Überarbeitet: Rückblick Automobilhistorie

14.08.2020

Nach einem kleinen "Umbau" findet ihr jetzt rechts alle Meldungen chronologisch nach Jahrzehnten sortiert. Jeden Monat kommen weitere Ereignisse hinzu, mal etwas umfangreicher beschrieben, mal nur eine kurze Notiz. Grundlage für diese Chronik sind zahlreiche Bücher, die mein Regal schmücken, Fachmagazine oder - jetzt bitte nicht verständnislos mit dem Kopf schütteln - Wikipedia. 

Januar 2021

 

 

Vor 130 Jahren

 

26.01.1891 – Es gibt Personen, die die Automobilgeschichte maßgeblich geprägt haben. Dazu gehört Nicolaus August Otto. Der am 10. Juni 1832 in Holzhausen an der Haide im Taunus geborene Sohn einer Land- und Gastwirtsfamilie durchläuft zunächst eine Lehre als Kaufmann und verdient sich seinen Lebensunterhalt als Handlungsgehilfe in Frankfurt am Main und in Köln. 1862 beginnt er mit ersten Experimenten mit Viertaktmotoren, die aber erst ab 1876 zum Einsatz kommen. Seine erste Gaskraftmaschine baut er 1863. Ein Jahr später gründet er zusammen mit dem Ingenieur Eugen Lange die erste Motorenfabrik der Welt, die „N.A. Otto & Cie.“, die am 05.01.1872 zur Gasmotoren-Fabrik Deutz AG umgewandelt wird. 1876 gelingt es Otto, einen Viertaktgasmotor mit verdichtetet Ladung zu entwickeln, der durch Wilhelm Maybach und Gottlieb Daimler zur Serienreife gebracht wird. Dieser auf Grundlage einer Erfindung von Étienne Lenoir nach dem Viertaktprinzip entwickelte Gasverbrennungsmotor ist die Grundlage für den Bau von Verbrennungsmotoren bis zum heutigen Tag. 1867 präsentiert die Firma ihre Version eines Gasmotors der Öffentlichkeit auf der Pariser Weltausstellung und wir mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. 1884 erfindet Otto für seine Gasmotoren die elektrische Zündung, durch die es möglich wird, auch flüssige Brennstoffe alternativ zum bisher ausschließlich verwendeten Gas zu benutzen. Unabhängig von einander haben jedoch schon vor Ottos Erfindung des Viertaktmotors Christian Reithmann 1860 und Alphonse Beau de Rochas 1862 jeweils Patente auf den Viertaktmotor erhalten. Am 30.01.1986 und auch 1889 werden die „Otto-Patente“ der Gasmotorenfabrik Deutz in Deutschland und nachfolgend in anderen Ländern für nichtig erklärt. Durch eine Geheimvertrag mit Reithmann, der Zahlung von 25.000 Mark und eine Rente auf Lebenszeit darf Otto sich weiter als deutscher Erfinder des Viertaktmotors bezeichnen. Erst 1949 wird dies durch Arnold Langen, den Biograf von Nicolaus Otto, bekannt. 1882 erhält Otto die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Würzburg. Der Autodidakt Nicolaus Otto absolviert nie ein Hochschulstudium. Der heutige Begriff „Otto-Motor“ ist jedoch nicht die Bezeichnung seines damaligen Motors, sondern wird 1936 zu seiner Ehrung vom VDI für alle Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung vorgeschlagen und 1946 in einer DIN-Norm eingeführt. Am 26, Januar 1891 verstirbt Nicolaus Otto in Köln.

 

 

Vor 120 Jahren

 

