Chronik des Automobils

 

 

1.   Das 19. Jahrhundert

 

 

1853

 

16.01.1853 - André Michelin wird geboren. Er und sein Bruder Edouard erfinden 1888 einen Luftreifen mit Schlauch und gründen das Unternehmen "Michelin & Cie.", das ab 1891 die ersten Luftreifen produzierte.

 

 

1868

 

12.10.1868 - August Horch wird in Winningen an der Mosel geboren. Er entstammt einer alten Winzer- und Schmiedefamilie und erlernt mit 13 Jahren in der Schmiede seines Vaters das Schmiedehandwerk. Damals ahnt niemand, dass er einer der bedeutendsten Automobilpioniere wird – obwohl er Zeit seines Lebens nie einen Führerschein besitzen wird. Über August Horch wurden viele Bücher geschrieben, hier einige Eckdaten: 1899: Gründung des Unternehmens Horch & Cie in Köln-Ehrenfeld. 1900 entsteht sein erstes Automobil. 1902 verlegt er den Betrieb nach Reichenbach im Vogtland. 1903 stellt er das erste deutsche Automobil mit einem Vierzylindermotor vor. 1904 zieht das Unternehmen erneut um, nun geht es nach Zwickau.  Dort wird es als „A. Horch & Cie. Motorwagenwerke Actiengesellschaft“ eingetragen. 1906 gewinnt ein Horch die Herkomer-Konkurrenz, ein Jahr später präsentiert August Horch den ersten Sechszylindermotor vor (im Horch 26/65 PS). 1909 verlässt August Horch nach einem Streit mit dem Aufsichtsrat. Kurze Zeit später gründet er die „August Horch Automobilwerke GmbH“, muss den Namen nach einem verlorenen Rechtsstreit ändern. Es entsteht die „Audi Automobilwerke GmbH“. „Audi“ ist die Übersetzung des Imperativs „horch“ (audi = höre! = horch!). 1910 wird der erste Audi ausgeliefert. 1915 verlässt Horch das aktive Geschäft bei Audi, nachdem die Firme eine Aktiengesellschaft wurde. Er ist nun als „Öffentlich angestellter und beeidigter Kraftfahrzeug-Sachverständiger für Kraftfahrzeuge aller Art im Bereich der Industrie- und Handelskammer Berlin“ und als „Beeidigter Sachverständiger für das Kammer- und Landgericht Berlin“ aktiv. 1921 ist er Mitglied der Rennleitung für das erste AVUS-Rennen, Aufsichtsratsmitglied der „AUKA“ zur Koordinierung der Automobilausstellung 1923. 1924 wird er erster Präsident der Deutschen Verkehrswacht e.V.; 1922 verleiht ihm  die TU Braunschweig die Ehrendoktorwürde. 1923 initiiert August Horch die schon lange fast weltweit einheitliche Linkssteuerung bei Automobilen. Nach der Gründung der Auto Union AG mit den Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer im Jahr 1932 wird er ein Jahr später in den Aufsichtsrat berufen. 1939 wird August Horch Ehrenbürger der Stadt Zwickau. Am 03.02.1951 stirbt er in Münchberg, Oberfranken.

 

 

1875

 

02.04.1875 - In Wamego, Kansas, wird Walter Percy Chrysler geboren. Er war ein amerikanischer Automobilpionier. Aber zunächst arbeitete er als Verkäufer in einem Lebensmittelgeschäft, verkaufte Silberwaren und gehörte zum Reinigungspersonal der Union Pacific Railway. Bei der American Locomotive Co. arbeitete er sich zum Stützpunktleiter in Pittsburgh hoch. 1910 wurde er Werksleiter bei Buick, 1912 wurde er Präsident bei General Motors. 1917 ging er zur Chase Manhattan Bank und war für die Sanierung der Willys Corporation verantwortlich. 1921 übernahm er die Sanierung der Maxwall Motor Company. Dazu gehörte auch das Duesenberg-Werk, an dem Chrysler interessiert war. Dies wurde aber vom ehemaligen GM-Chef Durant übernommen. Chrysler übernahm den letzten Prototypen und die Maxwell-Mannschaft. Das Fahrzeug wurde zur Serienreife gebracht und trug den Namen Chrysler. 1929 wurde Chrysler vom Times Magazine zum "Man of the Year 1928" gewählt. Er war auch Bauherr des Chrysler Building in New York City.

 

03.09.1875 - Im böhmischen Maffersdorf wird als drittes Kind des Spenglers Anton Porsche der Sohn Ferdinand Porsche geboren. Der seit seiner Kindheit technisch sehr begabte Ferdinand arbeitete ab 1893 bei den Vereinigten Elektrizitätswerke-AG Béla Egger in Wien. 1896 meldete er ein Patent für seine Konstruktion des Radnabenelektromotors an. 1899 baute er den Lohner-Porsche, das erste Hybridfahrzeug der Welt. 1906 wechselte er zu Austro-Daimler in Wien. 1910 gewann er die "Prinz-Heinrich-Fahrt" mit einem von ihm selbst entworfenen Austro-Daimler. Nach dem 1. Weltkrieg baute er den Sportwagen Sascha, der einen Klassensieg bei der Targa Florio erzielte. Bis 1922 gewannen diese Rennwagen 51 x bei 52 Starts. 1923 wechselte er zur Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG).  1930 macht Porsche sich selbständig und eröffnet am 01.12.1931 in Stuttgart ein Konstruktionsbüro.  1933 entwickelt er für die Auto Union einen sehr erfolgreichen  Grand Prix-Rennwagen mit 16-Zylinder-Mittelmotor. 1935/1935 entwickelt er in Stuttgart drei Prototypen des "Kdf-Wagens", dem späteren VW Käfer. Nach dem Krieg wird Porsche 22 Monate in Frankreich inhaftiert. Am 30.01.1951 stirbt Ferdinand Porsche in Stuttgart.

  

 

1878

 

05.02.1878 - André-Gustave Citroen wird geboren. Sein von ihm gegründetes Unternehmen gehört noch heute zu den erfolgreichsten Automobilkonzernen, seit der Übernahme durch Peugeot 1975 im Konzern PSA.

