Das 9. Uraltkäfertreffen war das dritte, das ich besucht habe. In diesem Jahr sind wir jedoch – mangels eines eigenen Oldtimers – nicht mit dem PKW, sondern mit der Deutschen Bahn gefahren. Es gab vorher Bedenken, ob wir angesichts zweimaligen Umsteigens überhaupt bis zum Abend in Hessisch Oldendorf ankommen würden. Aber an dieser Stelle muss ich einmal der Bahn ein großes Lob aussprechen: Es hat alles pünktlich geklappt! Zumindest auf dem Hinweg…
Dem nachfolgenden Bericht werdet ihr entnehmen, dass wir auch 2026 vom Uraltkäfertreffen begeistert waren – trotz Rekord-Temperaturen von annähernd 40°C – der Klimawandel lässt grüßen. Rund 800 Fotos habe ich mal wieder „geschossen“; wenn wir nicht schon am frühen Nachmittag gefahren wären, wären es wohl noch deutlich mehr Bilder geworden und auch mehr Detailaufnahmen. Mit dem Aussortieren von Fotos habe ich mich schwergetan und daher haben es mehr als 650 Stück auf meine Homepage geschafft.
Bevor es losgeht, schon an dieser Stelle von einem „normalen Besucher“ ein herzliches Dankeschön an Traugott und Christian Grundmann, ihr gesamtes Team sowie der Stadt Hessisch Oldendorf, die gemeinsam nun schon zum 9. Mal diese einzigartige Veranstaltung auf die Räder gestellt haben. Man spürte, dass hier alle mit Begeisterung dabei waren und ohne diese Begeisterung wäre eine solche weltweit einmalige Veranstaltung auch nicht möglich. Nun aber zum vermutlich wieder viel zu langen Bericht.
In HO angekommen, waren es vom Bahnhof aus nur wenige Meter und schon befanden wir uns auf dem umfangreichen Teile- und Fahrzeugmarkt auf der Wiese vom dem alten Rittergut „Münchhausenhof“. Hier konnten sich die VW-Besitzer mit jedem erdenklichen Ersatzteil versorgen oder gleich einen kompletten Brezel- oder Ovalkäfer oder auch einen Karmann Ghia Typ 34 mitnehmen. Im Innenbereich des Münchhausenhofs waren weitere Händler zu finden. Hier im Gebäude waren die Händler nicht der brennenden Sonne ausgesetzt und hätte es geregnet, so hätten sie im Trockenen gestanden. Weiter ging zum Ankunftsbereich des Treffens und dort rollte ein historischer Volkswagen nach dem anderen vor, der Klang der luftgekühlten Boxermotoren war wie Musik in meinen Ohren. Zwischen den Käfern, den Bullis und den Karmann Ghia sahen wir schon hier zwei absolute Seltenheiten: ein Dannenhauer & Stauss-Cabriolet und ein Beutler-Coupé aus der Schweiz. Ein erster Eindruck davon, was uns in diesem Jahr wieder erwartete. Im Ankunftsbereich hatte Volkswagen Nutzfahrzeuge „seine Zelte aufgeschlagen“ und mit dem Schienenbus, einem Camper, einer richtig schöne Doka und einem Plattenwagen besondere Raritäten aus Hannover mitgebracht. Wenige Meter weiter standen mehrere T1 aus dem ersten Produktionsjahr 1950. Gefühlt hatten die T1 Bullis in diesem Jahr insgesamt einen besonders hohen Anteil an den teilnehmenden Fahrzeugen.
Unser erstes Ziel war nun der Kirchplatz von Hessisch Oldendorf. Hier standen die viersitzigen Käfer-Cabriolets von Karmann, die seltenen zweisitzigen Cabriolets von Hebmüller und die noch selteneren Sonderkarosserien von Rometsch, Dannenhauer & Stauss und Beutler und weitere Raritäten. Sowohl Hebmüller als auch Karmann erhielten 1949 von Volkswagen den Auftrag, 2.000 Cabriolets zu bauen. Doch bei Hebmüller wurden es nur 696, da ein Großbrand am 23. Juli 1949 die Werkshallen zerstörte. Zwar erfolgte der Wiederaufbau, doch die Banken verweigerten erforderliche Kredite trotz eines vollen Auftragsbuches. Anders bei Karmann - bis 1980 wurden in Osnabrück 330.281 offene Käfer bebaut. Heute sind vor allem die Hebmüller gesuchte Raritäten, die extrem selten verkauft werden. Von diesem Modell zwanzig Exemplare an einen Ort zu bekommen - das geht nur in Hessisch Oldendorf.
