nächsten 10 Jahren folgen u.a. Siege bei der Rallye Schweden (1959), der Rallye Monte Carlo (1962, 1963) und der Rallye die Fiori, dem Vorgänger der Rallye San Remo. Dreimal in Folge triumphiert er bei der RAC Rallye (1960, 1961, 1962). Seinen Spitznamen Carlsson auf dem Dach erhält er in Anlehnung an Astrid Lindgrens Romanfigur, da es durchaus vorkommt, dass er seinen Saab aufs Dach legt. Carlsson gilt er als Vater des Linksbremsens. Um die Drehzahlen der Saab-Zweitaktmotoren hochzuhalten, lässt er den rechten Fuß auf dem Gaspedal und bremst mit dem Linken. Auch seine Frau gibt Gas: 1963 heiratet Carlsson Pat Moss, die jüngere Schwester der britischen Formel 1-Rennfahrers und Mille Miglia-Siegers Stirling Moss. Am 27.05.2015 stirbt Erik Carlsson in England.

 

17.03.1929 - Die Brüder Wilhelm von Opel und Friedrich Opel verkaufen 80 % ihrer Unternehmensanteile an den amerikanischen Automobilkonzern General Motors, zwei Jahre später gehört Opel vollständig zu GM. Die Opel-Brüder bleiben im Aufsichtsrat, Fritz von Opel leitet den Vorstand.

 

04/1929 - Der bereits auf der Londoner Motor Show 1928 vorgestellte MG M-Type wird im Morris-Werk in Cowley hergestellt. Mit diesem kleinen Wagen, dem ersten Midget (dt.: Zwerg), erschließt sich MG ein neues Marktsegment, was die Firma vermutlich nach der Weltwirtschaftskrise vor dem Untergang rettet. Der zweitürige Sportwagen hat einen Reihenvierzylindermotor mit 847 ccm Hubraum und 20 bhp. Gebaut wird der M-Type Midget bis 1932.

 

04.04.1929 - Der Ingenieur und Automobilpionier Carl Friedrich Benz stirbt  in Ladenburg. Sein Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 von 1885 gilt als erstes praxistaugliches Automobil. Carl Benz besucht zunächst das naturwissenschaftlich orientierte Karlsruher Lyzeum. Seine Mutter vergibt Kost und Logis an Studenten des Polytechnikums, den von ihrer kargen Witwenrente kann sie sich und ihren Sohn nicht ernähren. Nach der Schule besteht Carl die Aufnahmeprüfung am Polytechnikum Karlsruhe und studiert erfolgreich Maschinenbau. 1971 gründet er in Mannheim mit den Mitteln seiner späteren Ehefrau Bertha Ringer die „Eisengießerei und mechanische Werkstätte“. Ein Jahr später heiratet er Bertha Ringer. Aus der Ehe gehen fünf Kinder hervor. 1878/18979 entwickelt Benz einen verdichtungslosen Zweitaktmotor und später einen leichten Viertaktmotor. Er entwickelt den Differentialantrieb weiter und weitere Kraftfahrzeugelemente wie die Achsschenkellenkung, die Zündkerze, den Vergaser, die Kupplung oder die Gangschaltung. Diese Arbeiten sind sehr kostspielig und auf Drängens einer Hausbank wird die Firma 1882 in eine Aktiengesellschaft unter dem Namen „Gasmotorenfabrik in Mannheim A.G.“. Aufgrund von Differenzen im Aufsichtstrat über seine Visionen verlässt Carl Benz die Firma und gründet 1883 die „Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik Mannheim“.  Am 29. Januar 1886 meldete er seinen Motorwagen zum Patent an, den „Benz Patent-Motorwagen Nummer 1“ („Tricycle“ laut Patenttext). Das Fahrzeug gilt als erstes praxistauglicher Kraftwagen. Zunächst wird sein Fahrzeug jedoch belächelt und als „Wagen ohne Pferde“ bezeichnet.  Am 01.08.1988 erhält er für seinen Motorwagen die erste Fahrerlaubnis der Welt, ausgestellt vom Großherzoglich-Badischen Bezirksamt. Nur wenige Tage später unternimmt seine Ehefrau Bertha die berühmte erste erfolgreiche Fernfahrt mit ihren Söhnen Eugen und Richard im Benz Patent-Motorwagen Nummer 3. Im Jahr 1899 wird das Unternehmen in die „Benz & Cie AG“ umgewandelt und ist 1900 die größte Automobilfabrik der Welt. Dennoch tritt Benz 1903 verärgert aus dem Unternehmen aus und gründet 1906 mit seinen Söhnen das Unternehmen „Carl-Benz Söhne“. 1914 verleiht die Technische Hochschule Karlsruhe Carl Benz den Ehrendoktortitel. Im Alter von 84 Jahren stirbt er an den Folgen einer Entzündung der Bronchien.