 

 

1885

 

03.08.1885 - Gottlieb Daimler, einer der Pioniere des Automobils, meldet seinen Viertakt-Einzylindermotor zum Patent an. Ebenfalls im August, am 29.08.1885 erhält er das Patent DRP Nr. 36423 für seinen Reitwagen mit "Gas-.oder Petroleum-Kraftmaschine". Der Reitwagen gilt als das erste Motorrad der Welt.

 

 

1886

 

29.01.1886 - Carl Benz meldet mit der Patentschrift DRP 37435 sein "Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb" zum Patent an. Diese Patentschrift gilt als "Geburtsurkunde des Automobils". Damals ahnte noch niemand, wie diese Erfindung die Welt verändern würde. Am 03.07.1886 führt er die erste öffentliche Probefahrt mit seinem Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 Fahrzeug in Mannheim durch.

  

02.11.1886 - Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 ist der Name des ersten von Carl Benz erbauten Automobils mit Verbrennungsmotor. Das Patent für sein „Fahrzeug mit Gasmotorenantrieb“ wird als DRP Nr. 37435 am 2. November 1886 erteilt.  Es gilt als der erste praxistaugliche Kraftwagen der Welt und setzt somit die Geburtsstunde des modernen Automobils. Benz macht auf einem Kurbelveloziped (Tretkurbelfahrrad) seine entscheidenden Mobilitätserfahrungen und baut dann statt einer von ihm zunächst erwogenen Straßenlokomotive für den Kollektivverkehr ein leichtes motorisiertes Veloziped für Individualverkehr. Sein Patent-Motorwagen hat deutliche Anleihen aus dem Fahrrad- und Kutschenbereich. Der Wagen bleibt ein Einzelstück, ebenso wie sein direkter Nachfolger Patent-Motorwagen Nummer 2. Er wird zunächst zum Vierradwagen umgebaut und später ausgeschlachtet. 1903 wird er rekonstruiert. Der Benz Patent Motor-Wagen Nr. 1 steht heute als Dauerleihgabe im Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München.

 

 

1887

 

18.09.1887 - In Turin wird Giacinto Ghia geboren. Er gründet 1915, nachdem er aufgrund eines schweren Unfalls seine Tätigkeit als Testfahrer bei Diatto aufgeben muss, die Firma Carrozzeria Ghia. Er baut Karosserien für Diatto, Itala, S.C.A.T und später für Fiat, Lancia, Chrysler, Alfa Romeo oder Isotta Fraschini. Am 21.02.1944, kurz nach der Zerstörung seiner Anlagen bei einem Luftangriff, starb er nach kurzer Krankheit.  Die Firma wurde später von Luigi Segre übernommen, der zusammen mit Wilhelm Karmann jun. den berühmte VW Karmann Ghia schuf.

 

 

1888

 

05.08.1888 - Bertha Benz fährt mit ihren beiden Kindern im Wagen ihres Mannes Carl Benz (ohne dessen Wissen), dem dreirädrigen Benz Patent-Motorwagen Nummer 3,  die 106 km lange Strecke von Mannheim nach Pforzheim. Drei Tage später fuhr sie auf einem anderen Weg wieder zurück. Es ist die erste Überlandfahrt eines Automobils und gleichzeitig ist sie die erste Autofahrerin der Geschichte. Ihre Fahrt trägt wesentlich dazu bei, die noch bestehenden Vorbehalte der Kunden gegenüber dem Fahrzeug zu zerstreuen, wodurch in der Folge der wirtschaftliche Erfolg der Firma ermöglicht wird.

 

07.12.1888 - Der schottische Reifenpionier John Boyd Dunlop meldet das erste Patent für den Fahrradluftreifen an. Der Sohn einer Bauernfamilie studiert Tiermedizin und schließt sein Studium mit 19 Jahren ab. Zwei Jahre später eröffnet er eine Praxis in Dublin. Bei seiner Arbeit hantiert er immer wieder mit Gegenständen aus Kautschuk. 1887 konstruiert er seinen ersten luftgekühlten Gummireifen. Angeblich erfindet er diesen, damit das Dreirad seines elfjährigen Sohnes nicht so laut und dieser bei Rennen schneller gegenüber seinen Freunden sei.  Dazu wickelt er aus dünnen Gummiplatten zusammengeklebte Schläuche um die Räder und pumpt die Hüllen mit einer Fußballpumpe auf. Von einem lokalen Fahrradbauer lässt er 50 mit diesen Reifen ausgestattete Räder anfertigen. Gemeinsam mit dem Geschäftsmann William Harvey Du Cros, Vater eines erfolgreichen Radrennfahrers, und weiteren Teilhabern gründet Dunlop 1889 in Dublin das Unternehmen Pneumatic Tyre & Booth’s Cycle Agency, zieht sich aber sechs Jahre später aus dem Unternehmen zurück, da er mit den robusten Geschäftsmethoden von Du Cros nicht einverstanden ist. Den eher kleinen Profit aus dem Reifengeschäft steckt Dunlop in einer Dubliner Textilfabrik und führt ohne Aufsehen seine Tierarztpraxis weiter. Es wird die am längsten praktizierende Tierarztpraxis in Irland.

 

Frühjahr 1888 - Der Franzose Emile Roger erhält die alleinige Vertretung für Benz-Fahrzeuge und -Motoren in Frankreich. Damit startet der Automobil-Auslandsvertrieb. Bis 1893 verkauft Benz von den 69 produzierten Automobilen gut 60 % nach Frankreich, bis zur Jahrhundertwende sind es ein Drittel der Gesamtproduktion von 2300 Autos.

 

 

1889

 

28.05.1889 - Die Brüder Èdouard und André Michelin gründen das Unternehmen Michelin & Compagnie. Dazu übernehmen sie eine kautschukverarbeitende Produktionsstätte in Clermand-Ferrand. Zunächst produzieren sie Industrieabdichtungen, Gummibälle für Kinder und Bremsklötze für Kutschen. 1991 lässt sich Èdouard Michelin einen auswechselbaren Luftreifen patentieren und legt damit den Grundstein für die weitere Entwicklung des Unternehmens. 1895 nimmt "l'Eclair" (der Blitz) als erstes Auto auf Luftreifen an einem Autorennen von Bordeaux nach Paris und zurück teil.  1900 erscheint der erste Michelin-Führer (Guide Michelin) in einer Auflage von 35.000 Exemplaren und wird kostenlos an Autofahrer verteilt. Der Guide Michelin ist noch ein Werkstattführer mit wichtigen Informationen rund um das Auto und die Reifen; erst später wird er zum Reiseführer.

