11.   Die 1990er – Fusionen

 

 

1990

 

23.02.1990 - Die beiden Automobilkonzerne Volvo (Schweden) und Renault (Frankreich) beschließen eine enge Zusammenarbeit und eine gegenseitige finanzielle Beteiligung.

 

5/1990 - Mit dem "IFA Trabant 1.1" kommt das letzte Automodell der DDR auf den Markt. Die Karosserie ist nicht neu, die Plastikkarosserie stammt aus dem Jahr 1964. Neu ist der Motor - er stammt von VW. Der Vertrag mit dem damaligen "Klassenfeind" zum Lizenzbau des 1,1- und 1,3-Liter-Viertaktmotors wurde bereits 1984 geschlossen. Doch mit dem Mauerfall und der Vereinigung der beiden deutschen Jahren kommt das Aus für den letzten Trabbi recht schnell. Den Westautos ist er in jeder Hinsicht unterlegen und am 30.04.1991 endet die Produktion. In seinem letzten Jahr werden 39.474 Trabant 1.1 gebaut.

 

27.07.1990 - Im portugiesischen Citroen-Werk Mangualde läuft der 5.114.961 Citroen 2CV vom Band - es ist gleichzeitig auch die letzte produzierte "Ente". Insgesamt beträgt die Bauzeit stolze 42 Jahre, denn das legendäre Fahrzeug wurde bereits 1948 auf dem Pariser Autosalon präsentiert. Der Ur-Entwurf des Toute Petite Voiture stammt schon aus dem Jahr 1939, doch bedingt durch den Zweiten Weltkrieg kommt die "Ente" erst neun Jahre später auf den Markt.

 

8/1990 – Mit dem neuen Volkswagen T4 geht auch im Volkswagenwerk Hannover nach 34 Jahren beim VW Transporter die Ära des Heckmotors und Hinterradantriebs zu Ende. Der T4 ist der erste Transporter von VW, den es mit zwei verschiedenen Karosserielängen und Radständen gibt. Angetrieben wird er von einem vorne quer eingebauten Reihenmotor. Der neue Frontantrieb ermöglicht nun eine durchgehende Ladefläche. Es gibt den T4 als Kleinbus, Kastenwagen und Pritschenwagen, besonders beliebt ist er als Multivan. Dieser bietet eine komfortable Innenausstattung mit Klapptisch, Bett und Einzelsitzen in der zweiten Reihe. Dazu kommen noch zahlreiche weitere Ausstattungsvarianten wie die Reisemobile California (Coach), Carthago oder die Modelle Gipsy, Cheetah und der ebenfalls sehr erfolgreiche Colorado 580 H von Karmann. Ab 1993 ist der T4 als Syncro mit Allradantrieb erhältlich. Ob Handwerker, Behörde, die Familie oder die Polizei und Rettungsdienste – der T4 wurde überall eingesetzt. Im Gegensatz zu früheren VW Transportern gibt es eine Vielzahl von Motorvarianten, vom 1,8 Liter-Benziner (67 PS) über den 2,5 TDI-Diesel bis zum 2,8 Liter VR6 mit 204 PS. Gebaut wird der T4 von 1990 bis 2003.

 

31.10.1990: In Moskau wird das erste russische McDonald’s-Restaurant eröffnet. Damit wird der kalte Krieg auf neuem Weg fortgesetzt. Die Russen rächen sich 26 Jahre später, in dem sie dafür sorgen, dass ein rassistischer Volltrottel US-Präsident wird, der in seiner Amtszeit das eigene Land spaltet, die NATO-Staaten gegeneinander ausspielt und die USA weltweit der Lächerlichkeit preis gibt.

 

 

1991

 

30.01.1991 – Der letzte "Trabbi" rollt direkt vom Fließband ins Museum. Damit wird die  Produktion der "Renn-Pappe" nach 34 Jahren Bauzeit eingestellt. In dieser Zeit entstanden insgesamt 3.096.099 Fahrzeuge, davon 131.450 vom Modell P 50, 103.628 vom P60 und 2.818.547 vom P601.  Das letzte Modell war der Trabant 1.1, der ab Herbst 1989 mit einem VW Polo-Motor in 39.474 Einheiten entstand.

