Bremen Classic Motorshow 2026 – Simpley The Best!

Autostadt Wolfsburg / Volkswagen Classic

Auch wenn am Stand der Autostadt bzw. Volkswagen Classic in diesem Jahr kein Fahrzeug aus Osnabrücker Produktion (Karmann) zu sehen war, begeisterte mich als Fan historischer Volkswagen der diesjährige Auftritt. Mit dem einmillionsten Käfer, dem goldlackierten und mit vielen Glasperlen besetzten Chromteilen versehenen Ovalkäfer aus dem Jahr 1955 sowie einem Volkswagen Typ 1 „CCG“ von 1945, dem Schnittmodell eines Brezelkäfers von 1947, einem „Kleinwagen mit Verbrennungsmotor (Klv-20)“ – besser als „Schienenbus bekannt – sowie einem auf Elektroantrieb umgebauten T1-Fensterbus hatten die Wolfsburger echte Highlights nach Bremen gebracht. Daneben wurde auch das Jubiläum „50 Jahre Golf GTI“ gebührend gefeiert. 

Das Schnittmodell eines Käfers stammt aus dem Jahr 1947. Knapp zwei Jahre nach der Produktion der ersten zivilen Käfer fertigte die Technische Entwicklung von Volkswagen (TE) für die Polizei-Schule Berlin dieses Schnittmodell eines Standard-Käfers für Lehrzwecke. Es ermöglichte die Erklärung und Demonstration der kompletten Käfer-Technik und Anordnung der Aggregate, Elektrik und Benzintankanlage sowie die Beschaffenheit der Bodengruppe, Karosserie und der Radaufhängungen inklusive der Bremsanlage. 

Als 1945 die zivile Produktion des Volkswagen Typ 1 begann, erhielten zunächst nur die Alliierten und Behörden Fahrzeuge. Dieses Fahrzeug sollte ursprünglich ein „Typ 51“ (größere Bodenfreiheit dank Fahrwerk des Kübelwagens) werden, allerdings wurde die Typenbezeichnung noch während der Produktion dieses Fahrzeugs auf „Typ 11“ korrigiert, was die Limousine mit normaler Bodenfreiheit bezeichnete. Dieser Wagen lief am 30.12.1945 vom Band und war der 55ste gefertigte Nachkriegs-Typ 11 und zugleich das letzte Fahrzeug, welches 1945 gefertigt wurde. Die Auslieferung erfolgte am 31.12.1945 an die „Control Commission für Germany“ CCG, die Militärverwaltung der Alliierten. Der „CCG“-Käfer hatte einen 1.131 ccm großen Vierzylinder-Boxermotor mit 24,5 PS. Der damalige Neupreis lag bei 5.000 Reichsmark (Preisangabe für die ab 1946 lieferbare Variante für Privatkäufer mit Bezugsschein).

Er ist einer der berühmtesten Volkswagen überhaupt: Der am 05.08.1955 vom Wolfsburger Band gelaufene einmillionste Ovalkäfer. Nach zehn Jahren Produktion des Käfers ist die erste von mehr als 21 Millionen Exemplare geschafft. Dieser Käfer erhält nicht nur eine goldfarbene Lackierung und glasperlenbesetzte Stoßstangen, sondern auch eine Innenausstattung mit rotem Stoff aus Samt und Brokat. Heute gibt es aber Zweifel, ob dieser Käfer wirklich exakt der einmillionste seiner Art war. Aber das interessiert nicht wirklich.

Der für die Deutsche Bundesbahn gefertigte „Kleinwagen Nr. 20-5011“ von der Art BA/Draisine gehörenden  Kleinserie von 31 Exemplaren stammt aus dem Jahr 1954. Die Deutsche Bundesbahn beschaffte Anfang der 1950er-Jahre knapp 1000 Motor-Draisinen als wirtschaftliche Transportlösungen, etwa für Inspektionsfahrten. Die Mehrzahl waren 3,30 m lange Spezialfahrzeuge, gebaut auch von der Beilhack GmbH aus Rosenheim, angetrieben von einem VW-Industriemotor. Daraus entstand die Idee für eine kostengünstige Alternative durch die Nutzung der Bulli-Karosserie. 1954 bestellte die DB einen Prototyp und weitere 30 Serien-Draisinen, zu gleichen Teilen bei Beilhack und WMD in Donauwörth. Volkswagen lieferte die Karosserie mit integriertem Hilfsrahmen und einem 28 PS starken Industriemotor an die Maschinenfabriken. Kurios: Alle 30 Serienfahrzeuge wurden bis 1955 ausgeliefert, der Prototyp erst ein Jahr danach. Zwei Jahrzehnte standen die Bulli-Draisinen im Dienst, dann verlieren sich ihre Spuren. VW Nutzfahrzeuge aber konnte eine aufspüren und hat sie restauriert und wieder aufs Gleis gestellt. Es ist das elfte Exemplar, das bei Beilhack gebaut wurde. Unter dem Hilfsrahmen ist ein massiver Hauptrahmen montiert, der neben Achsen und Antrieb auch eine zentrale Hebeeinrichtung für das Wenden des Klv 20 trägt. Dabei wird ein Stempel hydraulisch abgelassen, bis er sich auf den Gleisen abstützt. Pumpt man weiter, so hebt er den Bulli an und ermöglicht sein leichtes Drehen. Danach Stempel einfahren und sichern – simpel, doch verblüffend wirkungsvoll.