 

 

 

1893

 

28.04.1893 -  In Frankreich wird die Fahrradsteuer eingeführt, die auch Automobile und Motorräder besteuert. Diese neue Steuerquelle wird in der Folge von zahlreichen anderen Ländern übernommen.

 

10.08.1893 - Der erste Prototyp der von Rudolf Diesel patentierten "Neuen rationellen Wärmekraftmaschine" an. Heute ist sie unter dem Namen "Dieselmotor" weit verbreitet.

 

 

1894

 

22.07.1894 - Der erste Automobil-Wettkampf findet statt. Konzipiert war er als Zuverlässigkeitsfahrt, nicht als Wettrennen. Sämtlichen "pferdelosen" Wagen waren zugelassen, also Dampf-, Elektro- und Benzinbetriebene Fahrzeuge. Die 127 km lange Strecke führte von Paris nach Rouen. 21 Fahrzeuge gingen an den Start. Schnellster war Graf Albert de Dion auf seinem dampfbetriebenen De Dion, Boutin & Trépardoux. Sie benötigten 6:48 Stunden. Als Sieger galt aber ein benzinbetriebener Peugeot, da - wie erwähnt - nicht die Zeit für den Sieg gewertet wurde. Für die Zuschauer hingegen war de Dion der gefeierte Sieger.

 

01.12.1894 - In Paris erscheint mit "La Locomotion Automobile" (Die automobile Fort-bewegung) die weltweit erste Zeitschrift, die sich ausschließlich mit dem Automobilismus beschäftigt.

 

11.12.1894 - In Paris wird auf dem Champs-Elysées der erste Autosalon eröffnet.

 

 

1895

 

16.01.1895 - Der erste Omnibus des Automobilherstellers Carl Benz begibt sich auf der Strecke Siegen-Netpen-Nutz auf seine erste Fahrt.  Am 18.03.1895 nimmt die erste Bus-Linie der Welt ihren Betrieb auf. Mit einem 5 PS starken benzinbetriebenen Omnibus von Carl Benz fährt die Netphener Omnibusgesellschaft auf der Linie Deutz - Siegen.

 

10.02.1895 - In Uerdingen wird Hans Gustav Röhr geboren. Schon mit 17 Jahren konstruierte er ein eigenes Flugzeug, das das visionäre Talent Röhrs aufzeigte. Er setzte einen aus Motorradzylindern selbst konstruierten Fünfzylinder-Sternmotor ein. Nach dem Ersten Weltkrieg wechselte er zu Priamus, einem Kölner Hersteller von Auto- und Flugzeugmotoren. 1919 realisierte er bei Priamus seinen ersten Automobil-Prototyp. Nur ein Jahr später verließ er Priamus und baute seinen zweiten Prototypen. 1923 entwickelte er einen dritten Prototyp, den er vergeblich etablierten Automobilherstellern als Lizenzmodell anbot. Nun entschloss er sich, den Wagen unter eigenem Namen zu vermarkten. Mit Geldern der Stinnes-Unternehmerfamilie gründete er in Ober-Ramstadt die Röhr Auto AG und übernahm die Produktionsstätten der früheren Falcon Automobilwerke. 1927 startete die Fertigung mit dem Röhr 8, einem Modell der oberen Mittelklasse mit einem Achtzylindermotor. Obwohl der verbesserte Röhr 8 R erfolgreich anlief, geriet die Röhr Auto AG durch die Weltwirtschaftskrise in Schwierigkeiten  1931 musste er seine eigene Firma verlassen und wechselte zur Adlerwerke AG nach Frankfurt, wo er als Chefkonstrukteur den erfolgreichen Adler Trumpf entwickelte. 1935 wechselte er zur Daimler-Benz AG. Dort hatte er Schwierigkeiten, weil er aufgrund seiner französischen Ehefrau, die sich offen gegen das Nazi-Regime stellte, nicht als vertrauenswürdig galt. 1937 starb er überraschend an einer Lungenentzündung, die er sich kurz zuvor bei einer Cabriolet-Fahrt zugezogen hatte.

 

18.05.1895 - In Italien findet das erste Autorennen auf einem Rundkurs Turin-Asti-Turin statt. Die Distanz betrug 93 km. Von fünf startenden Fahrzeugen kamen drei ins Ziel. Auf einem Daimler, einem viersitzigen "Omnibus", wurde der Ingenieur Simone Federmann mit einem Schnitt von 15,5 km/h Sieger. Platz zwei und drei wurden von Motorrädern belegt, ein 6-sitziger Dampfwagen-Eigenbau und ein Benz fielen aus.

 

01.09.1895 -  Engelbert Zaschka wird in Freiburg im Breisgau geboren. Er war ein deutscher Oberingenieur, Konstrukteur und Erfinder, zählte zu den ersten deutschen Hubschrauberpionieren und war Pionier des Faltautos. Das Platz- und Parkplatzproblem der Ballungsgebiete inspirierte ihn in Berlin, das erste Faltauto zu konstruieren. Sein Zaschka-Stadtauto-Konzept hatte zum Ziel, kostengünstig und raumsparend zu sein. Nach Gebrauch konnte es zusammengeklappt und in der Wohnung verstaut werden, ganz nach der Devise: Kleinwagenkäufer sind sparsame Leute, eine Garage wäre für sie ein unbezahlbarer Luxus. An einem Rohrrahmen war ein Leichtbaugerippe befestigt, dieses wurde mit Stoff oder Vinyl umkleidet. Die beiden Vorderräder waren einzeln aufgehängt, hinten befand sich ein einzelnes Hinterrad. Eine Verbundkonstruktion, an deren Enden mechanische Aggregate befestigt waren, ersetzte das eigenständige Fahrgestell. Im Heck befand sich ein liftgekühlter Einzylindermotor, der das Hinterrad antrieb. Das zerleg- und faltbare Faltauto konnte innerhalb von fünf Minuten zerlegt oder aufgebaut werden. die Höchstgeschwindigkeit betrug 40 km/h. Eine Serienfertigung kam jedoch nicht zustande, da einerseits der Aufwand zu hoch war und andererseits zu jener Zeit fast kein Bauteil richtig ausgereift war. Das Konzept des Faltautos wurde 2009 vom spanischen Innovationszentrum Denokinn mit dem Massachusetts Institute of Technology weiterentwickelt, ein Prototyp des elektrischen Faltautos Hiriko wurde 2010 präsentiert. und sollte 2013 in Serie gehen.