 

02/1991 – Am 08.02.1916 wird in Dortmund Hans-Hugo Hartmann geboren. Der Junge ist der Sohn eines Mercedes-Benz-Verkäufers. Im Jahr 1935 macht er erstmals bei Geländefahrten auf sich aufmerksam und wird in der Saison 1939 Nachwuchs- und Ersatzfahrer des Stuttgarter Unternehmens in der Grand-Prix-Europameisterschaft. Sein erstes Rennen für Mercedes ist das Eifelrennen Ende Mai 1939, der zweite Start folgt im August beim Großen Preis der Schweiz in Bremgarten, den Hartmann auf W 154 als Siebter beendete. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestreitet Hartmann Sportwagenrennen. 1952 stellt er auf der Rennstrecke von Linas-Montlhéry zusammen mit Adolf Brudes für Borgward international anerkannte Rekorde in der Klasse bis 1,5 l auf (unter anderem 100 km mit einem Schnitt von 215,5 km/h). Außerdem geht er mit Brudes beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1953 und dem 1000-km-Rennen von Buenos Aires 1954 an den Start, fällt aber jeweils aus. Bei der Carrera Panamericana 1953 kommt Hartmann auf Borgward nicht in die Wertung. Am Ende der letzten Etappe führt er die kleine Sportwagenklasse mit mehr als eineinhalb Stunden Vorsprung an, fällt aber durch einen Defekt zurück, überschreitet dadurch das Zeitlimit um 7 Sekunden und wird disqualifiziert. In einem Rennen des Rahmenprogramms zum Großen Preis von Deutschland 1954 verunglückt Hartmann schwer und beendet seine Karriere als Fahrer. Anschließend wird er Sportleiter bei Borgward. 1959 zieht er nach Herdecke, leitete drei Autohäuser in Dortmund und betreibt eine Fahrschule. Im Jahr 1960 kehrt Hartmann noch einmal aktiv zum Motorsport zurück, fährt mit Günter Isenbügel die Rallye Monte Carlo und gewinnt dabei auf Borgward Isabella die Klasse der Serientourenwagen. Im Februar 1991 verstirbt der einstige Rennfahrer.

 

07.02.1991 - In Eisenach (Thüringen) wird der Grundstein für ein Montagewerk des Rüsselsheimer Autoherstellers Adam Opel AG gelegt. Zeitgleich wird das Automobilwerk Eisenach abgewickelt und die Produktion des Wartburg 1.3 eingestellt. Rund 1 ½ Jahre später, am 23.09.1992. beginnt die Produktion der Modelle Astra und Corsa.

 

15.02.1991 - Im Montagewerk der Volkswagen Sachsen GmbH in Mosel bei Zwickau läuft die Fertigung des VW-Golf II an. Die Tageskapazität soll bis Mitte 1991 auf 150 Einheiten steigen. Am 26.06.2020 läuft in Zwickau der letzte Volkswagen mit Verbrennungsmotor vom Band, nun werden dort mit den Produktionslinien VW ID.3, VW ID.4 und Audi Q4 etron ausschließlich Fahrzeuge mit Elektromotor produziert.

 

16.04.1991 – Im Zuge der 1990 begonnenen Privatisierung entscheidet sich die tschechoslowakische Regierung am 09.12.1990 dafür, die damalige AZNP (Automobilové závody, národní podnik; dt. Automobilwerke, Nationalbetrieb) an die Volkswagen AG zu verkaufen. Am 16. April 1991 wird Škoda die vierte Marke des Volkswagenkonzerns. Als weitere Interessenten hatten sich die Automobilhersteller Renault und BMW angeboten, jedoch erschienen deren Zukunftskonzepte weniger überzeugend als das von Volkswagen. 1991 wird in Weiterstadt der deutsche Importeur Škoda Auto Deutschland GmbH gegründet, ab 1995 hundertprozentige Tochtergesellschaft von Škoda Auto, a.s. Durch das Joint Venture mit Volkswagen entsteht der Škoda Felicia mit modernem Design.

 

03.06.1991 - In der Schweiz wird im Juli und August die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen für Pkw von 120 auf 100 km/h und für Lkw von 80 auf 70 km/h heruntergesetzt. Die Regierung will damit den Ausstoß von Kohlendioxid senken und eine Erhöhung der Ozonwerte verhindern.

 

23.06.1991 - Mazda gewinnt mit dem 787B das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Es ist das einzige mit Wankelmotor angetriebene Auto, das dieses Rennen je gewonnen hat. Nach 12 Stunden führen noch souverän die favorisierten drei Mercedes-Benz C11, doch am Sonntagmorgen fielen alle C11 aus. Damit ist der Weg frei für das Mazda-Team mit Johnny Herbert, Volker Weidler und Bertrand Gachot. Er ist der erste Sieg für einen japanischen Hersteller in Le Mans und der erste Erfolg für einen Rotationsmotor. Johnny Herbert ist am Ende des Rennens so erschöpft, dass er nach der Zieldurchfahrt beim Aussteigen aus dem Cockpit kollabiert und dadurch die Siegerehrung verpasst.

 

24.06.1991 - Der Weltrekord des VW Käfer Cabriolets als meistgebauter offener Personenwagen wird eingestellt – von seinem eigenen Nachfolger, dem VW Golf Cabriolet. 331.848 offene Golf liefen seit 1979 bei Karmann in Osnabrück vom Band.

