Im vergangenen Jahr gab es aus meiner Sicht auf der Bremen Classic Motorshow nicht nur viel Licht, sondern auch ein wenig Schatten – in erster Linie aufgrund eines Überangebots an Youngtimern der 1990er- und 2000er-Jahre. Ich war gespannt darauf, wie es in diesem Jahr wird. Kurz gesagt: Die „Beleuchtung“ in diesem Jahr war perfekt, Schatten habe ich im Grund nicht gefunden. Hier mein detaillierter Eindruck der diesjährigen BCM:
Die Anfahrt erfolgte wie immer mit der Deutschen Bahn. Die war ungewöhnlich: Eine reibungslose Fahrt, ein sympathischer, oldtimer-affiner Zugbegleiter und Sitzplätze in der 1. Klasse. Das muss doch erwähnt werden! Die Rückfahrt verlief übrigens ebenso reibungslos und pünktlich!
Wie immer startete ich bei den Zweirädern. Ein kurzer Schnack mit Klaus Wirl beim Veteranen-Fahrzeug-Verband e.V. (VfV), der u.a. mit einer 1938er Blücher, einer Hansa T von 1921 und einer Bradbury von 1911 mit einem Beiwagen aus Korbgeflecht wieder richtig alte Motorräder präsentierte. Die 4,5 PS der Bradbury reichten seinerzeit für immerhin 60 km/h. Ausgestellt waren im Forum vom MV Augusta Club Deutschland e.V. Motorräder zum Thema „50 Jahre MV Augusta 750 c.c. 4 Cilindri Sport“, aber auch zahlreiche „Kulteisen“ von Gilera oder Aermachii Harley-Davidson. Im Forum zu finden war auch wieder der Norton Owners Club mit seinen englischen Klassikern auf zwei Rädern.
Eine Etage höher waren die Moped-, Roller- und Mofa-Clubs zu finden. Der NSU-Quickly-Club Bexhövede e.V. stellte neben einer Ur-Quickly (1953-1955) weitere NSU-Quickly aus. Die würden mir auch gefallen. Unmittelbar ins Auge stach anschließend eine Startaufstellung zu einem Rennen des „Schnapsglas Cup“. Was sich anhört wie ein Kneipen-Wetttrinken älterer Herren ist jedoch eine kleine Rennserie für Mopeds mit 50 bis 80 ccm Hubraum Rennen in Eggebek, auf dem Spreewaldring, in Scheggerott und wieder in Eggebek. Gefahren wurde auf der BCM natürlich nicht, aber hervorragend Werbung gemacht. Weiter ging es entlang einer Reihe von Zündapp-R50-Rollern aus den Jahren 1964 bis 1984.
Vorbei an mehreren NSU Quickly Cavallino, der Quickly mit einer Sitzbank aus den späten 1950er-Jahren, kamen nun die Clubs, bei denen traditionell die beste Stimmung auf der Bremen Classic Motorshow herrscht: Der Oldtimer-Club AUGE Glissen e.V. unter anderem mit einer Torpedo M150 (1952), einer Wanderer (1938), einer Motobi America 49 (1965) und einer DKW RT 250/2 (1953), der Daggers Mofa Club, das Vesbeachi Blechrollertreffen, der Mofa Club Heiße Kette, der nicht nur mit mehreren faszinierenden Mofas von Miele oder DKW und einem klaren Statement („Love Mofa, Hate Fashism“), sondern auch mit dem eigenen Bier beeindruckte, oder auch die Mofa-Bande Bratärsche, die Küstenflitzer und die Moskito Moped Bande mit jeweils tollen Präsentationen und richtig guter Laune.