 

08.09.1895 - "Aus diesem Stinkkasten wird nie mehr werden als ein Spielzeug  für Millionäre, die nicht wissen, wie sie ihr Geld wegwerfen sollen". So urteilte Adam Opel angeblich, als er kurz vor seinem Tod ein Automobil sah. Da konnte er nicht ahnen, dass seine fünf Söhne nur drei Jahre nach seinem Tod (08.09.1895) den bislang größten Fahrradhersteller Deutschlands zu einem der größten Automobilkonzerne umwandelten. 1962 gründete Adam Opel seine eigene Nähmaschinenmanufaktur in Rüsselsheim. 1886 begann er mit dem Bau von Fahrrädern. Zum 150jährigen Bestehen 2012 würdigte Opel seinen Firmengründer mit dem Modell "Adam".

 

12.11.1895 - In Paris wird mit dem Automobile Club de France der weltweit erste Verkehrsclub gegründet.

 

28.11.1895 - Der Times-Herald Contest gilt als das erste Autorennen in den USA. Dabei müssen die teilnehmenden Fahrzeuge mindestens drei Räder und Platz für zwei Personen haben, in jedem Auto fährt ein Schiedsrichter mit. Die Strecke beträgt 80 Kilometer. Aufgrund Schneefalls und eisiger Kälte erreichen nur zwei Fahrzeuge das Ziel, die anderen sechs Starter fallen aus. Sieger wird ein Duryea, Zweiter ein Mueller-Benz.

 

8.12.1895 - Der Buchhändler Václav Klement und der Schlosser Vàclav Laurin gründen in Mladá Boleslav (Böhmen) die Firma Laurin & Klement. Zunächst baut und repariert man Fahrräder. 1899 werden die ersten, sehr erfolgreichen Motorräder gebaut, ab 1905 Automobile. Der Typ A besitzt einen 1.100 ccm starken Zweizylindermotor mit 7 PS. 1927 wird das Werk an den Konzern Skoda verkauft, die Automobile laufen zunächst unter dem Namen "Laurin & Klement - Skoda", dann nur noch unter "Skoda". Der Bau von Fahr- und Motorrädern wird nach dem Verkauf eingestellt.

 

 

1896

 

26.06.1896 - Der Fuhrunternehmer Friedrich Greiner bestellt einen Daimler-Motorwagen Typ "Victoria" mit Taxameter zum Betrieb einer "Motor-Wagen-Kutscherei" in Stuttgart. Es ist das erste motorisierte Taxiunternehmen der Welt.

 

17.08.1896 - In London wird Bridget Driscoll das erste Todesopfer in einem Verkehrsunfall, an dem ein Automobil beteiligt ist

 

01.10.1896 - Gottlieb Daimler baut in Cannstatt bei Stuttgart den weltweit ersten motorisierten Lastwagen mit Namen "Phönix".

 

04.11.1896 - Mit dem "Locomotives on Highway Act" entfällt in Großbritannien die Rote-Fahnen-Regelung ("Red-Flag-Act) und die zulässige Höchstgeschwindigkeit wird auf zwölf Meilen pro Stunde - mit örtlichen Unterschieden - erhöht. Dieser „Unabhängigkeitstag der englischen Automobilgeschichte“ wird jedes Jahr mit der London-Brighton-Fahrt gewürdigt. Der „Red Flag Act“ war ein Gesetz im Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland, das 1865 eingeführt und 1896 wieder abgeschafft wurde. Es sollte dazu dienen, Unfälle im Straßenverkehr durch die immer weiter verbreiteten Dampfwagen zu vermeiden. Das Gesetz schrieb vor, dass ein Gefährt ohne Pferde oder ein Automobil mit einer Geschwindigkeit von maximal 4 Meilen (~ 6,4 km/h) in der Stunde fahren durfte. Innerhalb der Ortschaften betrug das Limit 2 Meilen pro Stunde. Bei jedem Automobil mussten zwei Personen zum Führen des Fahrzeugs anwesend sein, und ein Fußgänger hatte voraus zu laufen, der zur Warnung der Bevölkerung eine rote Flagge (red flag) tragen musste. Diese Regelung erzwang ein Geschwindigkeitslimit. Dennoch starben im Jahr 1875 Großbritannien 1589 Menschen in der Folge von Straßenverkehrsunfällen mit Dampfwagen und Lokomobilen. Seit Ende 1896 dürfen Autos und Kraftfahrzeuge wieder schneller als Fußgänger unterwegs sein. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit wird – je nach Gewichtsklasse – auf 5 bis 12 Meilen pro Stunde heraufgesetzt. Zur Feier dieses Anlasses organisieren Automobilfreunde am 14. November 1896 erstmals das London-Brighton-Autorennen, den „Emanicipatition Run“. Auch heute findet dieser London-Brighton-Run  noch statt. Teilnehmen dürfen nur Automobile, die vor 1905 gebaut wurden. Die Teilnehmer dürfen auf der 86 km langen Distanz eine Geschwindigkeit von 20 mph (32 km/h) nicht überschreiten. 2015 nehmen rund 380 Pioniere mit ihren Fahrzeugen aus der Anfangsgeschichte des Automobils teil. Gestartet wird – nach dem traditionellen Zerreißen einer roten Flagge – um 6.54 Uhr bei Sonnenaufgang. Wer bis 16.30 Uhr das Ziel in Brighton erreicht, erhält eine Medaille. 342 Fahrzeuge schaffen es rechtzeitig, die Ziellinie beim ältesten Automobilrennen der Welt zu überfahren.

