Nach dem Zweiten Weltkrieg liegt Europa unter Schutt und Asche. Auch die Wirtschaftsbetriebe sind überwiegend zerstört worden. Nach der Rückkehr von Wilhelm Karmann jun. aus der Kriegsgefangenschaft packen Vater und Sohn an und versuchen, ihre Firma wieder aufzubauen. Doch die alten Geschäftsbeziehungen zu aktivieren, ist nicht einfach. Die Adlerwerke in Frankfurt/Main sind stark beschädigt und die noch erhaltenen Anlagen sind von den Amerikanern beschlagnahmt worden und dürfen nicht benutzt werden. Ähnlich sieht es bei Hanomag aus, wo die Briten die Kontrolle haben. Doch bei Ford in Köln sieht die Situation besser aus. Ford fragt bei Karmann nach, ob man in Osnabrück 800 Pritschenaufbauten für LKW fertigen könne. Das notwendige Holz würde Ford liefern. Karmann sagt natürlich zu. Da Ford kein eigenes Presswerk hat und Büssing sein unbeschädigtes Werk in Elbing nicht mehr nutzen kann, stellt Karmann für beide Firmen Presswerkzeuge her.
1946 kommt der erste Auftrag von Hanomag. Die Hannoveraner lassen 1.000 Fahrerhäuser für ihre Straßenzugmaschine St. 20, für die Karmann bereits vor dem Krieg Aufbauten geliefert hatte, in Osnabrück bauen. 1946 kommt der erste Auftrag von Hanomag. Die Hannoveraner lassen 1.000 Fahrerhäuser für ihre Straßenzugmaschine St. 20, für die Karmann bereits vor dem Krieg Aufbauten geliefert hatte, in Osnabrück bauen. 1946 kommt es zu einer Auseinandersetzung mit den britischen Militärbehörden, die den beiden Karmanns die Leitung des Unternehmens entziehen. Nach sechs Monaten können Vater und Sohn Karmann jedoch wieder die Leitung ihres Unternehmens übernehmen. Sie holen nun auch Spezialisten der Berliner Ambi-Budd nach Osnabrück, ihrem größten Konkurrenten vor dem Krieg. Ambi-Budd liegt im Ostteil Berlins und die Sowjets lassen die Ambi-Budd-Werke demontieren.
Langsam geht es wieder aufwärts...
Hanomag-Straßenzugmaschine, Bj. 1949
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzt Wilhelm Karmann jede Chance, seine Firma zum Laufen und seine ehemaligen Mitarbeiter zu Lohn und Brot zu bringen. Nach dem Krieg werden zunächst weniger schicke Cabriolets gebaut, sondern Fahrzeuge wie diese Hanomag Zugmaschine. Bereits Anfang der dreißiger Jahre hat sich Karmann, um die Schwankungen beim Bau von Personenwagen aufzufangen, auch im Nutzfahrzeugsektor engagiert. Ein Erfahrungsschatz, der sich nach dem Krieg beim Bau der Straßenzugmaschine auf einem Hanomag-Fahrgestell auszahlt. Das Fahrzeug verfügt über einen 20 PS starken Dieselmotor, mit dem man eine Spitzengeschwindigkeit von ca. 20 km/h erreicht und insgesamt 12 Tonnen Zugkraft hat.
Auto Union
1932 entsteht die Auto-Union AG, um die im Land Sachsen ansässigen Automobilfabriken vor dem Zusammenbruch zu bewahren. In der Auto-Union AG fusionieren die bisherigen Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer. Da die Werke 1945 in der sowjetischen Besatzungszone entschädigungslos enteignet werden und man bei der Löschung der Auto-Union AG vergisst, sich die Markenrechte zu sichern, entwickelt sich ein bisheriges Zentraldepot in Ingolstadt zur Keimzelle einer neuen Auto Union, diesmal als GmbH und mit Unterstützung der bayerischen Landesregierung und des Marshallplans.