 

01.09.1929 - Im Garten des Grand Hotels in Cernobbio am Comer See findet der erste Coppa d’Oro Villa d’Este statt. Dort werden herausragende Neuerscheinungen auf dem Automarkt prämiert. 80 Teilnehmer sind bei der ersten Veranstaltung zu verzeichnen. 1949 gewinnt ein von der Karosseriefirma Touring gestylter Alfa Romeo 6C2500 diesen Preis. Fortan ist dieser Wagen der bisher einzige, der den Namen Villa d’Este auch in der Typenbezeichnung trägt. Die klassische Form der Veranstaltung endet 1952. Mitte der 1980er Jahre wird sie mit dem heutigen Konzept zur Prämierung von edlen Oldtimern wiederbelebt. Besitzer gepflegter alter Autos können dort auf Einladung das Ergebnis ihrer Leidenschaft zur Schau stellen. Beim heutigen Concorso d’Eleganza Villa d’Este werden klassische Oldtimer vor allem nach dem Kriterium Schönheit prämiert. Vorausgesetzt wird ein perfekter Originalzustand mit voll funktionsfähiger Technik. Entscheidende Kriterien sind jedoch die interessante Geschichte des Wagens und besonders dessen ästhetischer Wert bzw. seine Eleganz. In Europa hat sich die Veranstaltung zu einem angesehenen Treffpunkt für Liebhaber hochwertiger klassischer Automobile entwickelt, und auch heutige Automobil-Designer suchen dort gerne Anregungen für ihre Arbeit.

 

06.09.1929 - Das erste internationale Gaisbergrennen findet am Gaisberg, dem Hausberg der Stadt Salzburg (Österreich) statt. Es siegt Max von Arco-Zinneberg auf Mercedes-Benz SSK.

 

09.09.1929 - In Berlin eröffnet die neue BMW-Filiale, gleichzeitig wird der  BMW 3/15 PS der Presse vorgestellt. Es ist das erste Automobil der von BMW und eine Weiterentwicklung des Dixi 3/15 DA der Fahrzeugfabrik Eisenach. Diese wurde Ende 1928 von BMW übernommen, das Modell ist ein Lizenzbau des Austin 7 der Austin Motor Company. Auch der BMW 3/15 ist ein Lizenzbau des Austin 7. Gleichzeitig sichert sich BMW vom französischen Hersteller Rosengart das Recht, dessen zeitgemäßes Karosseriedesign zu übernehmen, wobei BMW das Vorbild zu einer kompletten Ganzstahlkarosserie weiterentwickelt. Der BMW 3/15 entsteht jedoch nicht in Bayern, sondern am 22.03.1929 in Berlin-Johannisthal. Die Fahrgestelle kommen aus Eisenach, die Blechteile werden bei Ambi-Budd in Berlin gepresst. Gleichzeitig wird das Fahrzeug in konventioneller Gemischtbauweise nach dem „System Weymann“ in Eisenach hergestellt. Den BMW 3/15 gibt es den Karosserieversionen Roadster, Tourenwagen, Limousine, Coupé, Kabriolimousine und Cabriolet. Angetrieben wird der 3/15 von einem 0,75 Liter großen wassergekühlten Vierzylindermotor mit 15 PS. Damit fährt der Wagen mehr als 75 km/h schnell, wobei bei dauerhaftem Fahren die Kurbelwelle aufgrund sich aufbauender Schwingungen brechen kann. Zwischen März 1929 bis Februar 1932 entstehen 12.318 Fahrzeuge.