 

03.12.1896 - Der Industrielle Heinrich Ehrhardt gründet die Fahrzeugfabrik Eisenach. Zunächst werden Geschütze und Fahrräder der Marke Wartburg gebaut. 1898 beginnt die Produktion des Wartburg-Motorwagens, ein Lizenzbau des französischen "Decauville". 1904 erhalten die Fahrzeuge den neuen Markennamen "Dixi". 1907 hat das Flaggschiff, der Vierzylindertyp "U 35" 7.320 ccm, mehr als 65 PS und erzielt damit einen Geschwindigkeit von 85 km/h. Dixi-Automobile gehören seinerzeit aufgrund ihrer Zuverlässigkeit und der hohen Fahrleistungen zu den renommiertesten Fahrzeugen. 1921 fusioniert man mit der Gothaer Waggonfabrik AG.  1927 wechselt man mit der Modellpolitik hin zum Kleinwagen und baut in Lizenz den englischen Austin 7 als Dixi 3/15 DA 1. Im November 1928 erwirbt die Bayerische Motoren Werke AG die "Dixiwerke" und steigt damit selbst in die Automobilproduktion ein. Dies ist der Beginn des Automobilherstellers BMW.

 

 

1897

 

14.04.1897 - In Paris stirbt an den Folgen eines Rennunfalls der französische Automobilpionier und Rennfahrer  Émilie Constans Levassor im Alter von 56 Jahren. Der Ingenieur gründete zusammen mit René Panhard 1886 die Firma Panhard & Levassor. 1890 wurde das erste Fahrzeug vorgestellt, noch mit einem Motor der Daimler-Motoren-Gesellschaft betrieben. Die beiden Automobilentwickler sorgten für verschiedene Neuerungen wie z.B. die Kombination eines vorn eingebauten Motors mit angetriebenen Hinterrädern. Mit den eigenen Fahrzeugen war Émilie Lavassor erfolgreich bei verschiedenen Autorennen unterwegs. 1896 verunglückte er jedoch beim Rennen Paris-Marseille-Paris schwer. Émilie Levassor gilt als erster Todesfall im Motorsport. Die Firma Panhard & Levassor gehört heute zur PSA-Gruppe und stellt nur noch Militärfahrzeuge her. Der letzte PKW war 1967 ein Panhard 24.

 

31.07.1897 - Im Rahmen einer Wettfahrt von Marseille nach Nizza führt die letzte Etappe über 17 Kilometer von Nizza hinauf in das Bergdorf La Turbie. Diese Etappe gilt als erstes Bergrennen der Automobilgeschichte.

 

30.09.1897 - Im Berliner Hotel Bristol wird der erste Automobilclub Deutschlands gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern des "Mitteleuropäischen Motorwagen-Vereins" gehören u.a. Friedrich Lutzmann, Carl Benz, Gottlieb Daimler, Rudolf Diesel, Graf Zeppelin und Edmund Rumpler. Es gibt auch eine Vereinszeitschrift, das Magazin "Der Motorwagen". Der MMV organisiert Wettfahrten, Vorträge und Ausstellungen. 1933 wird der Verein von den Nazis aufgelöst.

 

 

1898

 

18.02.1898 - Ferrari. Bei diesem Name brechen die meisten automobilinteressierten Menschen in der Regel in Begeisterung aus. Man denkt sofort an flache, rote, schnelle und sündhaft teure Sportwagen. Vater dieser Marke ist Enzo Anselmo Ferrari, der am 18.02.1928 in Modena geboren wird. Mit 16 Jahren erlernt er von seinem Vater das Handwerk des Schmieds, interessiert sich aber vielmehr für die neu aufkommende Technologie der Verbrennungsmotoren.  Schon im väterlichen Betrieb beginnt er mit der Vervollkommnung seines Wissens mit anfänglicher Durchführung von Reparaturen und später mit ersten Entwicklungen am Motor. Dann bewirbt er sich als Werksfahrer bei Fiat. Man stellt ihn nicht ein, da ihm die erforderliche Ausbildung fehlt. 1919 erwirbt er ein eigenes Fahrzeug und baut dieses auf. Durch seine Erfolge und Kenntnisse wird man auf ihn aufmerksam. Er wird Werkstestfahrer bei CMN.  Schnell wechselt er zu Alfa Romeo und ist dort 1920 bereits Chefwerksfahrer. 1929 gründet er seinen eigenen Rennstall, die Scuderia Ferrari. Er wird stellvertretender Leiter des Alfa Romeo-Teams, die Zusammenarbeit endet 1939.  Ab 1946 baut er im eigenen Unternehmen Ferrari hochleistungsfähige Straßenwagen. Sowohl im privaten Verkauf wie auch im Rennsport ist Ferrari eine der erfolgreichsten Automobilfirmen weltweit. Im Alter von 90 Jahren stirbt Enzo Ferrari am 14.08.1988 in seinem Geburtsort Modena.

 

15.6. bis 3.7.1898: Der von Albert de Dion organisierte erste Salon de l’Automobile in Paris präsentiert 232 Automobile.

 

29.08.1898 - Frank und Charles Seiberling gründen in Akron (Ohio) die Goodyear Tire & Rubber Company, benannt nach dem Entdecker der Vulkanisation und Begründer der modernen Gummiindustrie. Kautschukreifen für Kutschen und Fahrräder sowie Gummierzeugnisse wie Löschschläuche sind die ersten hergestellten Produkte. Heute ist die Firma der drittgrößte Reifenhersteller weltweit mit 64.000 Mitarbeitern.