 

 

05.08.1991 – Der 1906 geborene japanische Unternehmer Soichiro Honda stirbt an einem Leberleiden. 1948 gründet er die Honda Corporation, die sich schnell zu einem der bedeutendsten Kraftfahrzeug- Motorenhersteller entwickelt. Bis 1973 bleibt er Präsident des Unternehmens. Seine Kindheit verbringt er in der Fahrrad-Werkstatt seines Vaters, 1922 geht Honda nach Tokio, wo er eine Lehrstelle in einer Autowerkstatt annimmt. Sechs später eröffnet er in seiner Heimat Komyo seine eigene Werkstatt. Gleichzeitig nimmt er an diversen Motorradrennen teil, muss nach einem schweren Verkehrsunfalls und auf Druck seiner Frau das Hobby aufgeben. Nebenbei gründet er 1937 ein weiteres Unternehmen zur Produktion von Kolbenringen, dass er 1948 an Toyota  verkauft. Mit seiner Honda Corporation startet er den Bau von Motorrädern. Innerhalb von wenigen Jahren wird die Firma zu einem der weltweit größten Motorradhersteller. 1963 wird die Produktion von Automobilen gestartet.

  

 

1996

 

1996 - Zum Auto des Jahres wird der Fiat Bravo/Brava gewählt. Der Fiat Brava ist ein vom italienischen Hersteller Fiat von Herbst 1995 bis Sommer 2001 gefertigter Pkw, der zur Kompaktklasse gehörte. Der Brava war die längere fünftürige Variante, während der 17 cm kürzere Dreitürer unter dem Namen Fiat Bravo verkauft wurde. Die Stufenhecklimousine und der Kombi wurden ab Sommer 1996 als Fiat Marea angeboten. Letzteres Modell erhielt zur Unterscheidung größere Stoßfänger und eine breitere Spur. Der Vorgänger von beiden Fahrzeugen war der Fiat Tipo.

 

25.04.1996 - Auf dem Internationalen Automobil-Salon in Turin wird die Serienversion des Mercedes-Benz SLK (Baureihe R 170) der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

 

1997

 

01.07.1997 - Die ersten H-Kennzeichen für klassische Automobile werden erteilt. Die Fahrzeuge müssen mindestens 30 Jahre alt sein. Die Erteilungskriterien werden von einzelnen Zulassungsstellen immer wieder unterschiedlich angewendet, was immer wieder zu Verärgerung führt. Aber das H-Kennzeichen hat deutliche Vorteile für Oldtimerbesitzer, u.a. berechtigt es zur freien Einfahrt in Umweltzonen und bedeutet einen pauschalen Steuersatz (der sich für Kleinwagenbesitzer nicht immer rechnet).

 

 

1998

 

07.05.1998 - Für 36 Milliarden US-Dollar kauft Daimler-Benz den amerikanischen Automobilhersteller Chrysler. Es entsteht der Konzern Daimler-Chrysler. Doch acht Jahre später trennt sich der Stuttgarter Konzern von dem US-Partner. Ein Fahrzeug aus dieser kurzen Ära ist der Chrysler Crossfire, ein schickes Coupé bzw. ein schicker Roadster auf Basis des SLK Typ 170. Gebaut wird er bei Karmann in Osnabrück.

 

5.6.1998 - London: Die britischen Automarken Rolls-Royce und Bentley sowie der Motorenhersteller Cosworth werden nach einer Entscheidung der Aktionäre des Mutterhauses Vickers an den Volkswagen-Konzern verkauft. Dabei versäumt Volkswagen, sich auch die Namens- und Markenrechte zu sichern. Das sichert sich schnell der Konkurrent BMW, der ebenfalls ein Angebot abgegeben hatte. Volkswagen besitzt nun das Rolls-Royce-Werk und die Rechte am Kühler und der Kühlerfigur von Rolls-Royce, nicht aber das Recht, den Markennamen „Rolls-Royce“ zu verwenden. Daraufhin trennt Volkswagen Bentley und Rolls-Royce und verkauft RR zusammen mit den anderen Rechten an BMW.

 

13.7.1998 - Köln: Die Ford-Werke rufen fast 124 000 Pkw der Typen Escort, Mondeo und Scorpio zurück, weil sich bei den Autos durch elektrostatische Aufladungen der Airbag am Beifahrersitz versehentlich aufblasen könnte. Wie ein Sprecher mitteilt, sind seit Ende vergangenen Jahres in Europa 21 derartige Fälle registriert worden. Dabei wurde eine Person leicht verletzt.

