Saisonauftakt der Oldtimer IG Osnabrück e.V., Ostermontag 2026

Es waren fast beste Voraussetzungen für den Saisonauftakt der Oldtimer IG Osnabrück e.V. und der Dampflokfreunde Osnabrück e.V. am Museum Industriekultur Osnabrück (MIK). Die Mitglieder der beiden Vereine waren bestens vorbereitet, das Wetter war perfekt (die Sonne schien durchgängig), zahlreiche offene Cabriolets und Zweiräder waren über das Gelände verteilt und auffallend viele Besucher:innen waren mit dem Fahrrad gekommen. Lediglich einen kleinen Wermutstropfen gab es aus Sicht der Oldtimer IG: Das Steinlager der Piesberger Steinindustrie machte seinem Namen alle Ehre - so viele "Steinhaufen" lagen dort noch nie. Das spricht hoffentlich für einen guten Absatz des Piesberger Steins, schränkte die Parkmöglichkeiten der vielen Klassiker jedoch deutlich ein. Aber bei meinem diesmal sehr kurzen Besuchs schien das die hervorragende Stimmung von Teilnehmer:innen, Besucher:innen und der Vereinsmitglieder nicht zu beeinflussen.

 

Es war eigentlich wie immer - im positiven Sinne: Man sah viele bekannte Autos und deren Besitzer:innen, aber auch wieder viele Fahrzeuge, die bei einem Treffen der Oldtimer IG am MIK noch nicht zu sehen waren. Einige davon stelle ich gleich zu Beginn direkt vor, da sie mir besonders gefallen hatten. Ein kleiner Wermutstropfen aus meiner persönlichen Sicht: Der Anteil von Fahrzeugen aus den 1990er- und 2000er-Jahren nimmt immer mehr zu. Ich kann damit einfach nichts anfangen, auch wenn die meisten dieser Fahrzeuge mittlerweile auch in den H-Status gekommen sind oder zeitnah kommen. Bei einigen dieser Fahrzeuge hatte ich das Gefühl, dass sie kaum jemand überhaupt als Youngtimer ansehen würde. Mit dem immer stärkeren Anteil dieser "Neuwagen" wird das Treffen aus Sicht vieler Klassikerbesitzer aus den 1930er- bis zu den 1970er-Jahren immer unattraktiver und so mancher von ihnen hat mir erzählt, dass er sich überlegt, nächstes Mal wieder zu kommen. Wiederkommen sollten sie allerdings am 3. Mai 2026: Dann steht das Motto des Monatstreffen der Oldtimer IG unter dem Motto "Nur die Alten", womit Oldtimerfahrzeuge (nicht die Besitzer:innen) mindestens 50 Jahre alt sein müssen. Darauf freue nicht nur ich mich ganz besonders.

 

Unabhängig von der Vielzahl recht moderner Fahrzeuge: Insgesamt war der Saisonauftakt wieder toll organisiert, die Stimmung war hervorragend und es gab für Oldtimerfans aller Jahrgänge ausreichend interessante Fahrzeuge. Oldtimerfreunde, die am Ostermontag nicht dabei waren, haben definitiv etwas verpasst. Nächste Chance: 29.04.2027 - natürlich wieder am Ostermontag!

 

Nachfolgend nun einige meiner Highlights mit einigen Fotos und anschließend eine große Fotogalerie vom 6. April 2026. Vorab aber noch ein Hinweis auf ein schönes Video von einem Oldtimerfreund auf YouTube: https://www.youtube.com/@klassikfahrer. Nun aber zu den Fotos...

Highlight 1: Autobianchi Bianchina Cabriolet

Der Autobianchi Bianchina wurde von 1957 bis 1969 vom italienischen Automobilhersteller Autobianchi auf Basis des ebenfalls 1957 vorgestellten Fiat Nuova 500 gefertigt. Es gab ihn als kleines, zweisitziges Coupé mit Faltschiebedach, auch als Biancina Special mit dem leistungsgesteigerten Motor des Fiat 500 Sport, als zweitürige Limousine, als Cabriolet und als Kombivariante mit den Bezeichnungen Furgonetta und Panoramica (in Deutschland: Panorama). Technisch folgte die Bianchina stets den Änderungen am Fiat 500. Ein Bianchina-Cabriolet war gleich in drei Filmen zu sehen: 1963 fährt einer der Juwelendiebe als Gorilla verkleidet im Film "Der rosarote Panther" ein solches Cabriolet, 1966 Audrey Hepburn in "Wie klaut man eine Million" und 1989 Otto Waalkes im Film "Otto - Der Außerfriesische".

Highlight 2: Campingfahrzeuge von Fiat

Ob Fiat 900 T oder Fiat 238 – gleich vier Camper von Fiat standen in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem Steinlager.  Das hat es bisher noch nie gegeben, kein Wunder, so weit verbreitet sind sie in unseren Breitengraden auch nicht. Der Fiat 900 wurde 1971 als Kleintransporter vorgestellt, unterhalb des Fiat 238. Angeboten wurde er in 16 verschiedenen Karosserievarianten: wahlweise mit Hochdach, Klapp- und Schiebetüren, als Kombibus und als Luxusbus. Die bekannteste Variante ist der Typ Eiswagen. Der Fiat 238 wurde bereits 1966 als Kleintransporter mit Frontantrieb vorgestellt und bis 1982 gebaut. Der blaue 238 stammt aus dem Jahr 1971. Auch ihn  gab es in diversen Karosserievarianten. Die Firmen Weinsberg und Westfalia bauten den Fiat 238 zum Campingmobil um.

