Seit 1901 werden in Osnabrück Automobile gefertigt. Wilhelm Karmann übernimmt die Wagenfabrik Chr. Klages von dessen Witwe. Von Beginn an setzt Karmann auf das neue Automobil - zunächst neben dem Bau von Kutschen. Zu den ersten Kunden des jungen Osnabrücker Unternehmens gehören die Bielefelder Dürkopp-Werke. Gefertigt werden die Karosserieteile in Osnabrück, dann fahren Karmann-Mitarbeiter damit mit der Bahn, dem "Haller Wilhelm", ins nahe Bielefeld und montieren dort die Fahrzeuge zusammen. Potentielle Kunden können Fahrzeuge auch im "Showroom" an der Möserstraße sehen. Später zieht Karmann an die Martinistraße um und noch in den 1930-er Jahre wird das Werk am Standort an der Neulandstraße errichtet.

 

Aus den ersten 30 Jahren der Unternehmensgeschichte befindet sich leider kein Automobil mit Karmann-Karosserie in der Osnabrücker Sammlung.

Karmann Jagdwagen, Bj. 1909 (Nachbau)

 

Als Wilhelm Karmann 1901 die Osnabrücker Wagenfabrik Chr. Klages übernimmt, wird das Straßenbild  noch von Pferdekutschen dominiert; die Kundschaft kommt aus allen Teilen Deutschlands. Der Karmann Jagdwagen kann als Ein- oder Zweispänner gefahren werden. Die Bremsen an den Rädern werden per Handkurbel angezogen oder gelöst; geschmiedete Federn sorgen für den nötigen Komfort. Spritzdecken aus wetterfestem Leder schützen Passagiere und Kutscher beim Ausflug ins Jagdrevier.

Adler Primus Cabriolet, Bj.1932 

 

Anfang der 1930-er Jahre entwickelt Adler zwei neue Basismodelle, den Adler Priumus und den Trumpf. Während sich der Trumpf durch sein modernes Fahrwerk und Frontantrieb auszeichnet, wird der Primus deutlich konventioneller konstruiert. Seine Hinterräder werden über eine starre Achse angetrieben. Die Bremsanlage des Primus zeigt sich hingegen von der modernen Seite: Sie wird hydraulisch betätigt. Das elegante Cabriolet wird bei Karmann hergestellt, sein Verdeck bezeichnen Fachleute seinerzeit als Meisterleistung. Es ist absolut wasserdicht und lässt sich ohne Kraftaufwand öffnen und schließen. Der Primus besitzt einen Vierzylindermotor mit 1,5 Liter Hubraum und 32 PS. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 95 km/h.

Adler Trumpf Junior, Bj.1934

 

Der Adler Trumpf Junior ist ein Kleinwagen, der ab 1934 in Serie gefertigt wird. Wie das größere Modell Adler Trumpf hat er Frontantrieb, besitzt jedoch nur einen 1,1 Liter großen Motor mit 23 PS. Dies reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Als Besonderheit gilt die Einzelradaufhängung. Zunächst gibt es nur eine Cabrio-Limousine mit kunstlederbezogener Leichtbaukarosserie, ähnlich dem damaligen DKW. Doch schnell erfolgt der Übergang zur blechverkleideten Karosserie, der sogenannten Halbstahlkarosserie. Der Adler Trumpf ist der erste deutsche Personenwagen mit einem Schalthebel unter dem Lenkrad. Das erste Modell des Adler Trumpf Junior ist die bei Karmann gebaute Cabrio-Limousine. Die moderne Karosserie zeichnet Hans Gustav Röhr.

Adler Trumpf 1,7 AV Cabriolet, Bj.1932-1936

 

Der Adler Trumpf wird ab 1932 angeboten. Im Gegensatz zu seinem Schwestermodell Primus besitzt der Trumpf Frontantrieb. Die moderne Konstruktion stammt von Hans Gustav Röhr, der nach dem Konkurs seines eigenen Unternehmens, der Röhr Auto AG, zu den Adlerwerken wechselt. Das Cabriolet auf der Basis des Adler Trumpf 1,7 AV wird wieder von Karmann gebaut und erweist sich als Verkaufsschlager. Es wird als 2+2-sitziges Cabriolet in zwei Varianten gebaut: mit zwei und vier Fenstern. Die Zwei-Fenster-Ausführung kostet 4.600 Reichsmark. Wer auch die beiden hinteren Fenster haben will, muss 450 Reichsmark drauflegen. Die Karmann-Karosserien dieser Baureihe werden hochgelobt und gewinnen zahlreiche Schönheitskonkurrenzen, die damals "Concours d'Elegance" heißen und wertvoller als jede Werbung sind. Bei aller Schönheit ist das Trumpf-Cabriolet auch noch schnell: Die 1,7-Liter-Maschine beschleunigt das Fahrzeug in knapp 50 Sekunden auf Tempo 100. Insgesamt entstehen vom Adler Trumpf bis 1936 rund 18.600 Fahrzeuge.