19.01.1901 - Der Verein deutscher Motorfahrzeug-Industrieller (VDMI) wird gegründet. In Eisenach treffen sich dazu im Hotel Kaiserhof Gustav Vischer (Daimler-Motoren-Motorengesellschaft, Cannstatt), Eugène de Dietrich (De Dietrich et Co., Niederbronn), Ben Rachor (Adlerwerke, vormals H. Kleyer, Frankfurt am Main), Gustav Ehrhardt (Fahrzeugfabrik Eisenach), Willy Tischbein (Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Compagnie, Hannover), Moritz Hille (Dresdner Gasmotorenfabrik, vorm. Moritz Hille), Wilhelm Opel (Adam Poel KG, Rüsselsheim), Karl Fichtel (Schweinfurter Präcisions-Kugellager-Werke Fichtel & Sachs) und Gustav Freund von der Automobiltechnischen Gesellschaft. Zum Ersten Vorsitzenden wird Gustav Vischer gewählt, Eugène de Dietrich wird sein Stellvertreter. Der VDMI setzt sich für die Förderung des Straßenverkehrs ein, tritt gegen belastende behördliche Maßnahmen und für Zollschutz und Kontrolle von Autoausstellungen ein. Eine Vereinbarung des VDMI ist z. B. die 1906 eingeführte Luxussteuer für Automobile, aus der sich hubraumabhängige Steuerklassen ergeben, in die Typenbezeichnung einfließen zu lassen. Aus einem Mercedes 45 PS wurde so der Mercedes 26/45 PS. Diese Steuer-PS war typisch für die Typenbezeichnungen bis Ende der 1920er-Jahre. 1923 wird der Verband in Reichsverband der Automobilindustrie (RDA) umbenannt. In der Zeit des Nationalsozialismus gehen die Aufgaben des RDA 1934 auf die neu eingerichtete Wirtschaftsgruppe Fahrzeugindustrie über. Der RDA ist nur noch für Vermögensverwaltung, Automobilausstellungen und Traditionspflege zuständig, nicht aber mehr für Interessenvertretung und Wirtschaftspolitik. Mit Kriegsende im Mai 1945 wird der Verband faktisch aufgelöst. Im September 1945 wird in der britischen Zone der Produktionsausschuss der Automobilindustrie (PADA) in Hannover-Linden gegründet und am 02.05.1946 in Verband der Automobilindustrie (VDA) umbenannt.

 

30.01.1901 – In Remagen wird Otto Wilhelm Rudolf Caracciola geboren. Seine ersten Fahrversuche unternimmt der Sohn eines Hoteliers und Weinhändlers mit Unterstützung seiner Eltern schon sehr früh mit einem Mercedes 16/45 und darf bereits im Alter von 15 Jahren mit einer Sondererlaubnis den Führerschein machen. Nach seinem Abitur arbeitet er zunächst als Volontär bei der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau AG in Köln und wechselt von dort als Verkäufer zum Aachener Automobilbauer Fafnir. 1922 startet seine Rennfahrerkarriere, als er das Motorradrennen „Rund um Köln“ gewinnt und als Fafnir-Werksfahrer beim AVUS-Rennen in Berlin den vierten Platz belegt. Nach einem Sieg auf einem Ego-Kleinwagen in Berlin bewirbt er sich bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft. 1923 fährt er als Werksfahrer in Baden-Baden sein erstes Rennen auf einem Mercedes-6/25/40-PS-Kompressor-Sportwagen und erzielt in diesem Jahr elf weitere Siege. 1926 gewinnt er bei widrigen Wetterbedingungen auf einem Mercedes-2-Liter-8-Zylinder-Rennwagen „Monza“ den ersten großen Preis von Deutschland auf der Berliner AVUS, im darauffolgenden Jahr das erste Automobilrennen auf dem Nürburgring. In den nachfolgenden Jahren wird er – überwiegend auf Mercedes-Benz – der erfolgreichste Rennfahrer der Vorkriegszeit. 1935, 1937 und 1938 wird er Grand-Prix-Europameister (Mercedes-Benz W 25, W 125 und W 154), gewinnt 1926, 1928, 1931, 1932, 1937 und 1939 den Großen Preis von Deutschland, insgesamt neunmal die Großen Preise von Italien (1934, 1937) Frankreich (1935), der Schweiz (1935, 1937, 1938) von Belgien (1935), Spanien (1935) und Monaco (1936). 1931 siegt er auf einem Mercedes-Benz SSKL als erster Nichtitaliener bei der legendären Mille Miglia und wird 1930, 1931 und 1932 Berg-Europameister. Nach dem Krieg versuchte er sein Comeback. 1952 wird er im Mercedes-Benz 300 SL vierter bei der Mille Miglia. Im gleichen Jahr verunglückt er schwer bei einem Sportwagenrennen in Bern, erleidet einen dreifachen Bruch des linken Unterschenkels und muss seine Rennsportkarriere endgültig beenden. Am 28,09,1959 erliegt er in Kassel im Alter von 58 Jahren einem Leberversagen und wird – seit 1949 besitzt er die Schweizer Staatsbürgerschaft – in Lugano-Castagnola beerdigt.

