5.   Die 1930er Jahre

 

 

1930

 

09.02.1930 - Bei einem Wettrennen zwischen einem Flugzeug, einem Motorrad und einem Automobil auf dem zugefrorenen Eibsee in Bayern siegt der deutsche Flieger Ernst Udet. Automobilrennfahrer Hans Stuck geht als letzter durch das Ziel.

 

12.02.1930 - Nachdem die Leitung der Opel-Werke in Rüsselsheim Mitglieder des Betriebs-rates entlassen hat, kommt es auf dem Werksgelände zu Krawallen von Belegschaftsmitgliedern. Mittels Polizei werden die Unruhen beendet.

 

13.03.1930 – Ein Wettrennen der besonderen Art findet auf der Strecke Cannes – Calais statt. Woolf Barnato, vermögender Diamantenhändler, Rennfahrer und mehrfacher Le Mans-Sieger, will seinem Freund Dale Bourne beweisen, dass das Automobil die Eisenbahn als schnellstes Verkehrsmittel abgelöst hat. Dies führt zu einem Wettrennen zwischen Barnato mit seinem Bentley 6,5-Liter „Speed Six“ mit einem normalen Sallon-Aufbau von H. J. Mulliner und dem Calais-Méditeranée-Express, dem auch unter dem Namen Train Bleu bekannten Luxuszug. Am Abend des 13.03.1930 fährt der Zug in Cannes los. Gerüchten zufolge trinken Barnato und Bourne noch entspannt ihre Drinks aus, als sie die Nachrocht von der Abfahrt erfahren. Dann starten sie mit dem Bentley, vollgepackt mit Benzinkanistern. Auf der Strecke hat Barnato dafür gesorgt, dass in Lyon die Zapfsäule einer Werkstatt in der Nacht besetzt ist, um vier Uhr morgens erwartet ihn in Auxerre ein Tankwagen. Doch aufgrund des Gewichts mit den vollen Tanks ist der Wagen sehr schwer, Barnato kann nur maximal 130 km/h fahren. Zusätzlich regnet es stark und sie Sicht ist eingeschränkt. In Auxerre müssen sie den Tankwagen suchen, der Fahrer hat nicht an der verabredeten Stelle geparkt. Kurz vor Paris löst Bourne Barnato am Steuer für ein paar Stunden ab. Um 10:30 Uhr erreichen sie Boulogne und sichern sich einen vorderen Platz auf dem Frachtschiff nach Folkstone. Um 15:24 Uhr erreicht der „Train Bleu“ Calais – vier Minuten nachdem Barnato aus seinem Bentley ausgestiegen ist – direkt vor seinem Club in London. Die Franzosen empfinden die Niederlage als Schmach – Bentley wird vom Pariser Autosalon im Herbst 1930 wieder ausgeladen.

 

01.04.1930 - In Deutschland werden Autoreisezüge als Auto-Gepäck-Verkehr von der Deutschen Reichsbahn eingeführt. Dabei wird das Automobil aufgegeben und in einem separaten Zug auf herkömmlichen Flachwagen oder Rungenwagen zum Zielbahnhof befördert. In den 1940er Jahren werden Pläne für doppelstöckige, geschlossene Autotransportwagen entwickelt, die aufgrund des Zweiten Weltkrieges nicht mehr umgesetzt werden. Die Idee an sich ist jedoch bereits deutlich älter. Bereits zu Beginn des Eisenbahnzeitalters gab es Ideen, Kutschen direkt auf Bahnwagons zu verladen, um das Umsteigen am Bahnhof einzusparen; eine Idee, die sich aber nicht durchsetzte.

 

 

1933

 

06.06.1933 - In Camden, New Jersey, wird das erste Autokino der Welt eröffnet. Gezeigt wird der Film "Wife Aware". Der Film war kein großer Erfolg, doch die Autokinos werden in den 60'er und 70'er Jahren immer populärer, vor allem in den USA. In Deutschland dauert es bis 1960, als in Gravenbruch bei Frankfurt/Main das erste deutsche Autokino an den Start geht. Ab den 70'er Jahren schließen die meisten Autokinos wieder, erleben aber 2020 in Zeiten der Covid-19-Pandemie einen neuen Aufschwung.

 

21.-23.07.1933 - Das Langstrecken-Straßenrennen „2000 km durch Deutschland“ findet erstmals statt. 454 serienmäßige Fahrzeuge starten in Baden-Baden und gelangen dort nach 2000 Kilometern wieder zurück. Es gewinnt ein Sport-Zweisitzer von Opel mit einem 1,8 Liter-Sechszylindermotor und einer Fahrzeit von 26 Stunden und 23 Minuten. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 78 km/h.

 

 

1934

 

11.02.1934 - Er ist bereits siebenfacher Motorrad-Weltmeister, als er in die Formel 1 wechselt und 1964 auch dort Weltmeister wird. Dieses Meisterstück gelingt nur ihm: dem 1934 in Tatsfield, Surry geborenen  britischen Rennfahrer John Surtees. Sein erstes Rennen bestreitet er als 14Jähriger im Beiwagen zusammen mit seinem Vater, einem Motorradhändler. Doch als die Renndirektoren sein Alter herausfinden, werden Vater und Sohn disqualifiziert. Mit 15 Jahren bestreitet er sein erstes Grasbahnrennen und beginnt ein Jahr später eine Ausbildung bei Vincent. Nebenbei fährt er weiter Motorradrennen. 1952 gibt er sein Debüt in der Motorrad-Weltmeisterschaft, 1956 holt er seinen ersten Weltmeistertitel, 1958 seinen zweiten. 1959 wird er Weltmeister sowohl in der 350er- wie auch in der 500er-Klasse, nachdem er alle Rennen der Saison gewonnen hat. Auch 1960 gewinnt er den Titel in beiden Klassen. Insgesamt startet er bei 48 Grand-Prix-Rennen und siegt bei 38 Rennen, holt 45 Podestplätze und sieben WM-Titel. 1960 wechselt er zu Lotus in die Formel 1. 1963 geht er zu Ferrari und wird 1964 Formel-1-Weltmeister. Er fährt neben der Formel 1 auch Sportwagenrennen und ist in der amerikanischen CanAm-Serie erfolgreich, die er 1966 mit einem Lola T70 gewinnt. 1963 und 1965 gewinnt er das 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring. 2017 stirbt er im Alter von 83 Jahren.