Bereits 1949 werden DKW-Motorräder und -Lieferwagen produziert und 1950 beginnt die Pkw-Produktion in einem ehemaligen Rüstungsbetrieb in Düsseldorf. Im Februar 1949 reist Dr. Richard Bruhn, ehemaliger Mitarbeiter der alten Auto Union AG und nun Mitbegründer der GmbH in Ingolstadt, nach Osnabrück und erläutert Vater und Sohn Karmann die Pläne der Auto Union GmbH zum Bau von Automobilen. Dabei ist auch der Firma Karmann eine Rolle zugedacht, da sie die neuen Cabriolets bis zur Fertigstellung des neuen Auto-Union-Werks in Düsseldorf bauen sollen. Doch die Produktion in Osnabrück wird bis 1956 andauern...
DKW Meisterklasse Cabriolet (F 89)
Bj. 1950
1950 stellt Auto Union die Limousine der DKW Meisterklasse (F 89) vor. Es ist der erste Pkw der neu gegründeten Auto Union GmbH in Westdeutschland. Die Karosserie der Limousine entspricht dem für 1940 geplanten DKW F 9. Im August des gleichen Jahres beginnt Karmann mit dem Bau des viersitzigen Cabriolets. Bis Ende 1952 werden über 5.000 Exemplare dieses Autos ausgeliefert, während Hebmüller in Wülfrath in kleinen Stückzahlen zweisitzige Cabriolets und Coupés fertigt. Das Meisterklasse-Cabriolet hat einen Zweizylinder-Zweitakt-Motor mit 684 ccm Hubraum und 23 PS, kostet 7.730 DM und ist damit rund 1.700 DM teurer als die Limousine. Die Limousinen laufen in dem von Rheinmetall-Borsig übernommenen ehemaligen Rüstungswerk II in Düsseldorf-Derendorf vom Band, nachdem die Auto Union ihre in der sowjetischen Besatzungszone gelegenen Produktionsanlagen verloren hat. Im Oktober 1951 folgt mit dem F 89 U "Universal" ein Kombi. Bis zum Produktionsende 1954 werden daneben insgesamt 59.475 Limousinen und 6.415 Kombis gebaut. Mit der Technik des F 89 entsteht auch der Lieferwagen F 89 L ("Schnelllaster").
Volkswagen
Ursprünglich heißt er "Kraft durch Freude"-Wagen und soll nach den Plänen des Deutschen Reiches für die Volksmobilisierung der Deutschen sorgen. Die potentiellen Käufer können für den Wagen sparen und ihn dann für 990 Reichsmark erwerben. So heißt es offiziell. 1938/39 wird eigens für den Wagen ein Werk bei Fallersleben errichtet. Doch aus dem preiswerten Automobil für das Volk wird nichts, da das Nazi-Regime stattdessen einen brutalen Vernichtungskrieg gegen seine Nachbarländer beginnt und es ausschließlich eine militärische Mobilität gibt. Statt Limousinen werden auf Basis des "KdF-Wagens" nun Kübel- und Schwimmwagen gebaut.
Nach dem Krieg soll das stark zerstörte KdF-Werk verkauft werden, doch weder Henry Ford II, der im "KdF-Wagen" eine Fehlkonstruktion sieht, noch die britische Automobilindustrie können sich vorstellen, dass dieser komische Wagen eine Zukunft habe. Sie sollen sich irren. Bereits 1945 nimmt das Werk unter der britischen Militärregierung seine Tätigkeit eingeschränkt wieder auf, Fahrzeuge werden instand gesetzt. Aber auch die Aufnahme der Produktion des "KdF-Wagens", nun Volkswagen genannt, beginnt. Im ersten Jahr werden fast 2.000 Fahrzeuge in Hand gebaut, 1946 sind es bereits 10.000. Die ersten 20.000 Nachkriegs-VW erhalten jedoch nur die Behörden der Alliierten.