 

17.09.1929 - In der britischen Hauptstadt London wird Stirling Craufurd Moss in eine motor-sportbegeisterte Familie hineingeboren. Schon sein Vater startet bei Automobilrennen in Brookland und Indianapolis, während seine Mutter in den dreißiger Jahren an Trialrennen teilnimmt.  Mit 19 Jahren startet er seine eigene Rennkarriere in einem Cooper-Formel-3-Wagen, im darauffolgenden Jahr kann er erste internationale Erfolge feiern. Zwischen 1951 und 1961 fährt er in der höchsten automobilen Motorsportklasse (Formel 1) und gilt mit vier Vizeweltmeisterschaften und 16 Grand-Prix-Siegen als der erfolgreichste Fahrer unter denen, die nie Weltmeister wurden. Daneben ist er aber auch – wie viele seiner Formel 1-Kollegen – bei Langstreckenrennen unterwegs. So gewinnt er 1955 zusammen mit Dennis Jenkinson auf Mercedes-Benz 300 SLR die legendäre Mille Miglia – in einer heute noch gültigen Rekordzeit – sowie die Targa Florio. 1960 siegt er im Maserati „Birdcage“ mit Dan Furney beim 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring. An 23.04.1962 endet seine Karriere in Goodwood. Bei der Glover Trophy, einem nationalen Formel 1-Rennen, kommt er von der Strecke ab und prallt gegen einen Erdwall. Er erleidet Knochenbrüche und ein Hirntrauma, liegt zunächst im Koma und ist halbseitig gelähmt. Die Genesung dauert über ein Jahr. Dann kehrt er zu Testzwecken auf die Rennstrecke nach Goodwood zurück, erklärt trotz konkurrenzfähiger Rundenzeiten jedoch seinen Rücktritt. Seiner eigenen Aussage zufolge habe er nicht mehr die Selbstverständlichkeit, die Leichtigkeit des Fahrens. 1999 wird er von der britischen Königin als Knight Bachelor in den Adelsstand erhoben und erhält den Namenszusatz „Sir“. Stirling Moss gehört zu den besten Rennfahrern des Jahrhunderts, der in seiner Karriere auf unterschiedlichen Fahrzeugtypen unterwegs war. Auf fünf verschiedenen Marken (Mercedes-Benz, Maserati, Vanwall, Cooper und Lotus) gewinnt er Formel 1-Rennen sowie auch auf anderen Marken diverse Sportrennen. Bis ins hohe Alter ist Sir Stirling Moss gerngesehener Gast bei vielen bedeutenden Klassikveranstaltungen. Am 12.04.2020 verstirbt er im Alter von 90 Jahren in seinem Haus in London.

 

28.09.1929 -  In Cremona, Italien, setzt der Werksfahrer Borzacchini am Steuer des Maserati V4 mit 16-Zylindermotor den neuen Weltrekord der Klasse C über 10 Kilometer mit einer Geschwindigkeit von 246,069 km/h. Dieser Rekord hat bis 1937 Gültigkeit.

 

10/1929 - Auf den Automobilausstellungen in Paris und London zeigt Bugatti den neuen Type 46, der begeistert von der Fachpresse aufgenommen wird. Dieser wurde von Bugatti entwickelt, da sich das für Staatschefs und Könige vorgesehen Luxusmodell Typ 41 Royal als nicht verkäuflich erwies. Bei dem auch "Petit Royale" bezeichneten Typ 46 handelt es sich um ein von einem 5,3-Liter-Achtzylindermotor (140 PS) angetriebenes Chassis von ähnlicher Konzeption wie der Typ 41, jedoch mit bescheideneren Abmessungen. Der Typ 46 verkauft sich gut und wird von den renommiertesten europäischen Karosserieschneidern wie Weymann, Mulliner oder Saotchik, aber auch von Bugatti selbst eingekleidet. Insgesamt entstehen rund 200 Chassis, darunter 20 vom seit 1931 angebotenen Kompressormodell Typ 46S.

