7.   Die 1950er – Aufbruch in ein neues Zeitalter

 

 

1950

 

18.01.1950: Im kanadischen Saint-Jean-sur-Richelieu wird Joseph Gilles Henri Villeneuve geboren. Mit 15 Jahren bekommt Gilles Villeneuve von seinem Vater einen MGA geschenkt, den er ohne Führerschein fährt. 1967 nimmt er an ersten Beschleunigungsrennen teil, später an Schneemobilrennen, bei denen er im Winter 1974/1975  Weltmeister wird. In den Sommermonaten besucht er eine professionelle Rennfahrerschule. Anschließend kauft er sich einen gebrauchten Formel B-Wagen, mit dem er 1971 in den Motorsport einsteigt. Über die Formel Ford Provincial Series Quebeck (Gesamtsieger 1973), die Atlantic Championship (Gegenstück zur Formel 2) und der IMSA GT Championship kommt er 1976 zu seinem ersten Einsatz in der Formel 2. Dort bestreitet er für Ron Dennis' Project Four Racing in einem March 762-Heat ein Rennen im französischen Pau. 1977 holt er in seiner vierten Saison in der Atlantic Championsship seinen dritten Titel und im gleichen Jahr debütiert er beim Großen Preis von Großbritannien bei McLaren im dritten Werkscockpit. Es bleibt zunächst bei diesem einen Rennen. Für die letzten beiden Rennen wird er dann als dritter Fahrer von der Scuderia Ferrari unter Vertrag genommen. Dieser gilt auch für die Saison 1978. Beim letzten Rennen der Saison in Kanada holt er sich seinen ersten Sieg. Im Jahr darauf wird Villeneuve Vizeweltmeister hinter seinem Teamkollegen Jody Scheckter. Das Jahr 1980 wird für Ferrari ein Misserfolg, die Saison 1981 verläuft nur unwesentlich besser. Zu Beginn der Saison 1982 kommt es zum Streit mit seinem Teamkollegen Pironi, der ihn - angeblich gegen eine Stallorder des Teams - beim Grand Prix von San Marino in der letzten Runde den Sieg überholt und den Sieg nimmt. Zwei Wochen später verunglückt Gilles Villeneuve im Qualifying zum fünften Saisonlauf im belgischen Zolder tödlich. Pironi hatte eine bessere Zeit vorgelegt und Villeneuve will diese in den letzten Minuten noch unterbieten - trotz gebrauchter Qualifikationsreifen und gegen eine Anweisung des Teams, wieder an die Box zu kommen. Bei einem Überholvorgang kommt es bei einer Geschwindigkeit von ca. 270 km/h zur Kollision mit dem RAM-Fahrer Jochen Mass. Villeneuves Ferrari überschlägt sich, der Rumpf zerbricht in zwei Teile und Villeneuve wird, noch an der Sitzrückwand angeschnallt, herausgeschleudert. Er wird sehr schnell von Ärzten behandelt, auf der Ladefläche des Streckensicherungsfahrzeugs zum Helikopter und dann ins Krankenhaus gebracht. Hier können erst die schweren Verletzungen des bewusstlosen und äußerlich unverletzten Villeneuve festgestellt werden. Daraufhin werden die lebenserhaltenden Systeme abgeschaltet und sein Tod bekanntgegeben. In der gleichen Saison verunglückt auch Riccardo Paletti beim Grand Prix von Kanada tödlich. Gilles Villeneuve ist der 28.  Fahrer, der im Rahmen eines Formel 1-Rennens (Training oder Rennen) ums Leben kommt. Noch zu Beginn die Rennens wird die Rennstrecke nach Gille Villeneuve benannt. 17 Jahre später, im Jahr 1997, wird sein Sohn Jacques Villeneuve Formel 1-Weltmeister.

 

17.02.1950 - Im Weißen Haus in Washington nimmt US-Präsident Harry S. Truman seinen neuen Dienstwagen, einen Ford Lincoln, in Empfang. Das Fahrzeug, das als das teuerste Auto der Welt gilt, verfügt über eine Sprechanlage zwischen Vorder- und Rücksitzen, vergoldete Türgriffe und -schwellen, einen Schirmständer sowie besondere Trittbretter für begleitende Geheimpolizisten.

 

04.03.1950 - Anlässlich der Produktion des 100.000. Volkswagen nach dem Krieg wird für die Beschäftigten der Volkswagenwerk GmbH eine jährliche Sonderzahlung von bis zu 120 DM eingeführt. Die Erfolgsprämie wird 1954 auf 4 Prozent des Bruttojahresverdienstes erhöht.

 

08.03.1950 - In Wolfsburg beginnt die Serienproduktion des VW Typ 2 T1, des Transporters, mit 10 Wagen pro Tag. Der Preis liegt zu Beginn bei 5.850 DM, knapp 150 DM über dem Preis eines vollausgestatteten Käfers. Es gibt ihn als Kleinbus, Kasten- und Pritschenwagen. Ab 1956 erfolgt die Produktion im neuen Transporterwerk Hannover. Insgesamt werden rund 1,8 Millionen T1 hergestellt. 1967 wird der T1 durch den T2 abgelöst.  Heute sind die gesuchtesten Modelle der ab 1950 von der Firma Westfalia gebaute Bus mit der Campingbox und der im April 1951 vorgestellte "Samba-Bus".

 

14.03.1950: Der Rover JET 1 absolviert seine ersten Fahrten. Es handelt sich um das weltweit erste Rennauto mit Gasturbinenantrieb. Bei ihm wurde das Fahrgestellt eines Rover P4 mit einer Roadster-Karosserie versehen, im Heck wird eine neue Gasturbine eingebaut. Die Turbinenstufe erreicht 26.000/min und gibt eine Leistung von max. 100 bhp (74 kW) ab. die Höchstgeschwindigkeit wird 1950 mit 136 km/h erreicht. Eine Weiterentwicklung dieses Fahrzeugs mit veränderter Front erhält 1952 die leistungsfähigere T8-Turbine mit 230 bhp (169 kW). Damit fährt der Prototyp 243,5 km/h und den Weltrekord für turbinenbetrieben Fahrzeug ein.

 

28.04.1950 - Der VW Käfer ist jetzt mit einem großen Falt-Schiebedach zu erhalten.

 

09.05.1950 - In Barcelona wird die Sociedad Espanola de Automobiles de Turismo S.A. (SEAT) durch die Institution Nacional de Industria gegründet. Gleichzeitig wird der Grundstein für das erste SEAT-Werk in Barcelona gelegt, das am 05.06.1953 eröffnet wird. Überwiegend verkauft das Staatsunternehmen seine Fahrzeuge, ausschließlich in Lizenz von Fiat, auf dem durch hohe Importzölle geschützten heimischen Markt. Lizenzvereinbarungen mit Fiat sorgen für Exportbeschränkungen. Erst zu Beginn der 70er Jahre beginnt ein nennenswerter Export, überwiegend in die Benelux-Staaten und nach Finnland. Anfang der 80er löst man sich vom Lizenzgeber Fiat und schließt 1982 ein Produktions- und Wirtschaftsabkommen mit Volkswagen. Der VW-Konzern hat schnell eine 75%-Beteiligung an SEAT .

 

07/1950 – Die Serienproduktion der im November 1949 in einer Vorserie vorgestellten Kabriolimousine Superior 600 beginnt im Gutbrod-Werk Calw. Den Kleinwagen gibt es als Kabriolimousine und als Kombi, angetrieben wird er von einem wassergekühlten Zweizylinder-Zweitaktmotor mit 593 ccm Hubraum und 20-22 PS, als 700 Luxus (ab 1952) mit 663 ccm und 26 PS. Unter Leitung von Hans Scherenberg entwickelt Gutbrod zur gleichen Zeit wie Goliath eine mechanische Benzindirekteinspritzung. Beide Hersteller zeigen ihre Modelle mit Einspritzung 1951 auf der IAA in Frankfurt und gelten als weltweit erste Anbieter serienmäßig hergestellter Fahrzeuge mit Benzindirekteinspritzung. Zur Popularität des Superior trägt der Motorsport bei. Unter anderem starten zwei dieser kleinen Seriensportwagen beim ADAC-1000-km-Rennen 1953 auf dem Nürburgring in einem Feld von 51 meist wesentlich leistungsstärkeren Fahrzeugen. Beide Gutbrod halten durch und belegen zwar als Letzte mit 37 von 44 Runden und 843,6 gefahrenen Kilometern die Plätze 26 und 27, beweisen damit aber ihre Zuverlässigkeit. Das Standardmodell des Superior 600 wird bis April 1954 angeboten, während ein auf der Frankfurter Frühjahrsmesse 1950 ebenfalls vorgestelltes Cabriolet kein Interesse findet. Wenig erfolgreich ist auch ein „Superior-Sport“, ein knapp 8000 DM teurer Roadster mit Wendler-Karosserie, von dem 1951/52 zwölf Stück gebaut werden. Von einer für 1954 angekündigten viersitzigen Limousine entstehen nur noch zwei Prototypen. Im April 1954 muss die Fertigung der Gutbrod-Pkws wegen finanzieller Schwierigkeiten eingestellt werden. Das Werk Calw wird zusammen mit dem Werk in Plochingen an Bauknecht verkauft. In knapp vier Jahren entstehen 6.860 Kabriolimousinen und 866 Kombis.