Im Januar 1948 übergibt die Militärregierung die Werksleitung an Heinrich Nordhoff, einem ehemaligen Opel-Manager. Das Land Niedersachsen übernimmt die Aufsicht. Die zivile Produktion einer einzigartigen Erfolgsgeschichte in der Automobilindustrie beginnt, an der auch der Osnabrücker Karosseriebauer Karmann beteiligt ist.
Volkswagen Typ 15 Cabriolet Hebmüller
Bj. 1950
Die Karosseriewerke Joseph Hebmüller entstehen - wie auch Karmann - nach der Übernahme eines Kutschenbauers in Barmen (Wuppertal). Doch erst seine Söhne intensivieren nach dem Tod ihres Vaters die Herstellung von Automobil-Karosserien. Dabei sind sie so erfolgreich, dass sie 1924 in Wülfrath das Werk II und 1936 das Werk III eröffnen. Wülfrath wird Hauptproduktionsstätte und zu den Kunden gehören Großserienhersteller wie Ford und Opel. Nach dem Krieg kommt es dann neben Borgward und der Auto Union (DKW) auch zur Zusammenarbeit mit Volkswagen. Wie Karmann in Osnabrück erhält auch der Karosseriebauer aus Wülfrath von VW einen Auftrag über 2.000 Fahrzeuge. Nach dem Brand im Mai 1952 bricht die Produktion zusammen und so entstehen nur 696 Exemplare des heute begehrten Zweisitzer-Cabrios. Aus den Restbeständen werden bei Karmann noch 12 der offenen 2+2-Sitzer gebaut. Neben den eleganten Cabrios baut Hebmüller auch offene viersitzige Polizei-Einsatzfahrzeuge auf Käfer-Basis. Im Mai 1952 muss Hebmüller infolge des Brandes die Produktion einstellen und einen Vergleich beantragen.
Hanomag Partner Prototyp, Bj. 1951
Aus dem Jahr 1950 stammt der Hanomag Partner. Hanomag ist bereits vor dem Krieg ein wichtiger Kunde Karmanns. So wurde in Osnabrück z.B. der Hanomag Garant in verschiedenen Karosserie-Varianten gefertigt. Mit dem Partner will Hanomag in der Nachkriegszeit auf dem Pkw-Markt wieder Fuß fassen, doch das Echo zum Nachfolger des Vorkriegsmodells 1,3 Liter bei Presse und Besuchern auf der Frankfurter IAA ist geteilt. Daraufhin stoppt Hanomag das Projekt. Bis auf das in der Sammlung von Volkswagen Osnabrück ausgestellte Fahrzeug werden alle anderen zehn Vorserienfahrzeuge verschrottet. Der Wagen hat einen Dreizylinder-Zweitaktmotor mit 697 ccm und 28 PS Leistung. Vorne können drei Personen nebeneinander sitzen, dahinter ist Platz für den noch kleinen Nachwuchs. Alle vier Räder sind einzeln an Schwingmetall-Gummidrehfederkörpern aufgehängt, die vorderen an doppelten Querlenkern, die hinteren an Längslenkern.
Volkswagen Typ 15 Cabriolet Karmann
Bj. 1952
Bereits 1949 präsentiert Volkswagen das von Karmann entwickelte Typ 1 1200 Cabriolet. Das viersitzige Cabrio wird von Karmann in Eigenregie entwickelt und VW-Chef Heinrich Nordhoff gezeigt. Wilhelm Karmann sen. hat dazu 1948 einen Käfer gekauft und umbauen lassen. Nordhoff kann von einer Serienfertigung überzeugt werden und Karmann erhält einen Auftrag über den Bau von zunächst 1.000 Exemplaren (Typ 15). Von 1949 bis 1953 wird das Käfer-Cabrio mit einem 1100er Boxermotor (25 PS) ausgeliefert, ab 1954 hat der Motor 1200 ccm und 30 PS. 7500 DM kostet das Cabrio zu Beginn und ist damit 2.700 Mark teurer als die Limousine. Die Vision von Wilhelm Karmann und die mutige Entscheidung von Heinrich Nordhoff legen den Grundstein für einen überwältigenden Erfolg. Werden 1951 in Osnabrück knapp 4.000 Käfer-Cabriolets gebaut, so sind es 1959 bereits 11.000 Exemplare. Im letzten Baujahr 1979 rollen 20.000 Stück vom Band. Das bei Karmann gebaute Cabriolet wird zur Legende und bis 1980 insgesamt 330.281 mal gebaut. Ein Weltrekord: Nie zuvor hat ein Unternehmen so viele Cabriolets eines Typs hergestellt.