 

17.09.1898 - Vorstellung des ersten Wartburg-Motorwagens nach Abschluss des Lizenz-vertrages mit der französischen Fa. Decauville fünf Tage zuvor durch die Fahrzeugfabrik Eisenach. Die Firma ist zu diesem Zeitpunkt gerade zwei Jahre alt und stellt zunächst Fahrräder und Geschütze her. Die erste Auslieferung des Wartburg-Motorwagens erfolgt bereits im Dezember 1898. Ein Jahr später beteiligt die Firma sich mit Rennfahrzeugen an Wettbewerben. Rund 250 Fahrzeuge werden in Eisenach gebaut, je nach Ausführung liegt der Preis zwischen 3500 und 3950 Mark. Der Kleinwagen hat in der ersten Version eine Phaeton-Karosserie und einen luftgekühlten Viertaktmotor mit 0,8 Liter Hubraum und 3,5 PS, die zweite Version hat einen wassergekühlten Motor mit maximal 5 PS und in der Rennversion mit 8 PS. Nun gibt es ihn als Tourenwagen in Luxusausführung und als Promenadenwagen mit Verdeck, das speziell für Frauen gedacht ist. Auch damals gibt es schon aufpreispflichtige Sonderausstattungen wie Schirmständer an der Seitenwand, Hupe mit Gummiball, geflochtene Seitenverkleidungen, Azetylenlampen, Lederpolster und ein Regenverdeck mit Klappmechanismus. Um 1900 gibt es mehrere Rennerfolge wie die Fahrt Berlin-Aachen (700 km), Wien-Graz-Wien. Am 24.11.1900 wird eine 1000-Meilen-Fahrt auf der Rennbahn des Crystallpalastes in London durchgeführt. Ohne Aufenthalt fährt ein Wartburgwagen die Strecke in 48 Stunden, 24 Minuten und 4 Sekunden, um beispielhaft die vollkommene Betriebssicherheit zu zeigen. 1904 scheidet der Firmengründer Heinrich Ehrhardt mit seinem Sohn Gustav aus der Firma aus und nimmt die auf seinen Namen laufenden Lizenzen mit. Daraufhin führt die Geschäftsführung die Marke Dixi für Automobile ein.

 

06.12.1898 - In Genf wird der Automobil Club der Schweiz gegründet.

 

18.12.1898 - Der französische Automobilpionier und Konstrukteur von Elektroautomobilen, Charles Jeantaud, stellt mit seinem Modell "Jeantaud Duc" den ersten offiziellen Geschwindigkeitsrekord für ein Landfahrzeug auf. In Archères im Departement Yvelines nahe Paris erreichte er eine Geschwindigkeit von 62,78 km/h. Zwischen 1893 und 1906 baut die Firma Jeantaud Alltagsfahrzeuge, basierend auf gängigen Kutschentypen wie Coupé, Gig, Victoria, Landaulet, Phaeton oder Cabriolet.

 

24.12.1898 - Louis Renault ist mit seinem in einem Schuppen selbst zusammengebauten Schuppen in Paris unterwegs - und erhält noch am gleichen Abend zwölf Aufträge zum Nachbau seines ersten Automobils, des später als Modell A bezeichneten Typs. Dieser Tag gilt als inoffizielle Geburtsstunde der Firma Renault. Zwei Monate später gründen seine Brüder Marcel und Fernand die Société Renault Frères, bei der Louis formell Angestellter ist und für die Konstruktion und den Bau der Voiturettes verantwortlich ist. Nachdem Marcel 1903 tödlich verunglückt und Fernand 1908 schwer erkrankt, übernimmt Louis das Unternehmen und leitet es bis 1944.

 

 

1899

 

03.01.1899 - In einem Editorial der New York Times wird erstmalig das Wort "automobile"(dt.: Automobil) verwendet.

 

21.01.1899 - Opel übernimmt die Anhaltische Motorwagenfabrik des Dessauer Automobil-pioniers und Konstrukteur Friedrich Lutzmann und wird Autohersteller. In Rüsselsheim wird der Opel Patentmotor "System Lutzmann" gebaut. Dieses Fahrzeug war vier Monate zuvor vom Dessauer Hofschlossermeister, Automobilpionier und Konstrukteur Friedrich Lutzmann im Hotel Bristol in Berlin auf der ersten IAA ausgestellt worden. Das Fahrzeug besitzt einen 1,5-Liter-Einzylindermotor im Heck, leistet 3,5 PS und sorgt für eine Beschleunigung von 20 km/h. Von diesem Fahrzeug werden in den ersten drei Jahren insgesamt 65 Exemplare hergestellt.

 

25.02.1899 - Die Société Renault Fréres wird von Louis, Fernand und Marcel Renault offiziell gegründet. Doch schon zuvor am Weihnachtsabend 1898 war Louis Renault mit seinem selbst zusammengebauten hölzernen Automobil in Paris unterwegs und erhielt am gleichen Abend 12 Aufträge für Nachbauten seines Automobils.

 

10.03.1899 - In Frankreich wird der Führerschein mit Fahrprüfung Pflicht. Der erste Führer-schein der Welt wurde bereits am 01.08.1888 vom Großherzoglich Badischen Bezirksamt Mannheim für Carl Benz ausgestellt.

 

19.03.1899 - Reinhard Freiherr von Koenig-Fachsenfeld wird geboren. Er war ein deutscher Ingenieur, Erfinder und Automobil- und Motorradrennfahrer. Er war in der 250-cm³-Klasse der erste Deutsche Motorrad-Straßenmeister, gewann 1925 auf der Solitude und brach Geschwindigkeitsrekorde. Später wandte er sich der Fahrzeugaerodynamik und entwickelte Stromlinienkarosserien (z.B. einen Maybach SW 38). Mit einem von ihm aerodynamisch optimierten Mercedes SSKL gewann Manfred von Brauschitsch 1932 auf der AVUS.

 

12.04.1899 - Die Zürcher Patent-Motorwagen-Fabrik Rapid übernimmt eine Lizenz von Egg & Egli (ein seit 1896 existierendes Automobilunternehmen) und beginnt mit der Produktion von Automobilen mit dem Markennamen Rapid. Dieses ist ein Dreirad mit einem wassergekühlten Einzylindermotor, der in Mittelbauweise vor dem Hinterrad montiert ist und eine Leistung von mehr als 3 PS hat. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 45 km/h. Nach 1 1/2 Jahren und etwa 100 Fahrzeugen endet die Produktion.

 

29.04.1899 - Das Fahrzeug "La Jamais Contente" erreicht als erstes Straßenfahrzeug eine Geschwindigkeit von 100 km/h. Der Rekord wird in Achères im Departement Yvelines bei Paris erzielt. Der Rekordwagen wird elektrisch betrieben, Fahrer ist der belgische Ingenieur und Rennfahrer Camille Jenatzy. Dieser siegte 1903 beim Cordon Bennett-Cup für Mercedes und sorgte damit für den ersten internationalen Sieg des deutschen Automobilherstellers.