 

27.05.1934 - Nicht in der bisherigen deutschen Rennfarbe weiß, sondern in Silber sollen beim AVUS-Rennen die Rennwagen von Mercedes-Benz und der Auto Union an den Start gehen. Die Mercedes-Benz starten jedoch aufgrund von Problemen mit der Benzinzufuhr nicht, die Auto Union werden hinter zwei Alfa Romeo Dritter. Dies ist der Beginn der Erfolgsgeschichte der neuen "Silberpfeile".

 

09.09.1934 - Auf dem Autodroma di Milano in Monza siegt Rudolf Caracciola auf einem Mercedes-Benz W 25 vor Hans Stuck, der auf einem Auto Union Typ A unterwegs ist. Dritter wird Carlo Felice Trossi auf einem Alfa Romeo Tipo B/P3. 1934 ist das Gewicht der Monoposto-Rennwagen auf 750 kg beschränkt worden, um einerseits immer größeren und leistungsstärkeren Motoren entgegenzuwirken und andererseits den Herstellern kleinerer und leichterer Fahrzeuge entgegenzukommen. Trotz dieser Beschränkung können Mercedes-Benz und die Auto Union extrem leistungsfähige Fahrzeuge an den Start bringen. Der Mercedes-Benz W 25 hat einen Achtzylindermotor mit 3.700 ccm Hubraum und rund 400 PS, der Auto Union Typ A verfügt über einen Sechzehnzylindermotor mit 4.400 ccm Hubraum und 295 PS. Mit der Einzelradaufhängung und den Stromlinienkarosserien setzen sie neue Maßstäbe.

 

22.09.1934 - Mit einem Steyr 100 findet auf der noch unfertigen Rohtrasse die historische Erstbefahrung der Großglockner Hochalpenstraße und somit auch die erste Alpenüberquerung mit einem Automobil statt.

 

01.10.1934 - In Deutschland tritt in Deutschland die Straßenverkehrsordnung (StVO) in Kraft. Darin werden die Regeln für alle Verkehrsteilnehmer geregelt. Die neueste Fassung trat am 01.04.2013 in Kraft.

 

02.11.1934 - Nachdem Henri Théodore Pigozzi  für 8.050.000 Franc die stillgelegte Automobil-fabrik Donnet-Zédel in Nanterre erworben hat, gründet er am 02.11.1934 die Firma Société Industrielle de Mécanique et de Carrosserie Automobile = SIMCA. Beteiligt ist auch Fiat. Die Fabrik wird eine der modernsten Automobilfabriken dieser Zeit. 1962 beteiligt sich Chrylser an Simca, 1971 gehört Simca zu 100% zu Chrysler. 1978 wird Simca von Peugeot übernommen und die Marke wird aufgegeben.

 

10.11.1934 - In Mailand wird Lucien Bianchi geboren. Der Sohn eines belgischen Alfa Romeo-Mechanikers wird in den sechziger Jahren als vielseitiger Rennfahrer bekannt. Nachdem er Anfang der 60er in der Formel 1 auf Cooper, Lotus, Lola und B.R.M. ohne größere Erfolge startet, ist er in anderen Klassen erfolgreicher, sowohl mit Tourenwagen, Sportwagen und bei Rallyes. 1968 siegt er mit einem Ford GT40 die 24 Stunden von Le Mans, sein 13. Start bei diesem Klassiker. Schon vorher hat er mit einem Ferrari Testa Rossa das 12-Stunden-Rennen von Sebring (1962) und mit einem Ferrari 250 GTO die Tour de France (1964) gewonnen. 1961 gewinnt er mit einem Citroen DS 19 die legendäre Liége-Sofia-Liége. Die Strecke seines größten Erfolges wird ihm jedoch auch zum Verhängnis. Am 30. März 1969 prall er beim Vortraining zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans mit einem Alfa Romeo T33 gegen einen Telegraphenmast. Er ist einer der letzten Rennfahrer, die in verschiedenen Motorsportklassen erfolgreich war.

 

 

1935

 

02/1935 - Der Opel Olympia wird auf der 25. Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung (IATA) in Berlin vorgestellt. Er ist das erste in Großserie gebaute deutsche Automobil mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie. Außerdem verfügt er im Bereich des vorderen Gabelprofils über Sollbruchstellen, dies kann man als Vorläufer der heutigen Knautschzonen sehen. Den Olympia gint es u. a. als zwei- oder viertürige Limousine, als Cabrio-Limousine und als Kastenwagen. Den Namen erhält er in Anlehnung an die Olympischen Spiele, die 1936 in Berlin und Garmisch-Partenkirchen stattfinden. Bis 1940 werden 168.875 Opel Olympia gebaut. Nach dem Krieg baut Opel ab 1947 einen überarbeiteten Olympia; dieser wird 1953 vom Opel Olympia Rekord abgelöst.

 

02/1935 - Die Auto Union bringt den Kleinwagen DKW F5 auf den Markt. Der im Audiwerk Zwickau gebaute Wagen wird bis 1937 als Roadster, Limousine, Kabriolimousine, Cabriolet und Kastenwagen gebaut und von einem Zweizylinder-Zweitaktmotor angetrieben. Die Motoren haben 584 ccm ("Reichsklasse", Front Zweisitzer) mit 18 PS und 692 ccm ("Meisterklasse", Front Luxus Cabriolet und Front Luxus Sport) mit 20 PS. Schon 1936 endet die Produktion der Limousinen , ein Jahr später die der Sportwagen.