Highlight 3: Volkswagen Typ 82

1938 sollte mit dem neuen Volkswagen das deutsche Volk motorisiert werden - so damals die Ankündigung des Diktators Hitler. Doch stattdessen überfielen er und seine Schergen seine Nachbarstaaten und zettelten den mörderischen Zweiten Weltkrieg an. Statt Automobile für das Volk wurden auf Basis des Volkswagen/KdF-Wagens zunächst Kübelwagen, später auch Schwimmwagen gefertigt. Aus dieser unsäglichen Zeit stammt auch dieser an sich wunderschöne VW Typ 82. Von August 1940 bis April 1945 wurden im Volkswagenwerk bei Fallersleben 50.788 Stück in verschiedenen Ausführungen hergestellt. Obwohl nicht mit einem Allradantrieb versehen, war er mit seinem 23,5 PS (ab 1943: 24,5 PS) starken luftgekühlten Vierzylinder-Boxermotor in der Lage, schwieriges Gelände zu durchfahren - sowohl bei heißen Temperaturen im Norden Afrikas als auch im eisigen russischen Winter: Luft kocht und gefriert nicht. Leider konnte ich nicht erfahren, wem dieses Schmuckstück gehört; aber vielleicht sehe ich das Fahrzeug im Juni beim Uraltkäfertreffen in Hessisch Oldendorf wieder.

Highlight 4: Ford V8 Tudor Coupé

Mitte der 1930er-Jahre wurde dieser Ford V8 gebaut. Wie der Name schon sagt, trieb ein V8-Motor das in 14 verschiedenen Karosserievarianten gebaute Fahrzeug an, jedoch wurden nicht alle gleichzeitig gefertigt. Mehr Informationen habe ich zu diesem wirklich außergewöhnlichen Fahrzeug nicht, aber vielleicht liest der Besitzer/die Besitzerin dieses Zeilen und lässt mit mehr Infos zukommen. Ich würde mich freuen.

Highlights 5: VW, Alfa Romeo, Austin, Reliant, Honda, Studebaker, DKW, NSU und Ford

Bei den Highlights 5 konnte ich mich nicht entscheiden. Dazu gehört die in einer sehr speziellen farblichen Kombination präsentierte VW T1-Pritsche. Ein klassische Arbeitsfahrzeug der Wirtschaftswunderzeit, dass auf dem Steinlager perfekt in Szene gesetzt war. Dazu gehörte aber auch die elegante Alfa Romeo Giulia Spider 1600 Veloce. Die Veloce kann mit seinem 112 PS starken 1.600 ccm-Motor bis zu 200 km/h schnell sein; gebaut wurde sie von 1962-1965. Das Bemerkenswerte an dieser Veloce: Sie ist schon lange in Familienbesitz. Gekauft hatte sie einst sein Großvater und heute sind sein Vater und er mit dem Familienauto unterwegs. Einfach nur toll! Eine weitere Rarität beim Saisonauftakt 2026 war der schwarze Austin A30. Diesen stellte Austin 1951 der Kundschaft vor. Es gab ihn als zwei- oder viertürige Limousine und ab 1954 als zweisitzigen Van und viersitzigen Kombi. Gebaut wurde er bis 1956. Der Honda S800 war 1967 das erste japanische Automobil auf dem deutschen Markt und wurde von 1966 bis 1970 in Suzuka (J) gebaut. Neben der Cabrio-Variante wie dem am Ostermontag gezeigten S800 gab es auch ein schickes Coupé. 1967 entwickelten der britische Automobilhersteller Reliant und Designer Tom Karen den Scimitar GTE, einen wegweisenden Shooting Brake mit technischen Anleihen beim bisherigen, seit 1965 gebauten Scimitar GT. Angetrieben wurde und wird dieser von einem Ford V6 mit 2,5 Liter Hubraum und 119 PS. Gefahren wurde der GTE auch von diversen Mitgliedern des britischen Königshauses. 1975 endete die Produktion dieser GTE-Baureihe. Erstmals am MIK gesehen habe ich den Studebaker Pickup M5-13 aus dem Jahr 1947. Er trägt seine natürliche Patine zu Recht, sie macht einen großen Reiz dieses Fahrzeugs aus. Der Studebaker stand zurecht in der Reihe der Vor- und Nachkriegsfahrzeuge. Schon häufiger am MIK war der schwarze DKW F 91 3=6 Sonderklasse zu Besuch, gebaut in den 1950er Jahren bei Karmann - parallel zum Käfer Cabriolet. 1.550 Exemplare entstanden von 1953 bis 1955 im Osnabrücker Karmann-Werk. Im Gegensatz zum Käfer mit seinem Vierzylinder-Boxermotor besaß und besitzt der DKW einen Dreizylinder-Reihenzweitakter mit 896 ccm und 34 PS. Es ist immer wieder ein schöner Anblick, wenn dieses Cabriolet seine Geburtsstadt besucht. Beim dem NSU-Motorrad müsste es sich um eine NSU Superfox handeln, die von 1955 bis 1957 gebaut wurde. Ein sehr schönes Motorrad aus der Nachkriegszeit. Als letztes folgt ein Ford Taunus P3 17M, im Volksmund auch "Badewanne" genannt. Von Ford hingegen bekam der P3 die Bezeichnung "Linie der Vernunft". Gebaut wurde er zwischen 1960 und 1964. Es gab ihn als zwei- oder viertürige Limousine, als dreitürigen Kombi "Turnier" sowie als Coupé und Cabriolet, beides vom Kölner Karosseriebauer Karl Deutsch auf Kundenwunsch umgebaut.

 

Zur Galerie "Highlights 5" hätten noch viele weitere Fahrzeuge gehört. Sie findet ihr in der diesen Bildern nachfolgenden Galerie mit weiteren, mehr als 100 Fotos. Viel Spaß.

Highlights 6: Noch viel mehr...

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