 

26.08.1950 – In Lansing, Michigan, stirbt der US-amerikanische Automobilpionier Ransom Eli Olds, im Alter von 86 Jahren. 1897 gründet er die Olds Motor Vehicle Co. und die Olds Gasoline Engine Works, die zwei Jahre später zur Olds Motor Works fusionieren. Das von ihm gebaute Oldsmobile „Curved Dash“ ist das erste in Großserie gebaute und von einem Benzinmotor angetriebene Fahrzeug, das 1902 in den USA Marktführer wird. Dabei entwickelt Olds die erste Form der Fließfertigung, indem er die Fahrzeugkarosserie auf Holzgestelle mit Rädern setzt, die von einer Arbeitsstation zur nächsten gezogen wird. Doch schon 1904 verlässt Olds das von ihm gegründete Unternehmen und gründet erneut eine Automobilfirma, die Reo Motor Car Company. Während Olds Motor Works 1908 von General Motors übernommen wird, unter dem Namen Oldsmobile firmiert und 2004 komplett eingestellt wird, baut REO nur bis 1937 Pkw und bis 1954 Lkw. Dann wird REO mehrfach veräußert und 1975 endgültig eingestellt.

 

 

1953

 

10.03.1953: Aus dem "Brezelkäfer" wird der "Ovalkäfer". Beim Rückfenster des Volkswagen Typ 1 ("Käfer") entfällt der Mittelsteg.

 

22.04.1953 - Auf dem "XXXV. Salone dell'automobile di Torino" wird der Stammvater der Lancia Appia vorgestellt. In den zehn Jahren seiner Bauzeit rollen ca. 98.000 Exemplare vom Fließband.

 

25.-26.05.1953 - Hans Herrmann und Herbert Linge holen auf einem Porsche einen Klassensieg bei der Mille Miglia.

 

30.06.1953 - Im Chevrolet-Werk in Flint, Michigan, beginnt die Produktion eines für amerikanische Verhältnisse kleinen, zweisitzigen Roadsters: Die ersten Corvette laufen vom Band. Zunächst noch mit einem Sechszylinder-Motor. Der Verkauf läuft nur schleppend an, die Corvette steht auf der Kippe. Erst als 1955 der V8-Motor kommt, geht die Erfolgsgeschichte richtig los.

 

11.08.1953 - Der "fliegende Mantuaner" Tazio Nuvolari stirbt. Der von Ferdinand Porsche einst als "größten Fahrer der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" bezeichnete Novulari gwinnt in seiner Rennfahrer-Zeit zahlreiche Grand Prix auf Bugatti, Alfa Romeo, Maserati und Auto Union und 1930 auch die Mille Miglia auf Alfa Romeo als erster mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 100 km/h.

 

August 1953 - Produktionsbeginn des Triumph TR2. Mit dem TR2 beginnt eine Serie, die erst  1981 mit dem TR7 endet. Der TR2 hat einen  Vierzylindermotor mit 2 Liter Hubraum und 90 PS.  Das reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 170 km/h. Gebaut werden bis Oktober 1955 8.628 Roadster. Das "TR stand für "TRiumph eXperimental".

 

09.10.1953 - In Wolfsburg läuft der 100.000. Transporter (VW Bulli) vom Band. Gleichzeitig wird die Errichtung eines eigenen Transporter-Werkes in Hannover-Stöcken offiziell bekanntgegeben.

 

16.11.1953 - Wilhelm Karmann führt den Entwurf für ein Sportcoupé auf Käfer-Basis VW-Chef Heinrich Nordhoff vor. Beide beschließen noch am gleichen Tag die Serienproduktion des bei der Turiner Carrozzeria Ghia entworfenen Karmann Ghia. Mit dem sportlichen Coupé wird der Name Karmann weltberühmt. Zwischen 1955 und 1974 entstehen 362.585 Coupés und zwischen 1957 und 1974 80.881 Cabriolets vom Volkswagen Typ 14 Karmann Ghia. Der Karmann Ghia wird seinerzeit auch als „Hausfrauen-Porsche“ tituliert.

 

21.12.1953 - Der VW Käfer wird schneller. Eine satte Steigerung der PS-Zahl um 20 Prozent bedeuten nun 30 PS statt bis 25.

 

 

1954

 

06.02.1954 - Der Mercedes 300 SL wird auf der International Motor Sports Show in New York vorgestellt. In der Bauweise mit den von 1954 bis 1957 gebauten "Flügeltüren" wird er 1999 von den Lesern der Oldtimer-Zeitschrift Motor Klassik zum "Sportwagen des Jahrhunderts" gewählt.

 

04.07.1954: Mercedes-Benz kehrt auf die Rennstrecke zurück. Nach den großen Erfolgen in der Vorkriegszeit startet Juan Manuel Fangio auf einem Mercedes-Benz W 196 R in Reims beim Großen Preis von Frankreich. Insgesamt werden neun Rennen gefahren, Mercedes-Benz startet erst ab dem vierten Rennen, da der Wagen vorher nicht fertig war. Insgesamt gewinnt Mercedes-Benz vier Rennen. Fangio startet die ersten drei Rennen auf Maserati und wird 1954 Formel 1-Weltmeister. Karl Kling und Hans Hermann (beide ebenfalls auf Mercedes-Benz) belegen die Plätze 5 und 7.

 

September 1954 - Auf Anraten des Porsche-Importeurs für die USA, Max Hoffman, realisiert Porsche eine Billig-Variante des Porsche 356 Cabriolets mit Notverdeck, seitlichen Steckscheiben, aufgesetzter niedriger Windschutzscheibe und deutlich weniger Ausstattung. Damit soll den britischen Sportwagen von MG, Triumph und Austin-Healey Konkurrenz gemacht werden. Der Porsche 356 Speedster ist geboren. Damaliger Preis: 12.200 Mark. Heute gehört der "Billig-356" zu den teuersten Porsche überhaupt). Gebaut werden zwischen 1954 und 1958 insgesamt 4.221 Speedster.

 

24.10.1954 - Juan Manuel Fangio wird nach 1951 (mit Alfa Romeo) zum zweiten Mal Formel 1-Weltmeister, nun mit dem in die Formel 1 zurückgekehrten Mercedes-Werksteam.  Zu Saisonbeginn war er von Mercedes verpflichtet worden. Da der neue Rennwagen erst zum GP von Frankreich fertig ist, startet Fangio in den beiden ersten Rennen für Maserati. 1955 folgen mit Mercedes, 1956 mit Ferrari-Lancia und 1957 mit Maserati drei weitere Weltmeistertitel für den Ausnahmerennfahrer.

 

 

1955

 

16.01.1955 - Mit seinem Sieg beim Großen Preis von Argentinien legt Juan Manuel Fangio den Grundstock für seinen dritten Formel 1-Titel und den zweiten mit Mercedes-Benz.

  

27.02.1955 - Auf der Leipziger Frühjahrsmesse wird der Wartburg 311 präsentiert. Optisch kann er mit den vergleichbaren West-Fahrzeugen mithalten, ein Manko ist jedoch sein Dreizylinder-Zweitakt-Motor. Die Motoren des  bis 1965 gebauten Wartburg 311 haben 0,9 bis 1,0 Liter (Wartburg 1000) Hubraum und 37 bis 50 PS. Den Wartburg 311 gibt es in verschiedenen Varianten: Standartlimousine (311/0, 130.411 Exemplare), Luxuslimousine (311/1, 55.660), Kabriolett (311/2, 2.670), Coupé (311/3, 5.487), Polizeieinsatzwagen/Kübelwagen (311/4, 791), Campinglimousine mit Faltdach (311/5, 8.362), Limousine mit Rechtslenkung (311/6, 737), Schnelltransportwagen/Pickup (311/7, 4.938), Faltdachlimousine (311/8, 14.749), Kombi (311/9, 23.568) und Sportwagen (313/1, 469 Exemplare, davon sogar 8 in die USA). Nachfolger ist der Wartburg 312, von dem bis 1967 insgesamt 35.868 Fahrzeuge hergestellt werden.