Nun ging es in die ÖVB-Arena, die Halle 1. Hier spielen an anderen Wochenende die Eisbären Bremerhaven guten Basketball (bald hoffentlich auch wieder in Liga 1), jetzt dominierten die motorisierten Zweiräder. Ob komplette Motorräder, Ersatzteile oder Zubehör – das Motorradfahrer-Herz dürfte hier einen gesunden Takt schlagen. Mittendrin die traditionelle Sonderausstellung. In diesem Jahr stand sie unter dem Titel „Italienische Motorräder. Klein, grazil und rasant“. Zugegeben, ich bin kein Spezialist für Motorräder, aber die klassischen Maschinen bis in die 1960er-Jahre ziehen mich auch an. Bei jüngeren Modellen lässt die Faszination nach – zumindest bei mir. Motobi Spring Lasting (1955), Perugina 125 T (1955), Moto Morini GT 175 (1958), Cimatti 175 (1955), Devil Sport (1954), Mondial Constellation (1954), Parilla Bracco 125 (1953), Moto Guzzi 65 (1950), Demm 175 Turismo Veloce (1960), Parilla 175 Spezial (1959) oder Moto Comet 175 S (1956) – ich muss zugegeben, von diesen Beispielen bisher nur die Marke Moto Guzzi gekannt zu haben. Das hat sich nun geändert, denn alle diese Motorräder haben mich beeindruckt.
Aber nicht nur Clubs und die Sonderausstellung machten die beiden Zweirad-Hallen aus. Händler mit Ersatzteilen und Zubehör, die Zweiradbörse und vieles mehr war hier zu finden. Auch für Nicht-Zweiradfans immer wieder ein tolles Erlebnis!
Weiter ging es in die Halle 2. Hier sind sie zu finden – der Großteil der Clubs, die den Geist der Bremen Classic Motorshow ausmachen. Mit viel Liebe gestaltet haben sie wieder ihre Stände, mit denen sie ihre Gemeinschaft präsentieren. Ob BMW Isetta, Borgward und Lloyd, Ford Escort, Lanz-Bulldog, Citroen und Citroen DS, Volvo, Adler, Glas, DAF, Peugeot, MG oder der Camping-Oldie-Club – bei allen gab es nette, entspannte Gespräche, die Atmosphäre war regelrecht familiär.
Am Stand des Adler Motor Veteranen Clubs e.V. (AMVC) wurde eine Adler Favorit 8J Limousine ausgestellt. Im Juni 2022 stand dieser Adler zusammen mit einem Adler Trumpf 1,7 AV kurzfristig in den Medien – leider aus traurigem Anlass: Auf dem Rückweg von einem Adler-Treffen in Sachsen geriet am 23.06.2022 die Zugmaschine, die den Favorit geladen und auf einem Anhänger den Trumpf zog, in Brand. In Minutenschnelle stand das komplette Gespann in Vollbrand, Löschversuche waren zwecklos. 2023 übernahm Jörg Zborowska vom AMVC die „Brand-Leiche“, nachdem der Vorbesitzer überraschend verstorben war. Unter dem Projektnamen „Phönix“ ist er nun dabei, dem Favorit neues Leben einzuhauchen. Die Fortschritte konnte man auf der BMC begutachten. Neben dem bereits restaurierten Fahrgestell stand die schon in weiten Teilen fertige Karosserie. Nach der Messe geht der Adler nach Braunschweig, wo ein Spezialist die Holzteile des Daches erneuert. In zwei Jahren hofft Zborowska, mit dem Adler Favorit 8J wieder ein Adler-Treffen besuchen zu können. Der Adler war nicht das einzige Fahrzeug an diesem Stand: Zwei Fahrräder und ein Moped von Adler waren ebenfalls zu sehen.
„Citroen goes Hollywood“ – so ähnlich hätte das Motto des DS Club Deutschland e.V. lauten können. Einen 1972er Citroen ID 20 Break „CamCar“ gab es zu sehen. Dabei war die vordere Haube gekürzt zugunsten eines Sitzes für einen Kameramann und sein Equipment. Der DS-Club erwarb 2015 diesen Wagen, der mehr ein nacktes „rolling chassis“ war und konnte damit seinen lang geplanten Aufbau eines originalen Berliner TCS-Kamera-Break durchführen. 2024 waren die Auf- und Umbau-Arbeiten beendet und der wiedererstandene Kamera-Break erhielt seine Zulassung inklusive H-Kennzeichen. Wie einst im Filmeinsatz kann der Break mit einem speziellen Radsatz auch auf Schienen gefahren werden. Bei diesem Fahrzeug wurden sich nicht nur bei mir Erinnerungen an die legendären Fantomas-Filme mit Louis de Funès und Jean Marais geweckt. Gegenüber standen beim Citroen-Veteranen-Club von Deutschland e.V. eine wunderschöne 2 CV Fourgonnette sowie Citroen 5HP Type C/C2 Torpedo aus dem Jahr 1922.