 

05/1935 - In den USA wird die United Auto Worker (UAW) gegründet. Sie ist bis heute eine der mitgliederstärksten Gewerkschaften der USA und vertritt insbesondere Arbeitnehmer der Automobilindustrie. Sie zählt zu den ersten Gewerkschaften, in der Afroamerikaner Mitglied werden konnten, außerdem trägt sie u. a. mit der Durchsetzung von arbeitgeberfinanzierten Krankenversicherungen entscheidend zur Verbesserung der Lebenssituation von Industriearbeitern bei.

 

05/1935 - Kilchiro Toyoda und sein Schwager Risaburo präsentieren ihr erstes Fahrzeug, den G1. Vorbild sind die amerikanischen Trucks dieser Zeit. Zwei Jahre später wird die Firma Toyota Motor Company gegründet.

 

16.07.1935 - in Oklahoma City (USA) wird die erste Parkuhr aufgestellt. Sie erhält den Namen "Schwarze Maria".  Zwei Monate zuvor, am 13.05.1935, hat der Amerikaner Carlton Cole Magee in North Dakota ein Patent eingereicht ("coin controlled parking meter"). Er erhält es allerdings erst am 24.05.1938. Die ersten Parkuhren ("Parkographen") in Deutschland werden am 04.01.1954 in Duisburg aufgestellt.

 

 

1936

 

15.02.-01.03.1936 - Auf der Internationalen Automobil- und Motorradaustellung (IAMA) in Berlin stellt BMW den neuen Typ 326 vor. Der viertürige Mittelklassewagen hat den aus dem BMW 319 stammenden Sechszylindermotor, dessen Hubraum und Leistung  auf  2 Liter und 50 PS leicht gesteigert wurde. Der Kastenrahmen wird bei Ambi-Budd in Berlin mit der Karosserie verschweißt, dort entstehen auch Türen, Dach, Sitze, Verglasung und alle Beschlagteile. Bei BMW in Eisenach werden Kotflügel, Motorhaube, Trittbleche, Stoßstangen und weitere Teile hergestellt. Den BMW 326 gibt es als Limousine sowie als zwei- und viertüriges Cabriolet. Bis 1941 entstehen 15.936 Fahrzeuge. Nach dem Krieg wird in Eisenach zwischen 1949 und 1955 unter der Bezeichnung EMW 340 eine modernisierte Variante des 326 gebaut. Am Stand von Mercedes-Benz debütieren die neuen Pkw-Typen 170 V (W 136) und 170 H (W 28) sowie der Typ 260 D (W 138), der erste serienmäßig produzierte Diesel-Personenwagen der Welt. Darüber hinaus findet anlässlich des Jubiläums "50 Jahre Motorisierung des Verkehrs" eine Ehrung von Karl Benz und Gottlieb Daimler statt.

 

04.03.1936 - James "Jim" Clark wird in Kilmany, Schottland geboren. Zwischen 1960 und 1968 startet er bei 72 Formel 1-Rennen für Lotus und wird 1963 und 1965 Weltmeister. Dabei siegt er bei 25 Rennen und holt 33 Pole Positions. Damals werden noch nicht viele zur Weltmeisterschaft zählende Formel 1-Rennen ausgetragen. Zählt man diese hinzu, kommt Clark auf über 50 Formel 1-Siege. Dazu kommen Erfolge bei Sportwagen und Tourenwagenrennen  auf dem Lotus Cortina. Am  7. April 1968 startet er mit einem Lotus 48 bei einem für ihn völlig unbedeutenden Formel 2-Rennen  auf dem Hockenheimring. Vermutlich aufgrund eines schleichenden Plattfußes und Reifenschadens kommt er auf einer Geraden ins Schleudern, prallt gegen einen Baum und stirbt noch an der Unfallstelle. Zu dieser Zeit gibt es noch keine Leitplanken oder Sicherheitsstreifen.


05.03.1936 - Die Kölner Motorenfabrik Humboldt-Deutz übernimmt den Ulmer Nutzfahrzeug-bauer Magirus. Auf diese Fusion geht die nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Markt etablierte Marke Magirus-Deutz zurück, die zeitweise der zweitgrößte Nutzfahrzeughersteller Deutschlands wird.

 

13.04.1936 - Beim Großen Preis von Monaco siegt Rudolf Caracciola auf Mercedes-Benz W25 vor den beiden Auto Union-Piloten Achille Varzi und Hans Stuck auf Auto Union C-Typ. Nach 100 Runden haben die Fahrer 318 km durch die Gassen Monacos zurückgelegt.

 

01.05.1936 - Die erste Reichs-Autobahntankstelle bei der Anschlussstelle Darmstadt wird eröffnet, die neben Waschgelegenheiten auch einen Aufenthaltsraum für 10 Personen aufweist. Später folgen Tankstellen an der freien Strecke, die auch eine Küche und einen Gastraum für 30 Personen haben. Mit der Fertigstellung von längeren, durchgehenden Streckenabschnitten kommt der Bau von Rastanlagen, die in Anlehnung an den Gasthof, das Gasthaus und die Gaststätte als Rasthof, Rasthaus oder Raststätte bezeichnet werden.

 

10.05.1936 - Beim Großen Preis von Tripolis können die Auto Union-Piloten Varzi und Stuck mit ihre Auto-Union C-Typ Revanche nehmen für den Mercedes-Sieg in Tripolis.  Nach 525 km und 40 Runden liegen sie vor Fagioli und Caracciola, beide auf Mercedes W25.