 

24.02.1955 - Alain Prost wird in Saint-Chamond geboren. Er ist einer der erfolgreichsten Formel 1-Rennfahrer und wird in seiner Karriere viermal Weltmeister, viermal Vizeweltmeister und gewinnt 51 Grand Prix-Rennen.

 

3/1955 - auf dem Genfer Autosalon wird der erste überarbeitete Mercedes-Benz 190 SL gezeigt. Zwei Monate später beginnt im Werk Sindelfingen die Serienfertigung.  Bis 1963 werden insgesamt 25.881 Exemplare des kleinen SL gebaut. Er besitzt zahlreiche Stilelemente des großen 300 SL Roadsters. Während dieser einen Sechszylindermotor unter der Haube hat, sind dies beim 190 SL zwei Zylinder weniger. Der Hubraum hat 1.897 ccm, was für 105 PS und  173 km/h ausreicht. Von den rund 25.000 Exemplaren gehen nur ein Fünftel in die deutsche Auslieferung, ca. 20.000 Fahrzeuge gehen in den Export, die Hälfte davon in die USA. Bekannt wird das Modell auch als "Nitribitt-SL". Rosemarie Nitribitt war eine Frankfurter Prostituierte, der enge Kontakte zu namhaften Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft nachgesagt wurde. Sie wird 1957 ermordet. R. Nitribitt besaß einen schwarzen 190 SL mit roten Ledersitzen. Angeblich soll der Verkauf des 190 SL aufgrund des "anrüchigen" Images anschließend spürbar zurückgegangen sein.

 

05.03.1955 - BMW stellt die Isetta vor. Die Fachpresse zeigt sich von dem neuen Modell beeindruckt. Doch ist die Isetta keine Eigenproduktion. In der Nachkriegszeit baut BMW nur Motorräder und den Oberklassewagen 502/503. Nun droht der Konkurs. Da keine Zeit für die Planung und Entwicklung eines Kleinwagens bleibt, greift BMW auf den Lizenzbau der italienischen Iso-Isetta zurück, die 1954 von Iso Rivolta vorgestellt wurde. Mit der BMW Isetta bekommt BMW wieder wirtschaftlich auf die Beine. Die Isetta ist ein voller Erfolg. Bis 1962 werden 161.728 Exemplare gebaut. Die Isetta ist ein Kleinstwagen, mehr ein Rollermobil.  Wie bei einem Kühlschrank öffnet man die Fronttür. Das Lenkrad schwenkt mit zur Seite und so können zwei Personen bequem einsteigen. Die Isetta hat einen Einzylindermotor aus dem BMW-Motorradprogramm mit zunächst 250 ccm und 12 PS.

 

4/1955 - Mit dem Modell 403 machte Peugeot  den Schritt zum international erfolgreichen Großserienhersteller. Er überschreitet als erstes Peugeot-Modell die Millionengrenze. Das Design des Prototyps und des Serienmodells stammt vom italienischen Designunternehmen Pininfarina. Es gibt den 403 als Limousine, Kombi, Cabriolet, Pickup und Kastenwagen. Das Cabriolet wird besonders durch die Krimiserie "Columbo" bekannt, in der Hauptdarsteller Peter Falk ein Cabrio fährt. 1967 wird der Peugeot 403 durch das Modell 404 abgelöst.

 

01.05.1955 - Mit der Rekordzeit von 10 Stunden, 7 Minuten und 48 Sekunden siegen Stirling Moss und Denis Jenkinson auf einem Mercedes-Benz 300 SLR bei der Mille Miglia 1955. Es ist das dritte nichtitalienische Fahrzeug, dass in die Siegerlisten eingetragen wird (1931 siegte Rudolf Caracciola mit einem Mercedes 720 SSKL und 1940 Huschke von Hanstein im BMW 328 Berlinetta Touring). Zweiter wird Juan Manuel Fangio, ebenfalls im Mercedes-Benz 300 SLR. Erst auf dem dritten Platz überquert ein Ferrari 118 LM Spider Scaglietti die Ziellinie. Auf den Plätzen 5, 7 und 10 folgen  weitere 300 SL.

 

26.05.1955 - In Monza stirbt der zweifache Formel 1-Weltmeister Alberto Ascari im Alter von 37 Jahren. Der Italiener ist einer der erfolgreichsten Rennfahrer der frühen fünfziger Jahre. Er gewinnt 13 Grand-Prix-Rennen und wird 1952 und 1953 auf Ferrari Weltmeister. Anschließend wechselt er zu Lancia. Mit einem Lancia gewinnt er die Mille Miglia. Ascari stirbt bei einer privaten Testfahrt mit einem Ferrari-Sportwagen in Monza. Wie auch Alberto Ascari starb 30 Jahre zuvor sein Vater, ein ebenfalls sehr erfolgreicher Rennfahrer, bei einem Rennunfall.

 

11.06.1955 - Beim 24-Stunden-Renne von Le Mans kommt es zur Katastrophe. Aufgrund eines nicht vorhersehbaren Fahrmanövers des Jaguar-Fahrers Mike Hawthorn  muss Lance Macklin mit seinem Austin-Healey 100 ausweichen. Dadurch kommt es zur Berührung mit dem Mercedes-Benz 300 SL des Franzosen Levegh. Der Mercedes hebt ab und wird auf einen Erdwall geschleudert, der zum Schutz der Zuschauer dient. Der Wagen überschlägt sich, Wrackteile werden in die Zuschauer geschleudert. Der Treibstoff gerät in Brand, die Magnesium-Legierung der Karosserie fängt an zu brennen. Durch Löschversuche mit Wasser wird der Brand noch heftiger. Levegh und über 80 Zuschauer sterben. Trotz der Katastrophe wird das Rennen fortgesetzt, Mercedes nimmt jedoch seine beiden verbliebenden Teams trotz Führung aus dem Rennen. Mike Hawthorn gewinnt das Rennen. 

  

14.07.1955 - Am Kasino-Hotel in Georgsmarienhütte wird das VW Karmann Ghia-Coupé ausgewählten VW-Händlern und Journalisten vorgestellt.  Bis zum 31.07.1974 werden 362.585 Coupés und 80.881 Cabriolets (ab dem 01.11.1957) gebaut.

 

05.08.1955 - Der einmillionste Volkswagen Typ 1 ("Käfer") rollt vom Band. Er hat eine goldfarbene Lackierung und auf den Chromteilen geschliffene Glasperlen (ursprünglich Farbe mit Goldstaub und geschliffene Steine aus Südamerika)

 

29.08.1955 - Der Messerschmitt KR 200 "Super" startet zu einer Rekordfahrt über 24 Stunden auf dem Hockenheimring.  Die Leistung des 200 ccm-Motors wurde auf 13 PS angehoben. Die fünf Fahrer stellen 21 Rekorde über unterschiedliche Strecken und Zeiten, sie brechen u.a. die Weltrekorde in der 350 ccm-Klasse über 1.000 Meilen, über 2.000 Kilometer und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 103 km/h über 24 Stunden.

 

09/1955 – Der mit einem 600 ccm-Viertaktmotor versehene Lloyd LP 600 mit 600-cm³-Viertaktmotor kommt heraus; es wird das erfolgreichste Jahr in der Unternehmensgeschichte: Über 58.000 Fahrzeuge werden gebaut. Damit liegt der zur Borgwardgruppe gehörende Lloyd nach VW und Opel auf Platz drei der deutschen Zulassungsstatistik und stellt mit fast 70 Prozent deutlich den höchsten Anteil aller Pkw der Borgward-Gruppe.   In der Ausführung mit synchronisiertem Getriebe, Kurbelfenstern und von außen zu öffnendem Kofferraum heisst der deutlich verbesserte Lloyd 600 ab 1957 „Alexander“. Eine TS-Version mit neuem Kühlergrill wird 1958 zusätzlich ins Programm genommen; diese hat 25 PS und ist über 110 km/h schnell. Aus Gründen der Versicherungseinstufung wird die Leistung später auf 23 PS gedrosselt, sodass die Höchstgeschwindigkeit nur noch 107 km/h beträgt. Vom 600er laufen insgesamt 176.524 Stück  vom Band, die letzten beiden Fahrzeuge werden 1963 aus Restbeständen gefertigt.

 

30.09.1955 - In seinem neuen Porsche 550 Spyder verunglückt der 24jährige amerikanische Theater- und Filmschauspieler James Dean, nachdem ein abbiegender Ford-Fahrer ihm die Vorfahrt genommen hat. Dean verstirbt noch an der Unfallstelle. James Dean spielte in zahlreichen Fernsehserien und drehte  drei Filme, die ihn legendär machten: "Jenseits von Eden", "...denn sie wissen nicht, was sie tun" und "Giganten".