Mein Highlight bei den Clubständen war aber wieder die Präsentation des Borgward-Club e.V. Dort wurde eine Borgward Isabella Limousine in eine Winterlandschaft integriert – passend zum aktuellen Wetter. Die Clubmitglieder haben wieder ganze Arbeit geleistet, ihre Clubstände gehören immer zu den schönsten auf der Bremen Classic Motorshow. Allerdings haben sie auch einen Heimvorteil als Bremer Club. Daneben stand ein Lloyd, ein Restaurationsprojekt für die Borgward-Jugend.
Doch nicht nur in der Halle 2 waren Clubs zu finden. In den nächsten Hallen war wie gewohnt die Brezelfenstervereinigung e.V. präsent. Nach dem Rometsch-Taxi aus der Grundmann-Sammlung im vergangenen Jahr wurde diesmal ein eleganter Neuaufbau eines Hebmüller-Cabriolets gezeigt. Basis war ein Fahrgestell eines 1952er Karmann-Cabriolets. Der 1. Käfer-Club Wolfsburg hatte ein Käfer Cabriolet am Stand, das frisch restauriert worden ist. Es gehört neu zur Sammlung Grundmann. Bei dem einzigartigen Fahrzeug handelte es sich um das Zugfahrzeug des „Dünen-Express“, die schienenlosen Touristenzüge auf Norderney aus den 1950er-Jahren. Diese transportierten in den Anhängern der Firma Harmening (Bückeburg) bis zu 42 Passagiere. Angetrieben wurden sie von dem serienmäßigen 30-PS-Motor des Käfers, womit eine Höchstgeschwindigkeit von 35 km/h zugelassen war. Auch dieses Fahrzeug und ein zweites Fahrzeug wurde von der Firma Rometsch (Berlin) umgebaut. 1967 wurden die Fahrzeuge ausgemustert und dieses Exemplare verrichtete anschließend seinen Dienst bei der Flugplatzfeuerwehr Norderney. 2007 erwarb es Christian Grundmann, verkaufte es aber weiter an die Sammlung Prototyp Hamburg. 2015 wechselte es wieder zusammen mit zwei Anhängern zurück zur Grundmann-Sammlung. Dort soll es das Gespann nach erfolgter Restauration beim 8. Uraltkäfertreffen Hessisch Oldendorf im Juni 2026 eingesetzt werden.
Die Audi-Clubs hatten diesmal modernere Fahrzeuge auf dem Stand, u.a. einen Audi TT, aber auch einige älterer wie das Audi 100 Coupé S (1972), einen Audi 80 (1968) und einen NSU Ro 80 (1972). Das Fiat 500 Forum und die Fiat 500 Stammtische hatte drei außergewöhnliche Varianten des kleinen Italieners dabei. Einen Fiat 500 mit Pritsche hatte ich noch nie gewesen, ebenso wenig den gechopten 500 – der mir doch etwas suspekt war. Richtig schick war der blaue Giardiniera – ihn hätte ich so mitnehmen können. Allerdings hätte der Besitzer vermutlich sein Veto eingelegt. Der Fiat X1/9-Club hatte drei Exponate „an Bord“, genauso der Messerschmitt-Club Deutschland e.V.. Auf der BCM 2026 war auch wieder die Kult-Blech-Szene aus Meppen mit einer großen Schar engagierter Mitglieder.