 

04/1899 - In Mailand wird von Cesare Isotta und Vincenzo Fraschini die Fabbrica Automobili Isotta Fraschini gegründet. Zunächst beschränken sie sich auf die Montage und den Vertrieb von Renault-Fahrzeugen. Ab 1903 stellen sie ihre ersten eigenen Modelle mit 4,8, 5,5 oder 7,5 Liter Hubraum und Kettenantrieb vor.  1905 bauen sie den Rennwagen Tipo D mit einem 17.203 ccm großen Vierzylindermotor. 1907 wird der Sieg bei der Coppa Florio gefeiert. Von 1907 bis 1908 gehört die Firma kurzfristig dem französischen Luxusautomobilhersteller Lorraine-Dietrich. Nach dem Ersten Weltkrieg beginnt Isotta-Fraschini mit der Produktion von Luxusautomobilen. Das erste Modell ist 1919 der Tipo 8 mit einem großen Achtzylinder-Reihenmotor. Durch dieses Modell und den Nachfolger Tipo 8A (ab 1924) erwirbt sich die Firma den Ruf als Hersteller äußerst hochwertiger Fahrzeuge und konkurriert mit Firmen wie Rolls-Royce und Hispano-Suiza. Zu den Kunden gehören berühmte Schauspieler wie Greta Garbo und Rudolph Valentino, aber auch der Vatikan. Viele Fahrzeuge werden in die USA exportiert. Doch die Weltwirtschaftskrise und der Bau von Luxuswagen durch amerikanische Hersteller machen Isotta-Fraschini zu schaffen. 1936 wird überraschend die Produktion von Personenwagen eingestellt. Isotta Fraschini baut nun zusammen mit Zagato Lastkraftwagen für die italienische Armee. Da die Werksanlagen im Krieg weitestgehend unzerstört bleiben, geling es Isotta Fraschini, bereits 1946 mit dem Tipo 8C Monterosa ein komplett neu konstruiertes Automobil vorzustellen. Die luxuriöse viertürige Limousine besitzt eine moderne Karosserie im und einen 120 PS starken V8-Motor im Heck. Es entstehen jedoch nur 20 Exemplare, aufgrund des hohen Preises ist eine Serienfertigung nicht möglich. 1949 endet die Automobilproduktion endgültig. 

 

14.05.1899 - Ausgerichtet vom Westdeutschen Automobilclub findet das erste internationale Automobilrennen statt. Die "Fernfahrt  Aachen - Coblenz" geht über 146 Kilometer und hat ein gerade aus heutiger Sicht bemerkenswertes Reglement: "Zugelassen zum Rennen sind alle Fahrzeuge, welche ihre Energie mit Ortsveränderung in sich tragen und von einem geübten Sachkundigen geleitet werden... Die Distanzfahrt nach Coblenz beginnt in Aachen, Jülicher Chaussee, Kilometerstein 6 um 9 1/2 Uhr morgens... Die Route der Distanzfahrt ist folgende: Jülich, Cöln, Bonn, Sinzig, Coblenz, insgesamt 146 Kilometer. In jedem der genannten Orte ist eine Kontrollstelle eingerichtet mit Depot für Benzin, Oel, etc. Jeder Teilnehmer erhält mit der Bestätigung seiner Meldung eine genaue Karte obiger Route... Ein Wechsel der Fahrzeuge während der Distanzfahrt ist nicht gestattet. Am Ausgangspunkt werden alle teilnehmenden Fahrzeuge plombiert und erhalten diese sowohl, als auch die Fahrer eine Nummer... An den genannten Stationen werden Kontrolleure anwesend sein, welche über die Ankunfts- und Abgangszeit der Fahrzeuge, sowie sonstige Vorkommnisse Notizen machen werden. Start und Ziel, sowie die Kontrollstationen sind durch eine Aufschrift kenntlich gemacht. Die Kontrolleure tragen eine Armbinde..." Von den 25 gemeldeten Fahrzeugen starteten nur 14. Sieger war Carl Cudell auf einem Motordreirad der Aachener Firma Cudell.

 

11.07.1899 - Von neun Gründungsmitgliedern, darunter Giovanni Agnelli sen., wird die Firma Fiat gegründet, das erste Modell war noch im gleichen Jahr der 3 1/2 HP, von dem bis zum darauffolgenden Jahr 20 bzw. 24 Exemplare hergestellt wurden. .Der 3 1/2 HP hatte einen Zweizylinder-Heckmotor mit 679 ccm Hubraum und 4,2 PS. Damit konnte eine Geschwindigkeit von 22 km/h erreicht werden. Heute existieren noch mindestens vier Exemplare

 

16.-24.07.1899 - Die Tour de France für Automobile wird erstmals durchgeführt. Der Sieger René de Knyff braucht auf einem Panhard & Levassor für die Strecke von Paris über Vichy und Nantes zurück nach Paris fast zwei Tage.

 

24.07.1899 - In Detroit, Michigan (USA) gründet der Geschäftsmann William H. Murphy das Unternehmen Detroit Automobile Company. Konstrukteur der Firma wird Henry Ford, dessen zweiter Prototyp Murphy dazu bewegt hat, die Firma zu gründen. Ziel ist die Produktion von Personenkraftwagen. Da Henry Ford allerdings noch am Entwickeln ist, entsteht als erstes Fahrzeug ein Lieferwagen namens Detroit. dann folgen rund 20 Fahrzeuge, doch schon im Januar 1901 wird das Unternehmen wieder aufgelöst. Daraufhin gründet Henry Ford am 03.11.1901 die Henry Ford Company, die jedoch nur zwei Rennwagen baut. Die Henry Ford Company wird vom Manager Henry Martyn Leland übernommen, der die im August 1902 in Cadillac Motor Company umbenennt.