 

9/1955 - Als Nachfolger des Triumph TR2 wird der TR 3 vorgestellt. Der kernige Roadster verfügt zunächst über einen Vierzylindermotor mit zunächst 2 Liter Hubraum und 95 PS, ein Jahr später sind es 100 PS. Als Neuheit besitzt der TR3 an den Vorderrädern Scheibenbremsen. Nach 13.377 Exemplaren erhält der TR3 ein leichtes Facelift (u.a. breiterer Kühlergrill) und wird als TR3A weitere 58.236 x bis 1962 verkauft. Zusätzlich ntstehen für die USA weitere 3.331  TR3B parallel zum TR3A-Nachfolger TR4.

  

05.10.1955 - Vorstellung des neuen Citroen DS 19 auf dem Pariser Autosalon. Er löst den 23 Jahre lang gebauten und dabei äußerlich kaum veränderten Traction Avant ab. Der DS, auch "die Göttin" genannt, überrascht mit vielen Neuheiten. So besitzt sie eine damals einzigartige hydropneumatische Federung, mit der es möglich ist, die Bodenfreiheit des Wagens zu variieren. Auch ist sie als einer der ersten Serienwagen mit den von Michelin entwickelten Gürtelreifen ausgestattet. Am Abend des ersten Präsentationstages gehen über 12.000 Bestellungen ein. Bis 1975 werden von allen Varianten der DS 1.456.115 Fahrzeuge gebaut.

  

 

1956

 

08.03.1956 - In Hannover-Stöcken läuft der erste Volkswagen-Transporter vom Band. Schon am nächsten Tag werden die ersten dort gefertigten Wagen an die Händlerschaft ausgeliefert.


16.03.1956 - Der 10.000. Porsche 356 entsteht. Gleichzeitig feiert die Firma Porsche ihr 25jähriges Firmen-Jubiläum.

 

01.05.1956 - In der Bundesrepublik Deutschland gilt seit dem 1. Mai 1956 an Sonn- und Feiertagen in der Zeit von 0 bis 22 Uhr ein Fahrverbot für Lastkraftwagen über 7,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse sowie für alle Lkw ungeachtet ihrer zulässigen Gesamtmasse, die einen Anhänger mit sich führen. Soweit ein Tag nicht im gesamten Bundesgebiet gesetzlicher Feiertag ist, gilt das Verbot nur in den Bundesländern, in denen der Tag gesetzlicher Feiertag ist

 

5/1956 - Mercedes-Benz stellt den Typ 190 vor. Das Fahrwerk stammt vom seit 1953 gebauten Typ 180, der Motor ist eine entschärfte Variante des eleganten 190 SL Roadsters. Vierzylinder, 1.897 ccm und 75 PS treiben die viertürige Limousine mit der Ponton-Karosserie voran.  Der 190 entwickelt sich zu einem Verkaufsschlager.  Bis August 1959 werden 61.345 Fahrzeuge hergestellt. Mit einem kleinen Facelift und einem etwas leistungsfähigeren Motor ging es dann mit dem Typ 190b weiter.

 

26.07.1956 - Auf dem Weg nach New York City kollidiert das italienische Passagierschiff Andrea Doria vor der Küste von Nantucket mit schwedischen Passagierschiff Stockholm. 1.660 Menschen werden gerettet, bevor die Andrea Doria am nächsten Tag sinkt. 46 Menschen finden den Tod. Ebenfalls an Bord ist der Chrysler Norseman, eine Designerstudie von Chrysler-Designer Virgil Exner. Dieser Prototyp war von der Carrozzeria Ghia gebaut worden. Außerdem gehen mit dem Schiff 50 Neuwagen des nur 240 x gebauten Lancia Aurelia B24 Spiders unter.

  

28.09.1956 - Einweihung des brasilianischen Mercedes-Werkes São Bernardo do Campo. Heute stellt die Fertigungsanlage die größte Nutzfahrzeugherstellung von Mercedes-Benz außerhalb Deutschlands. Nahe Sao Paulo gelegen, produziert das Werk Trucks, Busfahrgestelle und LKW-Führerhäuser wie auch Hauptkomponenten wie Motoren, Getriebe und Achsen.

 

19.11.1956 - Der Volkswagen Typ 1 "Käfer" erhält serienmäßig auf der linken Fahrzeugseite einen Außenspiegel.

 

11/1956 - Da die Sportwagenweltmeisterschaft ab 1957 nach neuen Regeln ausgetragen wird (Hubraumobergrenze 3 Liter), stell Ferrari im November 1956 den auf diese Rennklasse zugeschnittenen 250 Testa Rossa, eine Weiterentwicklung des vierzylindrigen Ferrari 500TR, mit Dreiliter-V12 vor. Die Form der leichten Aluminiumkarosserie gestaltet Pinin Farina, gebaut wird sie beim Karossier Scaglietti. Typisch für die frühen Testa Rossa ind die „Pontonform“ der vorderen Kotflügel, die hinter den Vorderrädern vom Karosseriekörper abgesetzt sind. Der Dreiliter-V12 mit einer obenliegenden Nockenwelle je Zylinderbank aus dem Ferrari 250 leistet hier, 9,8 : 1 verdichtet, mit sechs Weber 38DCN-Vergasern und Einfachzündung 300 PS bei 7200/min. Die Kraft wird über ein Vierganggetriebe an die Hinterräder übertragen. Bis Juli 1958 werden vom 250 Testa Rossa insgesamt 19 Kundenversionen gebaut.

 

11/1956 - Mit dem BMW 507 baut der bayrische Automobilhersteller das eleganteste Fahrzeug seiner Firmengeschichte. Bis März 1959 entstehen nur 250 dieser herrlichen Cabriolets. Es kostet anfangs 26.500 DM und wird von einem V8-Motor mit 3.168 ccm und 180 PS vorangetrieben. Einer der berühmtesten Besitzer ist Elvis Presley. Dieses Fahrzeug gilt lange als verschollen, tauchte in äußerst mäßigem Zustand vor einigen Jahren wieder auf und wird von BMW komplett restauriert. Am 21.08.2016 wird das Fahrzeug beim Concours d’Elegance von Pebble Peach präsentiert.

 

11/1956 - Das Rallyefahrerteam Walter Schock/Rolf Moll erringt die Europameisterschaft der Tourenwagen auf Mercedes-Benz 220 a und 300 SL.

 

12/1956 - Die "Karmann-Post" erscheint zum ersten Mal. Die eigene Hauszeitung ist nicht nur für die Mitarbeiter gedacht, sondern auch die Auftraggeber erhalten dadurch Einblick hinter die Kulissen und können so die Leistungsfähigkeit der Osnabrücker kennenlernen.

 

1956 – In diesem Jahr kommt der erste von Dante Giacosa konstruierte Fiat 600 Multipla auf den Markt, ein viertüriger Sechssitzer, dessen Front verlängert und vergrößert wurde. Er ist einer der ersten PKW in Frontlenkerbauweise. Neben der Ausführung als Sechssitzer gibt es einen kleinen Campingbus, mit dem vier bis fünf Personen befördert werden können, sowie eine spezielle Taxivariante.

 

 

1957

 

13.01.1957 - Beim Grand Prix von Argentinien in Buenos Aires gibt Wolfgang Graf Berghe von Trips sein Debüt in der Formel 1.

 

2/1957 - Im franko-belgischen Comic-Magazin Tintin erschient die erste Geschichte des fiktiven Rennfahrers Michel Vaillant. Dieser tritt im familieneigenen Renn-Team als Fahrer an und wird in den Geschichten mehrfach Formel 1-Weltmeister. Als Konkurrenten treten in den Comics auch reale Rennfahrer auf. Noch heute gibt es die Comics mit Michel Vaillant und über die Jahrzehnte wurde in den Comics die Entwicklung des Motorsports dokumentiert. In Deutschland erscheinen die ersten Michel Vaillant-Abenteuer 1965 im Magazin Mickeyvision bzw. MV COMIX. Die größten Auflagen erreichten die Comics von Michel Vaillant in den 70'er Jahren, heute ist die Auflage bescheidener.