DKW Sonderklasse Cabriolet (F 91)
Bj. 1953
Das rote Modell ist ein DKW Sonderklasse (F 91) Luxuscabrio aus dem Jahr 1953. Im Gegensatz zum Vorgänger wird der F 91 nun von einem Dreizylindermotor mit 896 ccm Hubraum und 34 PS angetrieben. Das Fahrzeug entspricht dem für 1940 geplanten Modell. Das zwei- und viersitzige Luxuscabrio von Karmann mit Lenkradschaltung und exklusiver Innenausstattung gehört schnell zu den Lieblingsautos der Deutschen und ist die Fortschreibung der Meisterklasse-Cabriolets, besitzt nun jedoch ein voll versenkbares Verdeck. Von 1953 bis 1955 baut Karmann 1.550 Exemplare für die Auto Union GmbH, die als Viersitzer 7.800 DM und als Zweisitzer 8.800 DM kosten. Zwischen März 1953 und September 1955 werden in Düsseldorf 57.407 Limousinen und Coupés gebaut, dazu kommen 15.193 Universal-Kombis, die bis 1957 produziert werden.
Ford Taunus 15 M Kastenwagen, Bj. 1955
Die Planung für den Ford 12 M ("Weltkugel") beginnt 1949, ein Jahr nach der Wiederaufnahme der Nachkriegsproduktion bei Ford in Köln. Vorbild für den Wagen ist der amerikanische Studebaker Champion, den die Kölner Konstruktionsabteilung an deutsche Verhältnisse anpasst. Statt eines Propellers auf der Haube des Studebaker wählen die Kölner eine Weltkugel vorne. 1951 bekommt Karmann den Auftrag, eine Musterkarosserie für eine Kombiversion auf Basis des 12 M zu realisieren. Der Entwurf gefällt den Verantwortlichen von Ford und von 1952 bis 1955 laufen in Osnabrück insgesamt 12.235 Kombi- und Kastenwagen des 12 M und später auch des 15 M vom Band. Zusätzlich entwickelt und baut Karmann auch die für die Serienfertigung aufwendigen Werkzeuge und Vorrichtungen. Das Exemplar aus der Sammlung verfügt über einen 1,5-Liter-Motor mit 55 PS und rollt im Frühjahr 1955 vom Fließband.
Karmann Ghia Cabriolet, Bj. 1958
Das 1958er Typ 14 Cabrio ist das älteste Karmann Ghia Cabriolet in der Osnabrücker Sammlung. Es besitzt noch die kleinen "Nasenlöcher" vorne und hinten die kleinen roten Rücklichter, die noch nahe am Prototypen sind. Da Karmann aus dieser Zeit kein Karmann Ghia Cabriolet besaß, wurde dieses Fahrzeug aus Privatbesitz erworben.
Karmann Jolly, Bj. 1960
Ohne Türen und dazu mit einem leichten Stoffdach und Korbsitzen versehen, soll der "Jolly" ein Freizeitmobil sein, das die neue Urlaubslust der Deutschen und den Wunsch nach Mobilität miteinander verbindet. Die ursprüngliche Idee stammt jedoch von Fiat, die bereits 1957 auf Basis des Fiat 500 ein ähnliches, luftiges Spaßfahrzeug von der Carozzeria Ghia entwerfen ließen und in einer kleinen Serie bauten. Auch das Design des "Jolly" stammt von Ghia, gebaut wird das Einzelstück jedoch bei Karmann in Osnabrück. Zu der von Volkswagen geplanten Serienfertigung kommt es jedoch nicht.