 

01/1901 – In Springfield, Massachusetts, gründen George Hendee und Oscar Hedstrom den weltweit ersten Hersteller von Serienmotorrädern, die Firma Indian. Hendee besitzt bereits Ende der 1890er Jahre ein Fahrradfabrik, während Hedstrom um 1899 erste Motor-Tandem für Steherrennen in New York entwickelt. Im ersten Jahr entstehen drei Indian-Motorräder, 1902 sind es 143 Exemplare und bis Ende 1906 werden 3948 Motorräder mit Einzylinder-Motoren gebaut. 1904 wird der Gasdrehgriff und 1905 die Pendelgabel (beides Patente von Hedstrom) erstmals von Indian bei einem Motorrad eingeführt. 1907 erscheint bei Indian das erste Zweizylinder-Modell mit V-Motor. Zwischen 1913 und 1917 ist die Firma die größte Motorradfabrik der Welt und beschäftigt über 3000 Mitarbeiter, die 32.000 Motorräder pro Jahr fertigen. 1916 erfährt Indian mit der Einführung der Seitenventil-Steuerung bei den Power-Plus-Modellen eine technische Aufrüstung, die kaum ein anderer amerikanischer Hersteller zu bieten hat. 1920 erscheint die erste Scout, 1923 das bis 1953 gebaute größere Modell Chief. Diese Modelle prägen in den 20er und 30er Jahren das öffentliche Bild der USA, da sie von bis zu 70 Prozent der Motorradpolizisten gefahren werden. Mit der Übernahme der Firma Henderson/Ace wird Indian 1927 zu einem Pionier im Bau von Vierzylinder-Motorrädern. Ab 1942 wird nur noch für militärische Zwecke produziert, erst ab 1947 wird die zivile Produktion wieder aufgenommen, zunächst jedoch nur noch mit der Chief, die weiterentwickelt wird. Zwischen 1949 und 1952 bringt Indian drei neu entwickelte Motorräder mit Einzylindermotor auf den Markt. Hedstrom und Hendee verkaufen bereits 1913 bzw. 1916 ihre Anteile. In den nachfolgenden Jahren wechselt die Firmenleitung mehrfach. 1945 übernimmt eine Investmentgruppe Indian und plant mit kleinen und leichten Modellen einen neuen Kundenkreis zu gewinnen. Konstruktive Fehler und Management-Fehler sowie die Abwertung des für den wichtigen englischen Markt relevanten Pfund Sterling führen zum Niedergang der Firma und 1953 muss Indian Konkurs anmelden. Der Markenname wechselt danach mehrfach, mehrere Wiederbelebungsversuche scheitern. Erst 2013 gelingt ein Neustart mit der Indian Chief Classic, der Chief Vintage und der Chieftain.

 

 

Vor 110 Jahren

 

21.01.1911 - Die erste Rallye Monte Carlo findet statt. Dabei handelte es sich noch um eine Sternfahrt. Gestartet wurde in Genf, Paris, Boulogne.sur-Mer, Berlin, Wien und Brüssel, Ziel war Monaco. Mit dieser Rallye sollte der Tourismus im Winter für Monaco angekurbelt werden. An der ersten Rallye Monte Carlo nahmen 20 Teilnehmer teil, erster Sieger war Henri Louis Rougier auf einem Turcat-Mery 25 HP. Den 2. Platz belegte - wie auch im Folgejahr - ein Bielefelder Dürkopp-Modell. 1960 gewinnt Walter Schock als erster Deutscher auf einem Mercedes-Benz 220 SE die Rallye Monte Carlo. Walter Röhrl steht in den Jahren 1980 (Fiat 131 Abarth), 1982 (Opel Ascona 400), 1983 (Lancia Rallye 037) und 1984 (Audi quattro) ganz oben auf dem Podest. Zwischen 1927 und 200 wird zusätzlich eine Damenwertung ausgetragen, bei der Isolda Holderied 1993, 1994, 1995, 1997 und 1999 gewinnt (4x auf Mitsubishi, 2x auf Toyota).