 

03/1957 - Einer der Stars auf dem Genfer Autosalon ist der Maserati 3500 GT. Er wird als Nachfolger des A6 G54 vorgestellt. Der GT ist als von der Carrozzeria Touring (Mailand) als geschlossene Variante und von Vignale als Spider zu erhalten. Der 3500 GT, 3500 GTI bzw. der Spider Vignale haben  einen Reihensechszylinder mit 3.485 ccm. Die Leistung betrug 220-230 PS (3500 GT), bzw. 235 PS (3500 GTI). Damit kann der Wagen auf bis zu 245 km/h (Spider: 230 km/h) beschleunigt werden. Insgesamt werden zwischen 1957 und 1966  (Spider: 1959-1964) 1.972 Exemplare mit Werkskarosserie von Touring und 245 von Vignale hergestellt. Dazu gibt es noch zahlreiche Sonderaufbauten von Allemano (vier Coupés, 1958 und 1959), Bertone (2+2-sitziges Coupé), Boneschi (zwei merkwürdige Coupés), Pietro Frua (vier Coupés und ein Spider), Moretti (ein Fließheckcoupé) und Pininfarina (ein Spider). Einige dieser Sonderaufbauten waren stilistische Vorläufer anderer Fahrzeuge, die später erschienen. Zu den bekanntesten Käufern gehören damals Prinz Rainier III. von Monaco, Tony Curtis, Stewart Granger, Rock Hudson, Dean Martin und Anthony Quinn.

 

7/1957 - Er wird ein Dauerbrenner: Gebaut von 1957 bis 1975, als Limousine und Kombi  ("Giardiniera") kommen 3.702.078 Exemplare auf die Straße: Der Fiat Nouva 500. Der kleine Italiener ist klein, nicht gerade leistungsstark (abgesehen von den heißen Abarth-Ausführungen), war aber trotzdem Transportfahrzeug für italienische Großfamilien mitsamt Gepäck für die Ausfahrt ans Meer. Der kleine Zweizylindermotor im Heck hat zunächst 479 ccm und 13,5 PS, dies wird bis 1975 auf 594 ccm und 18 PS gesteigert.  In den 60er Jahren ntstehen auf Basis des Nuova 500  das NSU Fiat Neckar Weinsberg 500 Coupé und  der Vignale Gamine in geringen Stückzahlen. Der Vignale Gamine ist in Deutschland über das Versandhaus Otto zu bestellen.

 

08/1957 - Nach 4 1/2 Jahren erhält der VW Käfer (nicht nur) eine neue Heckscheibe. Das bisherige Ovalfenster weicht einer deutlich größeren Heckscheibe. Damit ist der neue "Rechteck"-Käfer erhältlich.

 

01.08.1957 - In Osnabrück startet die Serienfertigung des neuen Karmann Ghia-Cabriolets. Zwei Jahre zuvor hat Volkswagen das Karmann Ghia Coupé auf den Markt gebracht, das von Karmann und Luigi Segre entwickelt worden war. Der Erfolg des Coupés spricht für eine offene Variante, die vom Osnabrücker Cabrio-Spezialisten perfekt umgesetzt wird. Auch das Cabriolet kommt bei der internationalen Fachpresse und beim Publikum gleichermaßen gut an. In den nächsten 19 Jahren werden 81.053 Karmann Ghia Cabriolets gebaut, davon 176 Exemplare im brasilianischen Werk Karmann Ghia do Brasil. Vom Coupé wurden 362.585 Exemplare gebaut, davon ca. 23.500 in Brasilien). Am 31. Mai 1974 rollt der letzte Karmann Ghia in Osnabrück vom Band.

 

13.08.1957 - In der Stadthalle Wiesbaden stellt Edward W. Zdunek, Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG, den schicken neuen Opel Olympia Rekord P1 vor. Das elegante Fahrzeug wird zu Beginn nur zweitürig angeboten, hat deutliche Anleihen an die amerikanischen Schwestermodelle von GM und vermittelt mit der neu konstruierten Doppelquerlenker-Vorderachse mit negativem Radsturz und unterschiedlich langen Querlenkern sowie einem neu vollsynchronisiertem Dreiganggetriebe mit Lenkradschaltung ein völlig neues Fahrgefühl. Der P1 hat einen Vierzylinder-Reihenmotor mit 1.196, 1.488 und zum Schluss 1.680 ccm Hubraum, die Leistung reichte von 40 bis 55 PS. In der Bauzeit von 1957 bis 19620 entstehen  509.110 Limousinen (394.692), Kombis (109.282) und Lieferwagen (15.136) Dazu kommen noch 67.952 Opel 1200, die bis Dezember 1962 gebaut werden.

 

27.08.1957 - In der kleinen Gemeinde Feldafing am Starnberger See präsentiert BMW geladenen Pressevertretern den BMW 600. Das viersitzige Fahrzeug auf Basis der zwei Jahre zuvor vorgestellten Isetta hat ebenfalls ein Fronttür, einen längeren Radstand, vier Sitze und auf der rechten Seite eine zusätzlichen Tür für die Fahrgäste in der hinteren Sitzreihe. Der Zweizylinder-Boxermotor im Heck hat 585 ccm Hubraum und 19,5 PS. Das reicht sogar für eine Geschwindigkeit von 103 km/h. Gebaut wird der BMW 600 nur zwei Jahre, von Dezember 1957 bis November 1959, dann wird er vom BMW 700 abgelöst.

  

01.09.1957 - In der Bundesrepublik Deutschland tritt eine Verordnung in Kraft, mit der die Geschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften für alle Kraftfahrzeuge auf 50 km/h beschränkt wird.

 

03.09.1957 - Die rund 700 Teilnehmer am 32. Kongress des internationalen Vereins für öffentliches Verkehrswesen in Hamburg warnen einmütig vor einer Überlastung der Innenstädte durch Privatfahrzeuge. Als Lösung schlagen sie Park- oder Fahrverbote für die Stadtkerne vor - ein Thema, das auch heute sehr aktuell ist.

 

03.09.1957 - Die NSU-Motorradwerke stellen ihre Neuentwicklung vor - den "Prinz". Das Modell soll nach Werksangaben diejenige Käuferschicht ansprechen, "die sich einen Volkswagen noch nicht leisten kann, sich aber nicht mehr mit einem Zweiradfahrzeug begnügen will".

 

04.09.1957 - Ford stellt seine neue Marke Edsel vor, die sich jedoch zu einem Flop entwickelt und bereits 1960 wieder eingestellt wird.

 

19.09.1957 - In Osnabrück wird das  zweisitzige Karmann Ghia-Cabriolet (Typ 141)  der Öffentlichkeit vorgestellt. Es kostet zunächst 8.250 DM.

 

01.11.1957 - Beginn der Fertigung des auf der IAA 1957 vorgestellten Karmann Ghia Cabriolets. Zwei Jahre nach dem Start des Coupés folgt nun die offene Variante des sportlichen Volkswagens aus Osnabrück. Aber auch im fernen Brasilien entstehen Karmann Ghia. So werden von den 81.053 Cabriolets 176 Exemplare im Karmann-Werk in Sao Bernardo do Compo gefertigt. Am 31. Juli 1974 endet die Produktion des Karmann Ghia.

 

1957 erscheint der Auto Union Spezial (AU 1000 SP), ein zweisitziger Sportwagen auf Basis des Auto Union 1000 S. Der wie eine Miniaturausgabe des amerikanischen Ford Thunderbird aussehende Dreizylinder-Zweitakter wird als Coupé (5004 Exemplare) und Roadster (1640)  bis 1965 bei Baur in Stuttgart gebaut und kostet zu Beginn 10.950 DM.

 

 

1958

 

02.01.1958 - Beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg wird die 1957 gesetzlich verankerte sog. "Verkehrssünderkartei" in Gebrauch genommen. Offiziell heißt es Verkehrszentralregister, ab dem 01.05.2014 Fahreignungsregister (FAER). Am 31.12.2012 sind im Verkehrszentralregister 9,045 Millionen Personen erfasst, davon sind 7,002 Millionen männlich.

 

02.02.1958 - Juan Manuel Fangio feiert seinen letzten Sieg auf der Rennstrecke beim Gran Premio Ciudat de Buenos Aires auf einem Maserati 250F. Insgesamt gewinnt er in seiner Karriere 70 Rennen, davon 24 Grand Prix, wird 5 x Formel 1-Weltmeister. Er feierte seine Erfolge u.a. auf Alfa Romeo 6C 3000, Tipo 158, Ferrari 801, Lancia D 24, Maserati 4 CL, 250 F, 300 S, Mercedes-Benz W 196 Monoposto, 300 S, 300 SLR,... Er gilt als der größte Rennfahrer aller Zeiten.

 

02/1958 - Auf der Amsterdamer Automobilausstellung wird der DAF 600 vorgestellt. Der Kleinwagen des niederländischen Fahrzeugherstellers ist der erste Pkw der Marke. Er hat einen Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor mit 590 ccm Hubraum und einer Leistung von 20 P, womit er auf eine Geschwindigkeit von 90 km/h kommt. Ausgerüstet ist er auch mit einer Fliehkraftkupplung und einer stufenlosen, mit Keilriemen betriebenen Automatik "Variomatic". Zur Rückwärtsfahrt hat der DAF 600 ein eigenes Wendegetriebe, wodurch er rückwärts genauso schnell wie vorwärts fährt. Gebaut wird der DAF 600 von 1959 bis 1963.