 

10/1929 - Der tschechische Automobilhersteller Aero präsentiert den Aero 10 (auch Aero 500) auf dem Prager Automobilsalon. Das Modell wird von 1929 bis 1932 gebaut. Es ist das erste Fahrzeug dieser Marke und wurde aus dem Enka entwickelt. Der Aero wird damals wegen des typischen Geräuschs des Handanlassers auch „Klingler“ (tschechisch „Cinkac“ oder „Cililink“) genannt. Sein Einzylinder-Zweitakt-Motor hat einen Hubraum von 499 cm³ und leistet 10 PS. Die Hinterachse hat kein Differentialgetriebe und die Bremse wirkt nur mechanisch auf die Hinterräder. Mit Hinterradantrieb und Dreiganggetriebe erreicht der Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von rund 70 km/h. Der Kraftstoffverbrauch beläuft sich auf 5 l/100 km. Insgesamt werden 1360 Exemplare gebaut. Noch vor Präsentation des Fahrzeugs auf dem Prager Automobilsalon nehmen Bohumil Turek und Antonin Nahodil an der Sternfahrt Prag–Paris–Brest–Prag (3613 km) teil. Anschließend fahren sie die Strecke Prag–Hamburg–Prag (1300 km). Sie benötigen für diese Fahrt insgesamt 184 Stunden und 35 Minuten, was einem Durchschnitt von 26,6 km/h entspricht. Damit erreichen sie den Gesamtsieg. Marke und Fahrzeug werden in ganz Europa bekannt. Turek wird anschließend zum Leiter der Testabteilung. Bei der ADAC-Fahrt Berlin-Prag-Manzanares (Spanien) und zurück erreicht Turek 1930 einen Schnitt von 48,8 km/h, was dem Klassensieg in der Kleinwagenklasse entspricht. Im gleichen Jahr nimmt ein Aero-Werksteam an der Sternfahrt anlässlich des Prager Autosalons 1930 teil, darunter auch mit dem Fahrzeug, das bereits die Spanienfahrt hinter sich hat, und können dabei die Markenwertung für sich entscheiden. Bei der ADAC-Fahrt Berlin-Manzanares-Berlin 1931 kann Turek den Gesamtsieg vor dem Zweitplatzierten Hans Stuck auf Mercedes-Benz erringen.

 

28.10.1929 - Der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer unterzeichnet den Vertrag über den Bau eines Ford-Werkes auf einem 170.000 qm großen Grundstücks in Köln-Niehl. 1930 wird der Firmensitz von Ford Deutschland nach Köln verlegt und am 04.05.1931 beginnt die Produktion des Modell A mit 619 Beschäftigten. Doch nur drei Wochen später veranlasst die Weltwirtschaftskrise die Schließung des Werks. Nicht lange darauf wird die Produktion wieder aufgenommen, mehr als 6.000 Fahrzeuge laufen 1931 vom Band.

 