 

06/1936 - Der neue „Fiat 500" wird der staunenden Bevölkerung präsentiert. Seine Daten: 3,21 Meter lang, 569 Kubikzentimeter 4-Zylinder-Motor mit einer Leistung von 13 PS, Höchstgeschwindigkeit 85 km/h, hintere Sitzbank für 50 kg Gepäck oder 2 Kinder. Der Kühler liegt hinter dem Motorblock und deutlich höher - so wird die Wasserpumpe eingespart. Das Benzin fließt ebenfalls durch Schwerkraft aus dem Tank, der über dem Vergaser angeordnet ist. Hydraulische Stoßdämpfer und Einzelradaufhängung an der Vorderachse bieten vergleichsweise hohen Fahrkomfort. Der erste und zweite Gang werden mit Zwischengas geschaltet, der 3. und 4. Gang sind schon synchronisiert. An Zubehör wählen nur wenige der neuen Besitzer die aufpreispflichtigen Stoßstangen, fast alle aber das große Rolldach. Etwa 122.000 Exemplare der ersten Variante werden verkauft - ein Kassenschlager der automobilen Neuzeit. Daran mag auch die von Rodolfo Schaeffer entworfene schwungvolle Karosserie Anteil haben. Für den Fiat 500 bürgert sich der Name „Topolino", „Mäuschen" ein - gleichzeitig der Name für die Walt-Disney-Micky-Maus in Italien. Der Preis: Für 8900 Lire, damals rund 2770 DM bzw. 1416 Euro, kann sich auch ein Normalverdiener dieses Automobil leisten. 

 

15.08.1936 - Dreifachtriumpf von Auto Union beim Coppa Pescara. Bernd Rosemeyer siegt vor v. Delius und Varzi.

 

23.08.1936 - Nur eine Woche nach Pescara gelingt der Auto Union erneut ein Dreifachtriumpf. Beim Großen Preis der Schweiz in Bern erhält Bernd Rosemeyer den Siegerkranz. Ihm folgen Varzi und Stuck, Vierter werden Fagioli und Lang auf Mercedes-Benz, Fünfter wird Hasse, ebenfalls auf Auto Union.

 

13.09.1936 - Beim Heim-Grand Prix, dem Großen Preis von Italien in Monza, kommt Tazio Nuvolari auf seinem Alfa Romeo 8 C -35 nur auf den 2. Platz. Sieger ist erneut Bernd Rosemeyer mit seinem Auto Union C-Typ. Von Delius auf Auto Union C-Typ wird Dritter.

 

01.-11.10.1936 - Auf dem Pariser Autosalon debütiert der wohl beeindruckendste Mercedes-Benz der Vorkriegszeit: Der 540 K. Reihen-Achtzylinder, 5.401 ccm, 115/180 PS. Dazu wunderschöne Karosserien. Die wohl schönste tragen die 540 K Spezialroadster. Außerdem gibt es den 540 K als Roadster, Cabriolet A, B und C, Coupé, Limousine 2-türig und offenen Tourer. Neben den bei Mercedes gefertigten Karosserien werden auch zahlreiche 540 K von namhaften Karosseriebetrieben wie Erdmann & Rossi, Saoutchik, Voll & Ruhrbeck, Hebmüller, Van den Plas oder Figoni & Falaschi eingekleidet. Vom 540 K (W 29) entstehen bis Juni 1943 406 Exemplare, vom W 129 entstehen 38. Premiere hat auch der Typ 230 (W 143), der auf dem Typ 200 (W 21) basiert und als dessen Nachfolger fungiert. Der 2,3-l-Sechszylindermotor leistet 55 PS, 15 PS mehr als die 2-l-Ausführung.

 

21.11.1936 - Das Schkeuditzer Kreuz wird als erstes Autobahnkreuz in Betrieb genommen. Heute verbindet es die A 9 (Berlin-Leipzig-München) und die A14 (Wismar-Magdeburg-Dresden).

 

11.11.1936 - Rudolf Caracciola erzielt mit einem Vollstromlinien-Rekordwagen auf der Reichs-autobahn Frankfurt-Darmstadt fünf internationale Klassenrekorde und einen Weltrekord. Die Distanz von 10 Meilen bei fliegendem Start fährt er mit der Rekordgeschwindigkeit von 333,48 km/h.

 

12/1936 - Nachdem im Februar 1935 der Olympia und September 1935 der Opel P4 vorgestellt worden waren, präsentiert der technische Berater der Opel-Verkaufsleitung Heinrich Nordhoff (ab 1948 Generaldirektor des Volkswagenwerkes) im Dezember 1936 den Kadett der Öffentlichkeit. Nach dem Olympia hat der Kadett als zweites Opel-Modell eine selbsttragende Karosserie mit zwei oder vier Türen. Die Technik wird geringfügig verändert übernommen: Der seitengesteuerte Vierzylindermotor stammt aus dem P4, während für die Einzelradaufhängung der Vorderräder eine vereinfachte Ausführung des Dubonnet-Federknies aus dem Olympia adaptiert wird; hinten findet ebenfalls eine Starrachse mit Blattfedern Verwendung. („Synchron-Federung“). Mit hydraulisch betätigten Trommelbremsen, komplett instrumentiert und serienmäßigem Fahrtrichtungsanzeiger (Winker) werden der Zweitürer und die Cabrio-Limousine zum gleichen Preis von 2100 Reichsmark (RM) angeboten. Ab Januar 1938 ist auch ein viertüriges Modell zum Preis von 2350 RM im Verkaufsprogramm.

 

 

1937

 

01.01.1937 - Nachdem die Silberpfeile der Auto Union und von Mercedes-Benz die Grand Prix-Saison fast vollständig dominiert haben, kommt beim ersten Rennen beim Großen Preis von Südafrika in East London des neuen Jahres kein deutsches Fahrzeug unter die ersten Drei. Es gewinnt ein ERA vor zwei Riley. Bernd Rosemeyer wird mit seinem Auto Union Typ C Sechster.