 

03/1958 - Die Produktion des bereits im September 1957 vorgestellten NSU Prinz beginnt. Er verfügt über eine selbsttragende Karosserie mit im Heck eingebauten Zweizylinder-Reihenmotor mit 583 ccm Hubraum und 20 PS.

 

03/1958 - Ein ganz besonderer Citroen 2CV wird den Fachjournalisten vorgestellt: Der 2CV 4x4 Sahara oder auch 2CV bimoteur. Bei diesem Fahrzeug wird jede Fahrzeugachse durch einen eigenen Motor angetrieben. Die zusätzliche Motor-Getriebe-Einheit ist umgekehrt montiert und treibt die Hinterräder an. Beide Motoren - und damit auch die Achsen - können unabhängig voneinander, aber auch einzeln betrieben werden und leisten zunächst 12 PS, später 16 PS. Am Armaturenbrett befindet sich jeweils ein Zündschloss mit Starterhebel, Kontrollleuchte und Choke. Beide Motoren haben jeweils einen getrennten 15-Liter-Benzintank. Diese sind unter den Vordersitzen angebracht und werden über Löcher in den Türen betankt. Zur Geländegängigkeit ist der Rahmen an einigen Punkten verstärkt und im Frontbereich befindet sich ein Unterfahrschutz. Aus dem Citroen Ami 6 kommen die stärkeren Radlager. Der "Sahara" kostet doppelt so viel wie die Standart-"Ente" und wir bis 1968 lediglich 693 x gebaut.

 

15.05.1958 - Nach 3 1/2jähriger Bauzeit wird in Basel ein sog. Autosilo, ein Parkhaus mit kleiner Grundfläche, fertiggestellt.

 

18.05.1958 - Mit Maria Teresa de Filippis startet erstmals eine Frau in der Formel 1. Mit einem Maserati 250 F will sie in Monaco an den Start gehen, scheitert jedoch in der Qualifikation. Zwei Monate später fährt die Italienerin in Spa beim Großen Preis von Belgien auf den 10. Platz. 1959 holt Porsche sie in sein Werksteam, doch kurz darauf beendet de Filippis im August 1959 nach dem Unfalltod ihres guten  Freundes Jean Behra ihre Karriere. Am 09.01.2016 stirbt sie im Alter von 89 Jahren.

 

1.6.1958 - Stirling Moss (Großbritannien) und Jack Brabham (Australien) auf Aston-Martin gewinnen das 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring in der Eifel vor dem britischen Gespann Mike Hawthorn und Peter Collins auf Ferrari.

 

14.06.1958 - Der ersten Wagen des neuen Opel Kapitän P 2,5 wird von den Rüsselsheimer Opel-Werken ausgeliefert. Das Styling der mit reichlich Chromzierrat versehenen Karosserie mit seinen Heckflossen und den Panoramascheiben orientiert sich sehr stark an den aktuellen amerikanischen GM-Modellen. Doch kommt dieses Design bei den deutschen Kunden nicht wie erhofft an. Aufgrund des hinten stark geneigten Dachs, der Panoramascheiben und der etwas schmalen Türen ist das Einsteigen für erwachsene Personen in den Fond recht unbequem. Dazu ist die Sicht der Insassen im Fondbereich seitlich eingeschränkt, auch bewirkt das heruntergezogene Dach eine schlechte Sicht nach hinten, zusätzlich sorgt es für eingeschränkte Kopffreiheit. Nach nur einem Jahr Bauzeit und 34.842 gebauten Exemplaren wird der P 2,5 bereits durch einen Nachfolger abgelöst. Heute wird das Modell wegen seiner schlüssellochförmigen Heckleuchten auch als „Schlüssellochkapitän“ bezeichnet.

 

22.6.1958 - Olivier Gendebien (Belgien) und Phil Hill (USA) gewinnen auf Ferrari das 24-Stunden-Rennen von Le Mans

 

10.07.1958 - Im VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau beginnt die Serienfertigung des Trabant P50, einem von einem luftgekühlten Zweizylinder-Zweitaktmotor angetriebenen Kleinwagen der DDR. Das zunächst nur als Stufenhecklimousine gebaute Fahrzeug hat ein selbstragendes Stahlskelett mit Duroplastbeplankung. Der Motor hat 499 ccm Hubraum und leistet 18 PS. Ab 1960 gibt es auch den Kombinationswagen  mit 20 PS. 1962 wird der P50 vom P60  (Trabant 600) abgelöst,  der bis 1964 gebaut wird und dessen Motor nun 599 ccm Hubraum und 23 PS hat. Die Karosserie bleibt jedoch unverändert.

 

8/1958 - Als Nachfolger des Modells "Speedster" kommt der 356 Convertible D in das Programm des Porsche 356. Er soll "unter Beibehaltung des betont sportlichen Charakters eines Roadsters wesentliche Verbesserungen an Komfort gegenüber dem bisherigen Speedsters bringen". Die neue offene 356-Variante ist mit 60 oder 75 PS erhältlich.

 

26.08.1958 - Das "große" Goggomobil-Modell "T 700" (mit 30 PS) läuft im niederbayerischen Dingolfing vom Band und wird dem seit dem 12.06.1958 gebauten "großen" Goggomobil "T 600" (mit 20 PS) zur Seite gestellt. Bis Anfang Oktober soll die Produktion auf 100 Stück pro Tag gesteigert werden. Um sich vom Kleinstwagen Goggomobil zu lösen, erhalten die Fahrzeuge ab November 1959 die Namen Isar T 600 bzw. Isar T 700. Gleichzeitig kommen auch die dreitürigen Kombiversionen der beiden Modelle auf den Markt. Gebaut werden die "großen" Goggomobile bzw. Isar bis August 1965. Insgesamt entstehen rund 88.000 Fahrzeuge.

 

09/1958 – Mit dem Sportprinz stellt der deutsche Automobilhersteller ein schickes kleines Coupé vor. Entworfen hat die Karosserie der italienische Designer Bertone, bei dem auch die ersten Coupés gefertigt werden. Das Fahrwerk stammt vom Prinz II ab Herbst 1960 vom Prinz III und ab 1964 vom Prinz 4. Auch der von 20 auf 30 PS gesteigerte Motor stammt zunächst vom Prinz II. Gebaut werden bis zum Produktionsende 1967 20.831 Exemplare, davon 2.715 direkt bei Bertone. Während der Preis beim Verkaufsstart 6.560 DM beträgt, sind es im April 1965 nur noch 5.135 DM.

 

19.10.1958 - In Adelsried an der heutigen A8 wird die erste Autobahnkirche eingeweiht. Sie soll am Rand der Autobahn einen „Hafen vertrauter Stille“ schaffen. Gestiftet wird sie durch den Augsburger Papierfabrikanten Georg Haindl. Der Name der Kirche „Maria, Schutz der Reisenden“ bezieht sich auf die Flucht der hl. Familie nach Ägypten. Heute gibt es rund 40 Autobahnkirchen, die je nach Spender evangelisch oder katholisch und keiner übergeordneten kirchlichen Institution unterstellt sind. Die nächste Autobahnkirche im Raum Osnabrück ist die 1970 gebaute ökumenische Autobahnkapelle am Rasthaus Dammer Berge.

 

1958 - Nach nur einem Jahr Bauzeit verschwindet der Zündapp Janus wieder vom Markt. Seine Konstruktion, bei der Fahrer und Passagiere Rücken an Rücken sitzen und die Passagiere auf der Rücksitzbank nach hinten schauen und über eine separate Tür auch nach hinten aussteigen, hat sich nicht durchgesetzt. Insgesamt entstehen 6.902 Exemplare.

 

1958 - Die ersten deutschlandweit verwendbaren Autotelefone kommen auf den Markt. Die Geräte kosteten circa 50 % des Wagens. Die Gespräche mit den Autotelefonen wurden handvermittelt.

 

1958 - In diesem Jahr sind fast 11.900 Verkehrstote auf deutschen Straßen zu beklagen. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Rückgang von rund 800 Toten. Dies ist vermutlich eine Folge des im Vorjahr eingeführten Tempolimits von 50 km/h in geschlossenen Ortschaften.