1976, also vor 50 Jahren, lief der erste Golf GTI vom Band – ein Wolf im Schafspelz. Der Golf, wassergekühlter und seit 1974 moderner Nachfolger des legendären Käfers, gründete nicht nur seine eigene Fahrzeugklasse, sondern sorgte mit der GTI-Ausführung gleichermaßen für Aufsehen.  

Drei Jahren nach dem ersten GTI lief dieser marsrote GTI vom Band. Er hatte die Ursprungsmotorisierung mit dem wassergekühlten Vierzylinder, 1,6 Liter Hubraum und 110 PS unter der Haube.

Der graue GTI (oder war er schwarz?) aus dem Jahr 1983, dem letzten Produktionsjahr des Golf I, mit seinem 1,8 Liter Hubraum und 112 PS starken Motor absolvierte im vergangenen Jahr eine der härtesten Oldtimerrallyes: LE JOG. Die Rallye findet alle zwei Jahre im Dezember statt und führt über eine rund 1.500 Meilen lange, sehr anspruchsvolle Strecke. Sie führt von John O’Groats im Norden Schottlands bis nach Land’s End im Südwesten Englands. Dazu kommt in der Regel kaltes und regnerisches Wetter. 2015 zwangen das Organisationsteam Überschwemmungen, Erdrutsche und Notbauarbeiten zu ständigen Streckenänderungen. Herausforderung dieser Rallye ist es vor allem, am Ziel anzukommen. Das schafften 51 von 60 Teams, darunter zwei der drei gestarteten Golf I GTI. Um seinem eigenen Fahrzeug das Aussehen des LE JOG-GTIs verleihen zu können, muss man nicht an der Rallye teilnehmen. Derzeit reicht es einfach, bei diesem Wetter den Wagen nach draußen an den Straßenrand zu stellen. Am nächsten Tag sieht er dann auch aus, als wäre er tagelang über die britische Insel gefahren.

Das Parkhaus - kalt wie immer, aber diesmal wieder viele Oldtimer

Im vergangenen Jahr hatte ich beim Betreten des Parkhauses den Eindruck, dass es diesmal nicht für Oldtimer reserviert worden sei, sondern für Besucher mit ihren Alltagsfahrzeugen. Okay, Stadtpanzer, pardon: SUV waren keine zu sehen, aber die Etage war fast ausschließlich gefüllt mit Mercedes-Benz, Audis und BMW aus den 1990er- und 2000er-Jahren. In diesem Jahr gab es zwar auch den ein- oder anderen „Neuwagen“, aber der überwiegende Teil waren wieder richtige Oldtimer. 

Der erste Blick fiel auf ein Objekt, dass bei mir unter allen Fahrzeugen die größten Emotionen weckte: Ein 1950er Brezelkäfer, laut Beschreibung ein ehemaliges Kommandofahrzeug der Polizei Reutlingen. Da Baden 1950 noch der französischen Besatzungsmacht zugeteilt war, erhielt der Wagen das Blau der französischen Gendarmerie. Nach seiner Ausmusterung wurde der Brezelkäfer 1960 privat zugelassen, Mitte der 1980er-Jahre erwarb ihn ein Sammler, der es nach dem damaligen Stand restaurierte und anschließend in einer trockenen und beheizten Fahrzeugsammlung unterstellte. Mit frischer HU versehen sollte der Käfer nun 49.500 Euro (VB) kosten. 

Für gerade einmal 14.996 Euro war ein Adler Trumpf Junior Roadster zu haben, der vermutlich eine Sonderkarosserie von Erdmann & Rossi besaß. Einziger Haken: Der Adler stand viele Jahre bei einem Schrotthändler auf dem Hof, notdürftig von einer Plane bedeckt. Entsprechend war der Zustand des Roadsters, der nach seiner Entdeckung zunächst im Automuseum Melle stand. Der Adler war laut Beschreibung roll- und lenkbar, sein Motor sollte sich von Hand drehen lassen. Wer also die Herausforderung sucht, ein seltenes Fahrzeug zu restaurieren und für das es im Grunde keine Ersatzteile mehr gibt, der hatte hier die Chance, ein einst wunderschönes Fahrzeug zu erwerben.

Von Opel stammt das Kadett A-Kiemencoupé. Bestens geeignet für eine Oldtimerrallye wurde dieses Modell zwischen 1965 und 1970 gebaut. Gefallen haben mir – ohne nähere Prüfung des Zustandes – ein elegantes Lancia Flaminia Coupé 2,5 l aus dem Jahr 1960, Lancia Fulvia von 1965 – ein hervorragender Jahrgang nicht nur bei Autos – und ein Alfa Romeo 2000 GTV Veloce Bertone (1972). Alle drei sollten aber laut Verkäuferbeschreibung sehr gutem Zustand sein.