Ein besonderes Augenmerk galt auf dem Kirchplatz einem unscheinbar grauem Fahrzeug: Dem VW30, dem älteste Prototyp des VW Käfers aus dem Jahr 1937. Basis war ein originales Fahrgestell, das vor vielen Jahren bei einem Schrotthändler in Österreich gefunden wurde. Darauf entstand dieses einmalige Fahrzeug, das von Christian und Traugott Grundmann aufgrund Fotos und Zeichnungen exakt dem Original nach aufgebaut wurde. Heute besitzt der Wagen eine Straßenzulassung und über seine Entstehung gibt es ein lesenswertes Buch. Neben dem VW30 parkte ein weiterer Nachbau des Prototypen, dieser steht üblicherweise im ZeitHaus in Wolfsburg. Zur historischen Sammlung von Volkswagen gehört auch der von Ferdinand Porsche entworfene Prototyp eines Volkswagen für NSU (Porsche Typ 32) aus dem Jahr 1932. Dieser vervollständigte die eindrucksvolle Reihe. Die Käfer-Cabriolets von Karmann und Hebmüller sind wunderschöne Fahrzeuge, aber die beiden Unternehmen waren nicht die einzigen, die in den 1950er Jahren schicke Kreationen auf das Fahrgestell des Käfers setzten – meist zum Unwillen des VW-Chefs. Dazu gehörten zum Beispiel die Firmen Rometsch aus Berlin, Wendler aus Reutlingen, Beutler aus Thun (CH), Dannenhauer & Stauss aus Stuttgart oder Drews aus Wuppertal. Meist entstanden nur wenige der traumhaft schönen Karosserien und wie immer fanden sich gleich mehrere davon in Hessisch Oldendorf. In diesem Jahr waren gleich vier Rometsch „Lawrence“ und zwei Rometsch „Beeskow“ zu sehen, außerdem u.a. das hellblaue 1957er Wendler-Cabriolet, ein weinrotes Cabriolet von Dannenhauer & Stauss, ein Beutler-Coupé und ein Enzmann 506. Eine solche beeindruckende Fahrzeugreihe bekommt man nur in Hessisch Oldendorf zu sehen.
Am Rande des Kirchplatzes waren zahlreiche KdF-, Schwimm- und Kübelwagen aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen. Statt wie versprochen das Volk mit dem Volkswagen zu motorisieren haben die verbrecherischen Nazis stattdessen einen mörderischen Krieg angezettelt und auf Basis des Volks- (oder KdF-)Wagens Fahrzeuge für die Wehrmacht gebaut. Erst nach dem Krieg kam dann der Volkswagen – ausgerechnet initiiert von einem britischen Offizier namens Major Hirst. Erste Exemplare aus dieser Zeit waren in Hessisch Oldendorf natürlich auch zu finden.
Wie beim vergangenen Treffen gab es in diesem Jahr eine Sonderschau, deren Protagonisten nicht in die Kategorie "Uralt" passen, aber dennoch eine besondere historische Bedeutung haben. 2022 waren es fast ein Dutzend originale "Herbie"-Darsteller, die in Hessisch Oldendorf zusammengekommen waren. 2026 kamen sie zum Teil erneut von der anderen Seite des Atlantiks. Dort, genauer gesagt in Brasilien, liefen sie einst vom Band und beteiligt waren die brasilianischen Außenstellen von Volkswagen und Karmann. Der von Baujahr 1972 bis 1976 gefertigte SP2 war ein rund 10.000 x gebauter Sportwagen auf Basis des VW Typ 3, besaß einen auf 1.700 ccm vergrößerten Motor und wurde nur für den südamerikanischen Markt gefertigt. Entsprechend selten ist er hierzulande anzutreffen. Stolze 14 Exemplare des SP2 standen Spalier für die eintreffenden Teilnehmerfahrzeuge von HO26, darunter auch Exemplare aus dem Herstellungsland Brasilien. Wieder eine außergewöhnliche Zusammenkunft. Der "Fridolin", offiziell VW Typ 147, wurde von Volkswagen für die Deutsche Post zwischen 1964 und 1974 produziert, gebaut wurde er aber aber Westfalia in Rheda-Wiedenbrück. Die 6.139 Fahrzeuge hatten damals Komponenten von verschiedenen VW-Modellen wie dem T1, dem Karmann Ghia, dem Käfer und dem Typ 3. Auch die Schweizer Post nutzte das Fahrzeug, allerdings besaßen ihre "Fridoline" u.a. mehr Fenster, eine Standheizung und eine Dachluke. Auch ein solcher Typ 147 war selbstverständlich vor Ort.
Bei einem Treffen historischer Volkswagen bis Mitte der 1960er-Jahre dürfen die eleganten Coupés und Cabriolets aus Osnabrück nicht fehlen. Die Zusammenarbeit von Wilhelm Karmann jun. und Luigi Segre führte 1953 zu einem wunderschönen Prototyp, der heute in der Automobilsammlung Volkswagen Osnabrück steht. Dieser war vier Jahren in Hessisch Oldendorf zu sehen, diesmal waren es wieder einige Dutzend des Serien-Typ 14. Besonders angetan haben es mir die frühen Karmann Ghia mit den kleinen Lufteinlässe vorne und den kleinen Rücklichtern hintern, die sogenannten "Lowlights". Gebaut wurde der Typ von 1955 (Cabriolet: 1957) bis 1974. In einer weiteren Seitenstraße waren wieder die "großen Karmann Ghia" zu finden, die Typ 34. Sie waren nicht so erfolgreich wie der Typ 14 und entsprechend auch nur zwischen 1961 und 1969 gebaut. Heute hat auch dieses Modell seinen "Fan-Base" und toll erhaltene Exemplare zogen die Blicke auf sich.