 

18.02.1937 - Das bislang größte Automobil des französischen Herstellers Renault erhält von der nationalen Zulassungsbehörde seine Zulassung: Der Renault Juvaquatre. Auffällig ist die Frontgestaltung mit den integrierten Scheinwerfern, die stark an den damaligen Opel Kadett I erinnert. Dieser Typ AEB 1 sind im Grunde noch Prototypen, die Serienausführung Typ AEB 2 erhält am 03.08.1937 ihre Zulassung. Der Juvaquatre verfügt über einen wassergekühlten Vierzylindermotor mit 1004 ccm. Bis 1955, als Break Dauphineoise bis 1946 wird das Fahrzeug gebaut. In dieser Zeit wird er als Limousine, Coupé, Kabriolimousine, Kombi und Kastenwagen gebaut. Der Juvaquatre hat weder einen direkten Vorgänger noch einen Nachfolger.

 

02/1937 - Dem Trend zur Stromlinie folgen auch die Frankfurter Adler-Werke mit dem "Typ 10" oder auch Adler 2,5 Liter. Der mit dem Beinamen "Autobahn" versehene Wagen  hat eine von Chefkonstrukteur Karl Jeschke versehene stromlinienförmige Karosserie. Es gibt ihn als zunächst als viertürige Limousine mit Schiebedach von Ambi-Budd  und als zwei- bzw. viersitziges Cabriolet vom Osnabrücker Karosseriebauer Karmann. Ein Jahr später erscheint eine zweitürige Sportlimousine (Adler 2,5 Liter Sport), die bei Buhne (Berlin) und Gläser (Dresden) produziert wird. Der Adler 2,5 Liter hat einen Sechszylinder-Reihenmotor mit 2.494 ccm Hubraum und  58 PS (80 PS beim 2,5 Liter Sport). Damit war er 125 km/h bzw. 150 km/h schnell. Zwischen 1937 und 1940 entstanden 5.295 Exemplare aller Ausführungen.

 

26.05.1937: Auf dem Badberg-Viereck, dem heutigen Sachsenring, findet das erste Rennen statt. Die Ursprünge des Sachsenrings gehen auf das Badberg-Vierecksrennen zurück, welches erstmals am 26. Mai, dem Himmelfahrtstag des Jahres 1927 vor über 140.000 Zuschauern stattfand. Der 8,71 km lange Straßenkurs führt gegen den Uhrzeigersinn durch Hohenstein-Ernstthal nach Norden, um dann in westlicher Richtung parallel zur heutigen A4 Chemnitz–Gera zu verlaufen. Auf der heutigen Bundesstraße 180 geht es nach Süden, um dann in der Queckenberg-Kurve auf die Zielgerade einzumünden. Nach zwei Auflagen muss die Veranstaltung nach Protesten der Bürgerschaft wegen der zahlreichen Unfälle zunächst ausgesetzt werden.

 

09.05.1937 - Auto Union und Mercedes-Benz deklassieren die Konkurrenz beim Großen Preis von Tripolis. Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Mellaha siegt  Hermann Land auf Mercedes-Benz, ihm folgen die beiden Auto Union-Fahrer Bernd Rosemeyer und Ernst von Delius.  Auf den Plätzen 4 bis 8 fahren ins Ziel: Hans Struck und Luigi Fagioloi (beide Auto Union), Rudolf Caracciola und  Richard Seaman (beide Mercedes-Benz) sowie Rudolf Hasse (Auto Union). Auch am 30.05.1937 machen die Silberpfeile die ersten Plätze unter sich aus.

 

06., 13. und 20.06.1937 - Alfa Romeo kann den überragenden Silberpfeilen der Auto Union und von Mercedes-Benz die Stirn bieten. Beim Großen Preis von Rio de Janeiro gewinnt Carlo Pinatcuda,  der Mille Miglia-Sieger von 1935 und 1937, auf Alfa Romeo vor Hans Stuck auf Auto Union. Dritter wird wieder ein Alfa Romeo mit dem Fahrer Antonio Brivio, dem Mille Miglia-Sieger von 1936. Eine Woche später sind die Silberpfeile jedoch wieder da. Beim Eifelrennen auf dem Nürburgring siegt Bernd Rosemeyer (Auto Union) vor den Mercedes-Benz-Fahrern Rudolf Caracciola und Rudolf von Brauchitsch. Hasse (Auto Union) belegt Platz 4, Land (Mercedes-Benz) Platz 6, Müller (Auto Union) Platz 7, Kautz (Mercedes-Benz) Platz 9 und v. Delius kommt mit seinem Auto Union auf den zehnten Platz. Wieder eine Woche später, am 20.06.1937, findet der Heim-Grand Prix der Italiener in Monza statt. Dieser zählt jedoch nicht zur Europameisterschaft.  Nun ist es wieder Alfa Romeo, das dominiert und die ersten drei Plätze belegt. Tazio Nuvolari siegt vor Giuseppe Farina (dem späteren 1. Formel 1-Weltmeister) und dem späteren Schriftsteller Hans Ruesch. Vierter wird  Rudolf Hasse auf Auto Union. Dies ist das letzte Grand Prix-Rennen im Jahr 1937, bei dem kein Silberpfeil siegt. Bis auf den Vanderbilt Cup auf Long Island, New York, (3. Platz für Alfa Romeo) belegen die Silberpfeile immer mindestens die ersten drei Plätze.

 

25.07.1937 - Auf dem Nürburgring findet der Große Preis von Deutschland statt, der Heim-Grand Prix der Silberpfeile. Wieder gewinnt Rudolf Caracciola auf Mercedes-Benz vor seinem Teamkollegen Manfred von Brauchitsch. Bernd Rosemeyer auf Auto Union wird Dritter.