Bei einer Oldtimermesse in Bremen muss es natürlich auch die Möglichkeit geben, ein original Bremer Auto zu erwerben. Ein Überangebot gab es nicht, immerhin ein Borgward Isabella Coupé des Baujahres 1959 war für (VB) 25.700 Euro zu haben. Das umwerfend schöne weiß/rot lackierte Coupé sollte 69.840 Meilen (laut Tachostand) gelaufen sein, TÜV war vorhanden und auch ein Classic Data Wertgutachten (Note 2). Mit der Isabella hatte Borgward eines der schönsten Autos der 1950er-Jahre auf die Straße gebracht. Doch 1962 war dann Schluss, das Unternehmen muss Konkurs anmelden und dazu gibt es bis heute die verschiedensten Verschwörungstheorien.

Mit einem Austin Seven von 1930, der im Jahr 2000 aus den USA importiert worden war, war ein einziges Vorkriegsfahrzeug im Parkhaus zu finden. Das 13 PS starke Fahrzeug hatte TÜV ab oder bis 2018 und war geeignet für eine H-Zulassung. 

Dann das absolute Kontrastprogramm: Ein Renault Twingo aus der Bauzeit 1998 bis 2004. Sorry, liebe Freunde von Fahrzeugen der 1990er- und 2000er-Jahre, aber ein solches Fahrzeug mit dem Begriff „Oldtimer“ zu bezeichnen, widerstrebt mir. Ähnlich sieht es bei dem nebenstehenden BMW aus. Aber es ist ja gut, dass wir alle unterschiedliche Geschmäcker haben – sonst würden ja alle Autos gleich aussehen.

Nun aber wieder zurück zu richtigen Oldtimern. Historische Volkswagen sind immer im Parkhaus zu finden. Dazu gehörten am Samstag auch mehrere Karmann Ghia, T1-/T2-Busse, weitere VW Käfer und ein VW 412 TL. Aber auch beliebte Klassiker wie Volvo PV 444/544 und Amazon, Ford Mustang I, Ford Capri I, Ford Taunus P7A und Ford P3 Turnier, BMW 1602, Opel Rekord A, mehrere Mini Cooper, Mercedes-Benz 280 S und SE, MGA, zwei BMW Isetta, …

 

Museen, Veranstalter, Händler und einiges Mehr

Im letzten Abschnitt findet ihr Fotos aus den Hallen fünf und sechs mit den Präsentationen diverser Händler, Veranstalter und Museen. Vermutlich ist hier auch der eine oder andere Clubstand noch zu finden anstatt im Abschnitt Clubs. Man möge es mir verzeihen.

Zu den Vertretern der Museen gehörte natürlich wieder der P.S. Speicher Einbeck. Auf seinem Stand war ein Citroen 2CH 4x4 „Sahara“ ausgestellt – die legendäre und seltene „Ente“ mit zwei Motoren. Das Modell wurde ab 1958 gebaut und entstand nur in 694 Exemplaren. Davon gingen alleine 85 Stück an die spanische Guardia Civil. Je ein Motor saß in der Front und einer im Heck, hatten jeweils 425 PS und zunächst 12 PS. Hinzu kamen zwei gekoppelte Getriebe und zwei Tanks unter den Sitzen. Es konnten nur zwei, aber auch alle vier Räder angetrieben werden. 

Zum Schluss folgt noch eine Bildergalerie mit Ständen von Händlern, Teile- und Automobilia-Händlern und weiteren mehr oder weniger schönen Oldtimern. Der Osnabrücker Klassikerhändler Auto Frömel war erstmals auch auf der BCM vertreten. Noch einmal der Hinweis an die Youngtimerfreunde: Eure Lieblinge findet ihr hier nicht, aber es gibt viele weitere gute Seiten im Internet, wo auch sie gebührend präsentiert werden. Die ist halt eine Seite für Oldtimer...

Fazit

In diesem Jahr gab es, wie schon erwähnt, viel Licht und kaum Schatten. Auch wenn – besonders im Parkhaus – die Youngtimer etwas zurückhaltender präsent waren, so fehlten mir doch die Vorkriegsfahrzeuge bei den Automobilen. Nur sechs Fahrzeuge aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg habe ich zu Gesicht bekommen: Die beiden Bugatti und der Citroen 5HP in den Hallen, einen Austin Seven von 1930 und einen Adler Trumpf Junior Roadster aus dem Jahr 1935 in einem desaströsen Zustand, beide im Parkhaus. Außerdem noch den in Teilen restaurierten Adler Favorit am Stand des Adler Motor Veteranen Clubs e.V. Hier würde ich mich wieder mehr Vorkriegsklassiker wünschen, vielleicht auch mal wieder im Rahmen einer Sonderschau. Aber das wirft keinen wirklichen Schatten auf die Bremen Classic Motorshow. Meine Rückfahrt nach Osnabrück habe ich um zwei Stunden nach hinten geschoben, es war dieses Jahr richtig gut. Freuen wir uns auf die BCM 2027!

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