In der ersten Galerie starten wir mit den Anfängen der Marke Volkswagen: Mit dem später als "Käfer" berühmt gewordenen Typ 1. Ursprünglich sollte er "KdF-Wagen" heißen und der deutschen Bevölkerung zur Massenmotorisierung verhelfen, doch daraus wurde - zunächst - nichts. Hitler und seine Nazi-Schergen zettelten den verbrecherischen Zweiten Weltkrieg an. Statt ziviler Volkswagen wurden nun einige militärisch genutzte Limousinen gebaut, in erster Linie jedoch auf Basis des Volkswagens Kübel- und Schwimmwagen für die Wehrmacht. Drei Exemplare waren zum Zeitpunkt meines Besuchs im Automuseum Volkswagen Wolfsburg zu sehen: Eine KdF-Limousine und ein Kübelwagen Typ 82 aus dem Jahr 1943 sowie ein Schwimmwagen Typ 166 von 1944.

Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg sollte das Volkswagenwerk in der nun von "Stadt des KdF-Wagens" in "Wolfsburg" benannten Stadt an die britische oder amerikanische Automobilindustrie verkauft werden. Doch diesem kleinen Wagen wollte niemand haben, es wurde ihm keine Chance auf dem Markt gegeben. So wurden zunächst im Volkswagenwerk Fahrzeuge der Alliierten repariert und einige Volkswagen aus Restbeständen montiert. Dazu gehörten auch der Kommandeurswagen Typ 87 (7) aus dem Jahr 1946 auf dem Fahrgestell eines Schwimmwagens sowie der Anhänger für die Deutsche Post. Zivile Fahrzeuge wurden zunächst an alliierte Dienststellen und besondere Personen ausgeliefert, zum Beispiel an Ärzte für die medizinische Versorgung auf dem Land.

Ende 1949 bekamen dann auch die ersten Zivilisten einen der begehrten Volkswagen Typ 1 "Käfer" - und der Siegeszug des Volkswagens konnte beginnen. Weltweit wurde der "Käfer" zu einem begehrten Fahrzeug, neben Wolfsburg wurden weitere Produktionswerke im In- und Ausland errichtet. Es zeigte sich: Die Verantwortlichen in Großbritannien und den USA hatten ihn mehr als deutlich unterschätzt. Im Automuseum selbst stand leider keiner der bis 1953 gefertigten "Brezelkäfer" mit der geteilten Heckscheibe. Los ging es mit einem VW Typ 1 1200 "Ovalkäfer" aus dem Jahr 1955, gefolgt von einem VW Typ 1 1200 Export "Dickholmer" von 1960, einem einst an einen Professor in Bologna (I) ausgelieferten Typ 1 1200 Export (1966) und einem Chassis eines Typ 1 1300 aus dem Jahr 1967.

Zu den Abnehmern des "Käfers" gehörten aber nicht nur "normale" Autofahrer:innen, sondern auch zahlreiche Behörden. Der ADAC wechselte in den 1950er Jahren vom Motorrad auf den "Käfer" für seine "Gelben Engel", wie die Pannendiensthelfer liebevoll genannt wurden. Die Deutsche Post war einer der größten Abnehmer des "Käfers". Für sie entwickelte Volkswagen sogar ein eigenes Fahrzeuge, den Typ 147 "Fridolin", gebaut wurde dieser bei Westfalia in Wiedenbrück. 