Sie geben dem Treffen den Namen: Die Uraltkäfer, zu denen die bis 1953 gebauten Brezel- und die anschließend bis 1957 gebauten Ovalkäfer gezählt werden. In diesem Jahr wurden sie nicht voneinander getrennt, sondern bunt durcheinander gestellt. Wie immer waren sie in der Langen Straße zu finden, Uraltkäfer in jedem Zustand. In erster Linie gefallen haben mir die Käfer, die sich im Originalzustand mit einer altersbedingten Patina befinden oder die originalgetreu restauriert wurden. Porsche-Fuchs-Felgen und Kotflügelverbreiterungen bei einem Brezelkäfer oder ein bis kurz vor den Asphalt tiefergelegter Ovalkäfer – passt aus meiner Sicht nicht so wirklich zusammen. Dann lieber ein paar Skier als Deko oder der Dachgepäckträger wie bei dem belgischen (siegellackroten?) Ovali. Aber insgesamt überwogen die originalen Klassiker und trotz der erbarmungslosen Hitze war es ein Genuss, an ihnen vorbeizugehen. Mit dabei war auch die Bundeswehr, die nicht nur Werbung für unsere Verteidigungsarmee machte, sondern auch einen Bundeswehr-Ovalkäfer präsentierte. Zur Zeit meines Wehrdienstes bei der Bundeswehr 1985/1986 fuhr man dort auch noch Käfer.
Einen großen Anteil hatten in Hessisch Oldendorf wieder die von 1950 bis 1967 gebauten Typ 2 T1-Busse. Der T1 war nicht nur Transportfahrzeug des Deutschen Wirtschaftswunders, Urlaubsfahrzeug als Camper und „Samba“-Bus oder später auch farbenfrohes Kultfahrzeug der Hippie-Bewegung. Es gab ihn in vielen verschiedenen Ausführungen, als fensterlosen Kastenwagen, als Fensterbus, als Pritschenwagen oder Doppelkabine, als Hochdach-Verkaufswagen, als Kranken- und Feuerwehrwagen, als Pritsche mit Drehleiter – und in Hessisch Oldendorf waren sie alle vertreten.
Zusammengefasst war das Uraltkäfertreffen Hessisch Oldendorf wieder das faszinierende Oldtimertreffen, das wir erwartet hatten. Während wir durch die Straßen gingen, wurde um uns herum in allen möglichen Sprachen gesprochen. Die Teilnehmer kamen wirklich aus der ganzen Welt. Aus Europa, Nord- und Südamerika, Asien, Australien und Neuseeland – es ist unfassbar, was die Teilnehmer auf sich nehmen, um mit ihren VW-Klassikern dabei sein zu können. Die weiteste Anreise auf eigener Achse hatten zwei Teams aus Malaysia auf sich genommen: Rund 20.000 Kilometer legten sie zurück, um am Treffen in Hessisch Oldendorf teilnehmen zu können; 57 Tage benötigten sie bis zur deutschen Grenze. Absoluter Wahnsinn! Andere Teilnehmer waren aus San Diego, Kalifornien (USA) angereist gekommen, andere aus Mexiko, Brasilien oder Kanada, allerdings sicherlich nicht auf dem Landweg. Dann traf man zufällig auch noch Bekannte aus eigenen alten Käfer-Zeiten vor 40 Jahren. Auch wenn ich mich wiederhole: Es ist sensationell, was das Organisationsteam und Christian und Traugott Grundmann in diesem Jahr wieder geleistet haben. Diesem Engagement kann man nur größten Respekt zollen!
Durchgeschwitzt und mit einem gut gefüllten Speicherchip in der Kamera ging es dann wieder zurück zum Bahnhof von Hessisch Oldendorf. Bis wir dann wieder zu Hause waren, verging dann aber deutlich mehr Zeit als geplant – aber immerhin waren die Züge der Bahn klimatisiert, wenn sie mal wieder ungeplante Stopps auf ihrer Strecke einlegten und man wusste, dass der Anschlusszug nicht mehr zu erreichen war. Aber zwei Fahrten mit der Bahn ohne Verspätungen kann man heutzutage nun wirklich nicht erwarten…
Jetzt sind die Fotos gesichtet und online gestellt. Nun können wir uns auf den Juni 2030 und das 10. Uraltkäfertreffen Hessisch Oldendorf freuen! Dann geht es zwei Tage nach Hessisch Oldendorf, um endlich auch mal die Weserquerung der Schwimmwagen mitzubekommen. Wir müssen nur noch ein wenig Geduld haben.
7. Die Uraltkäfer
(in Planung)
8. Die Bullis - mehr geht nicht
Ein aussagekräftiges, schönes Video vom Uraltkäfertreffen HO26 findet ihr auf Youtube auf dem Kanal von "Klassikfahrer". Er war exakt zum gleichen Zeitpunkt vor Ort, aber wir haben uns leider nicht getroffen. Das war unter den vielen Menschen aber schwer. Hier geht es zum Video: Uraltkäfertreffen HO26