 

03.08.1899 - Alexandre Louis Chiron wird in Monte Carlo geboren. In seiner 30jährigen Rennfahrerkarriere fährt der Monegasse ab 1926 zunächst mit einem privaten Bugatti erfolgreich bei kleineren Rennen und Bergrennen. An der Organisation  ersten Großen Preises von Monaco 1929 ist er maßgeblich beteiligt. In den 20er und 30er Jahren siegt er u.a. bei fast allen bedeutenden Rennen seiner Zeit, u.a. für Alfa Romeo, Mercedes-Benz. Nach dem Krieg fährt er zwischen 1950 und  1955 in der Formel 1 für Maserati, Maserati-Talbot, OSCA und Lancia Mit einem Lancia D50 bestreitet er 1955 im Alter von fast 56 Jahren seinen letzten Grand Prix und ist bis heute damit der älteste Fahrer, der je bei einem Weltmeisterschaftslauf der Formel 1 ein Rennen bestritten hat. Auch nach seinem Rücktritt vom aktiven Rennsport 1956 bleibt er diesem verbunden und organisiert bis zu seinem Tod 1979 weiterhin den Großen Preis von Monaco und die Rallye Monte Carlo. 2016 wird der Bugatti Chiron nach ihm benannt.

 

11.08.1899 - Gründung von Austro-Daimler. Die Firma Österreichische Daimler Motoren Gesellschaft wird als Tochter der deutschen Daimler-Motoren-Gesellschaft (Cannstatt) gegründet. Austro-Daimler ist das Drahtwort der Firma und wird auch außerhalb des Telegrammwesens zu deren geläufigen Kurzbezeichnung. Die „Oesterreichische Daimler-Motoren-Commanditgesellschaft Bierenz Fischer u. Co in Wiener Neustadt und Wien“ wird am 11. August 1899 mit einem gezeichneten Kapital von 200.000 Gulden als Tochtergesellschaft der deutschen Daimler-Motoren-Gesellschaft gegründet. Zusätzlich sind beteiligt: Eduard Bierenz, ein Freund Gottlieb Daimlers, sowie Eduard Fischer, Besitzer einer Eisengießerei. Eduard Fischer ist somit Mitbegründer der Daimler-Motoren-Gesellschaft, der er bis zum 1. Juni 1920 angehört. Danach übernimmt er den Posten des Direktors in der „Messing- und Metallwarenfabrik Nadelburg“ bei Lichtenwörth, wo er für Daimler u. a. auch Kühler produzieren lässt. Zwischen dem Stammwerk in Cannstatt und dem neuen Werk in Wiener Neustadt werden Facharbeiter ausgetauscht. Für diese Zeit wird die Zahl der am österreichischen Standort Beschäftigten mit 70 bis 80 angegeben. Im Jahr 1900 wird in Wiener Neustadt das erste Automobil hergestellt, ein Viersitzer mit Zwei-Zylinder-Motor. Die Produktion umfasst darüber hinaus auch Lastwagen, Omnibusse, Schiffsmotoren und Schienenfahrzeuge.

 

13.09.1899 - In New York City wird  der 69jährige Henry Bliss das erste US-amerikanische Todesopfer bei einem Autounfall. Als er am Abend des 13.09.1899 an der Ecke West 74th Street und Central Park West aus einer Straßenbahn aussteigt, wird er von einem elektrisch angetriebenen Taxi erfasst, schwer verletzt und erliegt am darauffolgenden Morgen seinen Verletzungen. Der Taxifahrer wird zunächst verhaftet und wegen Mordes angeklagt. Mit der Begründung, dass keine Absicht vorlag, wird er später freigelassen.

 

14.11.1899 - In Köln-Ehrenfeld wird die August Horch & Cie. gegründet. August Horch leitete zuvor den Automobilbau der Firma Carl Benz in Mannheim. Im Juli 1900 entsteht das erste Fahrzeuge das „Modell 1“. Dieser wird im Januar 1 vorgestellt. Aufgrund der nicht ausreichenden räumlichen Begebenheiten erfolgt schon im März 1901 zunächst der Umzug nach Reichenbach im Voigtland. Da die heimische Unternehmerschaft die Erweiterung von Horchs Betrieb missbilligt, erfolgt 1903 mit Unterstützung neuer Investoren der Umzug nach Zwickau. Am 10.04.1904 wird dort die August Horch & Cie. Motorwagenwerke AG ins Handelsregister eingetragen. Horch-Automobile zeichnen sich durch Qualität, Luxus und technischen Fortschritt aus. 1909 scheidet August Horch im Streit mit den Gesellschaftern bei der Firma Horch aus und gründet die Audi Automobilwerke gmbH, Zwickau. 1918 firmieren die August Horch & Cie. Motorwagenwerke AG zur Horchwerke AG Zwickau um. 1926 wird der Typ 303 (12/60) als erste deutsches Serienfahrzeug mit einem Achtzylindermotor vorgestellt, im Herbst 1931 präsentiert Horch den von Chefkonstrukteur Fritz Fiedler entwickelten Horch 670 mit einem Zwölfzylindermotor. Im Juni 1932 erfolgt der Zusammenschluss der Marken Horch, Audi, DKW und der Autosparte von Wanderer zur Auto Union. Horch steht auch weiterhin für Luxusfahrzeuge, ist aber auch verantwortlich für die erfolgreichen Auto Union Rennwagen Typ A bis D. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist das Horch-Werk in Zwickau stark beschädigt. 1948 wird das Werk zwangsenteignet und geht in die VEB HORCH Kraftfahrtzeug- und Motorenwerke Zwickau auf. Dort wird ab 1954 der IFA H3A gebaut, ab 1954 entsteht mit dem Sachsenring P 240 wieder ein Oberklasse-Fahrzeug auf höchstem technischen und gestalterischem Niveau. 1957 verschwindet die Bezeichnung Horch nach einer erfolgreichen Klage der westdeutschen Auto Union.

 

28.11.1899 - Die Allgemeine Automobil-Gesellschaft Berlin GmbH wird gegründet. Die AAG produziert ein eigenes Modell, einen Kleinwagen mit Einzylindermotor und einer Leistung von 5 PS.  Der Wagen wird nach seinen Konstrukteur Georg Klingenberg auch "Klingenberg-Wagen" genannt. Außerdem vertreibt die AAG motorisierte Dreiräder und Elektrowagen anderer Hersteller.  Schon 1901 endet die Produktion und wird von der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft übernommen. Diese gründet anschließend die Neue Automobil-Gesellschaft (NAG).