Hanomag Garant 11/36 Cabrio-Limousine, Bj. 1936

 

Anfang der 1930-er Jahre sucht Karmann die Verbindung nach Hannover zur Hannoverschen Maschinenbau AG (kurz: Hanomag), um neben der Herstellung von Adler-Automobilen einen weiteren Auftraggeber für Fahrzeuge in höheren Stückzahlen zu gewinnen. Die Akquisition ist erfolgreich: Anfangs baut Karmann Limousinen und Cabrio-Aufbauten in Halbstahlbauweise für den Hanomag 3/18 PS. Auch für den Nachfolger, den Hanomag Garant, werden in Osnabrück wieder Limousinen sowie Cabrio-Limousinen gefertigt. Ab 1936 entsteht bei Karmann die hier gezeigte zweitürige Cabrio-Limousine in Ganzstahlbauweise. Sie wird angetrieben von einem 1.098 ccm großen Vierzylindermotor mit einer Leistung von 23 PS. Das reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 82 km/h.

Hanomag Garant 11/36 Limousine, Bj. 1936

 

Nachdem der Hanomag Garant 1935 nur als Cabrio-Limousine gebaut wurde, entsteht 1936 wieder eine Limousine , bei diesem Modell mit Schiebedach (!). Insgesamt werden von 1934 bis 1936 11.947 Fahrzeuge des Garant hergestellt. Dann werden er und das parallel gebaute Modell Kurier durch den neuen Hanomag 1,3-Liter ersetzt.

Adler Diplomat Cabriolet, Bj. 1937

 

Der ab 1934 gebaute Adler Diplomat gilt in der 1930-Jahren als besonders repräsentatives Automobil - entsprechend ausgesucht ist die Kundschaft, die sich ein solches Fahrzeug leisten kann und will. Bei Karmann entstehen zwischen 1936 und 1938 sowohl die Limousine als auch das 8.000 Reichsmark teure Cabriolet. Als modernes Merkmal gilt der Tiefbett- oder Niederrahmen, der die Karosserie optisch näher an die Straße rückt und den Diplomat besonders elegant erscheinen lässt. Unter der Haube arbeitet ein Sechszylindermotor mit drei Litern Hubraum. Dieser gibt eine Leistung von 65 PS ab - das reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h.

Adler Trumpf Junior Zweisitzer-Cabriolet, Bj. 1937

 

Während der Adler Trumpf Junior als Limousine, Cabrio-Limousine  und viersitziges Cabriolet von 1934 bis 1941 gebaut wird, entsteht das zweisitziges Cabriolet nur von 1936 bis 1939. Dieses zweifarbige Exemplar mit außenliegendem "Schwiegermuttersitz" wird 1937 bei Karmann gefertigt. Das unrestaurierte Fahrzeug hat 2006 an der Mille Miglia Storico teilgenommen. Unter der Motorhaube des schicken Zweisitzers werkelt ein Vierzylinder-Reihenmotor mit 995 ccm Hubraum und 28 PS

Adler 2,5 Liter Cabriolet, Bj. 1937-1940

 

Dass eine strömungsgünstige Karosserie einen wesentlichen Vorteil bedeutet, erkennt die Automobilindustrie bereits Ende der dreißiger Jahre. Ein Ergebnis ist der Adler 2,5 Liter "Autobahn" (Typ 10). Diese Bezeichnung ist damals mit dem Aufkommen der ersten Autoschnellstraßen populär geworden. Entwickelt wird die Karosserie von Chefkonstrukteur Karl Jenschke, der bis November 1935 leitender Ingenieur bei der Steyr-Daimler-Puch AG ist und dort zuletzt den Kleinwagen Typ 50 ("Steyr Baby") entwickelt hat. Wie schon bei anderen Modellen bekommt Karmann nun den Auftrag, vom Adler 2,5 Liter zwei offene Varianten zu entwickeln - eine zweisitzige Sport-Cabrioletkarosserie  und einen Viersitzer mit Faltverdeck. Beide Wagen haben zwei Türen, lediglich das viersitzige Cabriolet wird bei einigen wenigen Exemplaren mit vier Türen gebaut. Beide Fahrzeuge werden von 1937 bis 1940 in Osnabrück gebaut, während die viertürige Limousine mit Schiebedach bei Ambi-Budd in Berlin entsteht. Der Preis für das viersitzige Cabriolet beträgt 5.950 Reichsmark, als Zweisitzer 150 RM mehr. Der Adler 2,5 Liter hat einen Reihen-Sechszylinder mit 2.494 ccm Hubraum und 58 PS. Von allen Variationen entstehen lediglich 5.295 Einheiten. Dennoch ist der sog. "Autobahnwagen" in die Automobilgeschichte eingegangen. Er zeichnet sich durch eine Fülle technischer Besonderheiten aus. Erwähnt seien nur die pfeilförmige Vorderradaufhängung, die Registeranordnung der Vergaser und die voll in die Karosserie integrierten Scheinwerfer.