Während andere Hersteller längst Fahrzeuge anboten, die von wassergekühlten Motoren angetrieben wurden und deutlich mehr Platz boten, lief und lief und lief der Käfer mit seinem luftgekühlten Vierzylinder-Boxermotor im Heck weiter. Die Motoren bekamen immer mal ein wenig mehr Hubraum und PS und mit dem 1302 und dem 1303 auch minimal mehr Platz. In den 1960er-Jahren wurden dem "Käfer" weitere luftgekühlte Fahrzeuge mit dem Typ 3 und dem Typ 4 zur Seite gestellt, aber im Grunde das Konzept veraltet. Dennoch verkaufte sich der luftgekühlte Volkswagen weiter. 1970 kam der 1302 mit einem größeren Vorderwagen und somit etwas mehr Kofferraum, 1972 wurde die größte Ausbaustufe des "Käfers" vorgestellt: Der 1303 mit dem großen Vorderwagen, der gewölbten Windschutzscheibe - und den klobigen Rücklichtern, auch spöttisch "Elefantenfüße" genannt. 1975 war jedoch mit dem großen 1303 schon wieder Schluss. Parallel lief aber in der ganzen Zeit auch der bisherige Käfer, der "Sparkäfer" weiter.

 

Im Museum sind neben einem 1974er Typ 11303 LS ein "Sparkäfer" 1200 (1978), ein im mexikanischen Puebla gebauter Typ 1 1200 (1981), ein im brasilianischen Sao Bernardo do Compo gefertigter Typ 1 "Fusca" (1986) und ein 1985er Typ 1 1200 aus Mexiko zu sehen. Letzterer ist ein "Jubiläums-Käfer" (50 Jahre VW Käfer) und gleichzeitig der letzte Käfer offiziell von Volkswagen nach Deutschland exportierte "Käfer". 

Während der "Käfer" in Deutschland nur noch über andere Händler außerhalb der Volkswagen-Organisation zu bekommen waren, wurde er in Mexiko weiterhin gebaut. Dort wurden zum Beispiel ausschließlich "Käfer" als Taxi "Vocho" genutzt. Um dem Fahrgast den Einstieg zu erleichtern, wurde üblicherweise der Beifahrersitz ausgebaut - was allerdings auch ein höheres Sicherheitsrisiko darstellte.

Doch auch 2003 war in Mexiko Schluss mit dem "Käfer"-Bau, nun wurde auch hier endgültig die Produktion eingestellt. Eine letzte Serie von 3.000 Exemplaren verließen die Produktionsstätte. Diese VW Typ 1 1600 "Ultima Edition" erhielt eine besondere Ausstattung. Die "Käfer"-Ära endete nun und damit auch der luftgekühlten Volkswagen.

Der VW "Käfer" war das ideale Auto, um damit Dinge außerhalb der Serie auszuprobieren. Berühmtheit erlangte er als Filmstar in den "Herbie"-Filmen, gut abgedichtet durchfuhr 1964 er die (Wasser-)"Straße von Messina", wurde 1953 von Kamei mit dem berühmten "Tiefenruder" versehen oder 1973 als Breitbau-Gfk-Monster mit einem Porsche-Sechszylinder-Motor umgebaut. Er diente als "Ballonkorb" für einen Heißluftballon (1995), erhielt 1997 eine Korbkarosserie, wurde 1999 als Holzmodell gebaut, 1983 mit Briefmarken beklebt, 1968 als "Hochzeits-Cabrio" mit einer geschmiedeten Gitter-Karosserie versehen und 1973 für eine Fernsehshow verlängert. Eine Seifenkiste auf "Käfer"-Basis gab es natürlich auch. Nichts war unmöglich.

Neben dem "Brezel- und dem "Ovalkäfer" kommt die schönste Variante des Volkswagen Typ 1 "Käfer" eindeutig nicht aus Wolfsburg, sondern aus Osnabrück. Hier bei Karmann entstand das wunderschöne Cabriolet, dass in den 1980er Jahren auch in meiner Garage stand (Baujahr 1969). 1949 bestellte Volkswagen 2.000 Cabriolets - bis 1980 wurden dann stolze 331.847 Exemplare im Karmann-Werk gefertigt. Das rot/schwarze Cabriolet stammt aus dem ersten Produktionsjahr 1949, das in "Inca metallic" lackierte Exemplar aus dem Jahr 1958. Aber es gab ein weiteres Fahrzeug auf Basis des "Käfers" aus Osnabrück, dass den Namen "Karmann" in die ganze Welt trug - dazu mehr unter "Sonderkarosserien".

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