 

28.08.1937 - Die im Aufbau befindliche Automobilsparte des japanischen Webmaschinen-produzenten Toyoda Automatic Loom Works, Ltd. wird als Toyota Motor Corporation zu einem eigenständigen Unternehmen. Die von Sakichi Toyoda gegründete Firma Toyotas beginnt ursprünglich mit hölzernen Webrahmen und ab 1924 mit „automatisierten Webmaschinen“. 1929 verkauft Toyoda sein Patent der automatischen Webmaschine an die britische Firma Platt Brothers und nutzt den Erlös, um eine Automobilproduktion aufzubauen. 1935 entstehen das erste Automobil, der Toyota A1 (Toyota AA bei Markteinführung 1936), und der GG Truck. Am 28.08.2017 gründen Kiichiro Toyoda und sein Cousin Toyoda Eiji die Toyota Motor Corporation. Dabei taucht die abgeänderte Form des Namens Toyota statt bisher Toyoda auf. Ab 1970 vertreibt Toyota seine Fahrzeuge auch auf dem deutschen Markt, in der Schweiz hat man damit bereits 1967 begonnen. Heute gehört Toyota zu den größten Automobilkonzernen der Welt.

 

12.09.1937 - Rudolf Caracciola gewinnt den Großen Preis von Italien auf Mercedes-Benz vor Hermann Lang (ebenfalls Mercedes-Benz) und Bernd Rosemeyer (Auto Union).

 

25.10.1937 - Als erster Rennfahrer der Welt durchbricht der Grand-Prix-Rennfahrer Bernd Rosemeyer die Geschwindigkeitsgrenze von 400 km/h. Nach einem fliegenden Start erreichte er mit einem Auto Union Typ C-Stromlinienwagen auf der einen Kilometer langen Messstrecke auf der Reichsautobahn Frankfurt-Darmstadt eine Geschwindigkeit von exakt 406,32 km/h. Bei einem weiteren Rekordwochenende verunglückte er auf der Strecke tödlich.

  

11/1937 - Mit dem BMW 327 stellt der Münchner Autobauer eines der schönsten Fahrzeuge der Vorkriegszeit vor. Vier Jahre lang wird das elegante Fahrzeug als 2+2-sitziges Coupé und (ab 1938) Cabriolet gebaut. Die Karosserien entstehen in Berlin bei Ambi-Budd und werden anschließend zu BMW nach Eisenach geliefert. Hinter der Vorderachse sitzt ein längs eingebauter 1.971 ccm großer  Sechszylinder-Reihenmotor mit 55 PS. In der Nachkriegszeit wird das im Krieg zerstörte Werk wiederaufgebaut und unter sowjetischer Verwaltung entstehen bis 1955 (ab 1952 in Dresden) mehr als 500 Fahrzeuge. Auf den britischen Markt kommen die BMW 327 als Frazer-Nash  BMW 327 und entstehen auch direkt bei Frazer-Nash. Nach dem Krieg übernimmt die Bristol Aircraft Company die Konstruktion des BMW 327 und baut das Coupé zwischen 1947 und 1950.

 

1937 wird im französischen Bois-Colombes der letzte Hispano-Suiza gebaut, ein K6/Typ 70 mit einem 5,1-Liter Sechszylinder. 1904 wurde das spanische Unternehmen unter Beteiligung des Schweizer Konstrukteurs Birkigt in Barcelona gegründet. 

 

 

1938

 

01.01.1938 - Die Verordnung über das Verhalten im Straßenverkehr, kurz: Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) tritt in Kraft. Sie löst die bisherige Reichs-Straßenverkehrs-Ordnung ab. Sie blieb bis zum 01.03.1971 in der BRD gültig. Die wesentlich umfassendere Neufassung von 1937 war zum einen den schnellen straßenverkehrstechnischen Fortschritten und dem Anwachsen des Verkehrs geschuldet, zum anderen wurden nun auch die Kompetenzverlagerungen und Strukturveränderungen innerhalb des inzwischen gefestigten nationalsozialistischen Staates deutlich.

 

28.01.1938 - In der Hubraumklasse zwischen 5.000 und 8.000 ccm fährt Rudolf Caracciola auf der Autobahn Frankfurt - Darmstadt mit einem Mercedes-Benz W 125 eine Geschwindigkeit von 432,700 km/h - in dieser Hubraumklasse ist der Rekord heute noch gültig. Eineinhalb Stunden später stirbt an gleicher Stelle Bernd Rosemeyer. Bei ca. 400 km/h drückt eine Windboe seinen Rekordwagen von der Fahrbahn. Mit ihm starb das Idol einer ganzen Generation und einer der erfolgreichsten Rennfahrer der Vorkriegszeit.

 

05/1938 - Der letzte von vier vom Bugatti-Werk gebauten Typ 57 SC Atlantic entsteht. Die anderen drei Fahrzeuge entstanden bereits im Jahr 1936. Auch dieses Fahrzeug folgt der Linienführung von Jean Bugattis Vorgaben, weicht jedoch in vielen Details ab. So hat es freistehende Kotflügel, während die anderen Atlantic in die Kotflügel eingelassene Scheinwerfer besitzen. Dieses Fahrzeug (Fahrgestell-Nr. 57591) bleibt zunächst 30 Jahre in Erstbesitz und gehört seit 20 Jahren zur exklusiven Ralph Lauren-Kollektion. 1990 wurde die Restaurierung abgeschlossen und der Atlantic erhält beim Pebble Beach Concours d'Elegance den Best of Show Award.  Mit einem geschätzten Auktionspreis von 30-40 Millionen US-Dollar gilt er als teuerster "Gebrauchtwagen der Welt."

 

08.05.1938 - In Hamburg findet das zweite Stadtparkrennen statt. Nach 1934, bei dem nur Motorräder an den Start gingen, begeistern nun auch Sportwagen die Zuschauer in der Hansestadt. Bei schmuddeligem Wetter gehen aber zunächst die Zweiräder an den Start. Ihnen folgen die Sportwagen. In der Einliter-Klasse gewinnt ein NSU-Fiat vor einem MG und einem Fiat, in der 1,5-Liter-Klasse ein MG-Midget vor einem Aston Martin und einem BMW und in der 2-Liter-Klasse liegen drei BMW vorne. Auch ein neuer Neander fährt  vielversprechend mit.