Der Bugatti-Club Deutschland e.V. feierte sein 70jähriges Jubiläum auf einem Gemeinschaftsstand mit dem Allgemeinen Schnauferl Club e.V. (ASC). Ausgestellt war natürlich ein Bugatti-Rennwagen, mit dem Jan Kreyer vom Bugatti-Club besonders bei kleinen Oldtimerfans für leuchtende Augen sorgte, als sie sich hineinsetzen durften. Kreyer, der früher in Melle wohnte und regelmäßig mit Bugatti an der Historischen Fahrt Rund um Osnabrück teilnahm, hat seinen Wohnsitz mittlerweile nach Hamburg verlegt. Heinz Elfers, nicht nur als Organisator von Bugatti-Treffen bekannt, sondern auch als langjähriger Organisator der Schnauferlfahrt Ibbenbüren, zeigte mir ein Video vom Bugatti-Treffen in den Alpen. Es muss fantastisch gewesen sein, mit einer „Horde“ Bugatti diverse Pässe bei bestem Wetter unter die Räder genommen zu haben. 2029 wird das Internationale Bugatti-Treffen wieder in Deutschland stattfinden, diesmal im Drei-Länder-Eck Deutschland-Frankreich-Schweiz. Vorher steht aber noch ein Deutschland-Treffen in der Mosel-Region an. Auch berichtete er von den ersten Planungen zur diesjährigen Schnauferlfahrt.
Das Jubiläum "50 Jahre Golf I GTI" griff selbstverständlich auch die 1. Original Golf I IG e.V. an ihrem Stand auf und präsentierte einen marsroten GTI. Nicht fehlen auf der Bremen Classic Motorshow darf die Kult-Blech-Szene mit ihrem Stand. In großer Besetzung waren sie wieder vor Ort und zeigten eine schöne Kreidler Florett und einen BMW Z1 Roadster. Vom 19. bis 21. Juni 2026 findet wieder ihre Veranstaltung "Kult am Turm" in Meppen statt.
Das war nur eine Auswahl der Stände auf der Bremen Classic Motorshow. Alle zu beschreiben, würde sicherlich den Rahmen sprengen. Eins hatten sie alle gemeinsam: Das Engagement für die Oldtimerszene.
In diesem Jahr lautete das Motto der Automobil-Sonderausstellung „4x4-Performance“. Besonders interessant war sie für Rallye- und Technikfreunde, mein Highlight hier war der Bugatti Typ 53 aus dem Jahr 1931. Nur zwei Fahrzeuge dieses Typs mit Allrad-Antrieb baute Ettore Bugatti. Dieses Fahrzeug, heute Bestandteil der Loh-Collection, konnte ich bereits in den 1990er-Jahren beim Grand Prix Festival Ibbenbüren im Einsatz auf der zur Bergrennstrecke umgestalteten Holperdorper Straße zwischen Lienen und Lengerich sehen. Damals war der Typ 53 noch im Besitz eines englischen Sammlers. Seine Tochter raste mit dem 300 PS starken Fahrzeug die kurvenreiche Strecke durch den Wald mit einem Tempo, dass ich mit einem normalen Wagen nicht fahren würde. Die Bäume am Straßenrand waren lediglich durch den einen oder anderen Strohballen abgesichert. Darauf angesprochen entgegnete sie damals lächelnd: „Es ist ein Rennwagen. Wie soll man damit sonst fahren?“.
Zu den weiteren Exponaten gehörten ein Ford RS 200 Gruppe-S-Prototyp mit Baujahr 1986, der 485 PS aus 2.045 ccm Hubraum schöpfte. Legendär war auch der Audi Sport Quattro S1 aus dem Jahr 1984, wobei dieses Exemplar trotz seiner 470 PS nie siegreich war. Aus der Loh Collection stammte der Porsche 959 S von 1987, der als Prototyp außerhalb der offiziellen Baureihe von 292 Fahrzeugen rangiert. 1988 erwarb Rallye-Legende Walter Röhrl den 959 S und behielt ihn bis 2002. 20 Jahre älter war der Jensen FF. Zwischen 1966 und 1971 entstanden 320 Jensen FF (Formula Ferguson) als 4x4-Version des Jensen Interceptor. Ihn haben nur wenige auf dem Zettel, wenn das Thema Allrad zur Sprache kommt. Was haben der Lamborghini Diablo „VT 16“ und Bugatti mit einander zu tun? Dieses Fahrzeug, dass 1999 mit einem 492 PS starken 5,7-Liter-V12 auf die Welt kam, erhielt drei Jahre später einen neuen Motor: Den W16-Zylinder mit 7.998 ccm Hubraum und 1.001 PS, der bald darauf den Bugatti Veyron antrieb. Mit anderen Worten – der Lamborghini war ein Versuchsträger. Er ist der einzige von vier Versuchswagen, der überlebt hat.