29.12.1929 - Im Alter von 83 Jahren stirbt mit Wilhelm Maybach in diesem Jahr nach Carl Benz ein weiterer Automobilpionier. Nach dem Tod seiner Eltern wächst Maybach im Reutlinger Bruderhaus auf. Dort erhalten Waisenkinder aus armen Familien Erziehung und eine Ausbildung. Maybach wird zum technischen Zeichner und Konstrukteur ausgebildet. Im Bruderhaus lernt er auch Gottlieb Daimler kennen, dieser ist Leiter der Maschinenfabrik des Bruderhauses. Maybach wird ihm als Assistent zugeteilt. 1873 wechseln beide zur Gasmotoren-Fabrik Deutz bei Köln. Hier bringt Maybach den von Nikolaus Otto entwickelten Verbrennungsmotor zur Serienreife. 1878 heiratet Wilhelm Maybach Bertha Wilhelmine Habermaahs, mit ihr hat er zwei Söhne und eine Tochter. Als Daimler die Daimler-Motoren-Gesellschaft gründet, wird Maybach sein technischer Direktor. Um 1900 konstruiert er im Auftrag des österreichischen Kaufmanns Emil Jelinek den Mercedes-Simplex, einen Rennwagen mit einem 35 PS-Vierzylindermotor. Ausgestattet mit Maybachs Erfindungen wie Bienenwabenkühler und Zahnradgetriebe, stellt das Fahrzeug für damalige Verhältnisse das Auto der Zukunft dar. 1909 macht er sich mit seinem Sohn Karl selbständig und gründet in Bissingen/Enz die Maybach-Motorenbau GmbH. Zunächst baut er Motoren für Starrluftschiffe (Zeppeline). Da nach dem Ersten Weltkrieg Deutschland der Flugzeugbau verboten ist, beginnt Maybach mit der Herstellung von Automobilen. 1919 wird der erste Versuchswagen „W 1“ fertiggestellt, 1921 wird der erste zum Kauf angebotene Wagen „W 3“ (22/70) mit einem Sechszylindermotor auf der Berliner Automobilausstellung vorgestellt. Weitere Typen folgen. Bis zu seinem Tod lebt Wilhelm Maybach in seiner Villa in Bad Cannstatt. Er wird in unmittelbarer Nähe von Gottlieb Daimler auf dem Cannstatter Uff-Kirchhof beerdigt.

 

1929 - Der DKW Typ 4=8 des deutschen Automobilherstellers Dampf-Kraft-Wagen wird in Zwickau gebaut. In Frankfurt wird der Adler Favorit vorgestellt und Renault präsentiert mit dem Renault Monastella, einer kleinen Luxuslimousine, und dem Renault Vivastella, einem luxuriösen Oberklasse-Automobil, gleich zwei neue Fahrzeuge. Bei Peugeot ist der 201 neu im Programm und Amilcar bringt den glücklosen Amilcar 8 auf den Markt. In Großbritannien präsentiert Rover sein neues Modell 10/25, der von Sir Henry „Tim“ Birkin entworfene Bentley Blower No. 1 wird vorgestellt und in den USA werden die erfolgreichen Modelle Chrysler 1929 Plymouth Sedan, 1929 Marmon Four Door Sedan , Franklin 135 Victoria Sedan und 1929 DeSoto der Öffentlichkeit präsentiert. Die New Era Motor Car Company bringt zwei Jahre vor ihrem Konkurs mit dem 1929 Ruxton einen eleganten Familienwagen auf den Markt. Bei den Sportwagen bringt die US-Autoindustrie den Dupont Boat Tail Coupé und den Cadillac V-8 Dual-Cowl Sport Sedan hervor. BMW bringt mit dem neuen 335 einen Sechszylinder-Sportwagen auf den Markt, der dem Konkurrenten Mercedes-Benz Konkurrenz macht. Von der Auto Union kommt der zweitürige Kleinwagen DKW F8 und die Ford Motor Company stellt erstmals den legendären Ford Taunus der deutschen Öffentlichkeit vor. Renault präsentiert die großräumige Luxus-Limousine Suprastella als Nachfolger des Renault Nervastella und in Großbritannien macht Daimler mit der großräumigen Limousine DB 18 Consort auf sich aufmerksam. In den USA bringt General Motors den Oberklasse-Wagen Cadillac Series 61 auf den Markt, Studebaker den Champion und der Industrielle Powel Crolsley einen zweitürigen kompakten Wagen mit geringem Benzinverbrauch, der in großen Kaufhäusern für nur 250 US-Dollar zu haben ist. Gleichzeitig verschwindet in diesem Jahr das 1907 gegründete Unternehmen Detroit Electric vom Automobilmarkt wie auch das bereits 1898 gegründete Unternehmen Stutz Motor Company.