 

26.05.1938 - Grundsteinlegung des Volkswagenwerkes. Der Ort am Mittellandkanal im Urstromtal der Aller wird mehr oder weniger zufällig aufgrund einer Bereisung durch den Geschäftsführer Bodo Lafferentz im ländlich geprägten, dünn besiedelten Gebiet bei der Gemeinde Fallersleben sowie dem Schloss Wolfsburg mit dem dortigen Schulenburgischen Gutshof gefunden. Er liegt annähernd in der geographischen Mitte des damaligen Deutschen Reiches und bietet zahlreiche verkehrsgünstige Anbindungen. Im Herbst 1939 stehen die Fertigungshallen im Rohbau. Doch statt der geplanten zivilen Volkswagen – für den bereits Hunderttausende eine Sparvertrag abgeschlossen haben - werden mit Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges Kübel- und Schwimmwagen auf Basis des KdF-Wagens gebaut.

 

19.6.1938 - Den Sieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans holen sich die französischen Autorennfahrer Eugene Chaboud und Jean Tremoulet auf einem Delahaye.

 

3.7.1938 - Den Großen Preis von Frankreich für Automobile in Reims gewinnt der Deutsche Manfred von Brauchitsch auf Mercedes-Benz. Ihm folgen Rudolf Caracciola und Hermann Land auf den Plätzen 2 und 3, ebenfalls auf Mercedes-Benz.

 

24.7.1938 - Den Großen Preis von Deutschland für Automobile gewinnt auf dem Nürburgring der Brite Richard Seaman auf Mercedes-Benz. Auf Platz 2 fuhren Rudolf Caracciola und Hermann Land, ebenfalls auf Mercedes-Benz. Auf den Plätzen 3 und 4 folgen die Auto Union-Fahrer Hans Stück bzw. Hermann Paul Müller und Tazio Nuvolari.

 

13.10.1938 - Präsentation des letzten Eisenacher BMW-Modells Typ 335. Es ist das größte und leistungsstärkste Automobil, das BMW in der Vorkriegszeit anbietet. Aufgrund des Erfolges des BMW 326 bringt BMW mit dem Typ 335 ein größeres Modell mit einem ähnlichen Charakter auf den Markt. Das Fahrzeug hat einen Reihensechszylindermotor mit 3.485 ccm Hubraum und 90 PS. Dies reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von rund 145 km/h. Im ersten Produktionsjahr kostet die Limousine 7.850 RM, das zweitürige Cabriolet 9.050 RM, während der BMW 326 schon für 5.500 RM zu haben ist. Zusätzlich gibt es noch ein viertüriges Cabriolet vom Typ 335. Gebaut wird der BMW 335 von 1939 bis 1941, es entstehen 415 Fahrzeuge.

 

1938 - Der "Große Mercedes", der 770 (W150) wird zwischen 1938 und 1943 88 x gebaut. Im gleichen Jahr kommt der Typ 320 bzw. 340 als Nachfolger des Mercedes-Benz Typ 290 auf den Markt. Er hat einen Sechszylinder-Reihenmotor mit 3.208 ccm und 78 PS bzw. als Typ 340 mit 3.405 ccm und 80 PS. Den 320 bzw.  gibt es bis 1942 in verschiedenen Karosserievarianten. Von Audi kommt der neue Typ 920. Er gehört zur oberen Mittelklasse, das Fahrwerk und die Karosserie entsprechen dem Wanderer W23. Angetrieben wird er von einem Sechszylinder-Reihenmotor mit 3.281 ccm und 75 PS.  In Zwickau entstehen bis 1940 insgesamt1.281 Fahrzeuge, davon 795 Cabriolets. Opel bringt das neue Modell Kapitän auf den Markt. Auch er gehört wie der Audi zur oberen Mittelklasse. Der Kapitän ist das letzte, als Nachfolger der Erfolgsmodells Super 6 vor dem Zweiten Weltkrieg konstruierte Opel. Das Modell gibt es als Limousine mit zwei oder vier Türen und als vor- und fünfsitzige Vier-Fenster-Cabriolets. Zusätzlich entstehen 248 zweisitzige Cabriolets bei Gläser in Dresden und Hebmüller in Wülfrath. Angetrieben wird der Kapitän von einem Sechszylinder-Reihenmotor mit 2.473 ccm und 55 PS. Bis zur Einstellung der Pkw-Produktion im Herbst 1940 werden 25.371 Fahrzeuge hergestellt, 1943 folgen drei weitere Einzelexemplare. In Frankreich bringt Peugeot das Modell 202 auf den Markt. Besonderes Merkmal sind seine Scheinwerfer, die hinter dem Kühlergrill angebracht sind. Der Kleinwagen hat einen 1.133 ccm großen Vierzylindermotor mit 30 PS. Es gibt den 202 als Limousine, Kombi und Cabriolet. 1940 wird die Produktion kriegsbedingt eingestellt und von 1947 bis 1949 wieder aufgenommen. Insgesamt entstehen rund 105.000 Exemplare. In Schweden erscheint die Volvo PV 800-Serie (umgangssprachlich auch Volvo Suggan, zu deutsch "Sau"). Der PV 800 dominiert in Schweden bis in die 50er Jahre den Taximarkt. Er wird aber auch als Hilfsambulanzwagen eingesetzt und im Zweiten Weltkrieg entsteht eine Version als allradgetriebener Geländewagen namens Terrängpersonvagn m/43 (TPV) für die schwedischen Streitkräfte.

 

 

1939

 

01/1939 - Der BMW 320 wird durch den überarbeiteten BMW 321 abgelöst. Der 321 erhält den unveränderten 2,0-Liter-Reihensecgszylindermotor des Vorgängers. Die Karosserie ist um 110 mm verbreitert worden, die Vorderachse stammt nun vom BMW 326. Die bisher vorne angeschlagenen Türen sind nun hinten angeschlagen. Diese "Selbstmördertüren" solle den Einstieg für Fahrer und Passagiere erleichtern und gelten zu dieser Zeit als modern. Der Typ 321 wird bis 1941 in Eisenach gebaut. Von 1945 bis 1950 wird er unter Leitung der sowjetischen Aktiengesellschaft als 321/2 erneut gebaut.

