Wilhelm Karmann jun. hat von seinem Vater, dem Unternehmensgründer, viel gelernt. Wie der Senior besitzt auch der Sohn eine feine Nase für die Zeichen der Zeit, visionäre Kraft und Mut. Er träumt Anfang der 1950-er Jahre von einem "schnittigen Volkswagen" auf Basis des VW Käfer und ist von seiner Idee so fest überzeugt, dass er im Frühjahr 1953 - ohne den Wolfsburger VW-Vorstand zu informieren - mit Luigi Segre Kontakt aufnimmt. Der Inhaber der noblen Turiner Karosserieschmiede Carozzeria Ghia S.p.A. bekommt von Wilhelm Karmann jun. den Auftrag, dessen Volkssportwagen zu zeichnen. Schon im Oktober 1953 kann Karmann den von Segre auf den Käfer-Plattformrahmen gestellten Prototyp in einer Garage im noblen Pariser Neuilly anlässlich des Pariser Automobil-Salons besichtigen. Das hinreißend schöne Coupé - noch ohne Nasenlöcher" und mit edlem Leder ausgestattet - kann auf Anhieb überzeugen. Gezeigt wird es aber noch nicht in Paris der Öffentlichkeit, denn zunächst muss man den Volkswagen-Generaldirektor Nordhoff überzeugen. Der hat sich bislang gegen einen solchen Sportwagen - wie er z. B. von Rometsch, Drews oder Dannenhauer & Stauss gefertigt wird - gesperrt und die Unterstützung verweigert.
Am 16. November 1953 ist es dann soweit, das Coupé wird in Osnabrück einer Delegation von Volkswagen präsentiert. Auch hier begeistert der Karmann Ghia auf Anhieb und Nordhoff erteilt den Auftrag zur Produktion. Dieses hier gezeigte Coupé ist der Prototyp, der am 14. Juli 1955 im Casinohotel in Georgsmarienhütte der Presse vorgestellt wird. Es wird der Grundstein für einen Welterfolg, besticht durch seine klare Linienführung und trägt als einziges der vielen von Karmann gebauten Fahrzeuge auch den Namen des Osnabrücker Karosseriebauers.
Der 1953er Prototyp weist noch zahlreiche Details aus, die beim späteren Serienmodell nicht mehr vorhanden sind. Dazu zählt neben der bereits genannten Lederausstattung auch die fehlende B-Säule. Beim Prototypen liegen die Scheiben leicht übereinander. Die typischen Nasenlöcher vorne fehlen noch, sind hinten im Heck platziert und es gibt zahlreiche Lüftungsschlitze in der Heckklappe. Auch das Armaturenbrett wird noch verändert. Dabei verschwindet das großzügig dimensionierte Ghia-Logo zwischen Drehzahlmesser und Tacho. Ein Handschuhfach ist auch noch nicht vorgesehen.