 

 

Vor 70 Jahren

 

30.01.1951 – Unzählige Automobilkonstruktionen sind mit seinem Namen verbunden: Ferdinand Porsche. 1900 das weltweit erste Fahrzeug mit Allrad-Antrieb, der Lohner-Porsche. Nach dem ersten Weltkrieg der Sportwagen Sascha, der bis 1922 bei 52 Starts 51.mal gewann, unter anderem bei der Targa Florio. 1924 der Mercedes-Benz Typ 630 (24/100/140 PS), ab 1926 die Mercedes-Benz-Typen S, SS und SSK. 1933 Entwicklung des Grand-Prix-Rennwagen für die Auto Union mit einem 16-Zylinder-Mittelmotor. Die vermutlich wirtschaftlich bedeutendste Entwicklung aus der Hand von Ferdinand Porsche war der KdF-Wagen, der spätere VW Käfer. Seine wichtigsten Entwicklungen waren der Radnabenmotor (1897), das Lohner-Porsche-Elektromobil (1899), die Drehstabfederung (Patent 1931), die Mittelmotorbauweise in Rennwagen (1933) und die Getriebesynchronisierung (Porsche-Synchronisierung, Patent 1953). Geboren wird Ferdinand Porsche am 03.09.1875 im böhmischen Maffersdorf als drittes Kind des Spenglers Anton Porsche. Er zeigt schon früh sein außergewöhnliches technisches Talent und installiert in der väterlichen Spenglerei eine elektrische Beleuchtungsanlage. Nach einer Lehre im Betrieb seines Vaters besucht er in Abendkursen die Reichenberger Staatsgewerbeschule. 1893 tritt er in die Vereinigte Elektrizitäts-AG Béla Egger in Wien ein und steigt in vier Jahren vom Mechaniker zum Leiter der Prüfabteilung auf. 1899 wechselt er zu den Lohner-Werken, entwickelt das Porsche-Lohner-Elektroauto und das erste Automobil mit Allradantrieb. 1906 wird er Entwicklungs- und Produktionsleiter von Paul Daimler bei der Österreichischen Daimler-Motoren-Gesellschaft (Austro-Daimler) in Wien. 1917 wird er Generaldirektor von Austro-Daimler. Ab 1923 arbeitet er in Stuttgart als Leiter des Konstruktionsbüros und Vorstandsmitglied der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG). Von Anfang 1929 bis April 1930 ist er technischer Vorstand der Steyr-Werke. Am 25.04.1931 gründet er mit dem Kaufmann und Rennfahrer Adolf Rosenberger und seinem Schwiegersohn Anton Piech die „Dr. Ing. h. c. F. Porsche GmbH, Konstruktionen und Beratung für Motoren und Fahrzeuge“ in Stuttgart, aus der später die heutige, zum Volkswagenkonzern gehörende Porsche AG hervorgeht. Am 30. Januar 1951 stirbt Ferdinand Porsche im Alter von 75 Jahren.

 

 

Vor 60 Jahren

 

1/1961 - In Stuttgart wird der 40.000 Porsche, ein 356 B, gebaut. Im Jahr zuvor hat der 356 B seinen Vorgänger 356 A abgelöst. Optisch unterscheidet er sich vom Vorgängermodell u.a. durch den um zehn Zentimeter höher positionierten vorderen Stoßfänger mit vergrößerten Felgenhörnern sowie durch die ebenfalls höher gesetzten Scheinwerfer. Die Hupengitter neben den weiter herausragenden vorderen Blinkern sind flacher und haben zwei verchromte Lamellen. Zudem ist der Fronthaubengriff nach unten breiter.

 

 

02.01.1961 - Das erste Porsche 356 B Hardtop-Coupé läuft bei Karmann  vom Band. In Osnabrück werden die vollausgestatteten Fahrzeuge gebaut, es fehlen jedoch Fahrwerk und Motor. Beides wird noch in Stuttgart ergänzt. Die Version mit 65 PS kostet 13.000 DM, der Super 75 rund 14.000 DM und der 1600er Super 90 15.300 DM - dafür bekommt man mehrere Volkswagen Käfer. Nur knapp 2.000 Hardtop-Coupés verlassen in zwei Jahren Bauzeit das Osnabrücker Werk, danach wird nur noch normale Coupé-Karosserien für die Stuttgarter gebaut.