 

 

1959

 

22.01.1959 - Im Alter von 29 Jahren stirbt der britische Le Mans-Sieger von 1955 und Formel 1-Weltmeister von 1958, Mike Hawthorn. Hawthorn verursacht 1955 bei seinem Sieg in Le Mans einen Unfall, bei dem 84 Menschen sterben. Er selbst bleibt mit seinem Jaguar D-Type im Rennen und gewinnt dieses sogar. Er startet bei 45 Rennen in der Formel 1 und holt drei Siege, 1958 wird er Weltmeister. Daneben startet er bei Langstreckenrennen in Le Mans oder Sebring. Am Abend des 22.01.1959 fährt er auf einer Umgehungslandstraße bei Guildford bei starkem Regen auf einen Mercedes 300 SL auf. Beim Überholen erkennt er den Fahrer, den schottischen Rennstallbesitzer Rob Walker, mit dem er befreundet ist, und fordert ihn zu einem Wettrennen heraus. Walker macht mit, kann jedoch nicht mithalten. Angesichts eines entgegenkommenden LKWs will Hawthorn ausweichen, verliert in einer langgezogenen Linkskurve bei Aquaplaning und starkem Seitenwind die Gewalt über sein Fahrzeug  und prallt gegen eine Eiche. Er verstirbt an seinen schweren Kopfverletzungen. Aufgrund seiner einst zur Schau getragenen Gefühlskälte, vor allem nach dem Unfall in Le Mans, gilt er bei Rennsport-Journalisten als der unbeliebteste Weltmeister.

 

15.02.1959 - Im Regierungsbezirk Düsseldorf wird am 15. Februar 1959 erstmals in Deutschland ein mobiles Radargerät zur Geschwindigkeitskontrolle eingesetzt (Telefunken VRG 2). Später kommen zur mobilen Ausstattung die Laserpistole, das Laserfernglas, das Lichtschrankenmessgerät oder die Videokamera im Polizeiauto dazu.

 

01.04.1959 - Mit dem Gesetz vom 1. April 1959 werden auch scharfkantige Lichtschirme an Scheinwerfern und Flügelmuttern an Zentralverschlüssen aus dem Verkehr gezogen. So darf der stilisierte Düsenjäger des Oldsmobils nicht mehr weiterfliegen, und auch das Markenzeichen von Jaguar, die Wildkatze Leaper, setzt zum vorerst letzten Sprung an. Ursprünglich ist der Kühlerschmuck als reine Zierde gedacht. Die Fahrzeughersteller empfinden dies allerdings als Schnickschnack und überlassen den Zulieferern und Teilehändlern das Geschäft. Erst als die Figuren immer bizarrere Formen annahmen, entschließen sich die Autobauer dazu, eigene auf den Markt zu bringen und so den Platz an der Front des Wagens für sich selbst einzunehmen. In der Blütezeit der Kühlerfiguren - in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts - thront vorne so manche skurrile Figur, von der Schnecke über die Ente bis hin zur Streichholzschachtel.

 

5/1959 - Bei der BRDC International Trophy erscheint ein schneller Aston Martin DB 4 in der Öffentlichkeit. Mit einem Prototyp des DB4 GT gewinnt Stirling Moss ein Rahmenrennen. Ein halbes Jahr später wird der Wagen auf der London Motor Show öffentlich präsentiert. Mit einem überarbeiteten Triebwerk und einer Leistung von offiziell 302 bhp (tatsächlich aber nur ca. 270 bhp) erreicht der GT mit der längsten Übersetzung eine Höchstgeschwindigkeit von 246 km/h. Im Gegensatz zum Serien-DB4 hat der GT ein verkürztes Fahrgestell und ist ein reiner Zweisitzer. Insgesamt entstehen 75 Fahrzeuge. Knapp 60 Jahre später wird 2017 die Produktion wieder aufgenommen und weitere 25 Exemplare entstehen für Sammler. Auf Basis des DB4 GT entsteht als separates Modell der DB 4 GT Zagato.  Die eigenständige, wunderschöne Karosserie entwirft Ercole Spada. Der DB4 GT Zagato verfügt über 314 PS. Es entstehen 19 Exemplare. 2015 erzielt eines dieser 19 Fahrzeuge einen Verkaufspreis von 14,3 Millionen Pfund (ca. 15,7 Mio. Euro).

 

29.06.1959 - Als Nachfolger des Panhard Dyna Z kommt das Modell PL 17 auf den Markt. Der Wagen ist eine Weiterentwicklung seines Vorgängers, weist aber eine noch stromlinienförmigere Karosserie auf. Das „PL“ steht für „Panhard & Levassor“ (so hieß die Firma bis 1945) und soll eine ähnliche Eleganz wie das „DS“ von Citroën ausstrahlen. Die „17“ stellt die Summe aus 5 CV (französische Steuer-PS), 6 Sitzplätzen und 6 l / 100 km (Benzinverbrauch) dar. Gebaut wird der PL 17 bis 1965.

 

24.06.1959 - Auf der Rennstrecke in Monza wird der Presse die offizielle Produktions-version der Alfa Romeo Giulietta Sprint Speciale vorgestellt.  Der Tipo 750 SS  entsteht zunächst in 101 Einheiten, um das Auto gemäß den FIA-Bestimmungen zu homologieren. Einige Fahrzeuge entstehen komplett aus Aluminium, die meisten jedoch erhalten eine Stahlkarosserie und nur die Türen, die Motorhaube und der Kofferraumdeckel sind aus Aluminium. Der Luftwiderstandsbeiwert beträgt 0,28. Das zweitürige Sportcoupé erhält den Alfa Romeo Twin Cam-Motor mit 1.290 ccm Hubraum.  1963 erhält sie den 1.570 ccm großen Motor der Alfa Romeo Giulia SS mit 112 PS. Bis 1966 entstehen 1.366 Giulietta Sprint Speciale und 1.400 Giulia Sprint Speciale.

 

01.07.1959 - Zu diesem Stichtag beträgt der Fahrzeugbestand in der Bundesrepublik Deutschland  1.989.400 einspurige Krafträder, 3.337.600 Pkw und Krankenwagen, 603.600 Lkw, 784.100 Zugmaschinen, Autobusse: 30.100. Inclusive Westberlin ereignen sich 327.594 Unfälle mit Personenschaden. Dabei müssen 13.819 Personen ihr Leben lassen, 419.835 Verletzte gibt es zu beklagen. Das Straßennetz in der BRD erstreckt sich über 132.900 km. Davon entfallen auf Autobahnen 2.408 km und auf Bundesstraßen  24.23 km.

 

07/1959 – Nur ein Jahr nach seiner Präsentation wird der Opel Kapitän P 2,5, auch genannt „Schlüssellochkapitän“ aufgrund der Form seiner Heckleuchten, schon wieder abgelöst. Vom Sommer 1959 an wird der neue Kapitän, der P 2,6, gebaut. Die neue Karosserie hat eine flachere, gestreckte Linienführung mit einer noch größeren Panoramascheibe vorn. Das beim Vorgängertyp kritisierte hinten stark heruntergezogene Dach ist geändert, sodass man hinten wieder besser einsteigen kann. Mit dem auf 2605 cm³ vergrößerten Hubraum steigt die Motorleistung auf 90 PS und die Höchstgeschwindigkeit auf 150 km/h. Der Kapitän P 2,6 wird das erfolgreichste Modell der Baureihe. Nach dem bis Mitte 1960 verwendeten Overdrive bietet Opel bei diesem Modell ab Sommer 1960 erstmals als Extra ein automatisches 3-Gang-„Hydramatic“-Getriebe und ab 1962 eine Servolenkung an. Außerdem gibt es wieder eine höherwertige Ausstattungsvariante („L“-Version). Opel nimmt auch davon Abstand, nach amerikanischem Vorbild nahezu jedes Jahr ein abgeändertes Fahrzeug zu präsentieren. Vom Opel Kapitän P 2,6 gibt es auch eine zweitürige Coupé-artige Variante in sehr geringen Stückzahlen, die bei Autenrieth in Darmstadt gebaut wird. Zwei davon sind noch bekannt, eine ist fahrbereit. Von Juli 1959 bis Dezember 1963 werden insgesamt 145.616 Kapitän P 2,6 gebaut. Die letzten Neuzulassungen sind im Februar 1964 verzeichnet. Der P 2,6 ist der letzte Kapitän, der in der Sechszylinder-Klasse noch vor Daimler-Benz in der Zulassungsstatistik liegt.

 

01.08.1959 - Erstmals kann an bundesdeutschen Tankstellen mit Tankschecks bargeldlos bezahlt werden.