 

09.02.1939 - Rudolf Caracciola stellt zwischen Dessau und Bitterfeld mit 398,234 km/h eine Geschwindigkeitsrekord für Fahrzeug mit 3 Liter Hubraum auf.

 

03.-12. März 1939 - Auf dem Genfer Autosalon wird das letzte vor dem Zweiten Weltkrieg konstruierte Opel-Modell vorgestellt: Der Opel Kapitän. Er ist der Nachfolger des Opel Super 6, besitzt auch dessen 2,5-Liter-Motor, hat nun aber eine selbstragende Karosserie und eine vordere Einzelradaufhängung mit doppelten Querlenkern. Dem Kapitän gibt es als Limousine mit zwei oder vier Türen sowie als Cabriolet. Bis zum Herbst 1940 werden 25.371 Stück gebaut. Der Kaufpreis für die zweitürige Limousine beträgt 3.575 RM, für die viertürige Limousine 3.975 und für das vier- bis fünfsitzige Vier-Fenster-Cabriolet 4.235 RM. Zusätzlich bauen die Karosseriebaufirmen Gläser (Dresden) und Hebmüller (Wülfrath) zweitsitzige Cabriolets.

 

30.05.1939 - Wilbur Shaw gewinnt am Steuer des Maserati „Boyle Special“ 8 CTF die „Indy 500“ mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 185,131 km/h. 1940 wiederholt er den Triumph mit dem gleichen Fahrzeug  und wird jeweils einmal Zweiter und Dritter bei diesem bedeutenden Rennen.

 

11.08.1939 - Bei einer Testfahrt mit einem Bugatti Typ 57 C "Tank" verunglückt Jean Bugatti im Alter von nur 30 Jahren tödlich. Jean Bugatti (eigentlich Gianoberto Maria Carlo Bugatti) ist der älteste Sohn von Ettore Bugatti und wie sein Vater  ein genialer Fahrzeugkonstrukteur. Er entwirft u.a. den Bugatti Typ 57, der eines der erfolgreichsten Modelle der elsässischen Marke wird. Im Alter von 23 Jahren entwirft er die traumhafte 2-Sitzer-Karosserie des Bugatti Royal roadster Esders. Auch der Bugatti Typ 57 SC Atlantic - heute das teuerste Auto der Welt - entspringt seiner Feder. 1936 übernimmt er die Automobilproduktion Bugattis. Am 11.08.1939 testet er den Bugatti Typ 57 C "Tank", der kurz zuvor die 24 Stunden von Le Mans gewann, als bei über 200 km/h plötzlich ein Fahrradfahrer aus einem Feld heraus auf die Straße kommt. Jean Bugatti weicht aus und prallt gegen einen Baum.

 

28.08.1939 - Citroën erhält vom französischen Service de mines die offizielle Straßen-zulassung für ein neuartiges Fahrzeug, den 2CV Type A. Dessen Entwicklung hat kurz nach dem Einstieg von Michelin bei Citroën rund drei Jahre zuvor begonnen. Der damalige Citroënchef Boulanger hält den Wagen jetzt für marktreif und will ihn unbedingt auf dem Pariser Automobilsalon ’39 vorstellen. Um die bereits angeschafften Maschinen zu testen und auch die 2CV-Produktionsabläufe zu erproben, ist im Citroënwerk Levallois bereits eine erste Serie von 250 Exemplare gefertigt worden. Konstruktiver Minimalismus: Abgesehen von den Radhauben besteht die Karosse des 2CV A 1939 vollständig aus Aluminium. Das spart Gewicht, macht aber vor allem eine Lackierung verzichtbar. Konstruktiver Minimalismus: Abgesehen von den Radhauben besteht die Karosse des 2CV A 1939 vollständig aus Aluminium. Das spart Gewicht, macht aber vor allem eine Lackierung verzichtbar. Die Neuartigkeit des 2CV Type A liegt im Spätsommer 1939 vor allem in seiner radikal auf Funktionalität getrimmten Gesamtkonstruktion. So ist bei den ersten 2CV nur das zum Fahren unbedingt Notwendige vorgesehen: Die per Wellblech stabilisierte Aluminiumkarosse deckelt das Leergewicht auf 380 Kilo, dennoch gibt es Platz für vier Erwachsene und 50 Kilogramm Gepäck. Ein von BMW-Motorrädern inspirierter 2-Zylinder-Boxer mit Wasserkühlung entwickelt zwar nur 9 SAE-PS aus 375 ccm, kann den 2CV aber auf 60 km/h beschleunigen – bei nur 3-4 Litern Verbrauch. Die erste 2CV Serie des Jahres 1939 verfügt im Gegensatz zu den Nachkriegsmodellen über einen wassergekühlten Boxermotor, der sich allerdings in späteren Kältetests nicht bewährt. Ein paar der ersten Serienexemplare werden zu Alltagstests nach Clermont-Ferrand in die Auvergne transportiert, von wo Marcel Michelin im Oktober 1939 nach Paris meldet, man sei wohl zufrieden mit dem 2CV, ärgere sich aber über das Aufsehen, das der Wagen errege. Doch zu diesem Zeitpunkt ist an einen Anlauf der Serienfertigung im größeren Stil ohnehin nicht mehr zu denken, denn zwischenzeitlich befinden sich Frankreich und Deutschland im Kriegszustand und der Pariser Autosalon ’39 ist abgesagt, die weitere Entwicklung des 2CV wird zunächst komplett eingestellt. Als deutsche Truppen Paris besetzen, sind die Vorserienmodelle entweder gut versteckt oder abgewrackt.

 

01.09.1939 - Die Firma Maserati zieht offiziell von Bologna nach Modena. Zwei Jahre zuvor hatten die Maserati-Brüder die Firma an den aus Modena stammenden Industriellen Adolfo Orsi verkauft.