Adler Trumpf Junior 1E Cabriolet, Bj. 1936-1941

 

Nach zwei Jahren wird der Trumpf Junior 1936 leicht verändert zum Trumpf Junior 1E und noch bis 1941 gebaut. Besonders gefragt ist das 1E-Cabriolet von Karmann. Dafür sorgen nicht zuletzt die harmonisch Linienführung des viersitzigen Zwei-Fenster-Cabriolets und die in ihrer Zeit auffallende Lackierung mit Metall-Effekt - eine Nitro-Metall-Glanzlackierung, die in nur einem Arbeitsgang aufgetragen wird. 3.500 Reichsmark kostet 1939 dieser Wagen.920 kg wiegt das Cabriolet, davon alleine das Fahrgestell mit Motor 600 kg. Etwa neun Liter Benzin verbraucht der Adler Trumpf Junior 1E auf 100 km/h. Auf der neuen deutschen Autobahn schnurrt der Adler mit maximal Tempo 90 km/h dahin. Erstaunlich, ist, wie viele dieser Trumpf Junior den Krieg überstanden haben. Das liegt unter anderem aber auch daran, dass die damalige Wehrmacht für Frontantriebler nicht viel übrig hatte. Weitere, jedoch nicht so elegant aussehende Cabriolets, fertigt Ambi-Budd seinerzeit in Berlin.

Adler Zweiliter (2EV) Vierfenster-Cabriolet, Bj. 1939

 

Mit einem neuen Zweilitermotor präsentiert Adler 1939 dieses Modell als Nachfolger des Adler Trumpf 1,7 EV. Wieder ist es das Unternehmen Karmann in Osnabrück, das sowohl die elegante Sechsfenster-Limousine mit vier Türen und von außen zugänglichem Kofferraum als auch ein Viersitzer-Vierfenster-Cabriolet und ein Zweisitzer-Cabriolet herstellt. Für dieses bekommt Karmann großen Beifall: Ein sehr elegantes Automobil, das nur 600 Reichsmark teurer als die Limousine ist. Das Cabriolet steht auf einem Kassten-Plattform-Rahmen; Fuß- und Handbremse wirken bei Seilzug auf die Trommelbremsen. 1939 wird das Zweisitzer-Cabriolet von Karmann durch ein ähnliches  Fahrzeug vom Frankfurter Karosseriebauer Dörr & Schreck ersetzt. Die Produktion des Adlers läuft bis 1940, bleibt aber seit Kriegsbeginn fast ausschließlich dem Export vorbehalten.

Adler Zweiliter (2EV) Limousine, Bj. 1939

 

Hier ist die von Karmann gefertigte Sechsfenster-Limousine zu sehen. Wie das Cabriolet besitzt sie einen Vierzylinder-Reihenmotor mit 1.910 ccm Hubraum und 45 PS. Das reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h. Die viertürige Limousine hat einen von außen zugänglichen Kofferraum. 1938 kostet sie 4.950 Reichsmark, während das Vierfenster-Cabriolet für 6.000 RM zu haben ist. Nach dem Krieg entwickelt Karmann auf der Basis des so erfolgreichen Junior eine zweitürige Limousine , die 1948 auf der Industriemesse in Hannover präsentiert wird. Die Serienfertigung soll bereits 1949 anlaufen. Doch dann verzichtet die Adler-Geschäftsleitung urplötzlich auf den Automobilbau, erhofft sich vom Einstieg in den Werkzeugbau bessere Geschäfte. Das erweist sich aber als eine Fehlentscheidung.

Ford Eifel Roadster, Bj. 1939

 

Auch Ford gehört schon vor dem Zweiten Weltkrieg zu den Kunden des Osnabrücker Karosseriebauers.  Auf Basis des erfolgreichen Ford Eifel, dem Nachfolger des Modellreihe Ford Köln, fertigt Karmann einen eleganten offenen Zweisitzer. Rund 800 Exemplare werden in Osnabrück gebaut; die Käufer sind besonders von der attraktiven Zweifarben-Lackierung begeistert. Stark gefragt sind die Kombinationen Rot/Schwarz und Schwarz/Elfenbein. Das Fahrwerk besteht aus einem Pressrahmen mit U-Profil. Vorne und hinten hat der Ford Eifel starre Achsen, der Wendekreis beträgt beträgt stolze zehn Meter. Kostet die zweitürige Limousine 1938/39 knapp 2.600 RM, so müssen für den Roadster 2.850 RM bezahlt werden. Der Ford Eifel Roadster wird zwischen 1937 und 1940 jedoch nicht nur bei Karmann in Osnabrück gebaut; vom Ford Eifel werden verschiedene Karosserieformen auch bei Stoewer (Stettin), Hebmüller (Barmen), Drauz (Heilbronn), Ambi-Budd (Berlin), Gläser (Dresden), Hornig & Co. (Meerane) oder Ihle (Bruchsal) produziert. Insgesamt entstehen zwischen 1935 und 1940 61.495 Ford Eifel, mehr als die Hälfte der gesamten Ford-Produktion in Köln seit 1933.

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