 

28.7.1998 - Wolfsburg: Wenige Wochen nach dem Kauf des britischen Autoherstellers Rolls-Royce  durch Volkswagen übernimmt BMW von VW die Marke Rolls-Royce.

 

31.08.1998 - Der Volkswagen-Konzern feiert die Wiedereröffnung seines im Bosnien-Krieges schwer beschädigten Werkes in Sarajevo. In den Fabrikhallen im Vorort Vogosca sollen nun jährlich bis zu 10.000 Pkw der VW-Tochter Skoda montiert werden.

 

13.09.1998 - Die Oldtimer IG Osnabrück veranstaltet die "Osnabrücker Friedensfahrt" anlässlich der 350 Jahr-Feier zum Westfälischen Frieden. In den nachfolgenden Jahren etablierte sich daraus die "Historische Fahrt Rund um Osnabrück".

 

18.09.1998 – Auf ihrer jeweiligen Hauptversammlung stimmten die Aktionäre der Daimler-Benz AG und der Chrysler Corporation mehrheitlich der Fusion beider Unternehmen zur DaimlerChrysler AG zu. Diese Fusion entpuppt sich jedoch als Fehler, so sinkt der Marktwert von Chrysler bis 2007 um 35 Milliarden Euro, der von DaimlerChrysler insgesamt bis 2005 um 50 Milliarden Euro. 2007 wird die Chrysler Group an die Investorengesellschaft Ceberus Capital Management verkauft.

 

 

1999

 

1999 – Mit dem Xsara Picasso stellt Citroen seinen ersten Kompaktvan vor, das ideale Fahrzeug für die Familie. In Deutschland werden rund 5,7 Millionen Automobile hergestellt, Mikka Hakkinnen kann seinen Weltmeistertitel in der Formel 1 erfolgreich verteidigen und der Ford Focus wird Auto des Jahres 1999.

 

12.01.1999 - In Hamburg wird die europaweit erste Wasserstoff-Tankstelle in Betrieb genommen. Mittels Wasserstoffantrieb in den dafür geeigneten Fahrzeugen erledigen sechs Unternehmen Liefertätigkeiten.

 

28.01.1999 - Der US-Automobilkonzern Ford erwirbt von Volvo dessen Pkw-Sparte Volvo Car Corporation zum Preis von 6,45 Milliarden US-Dollar.

 

19.02.1999 – Im Alter von 88 Jahren stirbt in München der frühere deutsche Motorrad- und Automobilrennfahrer Georg "Schorsch" Meier. Der 1910 geborene Meier macht zunächst eine Mechanikerlehre und tritt ein Jahr später 1929 in den Polizeidienst bei der Landespolizei Bayern ein. 1933 tritt er in Polizeiuniform bei der 2000-Kilometer-Deutschlandfahrt an. 1936 wechselt er zur Wehrmacht, ab 1937 bestreitet er Motorradrennen auf BMW. 1938 gewinnt er sowohl den Titel als Europameister und als Deutscher Meister in der 500 ccm-Klasse. Ein Jahr später er als erster Nicht-Brite in dieser Klasse den Sieg bei der Tourist Trophy auf einer BMW 255 Kompressor. Nebenbei fährt er auch Autorennen für die Auto Union. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er 1948 mit Veritas Deutscher Formel 2-Meister. Mit BMW-Motorsport bestreitet er bis Ende 1953 erfolgreich Motorradrennen und wird Deutscher Meister der 500 ccm-Klasse in den Jahren 1947, 1948, 1949, 1950 und 1953. Dann beendet er seine Karriere und konzentriert sich auf seinen Kfz-Betrieb in München.

 

4/1999 - Die erste Baureihe des Opel Zafira kommt auf den Markt. Mit ihr wird das damals neuartige und im Opel-Auftrag von Porsche in Weissach entwickelte Sitzkonzept „Flex 7“  mit Platz für bis zu sieben Personen eingeführt. Dabei lassen sich die hinteren beiden Sitze (in der dritten Sitzreihe) jeweils einzeln vollständig im Wagenboden versenken und die mittlere dreisitzige Sitzreihe lässt sich zusammenklappen und nach vorne schieben. Dies ermöglicht einen Umbau von einer siebensitzigen Limousine bis zu einer 1,8 Meter langen und 1,1 Meter breiten ebenen Ladefläche, ohne die Sitze ausbauen zu müssen. Der Zafira rettet aufgrund seines Markterfolges zunächst den Opel-Standort Bochum. 2001 präsentiert Opel den Zafira CNG als ersten reinen Erdgas-Pkw und mit dem POC wird der Zafira auch mit einem 2,0-Liter-Turbo-Vierzylinder angeboten. Diese sportliche Variante leistet 192 PS (später 200 PS) und verfügt über ein Drehmoment von 250 Nm. Die erste Serie wird bis 2005 gebaut.