 

08/1959 - Die Serienproduktion des bereits 1957 auf der IAA vorgestellten DKW Junior beginnt. Der Wagen kommt mit einem Dreizylinder-Reihenmotor mit 750 ccm Hubraum und 34 PS auf die Straße. Mit der Karosserie des Junior verlässt die Auto Union die rundlichen Formen der auf einer Vorkriegskonstruktion beruhenden DKW-Personenwagen. Die ausschließlich zweitürige Karosserie in Trapezform mit leicht angedeuteten Heckflossen und einer nahezu waagerechten Linie der vorn leicht über die Scheinwerfer hinausgezogenen Seitenteile bietet verhältnismäßig viel Innenraum und nicht zuletzt dank schmaler Dachpfosten eine sehr gute Übersicht. Hinzu kommt ein großer Kofferraum, in dem das Reserverad rechts stehend und nicht wie bei den älteren Modellen unter dem Gepäck untergebracht ist. Gebaut wird der Junior bis 1962 und wird dann vom überarbeiteten Modell Junior de Luxe abgelöst, der zwischen 1961 und 1963 gebaut wird. Von beiden Modellen entstehen rund 240.000 Fahrzeuge.

 

18.08.1959 - Die ersten Austin Mini kommen auf den Markt. Der Mini wird von Sommer 1959 bis Herbst 2000 von der British Motor Corporation (BMC), dem Zusammenschluss der Austin Motor Company mit der Morris Motor Company, bzw. den durch weitere Zusammenschlüsse entstandenen Nachfolgefirmen British Leyland und Rover sowie von Lizenzpartnern (wie zum Beispiel Innocenti (Italien), Authi (Spanien) und IMA (Portugal)) gebaut. Sein Frontantrieb und der quer eingebaute Vierzylindermotor in Verbindung mit der neuartigen Kompaktkarosserie machen ihn zu einem Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte des Automobils. Bis zum Jahr 2000 werden in verschiedenen Karosserievarianten 5.387.862 Minis gebaut. Der Mini ist auch im Rallyesport erfolgreich. Er gewinnt von 1964 bis 1967 viermal in Folge die Rallye Monte Carlo.

 

21.08.1959 - Der 3.000.000. Volkswagen läuft in Wolfsburg vom Band. Am gleichen Tag wird der 500.000. Transporter in Hannover-Stöcken fertiggestellt.

 

9/1959 - Auf der IAA Frankfurt wird der Porsche 356 B präsentiert. Die Weiterentwicklung des 356 A wird zwischen 1959 und 1963 als Coupé, Cabriolet und Roadster produziert, zusätzlich produziert Karmann in Osnabrück das „Hardtop-Coupé“ mit fest verschweißtem Dach, dass sich vom normalen Coupé durch eine abgesetzte Dachlinie, schmale B-Säulen und ein größeres Heckfenster unterscheidet. Neben den „normalen“ Modellen gibt es auch Sportversionen wie das 356 1600 GS Carrera GT-Coupé mit 115 PS (bis 1961), das zwanzigmal gebaute 356 Carrera GTL-Abarth-Coupé mit 115 PS bzw. in zwei Versionen mit 128 und 135 PS (knapp über 230 km/h), ab 1962 den 356 2000 GS Carrera 2 als Cabrio und Coupé mit 130 PS bzw. 155 PS. Zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1962 erscheint der2000 GS-GT, ein Prototyp mit 2-Liter-Motor und einer speziellen Karosserie für Höchstgeschwindigkeitsfahrten. Auch Borgward präsentiert ein neues Modell: Den P 100. Das Fahrzeug ist im Bereich der oberen Mittelklasse angesiedelt und wird als Großer Borgward bis 1962 in Bremen-Vegesack produziert. Dort entstehen 2.591 Fahrzeuge. Der P 100 ist das erste deutsche Automobil mit Luftfederung. Angetrieben wird er von einem Sechszylinder-Viertakt-Reihenmotor mit 2.240 ccm Hubraum, der 100 PS leistet. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 160 km/h. Die Produktion läuft zunächst nur langsam an. Bis Ende des Jahres werden lediglich 6 Fahrzeuge hergestellt, im ersten Halbjahr 1960 sind es 35 Fahrzeuge. Bis Ende 1960 verlassen insgesamt 869 P 100 die Produktionsbänder. Die Zahlen bleiben nach den im Januar 1961 bekanntgewordenen Liquiditätsproblemen weiterhin niedrig. 1961 werden nur 1.680 Große Borgward hergestellt. Im September 1961 wird das Anschlusskonkursverfahren eröffnet. 1962 sind es noch 38 Fahrzeuge, dann ist Schluss mit dem P 100 – und mit Borgward. Die Produktionsanlagen werden 1963 nach Mexiko verkauft, das dort geplante Projekt der Impulsora Mexicana Automotriz S. A. scheitert an Finanzierungsproblemen. Ein zweiter Anlauf der Firmengruppe FANASA ist erfolgreicher: Zwischen 1966 und 1970 entstehen 2.267 Fahrzeuge unter der Bezeichnung 230, ohne Heckflossen und hinterer Panoramascheibe, bzw. 230 GL Pullman mit verlängerter Karosserie, Heckflossen und Panoramascheibe. 1970 war erneut Schluss, wieder aufgrund finanzieller Probleme.

 

10/1959 - Der Chevrolet Corvair wird von GM als zweitüriges Coupé und viertürige Limousine auf den Markt eingeführt. Das Mittelklassefahrzeug gibt es in den Variationen Limousine, Kombi, Coupé und Cabriolet. Geplant ist er in erster Linie als Alternative zum VW Käfer, einem zunehmend in den USA erfolgreichen Importwagen. Einzigartig für ein amerikanisches Fahrzeug ist sein luftgekühlter Boxermotor im Heck, wie der Konkurrent VW Käfer, jedoch mit sechs Zylindern und 2 Liter Hubraum. Obwohl das Fahrzeug mit 200.000  bis 300.000 Stück jährlich durchaus erfolgreich war, gab es aufgrund der Fahreigenschaften Probleme. 1965 kommt der Corvair in die Schlagzeilen, als der vor allem durch seine Verkehrssicherheitskampagne bekannte Verbraucheranwalt Ralph Nader dem Wagen im Buch „Unsafe at Any Speed“ ein „gefährliches Fahrverhalten“ vorwirft. Nach Erscheinen des Buches bricht der Absatz ein, obwohl deutliche Verbesserungen eingeführt werden. 1969 wird der Corvair ohne Nachfolger eingestellt. Knapp 1,7 Millionen Fahrzeuge entstehen.

 

10/1959 - Auf der London Motor Show wird der AC Greyhound präsentiert. Das zweitürige, viersitziges Coupé soll die bisherigen Modelle, den offenen Zweisitzer Ace und den geschlossenen Zweisitzer Aceca , ergänzen. Den AC Greyhound gibt es mit drei Motorvarianten: Einem eigenen Zweiliter-Reihensechszylinder mit 75 php (76 PS), einem Zweiliter-Sechszylinder von Bristol mit 105 bhp (106,5 PS) bzw. 125 bhp (127 PS) oder einem Bristol-Motor mit 2,6 Liter Hubraum und 170 bhp (172 PS). Zwischen 1959 und 1963 entstehen 83 Exemplare (inclusive eines Prototyps). Der Wagen verkaufte sich u.a. schlecht, da er zu teuer war. Er kostet mehr als 50% als der Jaguar XK 150 mit 190 bhp).

 

18.11.1959 - Die im brasilianischen São Bernardo do Campo errichtete Automobilfabrik von Volkswagen wird offiziell eröffnet. Aus dem Montagewerk hat sich inzwischen eine selbstständige Produktionsstätte entwickelt – mit Presswerk, Karosseriebau, Lackiererei, Motorenbau, Montage und galvanischer Abteilung. Im September 1957 war bereits die Transporter Fertigung angelaufen. Nach Inbetriebnahme der Halle für die mechanische Fertigung im Jahr 1960 steigt der brasilianische Materialanteil bei der Limousinen-Produktion auf 90 Prozent. Im Folgejahr setzt sich die Volkswagen do Brasil mit 47 320 verkauften Fahrzeugen und einem Absatzplus von rund 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr an die Spitze der brasilianischen Automobilindustrie. Der Marktanteil wächst auf 41 Prozent, die Belegschaft auf über 8.000 Beschäftigte an, die arbeitstäglich fast 220 Fahrzeuge fertigen.

 

1959 – Volvo stattet weltweit erstmalig seine Modelle P120 und PV544 serienmäßig mit einem 3-Punlt-Sicherheitsgurt aus. BMW stellt nach vier Jahren die Produktion des wunderschönen Sportcabriolets 507 ein, dieser wurde nur 251 Mal gebaut und verkauft. Im August verlassen in Birmingham die ersten Mini das Werk und auch die deutschen Fahrzeuge zeigen an ihren Fahrzeugen nun dezent Heckflossen. 1959 setzt Volkswagen in Deutschland 230.000 Fahrzeuge des VW 1200 ab.